Showing posts with label British. Show all posts
Showing posts with label British. Show all posts

Monday, December 19, 2016

Kei + Colin LXXXVI: Wir waren mehr als Freunde

Als sie den Raum betraten, machte Colin große Augen. Er wohnte nun schon ein Weilchen hier in Ruperts Schloss und hatte diesen Raum noch nie gesehen.
„Warum weiß ich nichts davon?“ staunte er. „Hier gibt‘s ja alles.“
„Weil du‘s vergessen hast. Such dir was aus.“
„Äh.“ Colin drehte sich im Raum, um sich umzusehen. Dann zuckte er zum x-ten Mal mit den Schultern und zeigte auf die riesige Musikanlage. „Musik und Darts?“
„Klar. Hast du Musikwünsche? Hier gibt's alles mögliche an Musik.“
„Äh. Keine Ahnung, mir egal?“
Kei ging zur Musikanlage und suchte Musik aus, die Colin kannte. „Meinst du, man kann hier Playlists bauen?“ fragte er.
Auf einmal gingen Colin wie in plötzlicher Erkenntnis die Augen auf. „Darum wart ihr nie beim Essen dabei,“ sagte er.
„Weil wir kein normales Essen brauchen, ja.“ Kei machte weiter an der Anlage herum, bis er sich für eine CD von den vielen, die ihm sofort einfielen, entschieden hatte. „Komm mal her. Hier ist noch was, das du in den letzten zwei Jahren gemacht hast.“
Colin taperte zu ihm an den Schrank. Kei trat zur Seite. „Schau mal. Das hast du getrieben, als wir ‘ne Weile nicht zusammen unterwegs waren.“
„Was, CDs gesammelt?“ fragte Colin doof, bis er feststellte, dass Kei ihm nicht die aufgereihten Plastikhüllen zeigte, sondern die Türinnenseite, die mit Postern und Fotos aus Magazinen beklebt war. Mit den Händen in den Hosentaschen betrachtete er sie näher. Jedes einzelne.
„... Wer ist das?“ fragte er schließlich leise, immer noch draufstarrend. Aber er wusste natürlich längst, was Kei ihm antworten würde.
„Dein böser Zwilling,“ scherzte Kei monoton.
„Ich habe einen-“ Colin sah zu Kei und verstummte. „Arschloch,“ sagte er mit strafendem Blick.
„Gern.“
„Wessen kranke Idee war das, mich Angel zu nennen?“ fragte er, wieder die Bilder betrachtend. Es war merkwürdig, sich selbst auf Fotos zu sehen, an deren Umstände man sich nicht im Geringsten erinnern konnte.
„War der Name auf deinem falschen Ausweis.“
„Warum hatte ich einen falschen Ausweis? ... War ich gut?“ Interessante Kostüme...
„Wir mussten unerkannt aus Japan raus. Ja, warst - bist du. Du kannst das immer noch.“
Mit einem schelmischen Seitenblick von unten, immer noch zu den Bildern hingebeugt, sagte Colin: „Warst du mein Fan?“
„Ich hab‘ manchmal im Fernsehen gesehen, was du so treibst. Deine Musik war und ist wirklich gut.“ Das konnte man auch als Ja verstehen, wenn man wollte.
„... Wie die Poster hier beweisen,“ sagte Colin mit dreistem Schmunzeln und richtete sich wieder auf.
„Ja. Es war nicht einfach, dich zu finden, obwohl du ständig irgendwo in den Medien warst.“
„Wir haben Japan zusammen verlassen?“
„Ja.“
„Warum?“
„Wir wurden verfolgt.“
„Warum?“
„Wir wurden von mächtigen Vampiren entführt, sind gestorben und irgendwann sind wir da rausgekommen und mussten abhauen.“
„Wir sind ge- bist du als Vampir nicht sowieso tot?“ Colin bewegte sich zum Sofa und rollte sich lässig über die Lehne auf die Sitzfläche, ohne die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen.
„Nein, ich bin als Vampir geboren. Ich bin nicht untot. Ich lebe nur anders. Naja mittlerweile bin ich beides. Untot und anders lebendig.“
„Also... Vampire werden geboren, und wenn sie sterben, erstehen sie untot wieder auf?“
„Ich kann kaum sterben. Diese Pisser, von denen ein paar mittlerweile tot sind, haben an uns versucht, Unsterblichkeit möglich zu machen. Da du ein Mensch bist, ist das nicht ganz so glimpflich ausgegangen und deshalb kam es irgendwann dazu, dass Dennis dein Gedächtnis löschen musste.“ Kei sammelte die Dartpfeile zusammen.
Auf der Erläuterung kaute Colin erstmal ein bisschen herum. Dabei starrte er blind auf den schwarzen Fernsehschirm vor sich, in dem er sich dumpf spiegelte. Es war alles ziemlich unglaubwürdig, aber die leuchtenden blauen Augen von Dennis, Kei und Delilah, die rasante Spucke-Heilung von Dennis‘ Arm, diese Gelassenheit, mit der er die Verletzung hingenommen hatte, Colins Fotos im Musikschrank und seine zwei verlorenen Jahre waren zweifellos echt. Seine eigene rätselhafte Spontanheilung ebenfalls. Egal, was die Wahrheit war, sie musste seltsam sein. Warum dann also nicht einfach diese Geschichte akzeptieren?
„Hat diese Bindung, von der Dennis gesprochen hat, was damit zu tun? Ich meine, ist das... ist das diese Unsterblichkeitsgeschichte? Sind wir darum zwei Jahre lang zusammen unterwegs gewesen?“
„Das hängt auch miteinander zusammen. Ich bin zum Beispiel klinisch tot, wenn du zu weit weg bist.“
„Wow, okay... oh, sollte ich darum heute nacht nicht türmen? Damit du nicht stirbst?“
„Ich sterbe nicht im Sinne von richtig tot sein. Ich hab keinen Herzschlag mehr und man kann mich sogar umbringen.“ Du sollst nicht türmen, weil ich nicht will, dass du gehst. „Oh, das funktioniert auch andersherum.“
„Ah... und darum hast du mich gesucht, als wir zwischendurch getrennt waren? Als ich Sänger war?“ Colin drehte sich etwas auf dem Sofa und schaute über die Lehne. „Warte mal, warum sind wir dann nicht tot?“
„Und, weil ich irgendwann nicht mehr sauer war.“ Kei zielte sorgfältig und warf einen Pfeil in die Dartscheibe. „Weil wir, warum auch immer, nicht ganz draufgehen. Ich bin sowas ähnliches wie unsterblich, halbtot und umbringbar, wenn du nicht da bist.“
„Du warst sauer? Auf mich? Warum?“ Colin lehnte sich auf die Rückenlehne und stützte das Kinn auf die Fäuste. „Lagerkoller, weil wir wegen der Geschichte immer zusammenhocken mussten?“
„Nein. Ich war wegen was anderem sauer und ja, deinetwegen.“
Colin grinste. „Nein aber ja?“
„Nein, ich hatte keinen Lagerkoller, aber ja, ich war sauer. So.“
„Ooh, was hab‘ ich gemacht?“ Colin grinste immer noch.
„Es gab Streit und dann bin ich weitergefahren.“
„Weitergefahren?“
„Wir waren in Südamerika und hatten gerade in einem alten Haus Station gemacht. Ich wollte weiter. Du bist dann nach Bolivien gefahren.“
„Wussten wir nicht, dass wir davon sterben können?“
„Wir sterben da nicht dran. Wir sterben wahrscheinlich endgültig, wenn man uns dann umbringt. Klinisch tot und richtig tot sind unterschiedlich.“
„Aber das ist doch normal... also für Menschen zumindest.“ Colin kniete sich hin, weiter auf die Rückenlehne gestützt. „Cool, dass du auch Roxette magst.“ Er nickte zur Musikanlage, die gerade ‚Fading Like A Flower‘ abspielte.
„Ich kenn‘ das erst, seit ich deine Version mal gehört habe.“
„Oh, ich habe das gecovert? Cool.“ Colin lächelte breit.
„Das müsste auch bei den ganzen CDs von dir dabei sein.“
„Hatte ich viele?“ Sein begeistertes Grinsen fand kein Ende.
„Schau doch nach, da sind alle.“
Eilig kletterte Colin wieder zurück über die Lehne, um die CD-Sammlung zu inspizieren.
„Wow... Das ist so cool...“ Er nahm die zwei CDs heraus, die Studioalben waren, und reichte sie Kei. „Mach die an.“
Kei fand es amüsant, dass die Reaktionen nicht die gleichen waren wie das erste Mal als Colin Ruperts Sammlung entdeckt hatte. Kei nahm die CDs und legte sie in die Anlage.
„Oh, die zuerst!“ Er hielt ihm noch ein Live-Album hin. Kei wechselte die CDs und machte das Live-Album an. Derweil zog Colin aus allen Hüllen die Booklets heraus und sah sie sich fasziniert an. Kei betrachtete ihn dabei und bewarf weiter die Dartscheibe. Mit immer verlegenerem Grinsen hörte Colin sich selbst zu und fragte sich, ob es ihm leicht fallen würde, Spanisch zu lernen, wenn er das mal (wieder) versuchen sollte.
„Ein bisschen viel Gekreisch zwischendurch, meinst du nicht?“ sagte er zwischen Lied zwei und drei. Kei verneinte das.
„Das würde ich nicht Gekreisch kennen.“
„Das Publikum? Aber hallo.“
„Oh nein, das ist kein Gekreisch. Das sind Teenieweiber mit Herzanfall.“
Colin lachte.
„Konnte ich richtig Spanisch?“ fragte er.
„Du hast das sehr schnell gelernt.“
„Japanisch war am Anfang ziemlich schwer.“
„Englisch auch.“
Colin lachte. „Hast du ein bisschen von mir gelernt?“
„Viel sogar.“
„Alright? Care to prove it?“
„Nope.“
Und wieder lachte Colin. „Ooh, das ist gut.“ Gerade kam ein E-Geigensolo.
„Ja.“ Kei gingen die Dartpfeile aus. Auf der Scheibe war ein Stern aus Pfeilen zu sehen.
„... Warum ist da nichts Japanisches drauf? Ich sehe hier nur Spanisch und Englisch.“
„Ich glaube, weil niemand wissen sollte, dass du du bist.“
„Ach ja, wir wurden verfolgt.“ Sein Blick klebte weiter auf den CD-Zetteln. „Was meinte Dennis mit der unterbrochenen Bindung? Wir sind doch beide nicht... klinisch tot, oder?“
„Du nicht, ich nur, wenn ich mehr als zwei Meter von dir weg stehe.“ Er zeigte Colin die vom Pflaster befreite Wunde. „Siehst du das?“
Colin schaute über die Sofalehne. „Ja?“
„Eben. Das wäre eigentlich schon lange weg.“
„Warum ist es das nicht? Du stehst doch direkt neben mir.“
„Ja, und deshalb bin ich nicht eiskalt.“
„Oh, ich glaube eiskalt bist du trotzdem,“ sagte Colin trocken mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Aber ich habe einen Herzschlag, ich bin körperlich warm.“ Eiskalt... vielleicht. Wenn du nicht da bist.
„Okay, warum heilt sich dein Körper aber nicht, und meiner schon? Er hat was von einseitiger Verbindung gesagt?“ Colin kletterte wieder auf die Knie, um sich mit den Ellenbogen auf die Lehne zu stützen.
„Du kannst mich nicht sonderlich gut ausstehen. Ich dich schon.“
„Hä.“
Dennis hätte dir ein paar Details lassen sollen... dachte Kei bei sich.
„Also, ich hab‘ nichts gegen dich. Glaube ich.“ Colin zuckte mit den Schultern. Kei lächelte leicht. Das war ein Anfang.
„Oh, du wirst mich hassen. Manchmal. Manchmal auch das Gegenteil.“
Damit wusste Colin nichts anzufangen.
„Wir müssen uns also anfreunden, damit du dich wieder spontan regenerieren kannst?“ fragte er.
„Das wäre ein netter Nebeneffekt,“ sagte Kei. Colins Lächeln wurde etwas schmaler.
Der will sich mit mir anfreunden?
„Wir waren Freunde, ja?“
„Wir waren mehr als Freunde.“ Kei malträtierte wieder die Dartscheibe und Colin hörte mit seinem leichten Wippen auf.
„... und was war das?“ fragte er mit leichtem Stirnrunzeln und geneigtem Kopf.
„Beziehung.“
„Äh. Ja... schon klar. ... Aber was für eine?“
„‘Ne Mischung aus Liebe, Sex und Chaos.“
Colins Gesichtszüge entgleisten etwas. „... Hä?“ fragte er.
„Ist das so unvorstellbar?“
Colin merkte nicht, dass er rot geworden war. Nur, dass er verlegen lächelte. „Also... ich weiß nicht... irgendwie... schon... Wer von uns ist denn bitte schwul?“ fragte er intelligent.
„Wie viele gehören zu einer Beziehung?“
Colin sog Luft ein. „Also... du kannst mich doch auch nicht leiden!“ Nun wippte er wieder etwas vor und zurück, aber nur aus Verlegenheit, und räusperte sich. „Mir fehlen die letzten zwei Jahre, da kann ja viel passieren, glaube ich, oh scheiße, ich bin ja sechzehn... oder so... ähm... aber-“
„In den letzten Jahren ist sehr viel passiert, ja.“ Kei schmunzelte amüsiert. Und wieder stellte Colin das Wippen ein. Dafür fummelte er an einer Lederfalte an der Kante herum.
„Du verarschst mich auch nicht?“
„Wirklich nicht.“
„... Du hast echt mit mir geschlafen?“ Der eine verzogene Mundwinkel sah sehr skeptisch aus. Kei nickte.
„Ja.“
„Oh my god.“ Colin drehte sich um und rutschte auf die Sitzfläche. Kei musste grinsen und amüsierte sich nonverbal. Der verwirrte und schockierte Ausdruck blieb auf Colins ziemlich warmem Gesicht, so oft er sich auch mit gnadenvoll kühlen Händen darüberwischte. „War ich wenigstens gut?“
Kei grinste ein bisschen breiter. „Interessant, dass du mich das jetzt fragst.“
„Ich habe dich das nie gefragt?“ Colin wagte es, aufzublicken.
„Nicht, dass ich wüsste.“
„Na, dann kann es ja keine Beschwerden gegeben haben.“
Du hast dich auch nie beschwert. Kei grinste weiter. „Das beruht auf Gegenseitigkeit.“
Plötzlich fiel Colin etwas ein. Er drehte sich schnell wieder um. „Wir haben doch keine komischen Rollenspiele gespielt, oder?!“ Es klang etwas drängend, als läge ihm diese Sache sehr am Herzen. „Hatte ich darum dieses Kleid an?!“
Kei lachte. „Das Kleid hatte ‘nen anderen Grund und ich bin nicht schuld daran.“
„Ein Theaterstück? Halloweenparty? Warum hast du dann bei mir im Bett gelegen?“
„Ich hab‘ nur auf dich aufgepasst. Der Grund war eine Gala.“
„Gala? Crossdressinggala?“
„‘Ne ganz normale Gala, auch wenn ich nicht weiß, wofür die eigentlich war.“
„Ach, die hier im Schloss? Warum hatte ich dann ein Kleid an?“ Plötzlich schmunzelte Colin und musste mithilfe eines Räusperns ein Lachen unterdrücken. „Hattest du ein Abendkleid an?“
„Nein, ich habe einen Frack gekriegt.“
Colins Grinsen verschwand und machte einem flachen Todesblick Platz.
„Rupert war schuld.“
„Der kriegt morgen was zu hören,“ versprach Colin grimmig.
„Alles klar.“

Es vergingen einige Tage, in denen Kei viel trainierte und Colins Fragen beantwortete, wenn dieser denn welche stellte. Nachts war der Vampir oft in der Stadt. Ob, um sich mit Konzerten abzulenken oder sich die Beine zu vertreten, wenn er was anderes sehen wollte als das Schloss. Musterhaft benahm er sich nicht. Das tat er nie. Doch er gab sich ernsthaft Mühe, unauffällig zu bleiben. Er wusste, dass Dennis und Delilah wussten - und wahrscheinlich auch Colin - dass er nachts abhaute. Solange ihn keiner daran hinderte, war ihm das recht. Wirklich verkleidet war er nicht, aber er trug meistens bunte Kontaktlinsen, wenn er das Schloss verließ, und das schien auszureichen. Er spielte viel auf seiner Gitarre.
Zu Colin suchte er in der Form Kontakt, dass er hin und wieder neben ihm auftauchte und einfach anfing, sich mit ihm zu unterhalten.

Am nächsten Freitag folgte Kei dem Kleineren leise, nachdem der vom Mittagessen kam, welchem beizuwohnen der Japaner vermied.
„Heute ist irgendwo in der Stadt ein Konzert, kommst du mit?“
Mit einem leisen Lächeln nahm Colin Keis Anwesenheit zur Kenntnis, ohne ihn anzusehen. Er hatte sich daran gewöhnt, dass der Vampir hin und wieder plötzlich aus dem Nichts aufzutauchen schien und machte sich nichts mehr daraus.
„Ich darf doch nicht raus,“ gab er zu Bedenken, während er das ausgelesene Buch ins Regal zurücksortierte. Rupert war nach dem Essen in seine Praxis in Lancaster zurückgefahren und Colin hatte sich angewöhnt, die ersten Nachmittagsstunden bei Wetter wie diesem - nass und kalt - in der Bibliothek zu verbringen.
„Die Tür ist nicht abgeschlossen,“ merkte Kei an. Mit einem kleinen schmunzelnden Seitenblick gab Colin ihm zu verstehen, dass das nicht das Problem war.
„Dass du nicht rausgehen sollst, ist kein vernünftiger Grund,“ fügte Kei schulterzuckend hinzu.
„Dass die Instanz mich finden und dann den ganzen Widerstand hier zerschlagen kann, ist aber einer.“ Er ging langsam das Regal ab und las die Buchrücken.
„Ja, aber einen Abend in einem kleinen Club rumzuhängen, so, dass man uns nicht wirklich erkennt, wird schon nicht schiefgehen.“
Colin musterte ihn von der Seite und musste dabei fast grinsen. Er verstand sich mittlerweile ganz gut mit dem merkwürdigen Idioten, konnte aber natürlich nicht umhin, seine Motive zu hinterfragen.
„Charles Dickens ist immer gut,“ sagte er und nahm sich ‚A Tale of Two Cities‘ aus dem Regal.
„Ich bin kein talentierter Überreder. Wenn du was anderes sehen willst als Schloss, dann komm mit. Wenn nicht, auch okay.“ Eigentlich nicht. Kei wollte, dass Colin mitkam. Colin zuckte mit den Schultern.
„Wenn du Dennis für mich fragst und er einverstanden ist, komme ich mit,“ sagte er. Natürlich wollte er etwas anderes als das Anwesen sehen. Aber er konnte Dennis nicht selbst fragen. Der Mann war ihm unheimlich.
„Okay.“ Kei kam gut mit Dennis zurecht. Ihn zu fragen, ob Colin ausgehen durfte war weitaus weniger schlimm, als ihn um Hilfe bitten zu müssen. Kei bat nicht gern um Hilfe. In den letzten Wochen kam das viel zu häufig vor.
„Ich habe aber kein Geld für Eintritt oder sowas,“ sagte Colin.
„Egal, ich hab‘ welches.“
„Wird das dann ein Date?“ fragte Colin mit einem breiten Grinsen.
„Ja, weil ich dich einlade,“ erwiderte Kei, ebenfalls grinsend.
„Dann mache ich mich ganz besonders hübsch,“ versprach Colin wimpernklimpernd und tänzelte mit einer ausladenden Geste an Kei vorbei in Richtung Tür. Der musste lachen.
„Lass dir Zeit, das fängt erst gegen 21 Uhr an.“

Kurz nach Colin verließ er den Raum, um Dennis zu finden. Er steckte den Kopf in dessen Zimmer und fragte: „Bist du hier?“
Tatsächlich war er das. Und wie er das war. Er war gerade im Begriff, seine Motorradmontur anzulegen und hatte es vor Keis unangemeldetem Eindringen gerade noch geschafft, den Reißverschluss der engen Lederhose zu schließen und hielt nun mit leicht verdutztem Blick ein T-shirt in der Hand. Schulterzuckend öffnete er die Arme um seine Präsenz zu bestätigen.
„Darf Colin heute mit mir weggehen?“ Kei blieb in der Tür stehen. Dennis hob eine Augenbraue.
„Nein,“ sagte er unbekümmert und zog sich das T-shirt über.
„Komm schon. Ist nur ein Konzert.“
„Oh, also nur so fünfzig bis zweihundert Leute um euch herum, die ihn erkennen könnten. Klar doch,“ sagte Dennis trocken und schüttelte den Kopf.
„Wir müssen doch eh verkleidet raus, also erkennt uns keiner,“ versuchte Kei ruhig.
„Vorschlag,“ sagte Dennis, während er die Jacke zuzog und sich Kei zuwandte. „Ruperts Stunt bei der Gala scheint ja funktioniert zu haben. Verkleide ihn so, bis zur Unkenntlichkeit, und ich gebe euch Delilah mit.“
„Einverstanden.“ Delilah war Keis Lieblingsverwandtschaft, wenn man das so nennen konnte. Sie mitzunehmen empfand er nicht als Bestrafung.
Für Kei hieß Verkleiden meist nur, seine Augenfarbe und Tattoos verschwinden zu lassen an denen man ihn sonst zu einfach erkennen würde. Den Rest erledigte das Geistesbeeinflussungstalent, in dem Dennis ihn in letzter Zeit ausbildete. Die Tragweite von Dennis‘ telepathischer Fertigkeit wurde ihm so erst nach und nach bewusst, und er verstand nun, warum sie beide so einfach in den Keller mit den Grubenkämpfen spazieren konnten, aus dem sie Colin befreit hatten.
„Gut. Brauchst du Geld für Ivys Verkleidung?“ fragte Dennis, indem er sich ein paar Kleinigkeiten von der Kommode nahm und sie in diversen Taschen verstaute.
„Ja. Ich bin nicht reich.“ Den Plan Colin zu unterbreiten würde noch amüsant werden. Wie vor allem sollte er es anstellen, dass Colin bei der Auswahl der Kleidung, mit der Kei - wenn man von seinen Fantastereien mal absah - völlig überfordert war, mithelfen konnte? Während Dennis so auf ihn zuging, dass es offensichtlich wurde, dass er ihn von seiner Zimmertür verscheuchen wollte, patschte er ihm einen Hundertpfundschein auf die Hand und nahm schonmal die Türklinke in die Hand.
„Dann mach mal.“
„Viel Spaß noch,“ sagte Kei dankend nickend und verschwand wieder.

Mit dem Geld ging er zu Colin, an dessen Badezimmertür er klopfte.
„Gute Neuigkeiten! Du darfst mitkommen. Dennis hat aber Bedingungen aufgestellt.“
Colin öffnete die Tür und taperte daraufhin gleich wieder zu seiner Stereoanlage die Rupert ihm hier hineingestellt hatte, um den Ton leiser zu drehen.
„Was für Bedingungen?“ Er konnte seine leichte Aufregung nicht ganz verbergen. Er durfte raus! Zu einem Konzert!
„Erinnerst du dich an das Kleid?“
„... Ich soll mich als Mädchen verkleiden.“ Colin wusste nicht, ob er laut loslachen oder angewidert sein sollte. Beides sah man auf seinem Gesicht.
„Ja. Und wir sollen Delilah mitnehmen.“
„Oh. Als Leibwächter,“ riet Colin.
HAHAHAHAHAHA! tönte auf einmal Delilahs Geistesstimme in Keis Kopf.
Dennis ist schuld. „Wohl eher als Aufpasser.“
„Ist doch das gleiche. Aber wie, bitte, soll dieses Kleid der Unauffälligkeit dienen, frage ich mich?“ Colin hob die Augenbrauen und breitete fragend die Arme aus.
Das wird ein Spaß, sagte Delilah in Keis Kopf in einem gemeinen Ton, den Kei bereits aus diversen Prügelrunden mit ihr gut kannte.
„Die Instanz hat dich als männlich auf dem Fahndungsblatt. Auf der Gala warst du sehr überzeugend.“ Lass ihn Spaß haben, entgegnete Kei seiner Schwester in Gedanken. Er hielt den Geldschein in die Höhe. „Dennis hat uns Geld gegeben. Also für dein Zeug.“
„Damit ich nicht als Alice im Wunderland rumlaufen muss. Nett von ihm...“ Colin sah den Schein misstrauisch an.
„Du musst mir sagen, was du haben willst, dann geh ich einkaufen.“ Und errege jede Menge Aufmerksamkeit...
„Äh... was überzeugendes, nehme ich an...“ Hilfloses Schulterzucken. Hilfloserer Gesichtsausdruck.
Es klopfte an der Tür.
Kei drehte sich um. „Dein Outfit, deine Entscheidung.“
„Okay okay, warte! Komm rein,“ sagte er zur Tür, durch die nun Delilah spaziert kam. Ihr Gesicht war auf den ersten Blick stoisch wie immer, doch Kei konnte darauf den Ansatz eines schadenfrohen Schmunzelns erkennen, das Colin völlig entging.
„Ich habe keine Ahnung, ich trage immer nur sowas hier,“ sagte Colin eilig und gestikulierte an seinen Jeans und Sweatshirt herunter.
„Weiß ich. Delilah. Frauenkleidung für Colin. Was würde ihm stehen?“ Und hör auf zu grinsen!
Sie machte eine Show daraus - zumindest für ihre unterbetonten Verhältnisse - Colin von oben bis unten zu betrachten, und deutete dann mit an den Oberschenkeln ausgebreiteten Händen einen Rock an.
„Aber was für einen?“ Kei sah zwischen Colin und Delilah hin und her. Ein auf dem Bein entlanggezogener Finger sagte ‚kurz‘. Dann hob sie ein Bein an und klopfte sich auf einen Motorradstiefel.
„Das verstehe ich zwar nicht, aber sie scheint bescheid zu wissen,“ bestimmte Colin nervös.
Material oder Farbe? fragte Kei mit Blick auf Delilahs Stiefel.
Alles, entgegnete sie. Sie setzte ihren Fuß wieder auf und winkte Kei zu sich, mit einer Geste, die ‚Motorradfahren‘ ausdrückte.
Alles klar, das kriege ich hin. Was als Oberteil? Kei war eindeutig damit überfordert. Sie winkte ihn wieder zu sich, nachdrücklicher, und wandte sich zur Tür. Dann blickte sie zu Colin, tippte sich dabei auf das Handgelenk und hielt zwei Finger hoch. Der Junge nickte hilflos. Kei schaute sie fragend an.
Komm! sendete sie ungeduldig beim Hinausgehen. Kaufen.
Okay, okay. „Wir beeilen uns,“ versicherte er Colin beim Verschwinden.
„Okay...“ Colin winkte kurz langsam.

Keine zwei Stunden später waren sie zurück und Kei kam sich erschöpfter vor als nach jedem Training mit Yukio oder Delilah. Sie fanden Colin wieder in seinem Zimmer, wo er in weiser Voraussicht seine Ivyperücke hervorgekramt und vorsichtig gekämmt hatte. Er schien sich von seiner eigenen Überforderung erholt zu haben und begutachtete ihre Einkäufe mit weniger Skepsis und Schrecken als befürchtet. Zu dem - wirklich sehr kurzen - Faltenrock mit schwarzer Wollstrumpfhose musste er nicht einmal ein kompromittierendes neues Oberteil anziehen, sondern einfach eins seiner engeren Sweatshirts. Mit den Bikerstiefeln und dem Lederschmuck mit Ketten und Nieten konnte er sich auch abfinden. Kei war mit den Einkäufen ziemlich zufrieden, dafür, dass er noch nie Frauenklamotten gekauft hatte, und beobachtete Colin beim Auspacken der Einkäufe. Der sagte kein Wort und sah nur auf die Uhr, um abzuschätzen, wieviel Zeit noch blieb. Genug.
Ohne Delilahs und Keis Anwesenheit über einen neutralen Blick hinaus noch weiter zur Kenntnis zu nehmen, zog er sich das Sweatshirt aus. Kei grinste leicht und beobachtete Colin ungeniert weiter. Augenbrauen hochgezogen, drehte Delilah sich auf der Stelle um und verließ den Raum. Kei bemerkte sie verschwinden, aber das kümmerte ihn nicht wirklich.
Da war noch etwas in der Strumpfhosentüte. Colin wühlte darin, hielt inne und wurde rot. Mit einem verstohlenen, unlesbaren Blick nahm er sich die ganze Tüte, Strumpfhose und Rock und marschierte brüsk ins Badezimmer. Kei musste leicht lachen, weil er sich denken konnte, was Colin gerade gefunden hatte.
„Halt die Schnauze,“ kam gedämpft durch die Badezimmertür. Was man nicht alles für ein Konzert und eine Pause vom goldenen Käfig tat...

Thursday, April 7, 2016

Kei + Colin LXXIII: Noch mehr Familie

[In diesem Kapitel gibt es viel englischen Dialog.]

Colin sah kurz ernst zu Kei, griff dann beherzt in die Tüte, die er mitgebracht hatte und begann eilig damit, sich die Sachen daraus anzuziehen. Kei sprang auch auf und schulterte seinen Rucksack mitsamt Schwert. Es war einfacher einen zu töten als viele. Vielleicht würde der Typ aber auch sein Wort halten und sie nicht umlegen wollen.
„Gut. Lasst uns gehen. Dich zu töten ist einfacher als die da draußen.“
Der Japaner besaß die Stirn, leise zu lachen.
In Windeseile hatte Colin das Sweatshirt und die Hose angezogen und seine Schuhe folgen lassen. Auf dem Weg zur Treppe neben der Tür, die dort hinaufführte, zog er sich seinen Rucksack mit der Geige auf.
Kei hatte keine Lust, mit dem Japaner darüber zu diskutieren, wer wen besser killen konnte und schwieg. Er folgte ihm und Colin die Treppe hinauf. „Wohin gehen wir?“
„Kann ich jetzt nicht sagen. Vielleicht hören sie zu,“ sagte der Japaner und nickte zu der Öffnung in der Decke, als sie darunter ankamen. „Bleibt geduckt, wenn ihr oben seid.“
Colin griff sich eine Kupferleitung, die in der Wand befestigt war, und nutzte die Räuberleiter, die ihm der Typ anbot, um sich hinaufzuziehen. Kei nutzte seine eigene Sprungkraft, um dort hochzukommen und sah sich vorsichtig um. Zu sehen war niemand, aber das hieß gar nichts. Es konnten genausogut überall Vampire sein. Sich extrem leise bewegend, ging er ein paar Schritte - immer auf Unsichtbarkeit bedacht.
Colin sah sich auch um und blieb stumm, hatte das mit dem lautlos Bewegen aber nicht so raus wie Kei und der andere Japaner, und so knirschten seine Schritte auf dem kiesigen Untergrund des Daches.
„Dahinten die Leiter runter, da gibt es Motorräder. Das blaue nimmst du,“ sagte der Japaner leise, während er gebeugt neben Kei zur gegenüberliegenden Brüstung eilte. „Sie müssten -“
„Mumf!“ gab Colin hinter ihnen von sich. Kei drehte sich um.
Ein großer, sehr rothaariger Mann in der Uniform eines Sicherheitsdienstes - oder zumindest etwas, das sehr danach aussah - hielt Colin den Mund zu und hielt ihm mit dem anderen Arm die Arme fest, während er ihn rückwärts zog. Aus der Luke, aus der sie gekommen waren, kletterten gerade weitere Personen, alle in Stiefeln, Cargohosen und praktischen Jacken mit vielen Taschen und Gurten, und sie kamen stumm und ernst auf sie zugelaufen. Einer von ihnen packte sich Colins Beine, damit das Wegtragen schneller ging.
Mit erschrockenem Blick packte der Japaner Kei beim Oberarm und zerrte ihn zur Brüstung.
„Schnell runter!“
„Fuck! Soll er sterben oder wie?“ Kei war im Begriff auf die Typen loszugehen.
„Sie bringen ihn nicht um! Wenn du dich jetzt auch schnappen lässt, kriegen wir ihn nie wieder raus, also komm runter!“ Er hielt Kei weiter fest, mit stahlhartem Griff, und zog noch einmal, um ihn mitzunehmen, während er vom Dach sprang.
Kei folgte ihm. Mehr gezwungen als freiwillig. Hat er auch nur einen Kratzer, seid ihr alle tot.
Unten standen zwischen Stapeln von Europaletten, Containern mit Bauschutt, Plastiktonnen und knorrigen Sträuchern tatsächlich Motorräder, vier Stück, und zwei davon waren besetzt. Die zwei Leute trugen die gleiche anonyme, schwarze Motorradkleidung und Helme. Sie hielten ihnen drei weitere, identische Helme entgegen und starteten ihre Räder.
Der Japaner war wie Kei elegant auf den Füßen gelandet und sofort losgesprintet. Er griff sich einen der Helme, setzte ihn sich auf und sprang auf das silberne Motorrad.
„Sie haben den anderen!“ rief er.
Nicht lange. Kei wusste, dass er gegen viele Vampire chancenlos war, wenn er sich ihnen allein entgegenwarf. Mit einem Helm schwang er sich auf das andere Motorrad und startete es umgehend. Den dritten, nun überflüssigen Helm schnallte der Fahrer irgendwie an seinen Tank, während er schon losfuhr.
„Sakai!“ rief der Japaner, „du folgst dem anderen silbernen. Viel Glück!“
Schon erschienen wie durch Teleportation mehrere der martialisch gekleideten Personen hinter ihnen an der Mauer, einer auf einem mit Schrott gefüllten Baucontainer, und zwei waren in der Ausfahrt erschienen und schnitten ihnen den Weg ab. Der Fahrer, dem Kei folgen sollte, beschleunigte einhändig, während er direkt auf die beiden zuhielt, und zog gleichzeitig eine Pistole von irgendwo an seinem rechten Bein, mit der er wahllos vor sich feuerte. Der Japaner und der Fahrer auf dem anderen blauen Motorrad teilten sich rechts und links von ihnen auf und rasten ebenfalls einfach auf die Straße zu – von der sie noch ein leichter, aber hoher Bauzaun trennte. Die Ausfahrt bot die einzige Lücke in besagtem Drahtzaun.
Die beiden Vampire, die dort auf sie warteten, wichen den Schüssen lässig aus und einer kam nah genug heran, um Keis Vordermann im Vorbeifahren zu streifen. Er bekam ihn aber nicht ganz zu fassen, denn der Rückstoß eines Schusses, der zufällig genau im Hals des zweiten landete, ließ seinen Arm unerwartet zur Seite zucken. Zwei Sekunden später war er auch schon auf der Straße und raste geradeaus weiter.
Währenddessen waren der Japaner und der mit Colins Helm am blauen Tank auch herausgekommen. Einer hatte den Zaun vor sich einfach umgefahren und der andere ihn mit seiner Geschwindigkeit aufgeschoben. Der Japaner drehte, beschleunigte und fuhr rechts die Straße hinunter. Der andere driftete auch in eine Kurve, aber nach links, und war nach wenigen Sekunden bereits hinter einigen geparkten Lastern verschwunden.
Kei blieb mit etwas Mühe, was den schießenden Vampiren geschuldet war, hinter dem Fahrer, dem er folgen sollte. Als derjenige, der Keis Vordermann zu Fall bringen wollte, erfolglos blieb, zog Kei eine Waffe aus dem Hosenbund und schoss dem Kerl in den Helm, wich ihm aus und verfolgte das blaue Motorrad weiterhin. Sein Vordermann schien keine Rücksicht auf ihn zu nehmen oder darauf zu achten, dass er hinter ihm blieb, und fuhr einfach hakenschlagend weiter. Er behielt die ursprüngliche Richtung weitestgehend bei, bog jedoch in mehrere Quer- und danach Parallelstraßen ein und wurde zwischendurch langsamer. Nach etwa zwanzig Minuten kamen sie in eine ländlichere Gegend, die Gebäude dünnten aus, und während der Himmel dunkler wurde, wurden die Straßen ruhiger. Keis Vordermann hielt sich nun an die Verkehrsregeln. Sobald es beinahe nachtdunkel war, winkte er einmal mit dem linken Arm und bog dann links auf einen kleinen, leeren Rastplatz ein.
Kei hatte, als sie nicht mehr verfolgt wurden, keine Schwierigkeiten damit, dem Vordermann zu folgen. Er bog auf den leeren Rastplatz ein und hielt direkt neben ihm.
„Wer sind die Typen und wer seid ihr?“ fragte er fordernd. Die Person stieg ab und nun war ziemlich offensichtlich, dass es sich hierbei um eine Frau handelte. Doch sie nahm ihren Helm nicht ab, öffnete ihn auch nicht, sondern zog nur eine Plastiktüte hinter einer Schnalle an ihrem Sattel hervor und nahm wortlos ein paar Nummernschilder und einen kleinen Akkuschrauber heraus.
„Hey! Ich hab dich was gefragt! Was wird hier gespielt?“ Kei wollte Antworten und er würde erst Ruhe geben, wenn er wusste, was los war. Doch sie antwortete nicht, sondern machte sich sofort daran, die Nummernschilder an beiden Motorrädern auszutauschen. Dafür brauchte sie keine ganze Minute. Die abgeschraubten Schilder wanderten zusammen mit dem winzigen Schrauber in die Tüte und wurden darin an den Sitz geklemmt.
„Verdammte Scheiße!“ Kei packte sie am Handgelenk und drehte sie mühelos herum. „Jetzt rede endlich!“
Die Frau ließ ein paar Sekunden verstreichen und betrachtete Kei durch ihr in der Dunkelheit beinahe undurchsichtiges Visier mit ausdruckslosen Augen. Dann riss sie ihren Arm plötzlich nach hinten und zog Kei so auf sich zu und von seinem Motorrad herunter, und duckte sich dabei mit einer leichten Drehung unter ihn, um ihn über die Schulter zu werfen. Kei behielt sein Gleichgewicht, nutzte den Schritt, den er machen musste um nicht zu fallen, um Schwung zu holen und drehte sich beim über die Schulter geworfen Werden so, ihr den Am verdrehend, dass er stehend hinter ihr landete. In einer flüssigen Bewegung drehte sie sich mit, um sich ihren Arm nicht auskugeln zu lassen, und richtete sich wieder auf. Sie hatte immer noch keinen Laut von sich gegeben. Sie sah Kei wieder neutral an. Nun öffnete sie mit der freien Hand ihr Visier und blickte pointiert auf ihr umklammertes Handgelenk.
„What the bloody hell is going on here?!“ versuchte Kei es noch einmal mit Worten und sah ihr eiskalt in die Augen. Sie rollte leicht mit den Augen, sah ihn dann mit gehobenen Augenbrauen streng an und tippte sich mit einem Finger auf das freie Handgelenk. Dann nickte sie zweimal seitwärts und sah dabei auf das Motorrad hinter ihm.
„You are not goin‘ to tell me anything, are you?“ Kei ließ sie mit verächtlichem Blick los, da er so nicht weiterkommen würde. Entweder verstand sie ihn wirklich nicht, oder sie war eine gute Schauspielerin. „Do you understand me?“
Mit ungeduldigem, strengem Blick gewährte sie ihm ein langsames, ernstes Senken des Kopfes, das möglicherweise so etwas wie ‚Ja, du brüllst ja laut genug‘ oder vielleicht ‚Beweg dich, wir haben nicht den ganzen Abend Zeit‘ bedeutete. Es schien jedenfalls eine Antwort zu sein, und sie bestieg daraufhin sofort wieder ihr Gefährt. Nachdem sie ihr Visier wieder heruntergezogen hatte, vollführte sie mit der Hand eine kompliziert ausschauende Geste vor der Brust und zeigte dann auf die Straße, ehe sie den Motor startete und das Licht einschaltete.
Kei stieg ebenfalls wieder auf und startete den Motor. Er hoffte für sie, dass es dort wo sie ihn hinzubringen gedachte, irgendjemanden gab, der Japanisch sprach und dass der Typ, der Colin und ihn aus der Halle geholt hatte, nicht der einzige war.
Wieder in dem Gesetz angemessener Geschwindigkeit fuhren sie weiter. Dabei wechselten sie nach langen Strecken gelegentlich die Richtung, sodass sich der Mond jede halbe Stunde woanders über ihren Köpfen befand. Schließlich, mitten in der Nacht, fuhren sie etwas um eine Ortschaft namens Lancaster herum, und irgendwann über eine schmale und unbeleuchtete, aber gut gepflegte Landstraße, auf ein zwischen Feldern und einem Park sitzendes Anwesen zu, das den Hinweisschildern nach zu urteilen ‚Lancaster Castle‘ sein musste. Die Gebäude lagen im Dunkeln, aber gegen den dunkelblauen Himmel hob sich genug von der Silhouette ab, um zwei viereckige Burgtürme zu erkennen.
Was wollen wir in einem abgelegenen Schloss? Kei fuhr bis fast vor die Tür und stellte das Motorrad dort ab. Nachdem er den Helm abgenommen und an den Lenker gehängt hatte, sah er sich um und wartete auf seine stumme Begleitung. Diese stellte ihr Motorrad unzeremoniös neben seinem ab und nahm auch den Helm ab. Beim Heranfahren war über der grün gestrichenen Holztür mit Klopfer, die in einem Seitenflügel dieses moderneren Teils des Schlosses saß, eine Laterne angegangen. Nun konnte man der Frau nicht nur überdeutlich ihre asiatische Herkunft ansehen, sondern auch eine starke Ähnlichkeit mit dem Japaner vom Nachmittag, sowie mit jemand anderem...
Sie lächelte ein wenig, nur angedeutet und ansatzweise, und zeigte auf die Tür, auf die sie zutrat, um sie einfach aufzudrücken.
Kei stockte als er erkannte, wen er da vor sich hatte. „Du erklärst mir jetzt, was hier los ist.“
Sie blickte auf ihn zurück und gestikulierte wieder mit einer Hand, ehe sie in den Flur trat, in dem ebenfalls automatisch sanftes gelbes Licht anging. Sie sah nach oben an die Decke und zeigte hoch. Kei folgte ihr und sah nach oben. Sie nickte zu einem Ausgang in eine Art Halle, die zum Teil holzgetäfelt und mit Wandteppichen behängt war. Dort befand sich auch eine breite Treppe, zu der sie nickte. Ihre Schritte hallten. Hier war es, abgesehen von dem dünnen Schein durch die hohen schmalen Fenster in der Wand hinter der Treppe, dunkel.
Während in Kei die Aggressionen anwuchsen, da man ihm nichts erzählen wollte, ging er den ihm gewiesenen Weg.
Als sie den zweiten Teil der Treppe hinter sich gebracht hatten und auf einer kurzen Galerie ankamen, von der aus man in vier Richtungen zu verschiedenen Räumen gelangen konnte, konnte man wieder warmes Licht sehen. In zweien der Flure brannten kleine Lampen, die elektrisch waren aber grüne Glasschirme hatten, die an Gaslampen des neunzehnten Jahrhunderts erinnerten. Außerdem fielen aus ein paar Räumen schwache Lichtstreifen unter den Türen hindurch auf den Dielenboden. Auf eine dieser Türen steuerten sie gelassen zu.
Kei zog sein Schwert sehr leise und tippte Ms. ‚Ich-rede-nicht-mit-dir‘ damit an. „Was wird hier gespielt?“ Er sprach sehr ruhig.
Sie hielt gerade vor der Tür und hatte eine Hand auf die Klinke gelegt. Ihr eben noch so gelassener Gesichtsausdruck versteinerte wieder zu einer eiskalten Maske. Mit hochgezogender Augenbraue blickte sie auf die blanke Klinge, und dann in Keis Gesicht. Langsam hob sie ihre freie Hand und zeigte damit auf die Tür. Dann formte sie die Hand zu einer lockeren Faust und klopfte in die Luft.
„You can come in,“ tönte es von drinnen.
Kei betrat den Raum und ließ sein Schwert sinken, behielt es aber in der Hand. „Tell me what the bloody fuck is going on.“
Auf einem großen, antiken Schreibtisch aus dunklem Holz in diesem großen, antiken Raum aus dunklem Holz, Teppichen, Büchern und einem großen Kamin saß ein dünner, faltiger Mann mittleren Alters mit ausdünnendem Haar und der gleichen Motorradmontur die Keis Begleiterin trug. Nur hatte er seine Jacke auf dem hohen Schreibtischstuhl abgelegt und hatte nun über der Hose nur doch ein olivgrünes T-shirt an. Er hatte scheinbar mit einer Zigarette herumgespielt, die er sich nun hinter ein Ohr steckte. Er hielt inne und musterte Kei mit dem Schwert.
„Okay... Welcome... We will. But could you put that away first? Is Dennis with you?“
Die Frau schüttelte den Kopf.
„Why should I?“ fragte Kei gelassen und musterte den Mann. Er hatte ihn noch nie gesehen.
„Because that is the polite thing to do when you're in somebody's house. I'm afraid I'm not very good at sharing information when I've got pointy steel stuck up my nose. So if you want to know what's going on, it would be wise to stop threatening me.“
„I could stick this up your arse if that's making you talk faster.“ Kei machte keine Anstalten sein Schwert wegzustecken, blieb aber ein Stück vom Tisch entfernt stehen. Der Mann schmunzelte und steckte sich gemächlich die Zigarette an.
„It's not. Sorry.“
Die junge Frau schnaubte kurz und schloss die Tür, ehe sie ihre Jacke öffnete, über die Armlehne eines Sessels am Kamin warf und sich auf ebendiesen Sessel setzte. Sie sah dezent genervt aus.
„I thought the Japanese were all manners, but you are more insolent than any five-year-old I've ever seen.“
„I must apologise. I have never been raised accordingly to Japanese standards.“ Keis Stimme war purer Sarkasmus, trotzdem steckte er sein Schwert weg. Seine Kleidung war bestückt mit vielen Waffen, die im Notfall reichen würden. Die Frau schnaubte wieder, diesmal mit einem eindeutigen Blick an die Decke. Der Mann schmunzelte wieder.
„Please, have a seat. I'll answer your questions.“ Er nickte und deutete auf den Sessel, der dem besetzten vor dem Kamin gegenüberstand. Vom Schreibtisch neben sich angelte er sich einen Kristallaschenbecher, den er sich auf einen Oberschenkel setzte. Kei ließ sich in den Sessel fallen.
„Who are you and why am I here?“ Er hatte sehr viele Fragen.
„My name is Rupert Ingram. I am not a vampire.“ Er deutete auf die junge Frau, die Kei halb liegend und weiterhin ohne nennenswerten Gesichtsausdruck musterte. „This young lady here is Delilah Sakai. She is a vampire. ... As you may have guessed.“
Sie nickte kurz.
„Oh great. Yes. Another lovely family member of mine. Go on.“ Kei zündete sich ebenfalls eine Zigarette an.
„There's an ashtray on the mantelpiece.“ Rupert Ingram nickte zum Kaminsims. „She and Dennis are your siblings. You are here because we don't want them to capture you. ‚They‘ meaning our respective parents and grandparents.“
Kei nahm sich den Aschenbecher. „I know about my parents wanting to capture me. One is dead.“
„Yes, we know. It caused quite a stir. You and your friend did good work on them. Do you know why they want you?“
„No. Where is Colin now?“
„Probably in a transporter, or already in some cellar, hidden away from eyes and ears... I reckon they don't really want him. He's human, after all.“
„Since when? He was killed, undead, feeding on human flesh. It is new that he acts human again.“
Rupert neigte interessiert den Kopf, aber ging nicht darauf ein.
„You do know that vampires have an obscenely long lifespan, don't you?“
„Well no but I assumed that. No one ever told me anything of what it means to be a vampire. Except for the blood.“
„Well, as far as anyone knows, they might well be immortal, like lobsters. However, they have an uncanny knack for killing each other off. And they usually have very few offspring. It is unusual for them to breed as well as your family does. In short, vampires are slowly going extinct. They are desperate to bolster their numbers.“ Rupert popelte eine neue Zigarette aus seiner Hosentasche und zündete sie sich an.
„Then they should have more sex. That's how offspring is made. Vampire offspring, too.“ Für Kei war diese Idee sehr naheliegend, dafür musste es ausreichend Vampire geben - genug heterosexuelle. Rupert lachte. Delilah grinste.
„Well, that doesn't work as well as with humans, I'm afraid. But vampires are very libidinous creatures. They fuck like rabbits-“ Delilah rollte mit den Augen und Rupert grinste sie an. „Well, it doesn't seem to be enough. They get killed faster than they are born. And because of that...“
„They should make a plan to stop the killing for a few hundred years.“
„How very mature of you. That would seem to be the logical response, but no. That won't happen. Instead, what they've been doing in the last few hundred years, is try and find a way to expand their lives beyond death.“
„Oh yeah I forgot. I am a living dead vampire. We are bloody hard to kill and I am an even harder challenge. What happened to me?“
„They did. We don't know what exactly it is they did to you. But it was deliberate. They did it to Colin, too.“
„He was or still is human. Or is again. He turned into himself again after arriving here but still needs flesh and is shocked to do so. It affected him differently.“
„Yes. They are going to study that. Apparently it only works in pairs. They need pairs. Like siblings, long time lovers, close friends... like you and Colin. Our guess is that they paired you with him because there was no suitable vampire to attach you to. Whatever it is they do, it has to happen from very early on, from the moment of birth, or even before that.“
„So everything is planned... Seems like vampires often turn out gay. Well, they won't get what they want. And they won't have Colin to watch for a long time.“
Rupert lächelte amüsiert.
„You're very spirited. Very determined. That is good. That's very good. We might get him back that way.“
Auf dem Flur waren zügige Schritte zu hören. Delilah stand auf und ging zur Tür, um sie zu öffnen.
„If they want him dead they must kill me first and I seem to be immortal. That is kind of a challenge.“ Kei drehte sich in Richtung Tür. „Next question. Why don't you want to kill me?“
Rupert lachte leise.
„Because we're not assholes. We're trying to bring them down. We've all been victims of their insanity in one way or another. As far as we're concerned, you're one of us.“
Der Japaner kam in den Raum marschiert, sah sich eilig um, und sein Blick blieb auf Delilah hängen. Er schnippte sie auf die Stirn.
„You didn't take the foils off!“
Sie blinzelte und rieb sich die Stirn, zeigte dann anklagend auf Kei, und gestikulierte wieder in Gebärdensprache. Rupert lachte und Dennis starrte Kei an.
„Sie sagt, du hast sie abgelenkt.“
„Wenn die sich ablenken lässt, kann ich da nichts für,“ sagte Kei zu dem Japaner und drehte sich wieder um. „I am not part of anyone's group. I am interested in killing those fuckers and in living.“
„Good, then we have a common goal! And a common enemy. No one's asking you to join us permanently,“ sagte Rupert. Delilah ging zu ihrem Sessel zurück und legte sich wieder quer auf ihn. Dennis schloss die Tür und gesellte sich zu Rupert an den Schreibtisch, gegen den er sich lehnte.
„I didn't plan to do so. So those two are parts of my family...“ sagte er mehr zu sich selbst. „Are you as fucked up as the rest of them?“
Alle lachten. Bei Delilah wuchs sich das zu nicht mehr als ein bisschen lauterem Atmen aus.
„Probably. But we're not experimenting on people and torturing them,“ sagte Dennis. Er musterte Kei nun interessiert.
Delilah setzte sich auf und gestikulierte hastig. Ihr Gesicht war nur ein klein wenig belebter. Dennis und Rupert nickten zustimmend.
„I guess that's good.“ It appears to me that I am the most fucked up of the Sakai offspring. But I can live with that. Kei formulierte den Satz in Gedanken, ließ ihn aber auch dort. „What's she saying?“
„Sie hat gesagt, dass wir ein Teil - dass wir verstehen, dass wir ein Teil dieser Welt sind und dass wir Menschen nicht nur als Vieh sehen, von dem wir uns ernähren. Wir müssen mit ihnen leben,“ erklärte Dennis.
„Ich tue beides,“ sagte Kei.
Dennis lächelte.
„Wir ernähren uns auch von Menschen. Aber sie sind auch Personen. Wie er hier.“ Er nickte zu Rupert neben sich, der den Kopf hob und die Augenbrauen hochzog.
„What?“
„I said, you're people!“ sagte Dennis laut.
„Crikey, no need to shout!“
„I don't mind killing people. No matter if they are human or not.“
Sie sahen Kei ernst an. Dennis blickte zu Rupert, der ihm ganz sachte zunickte.
„I did not say that I am going to kill you...“ Jedenfalls nicht heute.
Delilah sah ihn müde an.
„You know, you don't have to kill a person to feed on them,“ sagte Dennis.
„I do. But I like them dying.“
Stille.
„Well... I take that back. Delilah and I are not as fucked up as the rest of the family. You are, though,“ gab Dennis müde zurück.
„I never denied that. I am my father's son after all. Even if he's an arsehole.“
„I'm my father's son, too. And I'd like to think I'm not that much of an arsehole.“ Dennis klang etwas eisig. Rupert zündete sich in betretener Zurückhaltung eine dritte Zigarette an.
Delilah gestikulierte etwas, zögerlich, und Rupert musste leise lachen.
„You are a little bit,“ übersetzte er.
„So what kind of like Kira looking siblings are you?“
Delilah legte den Kopf etwas schief.
„He's our father,“ sagte Dennis.
„And you say vampires don't breed well? Kira has many children it seems. At least four.“
„Yes, and with him you and your friend took down the best breeding machine our enemy's ever had. Well done,“ sagte Rupert. Er besaß die Stirn, ein paarmal zu klatschen.
„We took him down for a different reason.“
„Doesn't matter,“ sagte Dennis, „You took him down.“
Delilah gestikulierte.
„She says that gives us hope that we might have a chance at getting your friend back,“ übersetzte Dennis.
„What was his part in all this? Oh and I guess you know why my mother really had to die. ... I'll get him back anyway.“
„Kira murdered her because she didn't want you to be a part of the experiment. When Masako found out about it she was going to join up with us. We had an escape plan and everything, but it was ruined when he killed her, and we couldn't get to you anymore,“ erklärte Dennis. „Kira and Ryuji are one of the pairs, too.“
Kei nickte. „They are both dead. I guess they will stay that way.“
„Yes, we heard. Well done,“ wiederholte Rupert.
Delilah gestikulierte und Rupert nickte daraufhin.
„Wir haben Zimmer für - ein Zimmer für dich,“ sagte Dennis.
„Why did they choose Colin? He is not a vampire.“ Kei neigte dazu, Delilah nicht zu beachten, Weil er nicht darauf warten wollte, dass die fertig wurde mit der Gestikuliererei.
„Uhm...“ Rupert schien kurz zu überlegen. „They needed a partner for you, and as I said, we think there was no suitable vampire, so they took a human baby. We found out that his father is somehow involved in all this, despite being human. He offered him up before he was born.“
„It was a little hurried, I think, because you were already there and slowly getting too old for the process... whatever it is. They needed someone quickly,“ steuerte Dennis bei. „So they used him, prepared you for each other, and then let you two meet.“
Kei nickte. Das ergab alles Sinn. Irgendwie. Auf eine perverse Art. Es war aber zugleich erschreckend. Dass er Colin überhaupt nicht aus Versehen begegnet war, schmeckte ihm nicht, änderte aber nichts. Er wollte Colin da rausholen. Dass diese Wichser wohl noch mehr Experimente an ihm durchführen würden, passte ihm gar nicht.
Delilah, die ihn die ganze Zeit still beobachtete, schien sich einen Reim auf seine unausgesprochenen Gedanken zu machen. Sie sagte etwas mit ihren Händen.
„I already said, they're probably not interested in him that much. They want you. It's not humans they want to make immortal, but vampires,“ übersetzte Rupert.
„I think they're going to use him as bait,“ fiel Dennis ein. „To lure you out of hiding.“
Delilah setzte sich auf und gestikulierte hastig.
„Yeah,“ sagte Rupert, „that's how we can find him.“
„They're going to dangle him in front of our noses to get you to come and then capture you.“
„Except they won't capture me.“
„Why is that?“ fragte Dennis.
„Because! He's not going to come out. We are,“ sagte Rupert mit einem aufgeregten Lächeln. „Keisuke will stay safely hidden away while we rescue his friend.“ Er sprach ‚Keisuke‘ sehr englisch aus.
„I will not miss that party! And Rupert...“ Er sprach das sehr japanisch aus, „Call me Kei.“
Rupert schmunzelte. „Alright. Keh.“
„Bedtime,“ verkündete Dennis, nachdem Delilah wieder gestikuliert und eine universelle Schlafgeste in Form von an einer Wange zusammengelegten Händen vollführt hatte. „Let me show you to your room.“
Schlafenszeit für Kei bedeutete wach im Bett liegen und warten bis es wieder hell wurde. „Okay.“
Delilah und Rupert standen langsam auf und Dennis ging zur Tür.
„Neben dem Bett gibt es eine Kordel. Wenn du Blut brauchst, oder irgendetwas anderes, zieh dran und du bekommst es,“ erklärte Dennis ihm auf dem Weg durch den Flur.
Ihr könnt Colin nicht herzaubern... Kei nickte und ging ihm nach.
Delilah und Rupert winkten und gingen in eine andere Richtung, während Dennis an einem sehr nahen Zimmer haltmachte. Der Raum war nicht besonders groß, aber sehr edel und antik eingerichtet. Der Parkettboden war mit dicken Teppichen ausgelegt und zwischen zwei hohen Fenstern stand ein großes Himmelbett mit verdammt vielen Kissen darauf. Es gab noch andere Einrichtungsgegenstände, wie einen kleinen Schreibtisch, einen Kleiderschrank, ein Bücherregal und eine Kommode mit Spiegel, vor der ein gepolsterter Stuhl stand. Durch die Fenster blickte man auf den riesigen Park und konnte links ein paar Lichter der kleinen Stadt Lancaster sehen.
„Wir halten ab sofort Ausschau nach allem, was auf Colin hindeuten könnte,“ versicherte Dennis ihm. „Direkt nebenan ist ein Badezimmer. Durch diese Tür hier. Das hast du für dich allein.“
Kei ließ den Rucksack auf den Boden fallen, sich aufs Bett und bedankte sich für den Badhinweis. Duschen. Und das lange. Das hatte er vermisst.
„Mein Schwert macht euch nicht nervös genug um es mir wegzunehmen zu versuchen, oder?“
Dennis lachte leise. „Nein, es beruhigt mich eher, dass du wehrhaft bist.“ Er wandte sich zum Kleiderschrank. „Die Sachen da drin kannst du auch benutzen. ... Ach. Falls du darauf angespielt hast, dass wir uns vor dir fürchten sollen...“ Er schmunzelte Kei enigmatisch an. „Was hättest du für einen Grund, deine einzigen Verbündeten umzubringen?“
„Ich habe noch keinen, aber ihr könntet einen Grund haben, mich zu entwaffnen.“
„Der da wäre?“
„Ich kann keine Gedanken lesen. Ich weiß nicht, ob das, was ihr erzählt alles so wahr ist. Auch, wenn es schlüssig ist.“ Mir wurde schon zu viel Scheiße erzählt um euch zu vertrauen.
‚Es ist wahr. Aber es ist vernünftig, misstrauisch zu bleiben,‘ tönte Dennis‘ Stimme. Er lächelte. Sein Mund hatte sich nicht bewegt. Kei stutzte und schaute für einen kleinen Moment verwirrt drein. Ich muss mich dringend ausruhen...
Dennis grinste. „Gute Nacht!“
„Oyasumi.“
Dennis verließ das Zimmer und schloss die Tür. Seine Schritte entfernten sich. Kei zog seine Kleidung fast ganz aus und legte sich dann wieder hin.
Die nächsten Stunden verbrachte er damit, die Decke anzustarren.


Monday, October 12, 2015

The Biggest Birthday



A childrens' story.


When winter break started, Liam went to his great-uncle’s in Redfield for the holidays, because his parents were travelling for work. He was going to turn eleven on his first day there, and he wondered what that would be like with just his uncle.
The car ride to great-uncle John’s house was very long, and the man talked a great deal, so Liam fell asleep in the car.
When he woke up the next morning it was still dark, because it was winter, so he walked around the room blindly to find a lightswitch. First he found a chair and a wardrobe by hitting his feet on them. Then, after swearing loudly, he bumped into a wall and there was the switch. He turned on the light, blinked against it, and was amazed. This whole room was stuffed with books! It was a miracle that he hadn’t knocked over one of these tall stacks of hardbacks on his search for light. His bed was surrounded by them.
Awed and with his mouth hanging open he sat crosslegged in front of one of the piles and read the spines. A huge red one didn’t have writing on it so he pulled it out and opened it. It smelled dusty and mucky and the pages were yellow and crispy. There were pictures of landscapes in them, hills and forests and sometimes a castle or a hut in the background, all really dull, Liam thought. Then one picture showed a girl. About his age, with a dress like a fairytale princess and long braids. She stood on one side of the picture looking down at her feet, but there was nothing there.
Liam looked very hard to see what she was looking at, but only discovered that there were letters written all around the picture like a frame. He found the place where the line was broken and slowly read the word-frame aloud:
If your home is grey and dull
If you think you’ve seen it all
If you really want to go
Join the world you want to know
Find a lone and empty hall
Say the spell out loud – and fall!’
Suddenly his toes and fingers began to tingle, then his stomach, and he couldn’t take his eyes off the picture! Then everything around him flimmered and tinkled, it felt like he was being tickled from all sides! He couldn’t help himself and had to giggle as this strange feeling tightened around him like a net and pulled him in!
He couldn’t see anything but white lights but had the strong impression of falling, with this feeling like his insides were lifted out of their usual places! It was like riding on a bike down a steep hill very fast! He squeezed his eyes shut.
Then it stopped. He opened his eyes and stared. There was a pair of HUGE legs standing in front of him. He looked up and straight into the face of the girl from the picture in the red book. She was TALL! She didn’t look older than he, but she was taller than the tallest person Liam had ever seen!
Liam muttered: ‘Wow.’ The girl grinned and giggled.
You’re small!’ said she. Her voice was big too! It wasn’t deep or anything, it was just a girl’s voice, but sort of loud!
You’re big!’ said Liam. He stood up and saw that he didn’t even go up to her knees. ‘You’re a GIANT!’ he said and pointed at her. The girl sat down on the grass and laughed.
No, YOU’re a dwarf!’
Is everybody so tall around here?’
Of course!’
Then something occured to him that he had heard of:
Do you eat people?!’
The girl laughed again.
Of course not!’ She stroked his head lightly and said: ‘You’re funny. I will keep you as my pet.’
No way!’
The girl just laughed, picked him up under his arms and held him like a doll in her arms. Liam struggled but gave up soon because she was much stronger than he was. The giant girl carried him over the field towards the castle he had seen in some of the pictures in the book. They passed cattle and people that were all even bigger than the girl.
What’s your name? Do you have a name? I’m Jenny. My father is King Jonas. There,’ she pointed to the castle walls they were approaching. ‘You’re going to live there with us, I’ll get you a small bed, small clothes, a small bathtub, and everything! And I can bake you small cakes, too!’
I’m not small! You’re just too big, all of you!’
Giant Jenny brought him into a huge hall with long torches and much straw on the ground and big, long tables. She put him on one of the tables.
Father, look! I found a dwarf!’
The table started to shake and Liam crouched so he wouldn’t fall. The source of the shaking was a big hairy fist that had pounded on the table.
IT CAN’T BE! IT’S A REAL, LIVING DWARF!’ boomed a large voice. A large bushy face loomed over Liam and stared at him.
You’re not going to eat me, King Jonas!’ shouted Liam bravely. The king laughed.
May I keep him?’ asked Jenny.
He seems harmless. Yes, you may keep him. But he is your responsibility. You have to clean up is litter and feed him regularly,’ said King Jonas. Liam couldn’t believe his ears.
What?! Clean up my litter?!’ he yelled.
Jenny nodded and beamed at the king. Liam slumped against a cauldron that was standing on the table and groaned: ‘Now I’m a giant princess’ pet! And this was going to be my birthday.’
It’s your birthday?’ cried Jenny happily. Liam nodded. ‘Father, can we have a birthday party and a cake for him?’ The king smiled and nodded. Jenny cheered and picked Liam up to carry him into the kitchen.
We’re going to bake you a cake and write your name on it!’
When the cake was done she asked his name and Liam helped spell it correctly by kneeling on the cake and pushing the sugar letters into place.
When he looked at the result he was pleased. After all, this was the biggest birthday cake he ever had! So he didn’t mind being small so much right then. And if these giants ate cake they probably didn’t eat people, too. So Liam decided to believe Jenny and expected to not be gobbled up by one.
They actually had a great party then, great and big in every sense, and very loud, and Liam taught Jenny a few games he knew. By the end of the day he was so exhausted that he let Jenny carry him into her room and tuck him into a doll bed.
Before you sleep, I will read you a bedtime story, alright?’ said Jenny. Liam was too tired and too stuffed with giant cake to argue, so he just shrugged. Lying in his doll bed, he watched Jenny the giant princess pull a big red book from a shelf. She kneeled next to him and held the book open for him. It showed pictures of fields with poppies and a train station, and a black car in the background. It all looked like Redfield to Liam. Around one picture of a pile of books there was a line of writing, and Jenny read it to him:
At evening into bed you creep
Close your eyes, and go to sleep’
There Liam couldn’t keep his eyes open any longer, and heard Jenny’s voice read out the last words like whispers ...
Dream of having been a gnome
And then wake up and be at home.’
He drifted through a black mist and dreamed of running across a giant table, narrowly avoiding fists and cauldrons, and finally smashing into a soft cake. When he heaved himself out of it, he noticed that it wasn’t a cake at all, but his pillow, and that he was lying in great-uncle John’s guest bed again.