Sunday, February 14, 2016

Kei + Colin LXVII: Der Weg des Kriegers


* Gomen (ne) = (Jap.) Entschuldigung


Kei schlief die ganze Nacht durch und murmelte zwischendurch Unverständliches. Er bewegte sich kaum, außer um sich mal ein wenig zu drehen, allerdings nie so weit, dass er Akira hätte loslassen müssen. Er wurde erst am nächsten Morgen wieder wach - oder eher am frühen Vormittag - tat aber als schliefe er noch, um Akira nicht zu wecken, als sich langsam aber sicher Hunger in seinen Eingeweiden breitmachte.
Als Akira aufwachte und zum Fenster hinblinzelte, galt sein erster, siedendheißer Gedanke seinem Terminkalender. Glücklicherweise war dieser Vormittag wegen des Konzerts am vorigen Abend freigehalten worden. Mit einem schläfrigen Schmunzeln streckte er sich ein bisschen und drehte sich auf den Rücken, um Kei anzusehen.
Kei, der schon eine kleine Weile wach war, blieb liegen wie er war, nahm aber zur Kenntnis, dass sein Freund aufgewacht war. Er hatte einen sehr zufriedenen Ausdruck im Gesicht als er langsam die Augen öffnete.
Akira rieb sich die Augen und legte dann mit einem Grinsen ein Bein um Kei, um sich auf ihn zu knien. Dabei griff er nach dem Telefon und legte es vor sich auf Keis Bauch. Der Vampir schaute ihn an.
„Was soll ich damit?“
„Nur stillhalten, sonst gar nichts,“ sagte Akira leise, aber nicht mehr heiser, als er den Hörer abnahm und eine kurze Nummer von dem kleinen Schildchen über der Tastatur eintippte. Er rutschte ein bisschen herum. ... Um es sich gemütlicher zu machen. Wie sein süffisantes Lächeln verriet.
Das tat Kei sogar. Also stillhalten.
„Bist du zu schwach um das selbst zu halten?“ Grinsend schaute er Akira beim Tippen zu und wartete bei dem Versuch zu ignorieren, wie Akira sich auf ihm bewegte.
Akiras Hand legte sich auf Keis Mund, während er auf Englisch fragte, ob es noch Frühstück gebe, und kurz darauf etwas zum Zimmer bestellte. Kei hielt die Fresse und biss dem Kleineren einfach in die Hand, was aber nicht besonders fest ausfiel.
Akira bedankte sich brav und legte auf.
Kei legte das Telefon beiseite und küsste Akira.
Der konnte sich ein kleines Lachen nicht verkneifen, während er den Kuss erwiderte und Kei dabei ein klein wenig auf die Lippe biss.
Der Vampir biss zurück und brachte Akira damit zum Bluten. Das erinnerte ihn daran, was sein Körper beim Aufwachen angemeldet hatte. Blut. Viel davon. Gleich...
Ein leichtes Protestseufzen, das aber kaum Ärger ausdrückte, und Akira flüsterte: „Trink von mir.“
Langsam vermutete Kei, dass sein Freund Gedanken lesen konnte. Aber das war egal. Mit leichtem Lächeln, in etwa so als gäbe man einem hungrigen Kind sein Lieblingsessen, vergrub der Vampir seine Zähne in Akiras Halsbeuge und labte sich an dessen Blut.
Der erste Schmerz machte schnell dem warmen Rausch Platz, den Akira monatelang vermisst hatte. Er packte die Haare an Keis Hinterkopf und schloss behaglich die Augen.
Der Vampir ließ sich Zeit, eine Menge an Blut aus seinem Freund zu saugen, die ihn nicht zum Zusammenbrechen bringen würde. Wenig war es jedoch nicht.
Sobald ihm schwindlig wurde, packte Akira Keis Schulter etwas fester. Er würde ihn nicht darum bitten, aufzuhören. Sterben konnte er immerhin nicht - vermutete er.
Irgendwann hob Kei den Kopf und sah seinen Freund mit zufrieden gesättigtem Gesichtsausdruck an. Dass er etwas mehr Blut aus Akiras Kreislauf gezogen hatte, als er vorgehabt hatte, war ihm zum Großteil egal. Immerhin war der Kleinere sowas wie untot. Da konnte nicht viel passieren.
Akiras Gesicht lag auf Keis Schulter und er atmete vorsichtig aus. Wenn er die Augen jetzt öffnete, würde er umfallen, oder sich so vorkommen. Die Wunde in seinem Hals schloss sich allmählich.
Kei nahm ihn in den Arm und hielt ihn fest.
He's become so considerate... dümpelte es Akira durch den Kopf.
Was Schwachsinn war, denn immerhin hatte er ihn gerade fast leergetrunken, aber so etwas war normal und fiel Akira darum gar nicht erst auf.
Kei ließ Akira bald los und legte ihn aufs Bett, sich daneben. Sein Handy fing an zu plärren.
Akira lachte kurz und quiekte: „Kageyama-san, wo sind Sie? Wenn Sie nicht in zehn Minuten hier sind, muss ich Sie feuern!“
Kei prustete beinahe los und angelte das Smartphone aus seiner Hosentasche.
„Das wäre mal was ohne feste Arbeit,“ sagte er grinsend. Er hatte keinen Schimmer, wer das sein konnte, nahm aber trotzdem ab. Es war ein Typ, der nicht sagen wollte, wer er war und lediglich einen Auftrag zu vergeben hatte. Kei schrieb sich den Namen des Betreffenden auf und verabschiedete sich als alles geklärt war.
„Uh, dein nächster Kunde? Ich hätte nie gedacht, dass du unter die Callboys gehst,“ sagte Akira, nachdem er neugierig auf die Notiz gespinxt hatte.
Kei lachte. „Ja, wobei ich die Leute lieber umlege. Das macht denen weniger Spaß als mir.“
„Mich legst du auch um. Und ich habe den leisen Verdacht, dass dir das mehr Spaß macht als mir,“ bot Akira mit einem sehr unschuldigen Blick an.
Kei grinste. „Das glaube ich nicht.“ Er war sich ziemlich sicher, dass Akira sehr viel Spaß an dieser Variante von Umlegen hatte. „Der Typ hier,“ er zeigte auf seine Notiz, „soll in drei Tagen tot und am besten unauffindbar sein.“
Nach einer kurzen Pause, in der Akira entschied, ob er schockiert sein wollte, zuckte er mit den Schultern und machte dazu das passende gleichgültige Gesicht.
„Klingt immer noch nach nichts anderem als was du mit mir machst.“
Jetzt lachte Kei. „Ich hab dich nie erschossen.“
Akira legte den Kopf schief und blickte skeptisch zur Seite.
„... Nja... stimmt.“
„Siehst du? Nicht das gleiche.“ Kei legte sein Handy wieder weg.
„Na gut. Dafür bezahlt dich ja auch niemand.“ Er zuckte wieder mit den Schultern und rutschte zum Fußende des Bettes. Kei setzte sich auf und beobachtete Akira ein bisschen. Der kletterte aus dem hohen, weichen Bett und ging ungeniert nackig zu der Tür, hinter der er das Badezimmer vermutete, wobei er es meisterlich vermied, wie ein Betrunkener zu wanken, obwohl er sich sehr danach fühlte.
Kei setzte sich an den Bettrand. Akiras geordertes Frühstück musste jeden Moment da sein. Der Vampir saß unbekleidet auf der Decke und entschied sich dazu seinem Freund ins Bad zu folgen. Die Duschkabine von bescheidener Größe hatte eine klare, völlig durchsichtige Plastikschiebetür. Hinter ihr stand Akira und hielt die Hände unter das Wasser, das anscheinend noch nicht die richtige Temperatur hatte. Kei betrachtete die Rückansicht seines Freundes kurz, ehe er ihn von hinten umarmte.
„Noch nicht warm genug?“
„Heh... egal, mir wird gerade auch so warm.“
Der Vampir grinste ein wenig als er Akira kurz an sich drückte und ihm leicht ins Ohr biss. Der strahlte bloß doof und stellte sich unter das Wasser. Auf einer kleinen Ablage aus Metall standen kleine Fläschchen. Akira nahm sie an sich, las die Aufschriften und stellte zwei wieder zurück. Kei ließ ihn nicht wirklich los und stellte sich einfach mit unter den warmen Wasserstrahl. Dass er das letzte Mal die Temperatur seines Duschwassers gespürt hatte, war eine ganze Weile her.
Der Inhalt der kleinen Shampooflasche füllte Akiras hohle Hand halb aus. Die bot er Kei an.
„Ich weiß, dass hier drin nicht viel Platz ist, aber so eng ist es nicht.“ Er schmunzelte.
Kei schmunzelte ebenfalls, als er Akira um einen Teil des Shampoos erleichterte. Mittlerweile hatte er seinen Freund losgelassen. „Nicht?“
„Nein,“ sagte Akira, als informiere er seinen Freund tatsächlich über etwas neues. Er stellte die leere Flasche zurück und rubbelte sich die Haare ein. Kei tat es ihm gleich, ließ ihm dabei aber mehr Platz und grinste ein bisschen in sich hinein.
Als Akira fertig war, lehnte er sich ein bisschen in die Ecke, um Kei mehr Platz unter dem Wasser zu lassen. Außerdem waren die kühlen Fliesen eine Wohltat auf seiner Stirn.
Kei genoss das warme Wasser sichtlich und ließ sich Zeit damit, seine Haare und sich zu säubern.
Plötzlich fiel Akira etwas ein.
„Wo bist du eigentlich gewesen? Wo bist du jetzt hergekommen?“ Kei hatte erwähnt, dass er sich eine Wohnung suchen müsse. Also konnte er sich nicht länger in La Paz aufgehalten haben.
„Ich hab mir mit Drogengangs die Zeit vertrieben, aber die wurden sauer und wollten mich umbringen. Ich bin angehauen und bei einem Mann namens Jack untergekommen, von da hab ich ein bisschen Geld verdient,“ erzählte Kei.
„...Und dieser Jack, wo wohnt der?“ fragte Akira die Wand.
„Nahe der Grenze zu Chile,“ sagte Kei, der den Namen von Jacks Heimatstadt nicht aussprechen konnte. Das war auch egal, es war nicht so weit weg, dass es unmöglich war, hier herzukommen und er wusste den Weg.
„Und jetzt willst du hierbleiben?“ Akira drehte sich um.
„Ja.“ Keis produzierter Schaum war blau, als er an ihm herunterlief.
„Weiß dieser Jack das?“
„Ja,“ Kei hatte mal erwähnt, dass er bei seinem Freund bleiben würde, sofern er diesen denn wiederfände.
Ohne bestimmten Ausdruck nahm Akira Keis Gesicht in die Hände und küsste ihn sanft.
Der Vampir nutze das aus um Akira mit blauem Schaum zu dekorieren und erwiderte den Kuss.
Noch immer an dem anderen Mund hängend öffnete Akira die Tür und stieg auf die Matte. Wenn er noch eine Sekunde länger so dicht vor Kei stehengeblieben wäre, wäre noch etwas passiert, und mit dem bestellten Zimmerservice bestand dabei die Gefahr, eine ähnliche Szene wie letzte Nacht zu erleben. Das wollte er vermeiden.
Kei hielt ihn noch kurz fest, blieb aber unter dem warmen Wasser stehen, weil seine Haare noch nicht schaumfrei waren. Mit einem Schmunzeln zog Akira sich los und nahm sich ein Handtuch. Just in dem Moment klopfte es an der Tür.
„Good morning! Room service!“
Noch nass auf dem Weg zur Tür band Akira sich das Handtuch um die Hüfte. Kei duschte noch friedlich weiter und verließ die Dusche erst ein paar Minuten später.
Da saß Akira im Schneidersitz auf dem Bett, mittlerweile mit handtuchtrockenen Haaren aber dem Handtuch wieder umgebunden, und trank Orangensaft. Er lächelte etwas ungläubig.
„Das war der Typ von gestern. Der wollte tatsächlich ein Autogramm von mir.“ Er klang sehr überrascht. Kei lachte beinahe.
„Hat er eins bekommen?“ fragte er, während er sich im Handtuch aufs Bett fallen ließ.
„Klar.“ Akira nahm einen Streifen Bratspeck vom Teller und hielt ihn Kei hin. Der nahm ihn dankend an und ehe man sich versah, war der Streifen auch schon weg. Kei hatte lange nichts meschenverständlich Essbares mehr gegessen. Das war eine willkommene Abwechslung, auch wenn die für ihn überhaupt keinen Nährwert hatte.
„Dieses Zimmer hast du noch bis morgen früh.“ Akira nahm sich ein Stück Obst und kaute nachdenklich darauf herum, schien aber nicht besonders viel daran zu finden.
„Ja und dann bin ich zwei Tage weg und komm dann wieder,“ sagte Kei leise. Akira sah ihn an.
„Jack oder der Kunde?“
„Jack, Sachen holen.“ Kei lächelte ein kleines bisschen.
„... Darf ich heute abend herkommen?“ Akira schaute in sein Saftglas.
„Klar.“ Erwiderte Kei und dachte kurz nach.

Mit seinen nicht gerade vielen Sachen, es war nicht mehr geworden seit er bei Jack untergekommen war, und seinem Schwert auf dem Rücken machte Kei sich auf den Weg zu der Adresse, die Akira ihm aufgeschrieben hatte. Hin und wieder schaute er auf sein ziemlich neues Handy, das fast immer lautlos lief. Nichts. Seit Akira sich verabschiedet hatte, das war am frühen Vormittag des Vortages gewesen, als er auschecken musste, hatte Kei nichts mehr von seinem Freund gehört.
Jetzt war es Abend und Kei fast an der Adresse angekommen, dem Wohnheim der Plattenfirma, wo Akira wohnte. Es wunderte den Vampir eigentlich nicht, bisher nichts von ihm gehört zu haben, aber die Tatsache, dass Akira sich gar nicht meldete, obwohl sie sich verabredet hatten und Kei spät dran war, machte ihn ein wenig stutzig.
‚Bin gleich da‘ schrieb er dem Jüngeren als er um die Ecke bog, in die Straße in der sein Zielort lag.
Er bekam keine Antwort.
Das Wohnheim war ein richtiges Anwesen, wenn auch ein eher bescheidenes und funktionales, das inmitten eines eigenen großen Gartens lag und durch eine Mauer, dichte Hecken und ein großes Eisentor von der Öffentlichkeit abgeschirmt war. Hinter dem Tor führte eine breite Auffahrt zu ein paar Garagen und dem großen Vordereingang.
Auf der beleuchteten Klingeltafel mit Sprechanlage gab es nur wenige Knöpfe, und nur drei waren beschriftet. Der, neben dem das Logo der Plattenfirma prangte, war nicht drückbar, neben dem darunter stand ‚Visitors / Reception‘, und neben dem alleruntersten stand ‚Deliveries / Correo / Suministradores‘.
An einem der Mauerpfeiler neben dem Tor hing unauffällig eine Kamera.
Auf der anderen Straßenseite - die ein ganzes Stück weit entfernt war - standen ein paar Vans mit ‚News‘- und ‚Tele‘-Aufschriften, aus deren Fahrerfenstern gelangweilte Männer hingen und rauchten, schliefen oder sich unterhielten. Ein Mann ging im Schatten umher und trug seine Kamera auf der Schulter.
Kei, mit Lederjacke und Kapuze im Gesicht, ging zielstrebig auf das Tor zu, nachdem er von Akira keine Antwort bekommen hatte. Diesmal trug er keine Sonnenbrille. Nachdem er sich die Klingelschilder angesehen hatte, drückte er neben ‚Visitors / Reception‘ den Knopf und wartete. Die Menschen vom Fernsehen beachtete er gar nicht.
Die Sprechanlage knackte und fragte ihn etwas auf Spanisch.
Kei verdrehte nur die Augen. „Sorry?“ Er verstand kein Wort.
Die Sprechanlage machte eine Pause.
„... Can I help you?“ fragte die rauhe Stimme.
„Yeah, I wanted to meet Angel... Is he there?“ fragte Kei ruhig.
Die Sprechanlage knackte wieder und ging aus. Nach ein paar Sekunden ging sie wieder an und die Stimme ertönte wieder und raunzte etwas auf Spanisch, bevor sie gereizt auf Englisch weitersprach: „If you people keep this up we will have you removed!“ Dann knisterte es in der Leitung und die Anlage war aus.
Kei seufzte genervt. „I am none of the news people. My name is Kageyama, Kaito.“ Er war noch immer ruhig, aber hörbar genervt.
Er bekam keine Antwort.
Der Vampir klingelte einfach nochmal.
Keine Reaktion.
„Fuck you, too. Motherfucker,“ gab Kei von sich und trat wütend gegen das Eisentor, das daraufhin ein Stück nachgab. Auch das rief abgesehen vom Quietschen der Scharniere und des sich verbiegenden Eisens keine Reaktion hervor. Nun ja, und abgesehen von den Leuten auf der anderen Straßenseite, die nun insgesamt etwas wacher erschienen. Kei ließ einiges an Beleidigungen vom Stapel, trat die Tür aber vorerst nicht ganz ein.
„Look at your damn camera, bitch...“ sagte er sauer, während er sich vom Gebäude entfernte. Ein paar der Fernsehmenschen hatten sich im Hintergrund leise unterhalten, und nun löste sich einer von ihnen aus der Gruppe und joggte zu Kei, um ihn einzuholen. Kei drehte sich um und sah ihn an.
„What the fuck do you want?“
Der Mann hielt überrascht inne, schien aber nicht besonders eingeschüchtert zu sein. Er hob beschwichtigend die Hände und fragte mit dickem Akzent: „You look for Angel?“ Er wartete auch nicht auf eine Antwort, ehe er weiterfragte: „Are you Angel's friend?“
„Why the fuck do you care?“ Kei traute Medienmenschen nicht. Er traute generell Menschen kaum bis gar nicht. Gar nicht überwog.
„Everybody look for Angel,“ eröffnete ihm der Mann mit ausgebreiteten Armen, skandalgeil geweiteten Augen und konspirativ gesenkter Stimme. „He's kidnapped!“
Kei wurde hellhörig. „What else do you know?“ Er wusste nicht, ob er dem Typen glauben konnte, oder sollte, aber wenn er was wusste, war es gut das auch zu wissen.
„He went missing yesterday. Today they said they got a demand for ransom,“ erklärte der Mann schulterzuckend. „They don't release anything else.“
„You know who got him?“
„They won't say,“ bedauerte der Mann kopfschüttelnd. „If you're a friend they may talk to you - or we can talk,“ schlug er vor.
„I don't know anything. I gotta talk to them.“ Kei schlenderte zum Gebäude zurück und ließ den Nachrichtenmann einfach mal stehen, um sich einen Weg auf das Grundstück zu suchen. Der blieb noch eine Weile unschlüssig stehen, bis seine Entscheidung darauf fiel, zu seinen Kollegen zurückzulaufen. Das tat er wieder joggenderweise, und kurz darauf waren einige Kameras auf Kei gerichtet.
Kei drehte sich um. „Shut those down or you don't have them for long.“ sagte Kei dunkel und ging auf die Männer zu. Sie machten ein paar Schritte rückwärts und entfernten sich dabei auch voneinander, hielten die Kameras aber weiter auf Kei gerichtet.
Da klingelte sein Telefon.
Kei ging dran und meldete sich auf Japanisch.
Er hörte Rumpeln, Rauschen, und gedämpfte Worte auf Spanisch. Die wurden nach einem Rascheln etwas lauter, dann lachte jemand nervös und es wurde aufgelegt.
Kei verstand nichts und steckte das Telefon wieder weg, aber auch so wusste er wer das war. Auf der Anzeige hatte ‚Akira‘ gestanden.
Er ging wieder auf die Männer zu, zog eine Pistole und schoss gezielt die Kameras so kaputt, dass sie unbrauchbar waren.
„I said shut them down...“ sagte er ruhig.
Die Männer ließen sich in die Hocke fallen oder duckten sich weg, aber keiner ließ seine Schulterkamera gehen, die nach dem Angriff allesamt besorgt untersucht wurden. In der allgemeinen Unruhe und Panik stand hinter einem Van jemand dicht an die Schiebetür gedrückt und sprach leise und drängend in ein Handy. Kei machte sich nichts draus sie alle niederzuschießen und wandte sich wieder dem Tor hinter sich zu. Während er die Pistole wieder wegsteckte, rechnete er sich den besten Weg aus. Mit einem gezielten Schlag und einem improvisierten Hochsprung, bei dem er darauf achtete, dass das Schwert auf seinem Rücken nicht angekratzt wurde, verschaffte er sich endlich Zutritt zu dem Gelände und lief eilig und geduckt um eine Ecke des Hauses zu einem Fenster, das sich leicht würde öffnen lassen.
Drinnen lehnte er das Fenster wieder an und machte sich leise auf die Suche nach dem Büro.
In einem der paar Arbeitszimmer, die er im Erdgeschoss fand, saß eine junge braune Frau mit einem sehr langen, dicken schwarzen Zopf auf einem Schreibtisch, hinter dem Akiras Manager vornübergebeugt saß. Sein Gesicht, das eben noch in seinen Händen vergraben gewesen war, glotzte nun Kei entgeistert an.
„You did not want to let me in so I did that myself,“ sagte Kei trocken und fügte hinzu: „Where's Angel?“
Der Mann stand auf. Dabei musste er sich auf den Tisch stützen. Er sah sehr, sehr müde aus. Die junge Frau musterte Kei interessiert mit ihren schwarzen Augen.
„We don't know. They have his cellphone, but we have to wait for another call from them that's long enough for the police to triangulate their position... or a call to another cellphone, then with GPS... but that won't happen.“ Er rieb sich über das Gesicht.
„They called me. But I didn't understand them. You know who got him?“ Kei lehnte sich an die Wand neben der er stand. Sie schüttelten beide erschöpft die Köpfe.
„Give me the cell,“ sagte die Frau und hielt eine Hand auf.
„FUCK!“ Kei schlug wütend in die Wand... und hinterließ eine bröckelnde Delle darin. „What do you want with it? They called from his phone.“
Bei Keis Ausbruch zuckten beide entsetzt zusammen, doch der Herr Manager besaß die Geistesgegenwart, ein Kabel von der Tischplatte hochzuheben, das in einem alten Laptop steckte, und zu erklären: „They gave us this in case we were called - he has our numbers - then we have to plug this in... how did that go again?“
„Let me,“ sagte die Frau und rutschte vom Tisch, nahm das Kabel und hielt Kei wieder ihre Hand für das Telefon entgegen. Der übergab es ihr tatsächlich und wartete mit unfreundlichem Gesichtsausdruck. Sie stöpselte das Kabel ein und ging um den Tisch herum, um abwechselnd konzentriert am Handy und am Computer herumzuspielen. Zwischendurch machte sie ein paar verärgerte Zischgeräusche, so als ob sie sich gerade den Ellenbogen gestoßen hätte, und schüttelte den Kopf.
„I think it only works during calls, not after,“ sagte sie und sah auf.
Da klingelte das Telefon wieder.
Kei nahm es ihr sehr schnell ab und ging dran.
„English, fucker,“ sagte er genervt.
Es war wieder nur Rauschen und Rumpeln zu hören, und dieselben gedämpften Stimmen wie zuvor. Diesmal aber lachte niemand, es wurde nur scharf geflucht und dann aufgelegt.
„Fuck you!“ fluchte Kei und vergrößerte sein Loch in der Wand.
„Ha! Got them!“ rief die Frau aus, noch während der Manager frustriert aufstöhnte.
„Where are they?!“
Sie winkte ihn heran und schaltete den Drucker an, den sie daraufhin sofort aus dem Desktop-PC ausstöpselte um ihn in den Laptop zu stecken. Kei ging zu ihr und schaute auf den Bildschirm. Da war ein unsauberes Satellitenbild voller Grün zu sehen. In den Ecken des Bildes standen Zahlen und ungefähr in der Mitte Koordinaten. Schräg durch das Bild führte eine krakelige hellbraune Linie, auf der neben der langen Zahlenkombination ein kleines weißes Rechteck prangte. Als der Drucker angeschlossen war, ließ sie das Bild ausdrucken. Der Manager stand nutzlos daneben und guckte auch auf den Bildschirm. Die Frau griff nach einer Straßenkarte, die schon auf dem Schreibtisch bereitlag, und verglich das Bild mit ihr.
„Die Adresse,“ forderte Kei ungeduldig. Sie sah ihn verständnislos an. „Was?“
„I'm sorry, I don't know what you said,“ sagte sie, dann: „It must be somewhere around here...“ und sie zeigte auf der Karte in den Dschungel im Osten, außerhalb von La Paz.
„Thanks. How do I get there?“
„This is the biggest road east, to Santa Cruz. This road runs parallel to it for a while, and then north. Drive towards Santa Cruz and...“ Sie hing konzentriert über der Karte und folgte mit dem Finger einige Kilometer der Hauptstraße, sah immer wieder auf das Satellitenbild, hielt dann an und nahm sich eilig einen Kugelschreiber. Damit kratzte sie ein kleines Kreuz auf eine Abzweigung nach Norden. Die viel kleiner abgebildete Straße bekam auch noch ein Kreuz. „This is where the call came from!“
„All right. Thanks.“ Kei wandte sich zum Gehen zum Fenster.
„Good luck!“ sagte sie. „We're calling the police, too.“
„They won't like me,“ rief Kei noch, während er aus dem Fenster stieg und losrannte.
Vor einem der Männer, deren Kameras er geschrottet hatte, blieb er kurz stehen. „No news for you, fucker,“ meldete er und weg war er.

Die ‚kleinere‘ Nordstraße durch den Dschungel stellte sich als eine breite, befestigte Landstraße heraus, die streckenweise beleuchtet war und von der aus man bei Tag zwischen einigen Kilometern kleinere Abfahrten zu kleinen Siedlungen, Höfen oder kommerziellen Anlagen in einiger Entfernung sehen konnte.
An der auf dem Satellitenfoto markierten Stelle befand sich jedoch nichts als Urwald auf beiden Seiten. Wenige Kilometer weiter jedoch gab es wieder einmal Straßenbeleuchtung, und irgendwann ging nach rechts eine kleinere Staubstraße ab, die leicht bergauf führte. Diese war auch gut befestigt und ging noch mindestens einen Kilometer bergauf, bis sich der Wald ein wenig lichtete und den Blick auf ein recht modernes Anwesen mit einem Parkplatz und weniger modernen Arbeits- und Lagergebäuden freigab. Hier war nur der Weg zum großen Wohnhaus beleuchtet. Davor standen ein paar Fahrzeuge, ebenso auf dem großen Asphaltplatz zwischen den Schuppen und Hallen. Hier und da gingen in den Schatten Männer umher, von denen ungefähr die Hälfte sichtbar bewaffnet war.
Kei hielt irgendwo mitten auf dem ersten Platz und marschierte geradewegs auf die ersten Männer zu, die auf ihn aufmerksam wurden. „Hey, fuckers!“
Sie entschulterten ihre Gewehre und richteten sie vorsichtig aber locker auf Kei, während sie ihn näherkommen ließen. Zwei riefen ihm etwas auf Spanish zu.
„Sorry? I don't understand you,“ sagte er ruhig aber bestimmt und zog sein Schwert – grinsend.
Sie begannen zu lachen und einer spuckte amüsiert auf den Boden. In der Ferne kamen noch mehr Rufe und eilige Schritte näher, die aber einen großen Abstand hielten. Aus der Halle hinter zweien der Männer kam ein unbewaffneter Weißer mit sehr faltigem, vernarbtem Gesicht hervor, der sich gerade seine scheinbar nassen Unterarme abwischte. Er fragte barsch etwas auf Spanisch, erblickte dann Kei und grinste. Keis Grinsen verschwand nicht.
„Who of you wants to die first?“ Er stand da mit seinem Schwert locker über der Schulter und schaute die Männer an.
Der faltige Mann sagte leiser etwas zu den zwei amüsierten Gewehrträgern vor ihm, und die zielten und schossen sofort auf Keis Beine. Kei wich den Kugeln einfach aus und nutzte diese Gelegenheit, um sich gleichzeitig auf die Schützen zuzubewegen. Seine Bewegungen wirkten gelassen, waren dabei aber schneller als jeder dieser Männer hätte sprinten können. Er kam ihnen gefährlich nahe, so nahe, dass er einem von ihnen seine Klinge näher vorstellte.
„Sayonara. Motherfucker,“ sagte er dem halb abgetrennten Kopf, während etwas Blut auf sein Gesicht spritzte.
Er stand nun zwischen dem Alten und der anderen Schießbudenfigur.
„Who are you?“ fragte der Faltige, offensichtlich begeistert von der Vorstellung, die er geboten bekam. Dass gerade einer seiner Männer blutspritzend zu Boden gegangen war, schien ihn weder zu überraschen noch zu stören. Er schubste den zweiten Schützen beiseite, damit er nicht weiterschoss. Diese Geste hielt auch die anderen Männer ab, die nun um den Platz herum angelegt hatten. Dabei hielten sie einen größeren Abstand zu Kei als ihr unglücklicher Kollege.
„That's none of your business, where's Angel?“ Kei sah ihn eiskalt an.
Aus dem kleinen Spalt des Hallentores hinter dem Faltigen drang Gitarrenmusik mit spanischem Gesang, aus einem Radio oder ähnlichem irgendwo in der Halle, durch die jemand mit besonders gutem Gehör noch grunzende und lachende Männerstimmen vernehmen konnte.
Der Faltige trocknete sich weiter lächelnd die nach Krankenhaus riechenden Hände mit seinem Lappen ab. Er nickte über seine Schulter.
„In there. Go have a look.“
Das tat Kei dann auch.
Nachdem er den Mann erstochen hatte.
Der sank überrascht zu Boden.
Die Wachen rund um den Parkplatz kamen nun dazugelaufen und schossen gleichzeitig.
Kei ließ sie eine Weile schießen und schoss dann zurück. Deutlich zielsicherer. Seine Ziele gingen zu Boden.
Die Hallentür wurde zugeworfen, doch bevor sie sich donnernd schließen konnte, rammte Kei seine Schwertfaust dazwischen. Aufgeregtes Rufen und Fluchen waren die Antwort, neben einem Schuss in seine Hand. Kei öffnete die Tür gewaltsam ganz und betrachtete die angeschossene Hand und hielt sie dem Schützen hin. Grinsend schoss er dem Typen in die Hand. Er spürte nichts.
Er trat die Tür hinter sich zu und lud einhändig nach.
Aus verschiedenen Ecken der Halle wurde das Feuer auf ihn eröffnet. Es war langsam, da nur Gewehre und Handpistolen benutzt wurden, aber es waren viele. Die Musik lief immer noch.
Kei wurde komplett zerschossen und hinterließ Blut, wo er ging. Noch mehr Blut hinterließen aber die ganzen Männer, die er mit Schwert und Pistole hinrichtete. Immer mit einem mordlustigen, eiskalten Grinsen im Gesicht. Er schoss um sich in Richtung der Musik, in der Hoffnung sie damit ausschalten zu können.
Die Halle war mit Beton ausgegossen und entlang ihrer Wände standen verschieden hohe Betonmauern die etwas an Stallboxen erinnern mussten. In vielen dieser Abteilungen lagen nackte, schmutzige Matratzen, und ein paar hatten metallene Gattertore. In der Halle verstreut standen ein paar große Tapeziertische, Europaletten, Stühle und große Plastikkisten. Nur die Männer, die sich die niedrigeren Mauern als Deckung ausgesucht hatten und sie klug ausnutzten, überlebten lang genug, um nachzuladen.
Das Radio spielte weiter.
Plötzlich brüllte jemand etwas.
„Stop shooting or he's dead!“
„Leave him be or YOU are dead!“ entgegnete Kei und drehte sich in Richtung des Rufenden.
Ein nackter und an einigen Stellen irgendwie verschmiert glänzender Akira kniete Kei zugewandt auf einer der Matratzen. Auf den zweiten Blick war offensichtlich, dass er nicht selbst kniete, sondern ein Arm um seinen Hals ihn festhielt. Seine eigenen Arme hingen schlaff herunter und sein Kopf hätte das vermutlich auch getan, wenn er nicht festgehalten worden wäre. Sein Mund und seine Augen hingen halb offen und starrten glasig in Keis Richtung. Sein Körper war nicht breit genug, um dem Mann hinter ihm volle Deckung zu geben, auch wenn der sich schlau hinter ihm versteckte. Man konnte sogar noch deutlich sehen, dass dem Mann die Hose in den Kniekehlen hing. Unter einem von Akiras Armen schaute die Mündung einer Pistole hervor.
„Oh you think using him prevents me from killing you? Let me think about that... no.“
Kei ging einen Schritt auf den Mann zu, völlig durchlöchert und blutend, und blieb direkt vor Akira stehen. Er hob seine Glock und schoss dem Mann in die die Pistole haltende Hand, wobei er Akira nicht mehr als lautes Ohrenklingeln und einen kleinen Kratzer verpasste. „Gomen ne.“*
Er riss seinen Freund von dem Mann weg, dem er nun direkt in den Mund schoss. Er wurde hintenüber zu Boden geworfen und landete in den Spritzern seines eigenen Gehirns.
Akira sackte stumm starrend auf der Matratze zusammen.
„Du kommst mit.“ Er nahm Akira und warf ihn, nachdem er sich die Mühe gemacht hatte, seine Hose zu finden und sie ihm anzuziehen und alles, was sich bewegte zu Kleinholz und Hackfleisch zu verarbeiten, über die Schulter, und verließ das Gebäude mit ihm.
Draußen war die Polizei mittlerweile eingetroffen.




Kei + Colin LXVI: Mission Unauffälligkeit: Fehlgeschlagen



Kei konnte sich ein ganz leichtes Grinsen nicht so ganz verkneifen. „Ich glaub nicht, dass hier jemand herkommt...“
„Shh.“ Akira legte einen Finger auf seine Lippen. „Wenn du sowas sagst, kommt gleich einer rein und will sich ein Hemd holen.“ Er sah auf Keis Hose vor sich und befühlte dreist die Wölbung darin.
„Das weiß ich zu verhindern.“ Kei flüsterte beinahe und sein Grinsen wurde unbeabsichtigt ein wenig breiter, während er mit einer Hand vorsichtig in Akiras Haaren spielte. Sie waren hinten locker mit einer schwarzen Seidenschleife zusammengebunden.
Er öffnete Keis Gürtel und die Hose mit einem ziemlich ernsten Gesichtsausdruck und zögerte kein bisschen, die wachsende Beule in seinen Boxershorts zu küssen und zu massieren.
Mal sehen, wie sehr du mich vermisst hast.
Was Kei an Blut im Körper hatte, brauchte nicht lange um sich in seiner Körpermitte zu sammeln. Angesichts dieser ziemlich merkwürdigen Gesamtsituation war das wirklich gemein, was Akira gerade tat, aber Keis Hormone liefen bereits Amok. Ihm wollte ein Seufzen entweichen, aber das kam nur so halb heraus. Beinahe eilig zog Akira Keis Boxershorts herunter und eifrig begann er, ihn zu küssen und zu lecken. Viel Zeit verging nicht, bis der Vampir leise wohlige Geräusche von sich gab und begann, sich gegen seinen Freund zu bewegen.
Angel, my ass, dachte Akira, während er da zugange war und beim Lecken und Saugen feststellte, dass es ihm verdammt gut gefiel, seinen Wahnsinnigen so zu bedienen, I should probably be ashamed for this.
Kei würde jetzt allerhand Zeug denken, wie gegenteilig zu seinem Image in den Medien sein Freund doch war – wenn er denn zum Denken fähig gewesen wäre. Was er von sich gab, war Gefallen bekundendes leises Stöhnen.
Plötzlich pochte es gegen die Tür.
„Angel! Twenty minutes to standby!“
Kei ignorierte die geheimnisvolle Stimme aus dem Off, beziehungsweise von vor der Tür. Er nutzte lediglich seine Nähe zu eben jener um sie geschlossen zu halten, wenn das nötig werden würde. Glücklicherweise ging sie nach innen auf.
Kurz darauf pochte es noch einmal, etwas nachdrücklicher.
„Did you hear?“
Akira hrmfte und ließ Kei kurz gehen, um ärgerlich zu antworten.
„Si! I heard you.“
Kei verkniff sich das Lachen und stellte sich kurz vor, was der Mensch gerade denken mochte, während er den Geräuschen nach zu urteilen schon wieder verschwand. Kei hätte beinahe gerufen ‚Er ist nicht taub, nur beschäftigt,‘ entschied sich aber dagegen. Er wollte diesen Moment nicht ruinieren.
Akira lehnte die Stirn gegen seinen Oberschenkel und atmete durch. Kei hatte eine Mischung aus Erregung und Amüsiertheit im Gesicht, wobei erstere überwog.
„Das war knapp...“ merkte er leise an.
„Zu knapp. Ich muss gehen,“ erzählte Akira Keis Hose.
„Das sind aber sehr kurze zwanzig Minuten...“ Kei klang ein wenig enttäuscht. Was er nicht war, aber gerne ließ er Akira jetzt nicht gehen. Akira sah zu ihm auf.
„Standby heißt, dass ich fertig hinter der Bühne stehen muss. Hingehen dauert mindestens fünf Minuten, die Ansprache auch, und an mir rumzuppeln dauert mindestens zehn.“ Er stand auf.
„Ich lass dich nur los, weil du gleich auf der Bühne stehst.“ Der Vampir rückte sich und seine Hose wieder zurecht. „Meinst du, ich kann mir nach der Show die E-Gitarre ausleihen, die auf der Bühne steht?“
„Ich kann dir nach der Show deine eigene E-Gitarre kaufen,“ sagte Akira, während er sich durch die Haare fuhr und die Schleife herauszog.
„Erstmal brauch ich in der Stadt nen Platz zum Wohnen.“ Eine neue E-Gitarre war aber auch eine sehr gute Idee.
„Besorge ich dir.“ Unwillkürlich musste der Junge lächeln. Zu hören und zu wissen, dass Kei bei ihm sein wollte, war eine Sache, aber ihn jetzt richtige Pläne dafür machen zu hören, war noch eine Nummer größer. Er griff nach der Türklinke.
„Danke,“ sagte Kei ruhig. Es wurmte ihn ein bisschen, tatsächlich auf die Hilfe seines Freundes angewiesen zu sein. Aber Spanisch konnte er nun mal gar nicht. Sein Englisch wurde wenigstens besser. „Viel Glück da oben,“ wünschte er noch leise und trat zur Seite, damit Akira die Tür öffnen konnte.
„Siehst du von vorn oder von hinten zu?“ fragte Akira, als er rückwärts durch die Tür ging.
„Von vorne aus der ersten Reihe,“ sagte er während er ihm nachging. Er küsste ihn noch einmal. Akira lächelte breit und joggte dann den Gang hinunter.
Kei ging einfach die Gänge zur Bühne zurück und suchte sich dreist einen Platz in mitten der ersten Reihe. Er wollte auch wieder auf der Bühne stehen. Das machte ihm wirklich Spaß. Mittlerweile war die Halle voll und die Sicherheitsleute waren damit beschäftigt, die Besucher durch die Gegend zu dirigieren und von den Absperrungen und den Boxen wegzuscheuchen. Es gab auch Sitzplätze, und dort herrschten ebenfalls Schubserei und Diskussionen über Platznummern und Eintrittskarten. Doch nicht mehr lang, denn kaum dass Kei die Halle betreten hatte, wurde das Licht gedimmt und Bühnenbeleuchtung eingeschaltet, und wenige Minuten später begann das Konzert.

Nachdem Angels letzter Auftritt zuende und er wieder von der Bühne verschwunden war, dauerte es etwa zwei Minuten, bis ein Sicherheitsmann auf der anderen Seite der Absperrung Kei ansprach. Eigentlich fragte er nur „Kaito?“ und forderte ihn mit einem Wink und einem gerufenen „Come with me!“ dazu auf, ihm zu folgen. Kei schaute den Sicherheitsmann erst konzertbenebelt an und ging ihm dann nach, ohne ihm zu antworten.
Er führte ihn den Weg entlang, den er zuvor mit Akira gegangen war, ging aber an dem Lagerraum vorbei in einen großen, mit Teppich ausgelegten Raum mit Sofas und Tapeziertischen voller Getränke und Essen. Dort waren mehr verkabelte Leute in schwarzen Polohemden und ein paar der Musiker, die schon aufgetreten waren. Akira stand gerade von einem der Sofas auf und trank dabei einen Plastikbecher leer, den er dann auf den nächsten Tisch stellte.
Der Sicherheitsmann, der ihn begleitet hatte, klopfte Kei einmal auf die Schulter und drehte dann vielbeschäftigt wieder um.
„Sehr gutes Konzert!“ teilte Kei ihm seine Meinung mit und umarmte ihn.
„Sehr diplomatisch von dir.“ Akira grinste. „Es ist nur Pop und Marketing.“ Trotzdem sah er glücklich und angefixt aus.
„Trotzdem war es gut!“ Kei grinste und hob ihn hoch. „Wir müssen mal was zusammen machen.“ schlug er vor. Akira musste ein bisschen lachen.
„Ich weiß schon so zwei, drei Sachen.“
„Lass hören.“
„Nummer eins: Wir verschwinden hier. Nummer zwei: Wir sehen nach, ob alles noch am richtigen Platz ist.“ Dabei krochen seine Hände unter Keis Jacke.
„Wohin gedenkst du zu verschwinden?“ Keis Grinsen wurde dreckiger.
„Das ist mir fast egal.“
„Fast? Och schade. Wo kann man hier hingehen?“
Akira entwand sich Kei. „Mit ‚fast‘ meine ich nur, dass ich kein Publikum brauche. Nicht dafür.“ Er ging zum Sofa zurück und nahm einen kurzen Mantel von der Lehne, den er sich anzog. Aus einer Tasche zog er ein Telefon.
Kei erinnerte sich an den ungebetenen Gast am Teich. Das schien eine Ewigkeit her zu sein.
„Die Nummer könntest du mir bei Zeiten mal geben.“ Der Vampir nickte auf das Handy.
Akira schmunzelte und zog aus einer anderen Tasche eine kleine rote Visitenkarte. Geschmackvollerweise hatte sie seine Haarfarbe und war mit seinem schwarzen ‚Angel‘-Logo bedruckt. Unter der Nummer seines Agenten stand handschriftlich noch eine andere. Er hielt sie Kei hin. Der steckte sie in die Jackentasche.
„Lass uns abhauen.“
„Ja.“ Akira ging los, führte Kei durch Feuerschutztüren und fensterlose weiße Gänge und drückte gleichzeitig auf seinem Smartphone herum.
Als sie in eine Garagenhalle traten, steckte er es wieder ein und packte Kei beim Handgelenk. Der ging ihm hinterher und sah sich in der Halle ein bisschen um, während er sich von Akira mitziehen ließ. Akira zog ihn geduckt hinter Pkws und Lieferwagen herum, bis sie zu einem Pförtnerhäuschen kamen, an dem er einfach vorbeirannte. Kei lief hinterher und sah sich auf dem Weg immer wieder um.
Auf der anderen Seite des Drahtzauns machte Akira zwischen ein paar Gebüschen Halt und sah sich um. Dann zog er eine schwarze Mütze aus seiner Jackentasche und setzte sie sich auf, geübt seine Haare hineinstopfend.
„Was hast du vor?“ fragte Kei leise und zog die Kapuze über die farbigen Haare.
„Wir fahren Taxi. Und dann in ein Hotel.“
„Und du glaubst, dass dich so keiner erkennt?“ Kei grinste. Die meiste Zeit. Ein Hotelbett war ihm sehr willkommen.
„Es wird zumindest schwieriger. Leider habe ich meine Sonnenbrille nicht dabei.“ Er ging in die Richtung, in der er meinte, einen Taxistand gesehen zu haben. Kei folgte ihm, Kapuze im Gesicht, und erspähte die Taxireihe von Weitem.
Angesichts der Menschen, die vor der Halle herumstanden, befand Akira es für am vernünftigsten, sich von hinten geduckt um die lange Autoschlange herumzuschleichen und auf der Fahrerseite einzusteigen.
Dem Fahrer sagte er schon beim Durchkrabbeln auf der Rückbank: „El ayuntamiento, por favor.“
Kei setzte sich neben Akira und rätselte, was sein Freund dem Fahrer gerade gesagt hatte. Er sah aus dem Fenster. Der Fahrer antwortete irgendwas und schaltete das Taxameter an, während er losfuhr. Ein Blick aus dem Fenster versicherte Akira, dass sie unbemerkt davonkamen.
Nach ein paar Minuten, auf einem weiten Platz, der so spät am Abend beinahe leer war, rief Akira plötzlich: „Aquí! Par- aquí, gracias!“ Er hielt dem Fahrer, der brav anhielt, einen Schein hin und stieg sofort aus. Kei tat es ihm gleich und sah sich auf dem beinahe leeren Platz um. Es war schön hier.
„Wo sind wir?“
„In der Innenstadt.“ Der Fahrer schien sich über das übertriebene Trinkgeld zu freuen, denn er versuchte nicht einmal, Akira auf das Wechselgeld anzusprechen. Der ging nämlich schon los. „Dahinten irgendwo gibt es ein kleines Hotel für Geschäftsleute, da habe ich mal gegessen – komm!“
Kei ging ihm nach, mal wieder. Er ging zügig und bald hatten sie das Hotel erreicht.
An der Rezeption gab Akira nach kurzer Überlegung „Kaito Kageyama“ an und bezahlte für das Einzelzimmer für zwei Nächte in bar. Das Buch zum Unterschreiben schob er Kei hin. Der unterschrieb das auf Japanisch, ohne darüber nachzudenken. Bis ihm auffiel, dass der Rezeptionsmensch die Zeichen gar nicht lesen konnte und schrieb seinen Namen noch einmal in lateinischer Schrift daneben, ehe er es der jungen Frau hinter dem Tresen zurückgab.
Akira grinste und nahm die Schlüsselkarte an sich. Er wartete auch nicht groß, sondern rannte beinahe zur Treppe, deren Stufen er doppelt nahm. Kei lief ihm hinterher und überholte ihn.
„Zu langsam!“ rief er, als er ihm die Schlüsselkarte abnahm. Erst bei der Zimmertür holte Akira ihn wieder ein. Da öffnete Kei gerade die Tür und betrat den Raum.
Es war ein großes Zimmer, dafür, dass es ein Einzelzimmer war, und das Bett war ebenfalls groß. Auf eben dieses warf sich Kei mit einem großen Satz und zog seine Jacke aus. Akira schloss die Tür und warf seinen Mantel ab, bevor er mit auf das Bett krabbelte. Dabei riss er sich auch noch das Kostümjackett herunter. Kei war ihm sehr gern dabei behilflich, auch bei den restlichen Kleidungsstücken.
Noch bevor er seine eigenen Kleider losgeworden war, wandte Akira seine Aufmerksamkeit dem zu, was ihn und seine gierigen Hände noch von Kei trennte, und zog an Hemd und Hosen, während er ihn hungrig küsste. Kei machte es seinem Freund nicht gerade schwer ihm die Kleider auszuziehen. Er unterbrach den Kuss kurz, um sein und Akiras Shirt loszuwerden. Daraufhin stürzte Akira sich sofort wieder auf ihn.
Während er rittlings auf ihm kniete, öffnete er ihm und sich selbst die Hose, doch dann wurden seine Hände sofort wieder abgelenkt und mussten sich kratzend und streichelnd überall über Keis Oberkörper bewegen. Sein Gesicht, seine Hände und seine Füße fühlten sich an, als würde es unter der Haut schäumen, und das Knistern und Kitzeln flossen durch den Rest seines Körpers wie Elektrizität. Wenn er zu Sprechen in der Lage gewesen wäre, hätte er sich Sorgen darum gemacht, was ihm nun alles peinliches aus dem Mund fallen könnte. I missed you, I love you, You can never leave again, if you try I'll kill you, or myself, or us both, oh HELL I've missed you so fucking much.
Der Vampir lag auf einem Arm abgestützt auf dem Bett und zog ihn mit der freien Hand dichter zu sich um ihn wieder zu küssen, wobei seine Fingernägel sich leicht in Akiras Haut bohrten und blutige Kratzer hinterließen. Grinsend biss er ihm auf die Unterlippe. Sein ganzer Körper stand unter Starkstrom – oder so ähnlich – und sein Herz schlug ungewöhnlich schnell. Du gehörst mir. Ich hab dich vermisst...
Der Schmerz auf seinem Rücken und seiner Lippe ließ Akira aufseufzen. Genau das...
Sein Becken bewegte sich so gut wie von selbst gegen Kei und seine Finger schraubten sich fest in seine Schultern. Gierig auf Fleisch war er gerade nicht, denn er hatte sich aus Nervosität wegen Keis Erscheinen und wegen des Konzerts schon letzte Nacht den Bauch vollgeschlagen, aber das hier war ein ähnlicher Hunger. Mit ein bisschen Mühe schaffte er es, zwischendurch die Augen offenzuhalten, denn er wollte Kei sehen.
Zu gern hätte Kei ihm die Hose ausgezogen, aber die Tatsache, dass er gerade sehr gut auf ihm saß, hinderte ihn für den Moment daran. Stattdessen bewegte er sich gegen den Kleineren und vergrößerte und vermehrte die blutenden Spuren weiter, sich insgeheim wünschend, dass sie bleiben würden. Mit mal halb offenen und mal geschlossenen Augen und berauschtem Gesichtsausdruck sah er Akira an.
Nach einer Weile ließ er sich nach hinten fallen, zog seinen Freund dabei mit und machte sich mit der nun freien Hand an dessen Hose zu schaffen, die doch irgendwie im Weg war. Akira kniete weiter auf ihm und küsste ihn weiter, und setzte sich irgendwann nur zur Seite, um sich die Stiefel, Hosen und Socken herunterzureißen und beiseitezutreten. Kei ließ den Rest seiner eigenen Kleider folgen, und warf sie einhändig vom Bett. Danach zog er seinen Freund wieder dahin, wo er zuvor gesessen hatte. Den Kuss unterbrach er dafür nicht. Mit noch einem genüsslichen Seufzen streckte Akira die Arme aus und umklammerte Kei mit den Knien. Just hot skin...
Keis Mund war heiß, sein Atem auch und alles andere was er von ihm berührte.
Kei griff Akira mit einer Hand im Nacken und hielt ihn fest, während er ihn weiter küsste. Akira war so verdammt heiß. Er konnte sich kaum daran erinnern, wann ihm das letzte Mal so heiß gewesen war. Mit leichtem Grinsen auf den Lippen drehte Kei sich und Akira einfach herum, gespannt darauf, wie sein Freund reagieren würde.
Der tat tatsächlich nichts weiter, als Kei konzentriert und gierig weiterzuküssen und seine Arme um seinen Nacken zu haken, um sich bei der unerwarteten Bewegung festzuhalten. Letzteres geschah auch eher aus Reflex, denn dass ein Positionswechsel stattfand, nahm Akira nur am Rande wahr. Es interessierte ihn in diesem Moment nicht, ob er auf jemandem saß, unter jemandem lag oder jemand ihn auf den Kopf stellte, solange dieser Jemand Kei war. Der küsste Akira weiter, widmete sich nun aber dessen Hals und Schlüsselbein. Nun ließ Akira leichten Protest verlauten, oder etwas, das vielleicht so klingen sollte und in Wirklichkeit nur ein leises, verzweifeltes Stöhnen aus Ungeduld war. Mit einer Hand in Keis Haaren drückte er ihn an sich, während die andere auf seinem Rücken herumkratzte. Der Vampir grinste innerlich und trieb das noch ein bisschen weiter, ehe er selbst zu ungeduldig wurde um Akira und sich selbst warten zu lassen.
Ohne von seinem Freund abzulassen versenkte er sich in dessen Körper. Akira hielt Kei weiter fest und hakte wieder die Beine um ihn, damit ihn dieser schmerzhafte Widerstand nicht dazu bringen konnte, unabsichtlich aber automatisch wegzukriechen oder von ihm weggeschoben zu werden. Außerdem wollte er Kei so ganz und so dicht wie möglich bei sich haben. Er musste den Schmerz, so gut er auch war, aber in irgendeiner Form herauslassen, also stöhnte er nur wieder leise und schniefte ein bisschen.
Der Vampir beobachtete die Reaktionen seines Freundes genau, wenn er gerade die Augen offen hatte. Er setzte sein Tun ein bisschen schneller und härter fort, spürte jede noch so kleine Regung in Akiras Körper. Ihm gefiel wie der Kleinere auf ihn reagierte. Und eine dieser Reaktionen war dieses atemlose Stöhnen, das Akira gar nicht erst zurückzuhalten versuchte. Stolz und Würde brauchte er jetzt nicht. Die Tränen, die seine Schläfen hinunterliefen, waren ihm auch egal. Er wusste nicht einmal, ob sie von dem Schmerz oder irgendwelchen anderen Gefühlen herrührten. Sich an Kei festzuhalten hatte keinen Effekt, denn es hinderte Kei an nichts, also griff Akira stattdessen über seinen Kopf und fand die Kante der Matratze und eine Latte im Kopfteil des Bettes, in denen er sich festkrallen konnte. Nur ansehen konnte er Kei so nicht, was nicht daran lag, dass ihm das Weinen oder die Laute, die er von sich gab, peinlich gewesen wären, oder an dem Schmerz, sondern daran, dass er glaubte, er würde den Drang bekommen, etwas sehr dämliches zu sagen, wenn er Kei, der ihn gerade so zerriss, ins Gesicht sähe. Die dezent gemusterte Zimmerdecke und die Innenseite seiner Augenlider mussten genügen. Er hatte es sogar aufgegeben, Kei mit den Beinen festzuhalten. Dafür war der Wahnsinnige gerade viel zu brutal.
Kei nahm außer dem, was er tat und Akiras Körper unter sich nichts wahr. Mittlerweile machte er sich nichts mehr daraus, seinen Freund zu beobachten, seine Augen waren halb geschlossen und der Blick in ihnen war alles von erregt bis benebelt. Sein Herzschlag und Atem überschlugen sich beinahe, doch das hielt Kei keineswegs davon ab, Akira weiterhin zu zerreißen.
Seine rätselhafte Regenerationsfähigkeit war nicht so schnell, als dass Kei ihm mit seinen harten, rücksichtslosen Stößen nichts hätte anhaben können. Er biss sich auf die Lippen, um sein Stöhnen, das allmählich zu Schreien wurde, wenigstens ein bisschen zu dämpfen. Und er legte den Kopf so weit zurück, dass Kei sein Gesicht nicht mehr genau sehen konnte, wenn er ihn ansehen sollte, denn er wollte nicht, dass das hier auf einmal wegen eines Skrupelanfalls aufhörte. Nicht, dass das wahrscheinlich gewesen wäre. Kei würde sich an seiner Qual wahrscheinlich nur weiter aufgeilen. Das war Akira Recht. Er selbst tat ja nichts anderes.
Mit noch ein wenig schnelleren Stößen brachte Kei sich dem Ende immer näher. Nachdenken oder irgendwas vergleichbares hatte er vollends aufgegeben. Er sah Akira kaum noch an und wenn, dann nicht wirklich. Er sah nirgendwo mehr direkt hin. Was von seinem Freund zu hören war, bestätigte ihn nur darin, damit weiterzumachen.
„Hah...!“ Akira schluchzte und zitterte, versuchte nur noch, sich festzuhalten und bemerkte so beinahe nicht einmal, wie er kam. Er spürte es, wie sich diese Druckwelle in seinem Körper aufbaute und dann wie sprudelnd heißes Gold seine Gliedmaßen flutete, doch es war ihm nicht bewusst, was das bedeutete.
„Hng!“ Der Schmerz war immer noch da und zuckte weiter mit jedem Stoß durch seinen Körper, mittlerweile scharf und rauh als würde ihn ein massiver, grober Schleifstein ficken, aber nun bewirkte jeder harte Stoß noch etwas anderes, das sich wie kitzelnder Dampf in ihm anfühlte. „Fuck yes-“ flüsterte er zwischen seinem Schluchzen.
Kei brauchte nicht viel länger bis er kam, kostete bis dahin jede Sekunde voll aus. Erst als die Explosion in seinem Körper wieder etwas abklang, ließ er sich langsam auf den Kleineren fallen. Akira musste mit jeder von Keis Bewegungen etwas zusammenzucken, selbst als er aufhörte. Erst als Kei auf ihm lag, genauso heiß und klebrig von Schweiß wie er selbst, fühlte er sich schwer genug, um nicht bei der kleinsten Regung schon wieder abzuheben. Sein Wahnsinniger steckte aber immer noch in ihm, also würde er vielleicht nicht wegfliegen, sondern dafür nur zerfließen, wenn Kei sich ein bisschen regte. Das Holz und die Matratze über seinem Kopf hatte er zwar losgelassen, aber seine Hände lagen immer noch dort und er atmete schwer. Seine geschwollenen Lippen waren geöffnet und die geröteten Augen starrten fassungslos benebelt an die Decke.
Kei lag schwer atmend auf seinem Freund und bewegte sich so gut wie gar nicht. Mit halb offenen Augen blickte er nirgendwo wirklich hin, weil er seinen Kopf in Akiras Haaren vergraben hatte.
„Fuck yes...“ flüsterte Akira noch einmal, diesmal ruhig und langsam und genauso fassungslos wie er aussah.
Kei machte irgendein Geräusch, das soviel ausdrückte wie ‚Ich kann dir grad nicht antworten, aber ja.‘
Sowie sein Körper sich allmählich beruhigte, gefiel Akira seine Lage immer mehr. Er konnte sich nicht vorstellen, jemals einen Grund zum Aufstehen zu haben. Langsam streichelte er Keis Haare, während er aus dem Fenster sah. Kei blieb ebenfalls einfach liegen und umarmte Akira halbwegs mit einem Arm, aber nur leicht. Aufstehen würde er jetzt nicht mehr.
Das Telefon auf dem Nachttisch klingelte.
Kei schaute es kurz an, dann Akira. „Geh du ran, wenn du willst...“ murmelte er und beachtete das Klingeln nicht weiter. Akira wollte sich nicht bewegen - konnte es auch gar nicht, obwohl das Düdeln neben ihm wirklich nervte. Es hörte jedoch bald auf.
Kei wäre unter keinen Umständen ans Telefon gegangen. Nichts war gerade wichtiger als Akira.
Kurz darauf klingelte das Telefon wieder, und beinahe gleichzeitig klopfte es höflich an der Tür.
„Excuse me? Sirs?“
Kei schaute kurz zur Tür und dann zum Telefon, schließlich zu Akira.
„Ich hoffe für ihn, dass es wichtig ist...“ Der Vampir machte keine Anstalten, sich zu bewegen.
Akira hätte dem jungen Mann vor der Tür gern geantwortet, nur um ihn schnell loswerden zu können, stellte aber bei dem Versuch, „Yes, what is it?“ zu rufen, fest, dass er zu heiser war, um das düdelnde Telefon zu übertönen.
Der Junge vor der Tür meldete sich noch etwas lauter: „Sir, is everything all right? We had complaints from other guests, so I have to check...“
Kei hätte beinahe angefangen zu lachen.
„Everything's okay...“ brachte er dann irgendwann heraus und hoffte, damit den Mann loszuwerden. Das Telefon nahm er kurz ab, nur um gleich wieder aufzulegen. Er kam glücklicherweise auch ohne viel Bewegung an das nervende Gerät heran.
Nach einer kleinen Pause ertönte die Stimme wieder.
„... Are you sure? Can I just look in for a second? I apologise for the inconvenience, but I have to, it's protocol...“ Er klang verschämt.
Kei seufzte genervt. „Yes, I am.“
Akira räusperte sich und schluckte ein paarmal, ehe er es schaffte, lauter zu werden.
„Why?“
„... The other guests said there were screams...“ Der Junge klang, als würde er seinen Job zumindest in diesem Moment abgrundtief hassen. Kei hingegen hasste den Jungen gerade.
„So what?“ sagte er genervt und bewegte sich noch immer nicht.
Da war ein frustriertes Seufzen zu hören, das sehr deutlich die Scham und Peinlichkeit seiner Situation ausdrückte, bevor der Junge weitersprach.
„I'm really sorry, but it is my job to check on you, if you don't let me look in I have to report it and they will call the police.“
„Why? We are alive and well, both of us...“ Kei kam sich verarscht vor. So richtig. Akira wischte sich seufzend über das Gesicht.
„Bitte mach ihm auf.“
Resigniert seufzend stand Kei auf und zog sich schnell seine Hose über, ehe er zur Tür ging und öffnete.
„You see. We are fine.“ Man sah dem jungen Japaner an, dass er nicht gut auf den Störenfried zu sprechen war.
Akira hatte unwillkürlich ein kleines Geräusch von sich gegeben, als Kei aufgestanden war, und hatte eigentlich vorgehabt, sich mit der Überdecke ein bisschen zuzudecken, das aber gleichgültig aufgegeben, als er feststellte, dass die Decke im Bettkasten festgesteckt war. Nun lag er also entspannt nackt auf dem Bett herum, klebrig und glitschig an genau den richtigen Stellen, und blickte von der Aussicht aus dem Fenster zur Tür, wo dem schamvollen Hoteljungen gerade die Kinnlade herunterklappte, als er erst Kei und dann Akira ansah.
„Yes. We‘re fine. I apologise for the noise,“ sagte Akira leise. Er hoffte, dass er die Heiserkeit am Morgen wieder los sein würde.
„I guess that - now that you saw that we are fine - you have something else to do.“ Aufgrund der Tatsache, dass Kei gerade glücklich war, war er tatsächlich umgänglich und schaffte es beinahe meisterlich, ruhig zu bleiben.
„Uh...“ sagte der Hoteljunge glotzend, ehe er ein bisschen ungläubig verschämt grinste und „Yes, thank you. I do apologise, sir,“ sagte. Er trat umgehend von der Tür zurück – die Kei mit einem ‚Bye byeeee‘-Ausdruck auf dem Gesicht schloss. Umgehend zog er sich die Hose wieder aus und begab sich zurück zu Akira aufs Bett. Der nahm ihn mit einem warmen, etwas anzüglichen Lächeln in Empfang und drehte sich auf die Seite, um Kei direkt anzusehen. Kei legte einen Arm um Akira und schmunzelte.
„Wenn der ein Fan von dir war, habe ich ihm gerade alle Träume zerstört.“
Akira lachte leise. „Oder Hoffnung geschürt. Auf jeden Fall die Gerüchteküche angeheizt.“ Er ließ eine Hand über Keis Haare und Nacken kriechen. „Aber das ist zum Glück unwahrscheinlich. Ich bin erst seit Kurzem im Geschäft. Sehr unbekannt.“
„Macht das die Runde, bist du dein Image los.“ Kei grinste leicht und zog Akira etwas dichter zu sich heran. Akiras Haut kribbelte angenehm.
„Mein Image war nie von Keuschheit abhängig, glaube ich. Und dass ich kein Ladykiller bin, war bestimmt von Anfang an offensichtlich.“ Er schmunzelte. „Ich habe von Beginn an Drohbriefe bekommen, weißt du? Weil ich gotteslästerlich sei und was weiß ich alles.“ Und weil mich aus irgendeinem Grund gleich alle für eine Schwuchtel halten. Was für ein Wunder, bei den Kostümen...
„Das ist doch kein Grund für Drohungen...“ Kei würde die Verantwortlichen umlegen, sollte ihm einer davon über den Weg laufen.
„Hey, dieses Land ist voller Katholiken. Und ich bin ein ‚Nordamerikaner‘ namens ‚Angel‘, der alte europäische Kirchenlieder singt und einen auf ‚Interview mit einem Vampir‘ macht, was das Äußerliche angeht.“ Und alle paar Tage werden hier ein paar Transen oder Schwule zusammengeschlagen. Auch gern von der Polizei.
„Solln dies versuchen, den Tag überleben sie nicht.“ Kei vergrub sein Gesicht wieder in Akiras Halsbeuge.
Akira stutzte. Dies war nicht das erste Mal, dass Kei auf etwas zu antworten schien, dass er zwar deutlich gedacht, aber nicht ausgesprochen hatte. Bisher war das nur in ziemlich verwirrenden oder emotionalen Momenten passiert, wenn Akira zu abgelenkt gewesen war. Es war ihm trotzdem aufgefallen, vage, im Hintergrund, sozusagen im mentalen Augenwinkel. Er strich sanft über Keis Haare und biss ihm zärtlich ins Ohr. Kei gab einen leisen Seufzer von sich und drehte sich so, dass er richtig auf der Seite lag.
„Was hast du in der Zeit gemacht?“ fragte Akira leise.
„Mich mit Drogenbanden angelegt.“ Das war nur ein kleiner Teil dessen, was Kei so getrieben hatte, aber der, der ihm die meiste Abwechslung eingebracht hatte. Akira schmunzelte ein bisschen. Wie jemand, der amüsiert war, aber streng wirken wollte.
„Warum?“
„Denen passte es nicht, dass ich unparteiisch Leute umgelegt habe und mich nicht erschießen lasse.“
„Du hast ihre Kunden getrunken?“
„Selten, ich hab sie meistens für Geld gekillt.“
Wieder schmunzelte Akira leicht. Er war zugegebenermaßen schockiert, aber nicht so wie er es vor einem halben Jahr gewesen wäre. Pillow talk. You sound as if you wanted you get it on with me. Again. Er küsste Kei kurz.
Kei erwiderte den Kuss ebenso kurz, wobei er länger hätte dauern können, und schaute seinen Freund an. Akira sah müde aus, seine Haare breiteten sich in lockigen Strähnen aus, wo sie gerade hinfielen, und er lächelte glücklich. Noch immer klebte und glitschte er an einigen Stellen, und das Gefühl von Keis Haut auf seiner kostete er ausgiebig aus. Nicht nur mit den Händen.
Keis Gesicht schrie glückliche Zufriedenheit in die Welt, wenn man es lesen konnte. Er war so frei, sich halb auf Akira zu legen und spielte mit dessen Haaren herum. Akira betrachtete ihn doof lächelnd, wobei ihm beinahe die Augen zufielen.
Da düdelte es irgendwo leise. Gedämpft, aus einem der Kleidungsstücke, die auf dem Boden herumlagen.
„Nein,“ kommentierte Kei das Gedudel aus einer Hosentasche. Ihm war egal, wessen das war. Wer da dran war würde sich gedulden müssen. Ganz einfach. Der Vampir war zum ersten Mal seit Langem wieder sowas wie müde, was beinahe nie vorkam. Geschlafen hatte er schon lange nicht mehr und die Chance darauf, einfach hier liegen zu bleiben, würde er sich nicht nehmen lassen. Dafür wurde jedes Klingeln ignoriert.
„Ich muss gleich zurückrufen. Und mir meinen Rüffel abholen,“ murmelte Akira.
„Nein, musst du nicht. Morgen reicht,“ murmelte Kei.
„Ich muss aber zurück ins Haus, sonst werfen sie mich raus...“ brummte Akira schläfrig. In Wirklichkeit wusste er nicht, was passieren würde, wenn er ohne Erlaubnis eine Nacht lang dem Wohnheim fernblieb, aber er wollte seinen Job wirklich behalten. Er mochte ihn.
„Du wirst doch wohl eine Nacht woanders schlafen dürfen. Die werden nichts machen...“ Kei wollte nicht, dass Akira ging und es passte ihm nicht, dass es solche dämlichen Vorschriften zu geben schien.
„Das ist bestimmt kein Problem...“ hoffte er, „... wenn ich jetzt zurückrufe und bescheid sage...“ Er regte sich etwas.
„Na gut...“ Kei bewegte sich gerade soweit, dass Akira sich zum Telefon bewegen konnte. Und das tat er mit der Körperbeherrschung einer langsam dahinrottenden Leiche. Immerhin lag sein dünner Mantel nicht zu weit vom Bett entfernt, als dass er hätte aufstehen müssen, um ihn zu erreichen. Er fischte das Telefon heraus und wischte mit erschöpftem Blick darauf herum, ehe er seinen Manager anrief. Der Mann hob sofort ab und klang selbst durch den winzigen Lautsprecher des Telefons etwas nervös und überarbeitet, als er eine Rechtfertigung forderte, die Akira ihm sogleich lieferte.
Es schien ihn zu überraschen, dass der Mann, der der Stimme nach derselbe zu sein schien, dem Kei in der Bar begegnet war, Akira milde darüber aufklärte, dass er natürlich woanders übernachten dürfe, wenn er das nur anmelde und sich nicht sang- und klanglos aus dem Staub mache. Und natürlich, solange er unauffällig blieb. Er klang ziemlich müde und wünschte Akira eine gute Nacht, ehe er auflegte.
Kei war artig ruhig geblieben während er dem Gespräch gelauscht hatte und schaute seinen Freund aus leicht müden Augen an. Mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Er fragte sich, was auffällig wohl bedeutete.
Akira ließ sein Telefon wieder auf seinen Mantel auf dem Boden fallen und krabbelte zu Kei zurück.
„Low profile... Ich glaube, das habe ich schon in den Sand gesetzt.“
Kei lachte leise. „Du kannst immer noch mir die Schuld geben.“
„Und wie soll ich das machen? ‚Oh, er hat mich entführt, ich kann nichts dafür!‘“ Er schmunzelte und legte sich neben Kei auf die Seite.
„Ich hab nicht behauptet, dass es funktioniert,“ sagte Kei amüsiert und legte einen Arm um seinen Freund. Er war warm. Der Vampir vergrub sein Gesicht in Akiras Halsbeuge. Grinsend tat Akira es ihm gleich und umarmte ihn. Dabei strich er langsam über die Austrittsnarbe auf seinem Rücken.
„Jetzt, da wir Nummer eins und Nummer zwei der Dinge, die wir zusammen machen sollten, abgehakt haben...“
„Was ist Nummer drei?“ fragte Kei leise in Akiras Haare.
„Musik,“ murmelte Akira, „das müssen wir noch zusammen machen.“ Lächelnd schloss er die Augen. Sein Wahnsinniger benahm sich wie ein normaler Mensch, der nicht nur lebendig, sondern richtig verliebt war. Irgendwann morgen fällt es ihm auf und dann wird er sich schämen. Grinsend biss Akira sich auf die Lippe. Kei murmelte Zustimmung und schlief bald darauf ein. Schlafen. Der Vampir hatte fast vergessen, wie das ging.
Mit Keis ruhigem Atem an seinem Hals und seinem spürbaren Puls unter seiner Hand fiel es Akira auch nicht schwer, innerhalb von Sekunden einzuschlafen.