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Tuesday, October 27, 2015

Kei + Colin LI: Buße


Anatamo = (jap.) "Sie/Du auch." Hier: "Ich dich auch."
Omedetou = (jap.) Glückwunsch
Arigatou = (jap.) Danke


MONTAG, 2. JANUAR
Am Vormittag stand Kei auf. In der Küche fand er auf dem Tisch einen Zettel:
'Diesmal mache ich nichts dummes. Ich bin bald wieder da.'
Er seufzte leise, ehe er sein Handy nahm und draufsah. Es waren mehrere Nachrichten und einige Anrufe darauf.
Er wählte die letzte Nummer, eine ihm unbekannte. Dran ging eine junge Frau.
"Ich soll dir eine Nachricht ausrichten, Akaya," säuselte sie. "Schon mal was von Anrufbeantworter gehört?" fragte dieser sarkastisch.
"Ryuji lässt ausrichten, dass er dich sucht."
Kei lachte ironisch. "Was will der Wichser? Er hat sich seit gut zehn Jahren nicht blicken lassen."
Die Frau sagte ihm, dass sie das nicht wüsste. Gelogen.
Akaya legte einfach auf.
Er hörte die bis dato ignorierte Voicemailnachricht ab. Es war Akira. Entweder hatte die Leitung oder seine Stimme eine schwache, kratzige Qualität.
"Es dauert etwas länger als ich dachte. Ich weiß nicht, wie lange, aber es ist alles in Ordnung -" Hier machte er eine Denk- oder Atempause "- und ich stelle nichts an. Ich schwöre es. Und nur falls dus nicht mehr geglaubt hast: Ich liebe dich."
Kei hielt kurz inne, ehe er auf die unbekannte Nummer sah, die zweite in fünf Minuten. Er speicherte sie mit einem Fragezeichen ab, weil er nicht wusste, ob Akira ein neues Handy hatte, oder von sonstwo anrief.
Er schrieb einen Zettel.
'Hey, Wenn du wieder da bist, mach dich gleich auf den Weg. Ich bin in der Werkstatt, arbeiten. Wichtig.
Kei
Ach ja, danke.' Hinter die Nachricht kritzelte er die Adresse.

Ein paar Stunden später klingelte Keis Handy mit der Nummer, von der aus Akira ihm am Morgen seine Nachricht aufgezeichnet hatte.
Kei nahm ab. "Ja?" Davon, sich höflich am Telefon zu melden, hielt er so gar nichts.
"Hey," sagte Akira. "Ich muss noch länger hierbleiben. Aber es ist alles gut."
Keis skeptischer Blick war beinahe hörbar. "Okay. Falls ich nicht da bin, findest du ne Kleinigkeit in deiner Jackentasche."
"Ich hoffe, es ist kein Haustier. Die Verantwortung wäre mir zu groß," scherzte Akira. "Ich soll über Nacht hierbleiben, aber morgen kann ich wieder gehen," fügte er vorsichtig an.
"Wo bist du?" fragte Kei verwundert. "Und nein, es ist kein Haustier."
"Gut. Beim Roten Kreuz," sagte Akira schlicht. "In der Hauptstelle beim Bahnhof."
Kei war verwirrt. "Eh, okay. Was auch immer du da machst..."
"Kann ich dir das morgen erzählen? Die Schwestern brauchen das Telefon wieder."
"Ja, bis morgen. Anatamo," beantwortete er Akiras kleine Meldung vom Morgen.
"... Das ist... gut," sagte Akira leise. "Bis morgen." Er legte auf.
Kei steckte sein Handy wieder weg und arbeitete weiter. Erst sehr spät in der Nacht kam er nachhause, mit ein bisschen mehr Geld als vorher. Einiges davon hatte er an seinen Boss abgedrückt.

Am späten Morgen machte Akira sich auf den Weg zurück zu Keis Wohnung. In der U-Bahn betrachtete er die Verbände um seine Handgelenke und den Gips um seinen rechten Oberarm und musste sehr gerade stehen, damit es ihn nicht zu sehr in der Brust stach. Es wurde ihm zweimal ein Sitzplatz angeboten, doch er sollte nicht in der Bahn sitzen. Das Ruckeln würde schlechter als im Stehen abgefedert werden und wäre für seine gebrochene Rippe sehr ungesund.
So um zehn Uhr herum stand er vor Keis Haus und klingelte. Kei schälte sich aus dem Bett.
"Guck in die Innentasche deiner Jacke," rief er aus dem Fenster.
"Achso..." murmelte Akira und pulte zwei glänzende neue Schlüssel aus seiner Jacke. Mit einem sanften Lächeln schloss er die Tür auf.
Das Treppensteigen war etwas mühsam und er machte während des langsamen Aufstiegs eine Pause. Schließlich kam er nach langer Wanderung doch oben an. Er trug einen breiten Verband um den Hals, ein paar kleine Pflaster auf Augenbraue und Wangenknochen, Verbände um die Handgelenke und eine Schlinge für seinen rechten Arm, der vom Ellenbogen bis zur Schulter eingegipst war. Mit dem anderen Arm hielt er sich leicht die Seite.
Kei stand in der Schlafzimmertür, als Akira oben ankam. Vorsichtig betrachtete er den Verletzten.
"Hey."
"Hey." Akira lächelte. Mit den Füßen zog er sich nacheinander die Schuhe ab, ohne sich zu bücken. Kei ließ den dummen Kommentar, der ihm auf Anhieb einfiel, da wo er war und lächelte kaum merklich.
"Auf Scheißtage folgen schlechte Nachrichten," begann er.
"Kommen die bei uns nicht immer gleichzeitig?" Er popelte sich umständlich die Jacke herunter.
"Fast. Ryuji ist wieder da. Ein... sagen wir, alter Bekannter," erklärte er. "Das ist nicht besonders erfreulich, da der Kerl immer nur Stress im Gepäck hat. Stress und Krieg."
"Und wer ist er?" Akira lehnte sich mit dem Rücken an die Wand des Flurs.
"Ein mächtiger Wichser. Ein Vampir. Sein Ruf eilt ihm voraus. Er wurde nahe Tokyo gesehen. Yukio erzählte, dass er wohl eine ganze Truppe um sich hat. Was er genau hier will, weiß ich nicht. Urlaub machen aber bestimmt nicht."
Akira musste schlucken. Noch ein Vampir, und einer mit einer Bande?
"Äh... woher kennst du ihn?"
"Kennen ist zuviel gesagt. Ich sind uns ein paarmal begegnet, als ich klein war. Wenn er da ist, ist mein Vater auch nicht weit. Wenn er nicht tot ist. Das ist genauso schlecht..."
Akiras ernstes Gesicht wurde besorgter. Er ging auf Kei zu.
Kei schaute ihn an. So wie Akira aussah, würde er beim nächsten Windhauch auseinanderfallen.
Dicht vor Kei, schon den heileren Arm ausgestreckt, zögerte er und kratzte sich kurz verlegen am Hals. Es war bestimmt noch zu früh für Annäherungen, und außerdem konnte er sich nicht anmaßen, zu wissen, wie Kei sich bei dem Gedanken an seinen Vater fühlte. Dafür wusste er zuwenig. Schließlich legte er nur kurz und sehr sachte die Hand auf Keis Wange, zu beschämt um ihn dabei richtig anzusehen.
Kei legte seine Hand auf die von Akira und blieb eine Weile so stehen. Seine Gedanken rasten ein bisschen von A nach D, zurück zu A und weiter zu C.
Akira wagte es, Kei anzusehen.
Der erwiderte den Blick. Mit leichtem Lächeln, seine Gedanken waren nicht wirklich da, wo sie sein sollten. Akira lächelte warm zurück und küsste ihn.
Kei erwiderte den Kuss, aber nicht allzu lange. Akira nahm seine Hand zurück und machte einen Schritt rückwärts.
"Was passiert jetzt?"
"Ich tendiere zu Blutvergießen, Brutalität und vielen Toten," sagte Kei leise und behielt Akiras Hand in seiner.
"Ist das eine Prognose oder dein Vorhaben?" fragte Akira mit kurzem Blick zur Seite.
"Prognose und ein bisschen Vorhaben."
"Kann ich helfen?"
"Sicher. Ich weiß nur noch nicht wie."
Akira nickte. "Wenn ich mich kurz hinlegen darf, mache ich alles was nötig ist," kündigte er an.
Kei ließ das 'Du meinst, wenn du dich wieder bewegen kannst' in seinem Kopf. "Ja."
Im Schlafzimmer holte er seine Kiste vom Schrank. Akira folgte ihm hinein und kletterte vorsichtig auf das Bett, wo er sich erleichtert ausstreckte. Er fand sich zu jung, um laut aufzuseufzen, aber es war offensichtlich, was für eine Wohltat seine neue Position für ihn war. Er sah Kei zu. Der räumte die ganze Kiste aus und sortierte ihren Inhalt, lud die Waffen durch - alle. Das Maschinengewehr baute er erstmal zusammen, da er es zum Wegpacken in seine Einzelteule zerlegt hatte. Das Schauspiel fand Akira ungemein spannend. Und er spürte, wie ihm wärmer wurde.
Nachdem Kei mehrere Pistolen - sieben um genau zu sein - gereinigt und geladen, ein Maschinengewehr zusammengesetzt und geladen, neun Messer, neben dem, das er immer dabei hatte, sortiert, einige Wurfmesser und Wurfsterne in einer Tasche verstaut und hinter dem Kleiderschrank seine neueste Errungenschaft - ein Katana – hervorgezogen und alles vor sich ausgelegt hatte, schaute er zufrieden darauf. Unter dem Bett hatte er noch eine Kiste, in der noch ein Schnellfeuergewehr lag, das er ebenfalls dazusortierte.
"So. Das wär alles," verkündete er.
"... Ach..." sagte Akira trocken. Mehr brachte er nicht heraus. Wer soll das alles benutzen?
Kei schmunzelte ein bisschen. "Das hat sich angesammelt," erklärte er. Wobei das nur die halbe Erklärung dafür war, wie er an so viele Waffen gekommen war. Akira zeigte auf das schwere Gewehr von unter dem Bett.
"Kannst du etwa damit umgehen?"
"Ja."
Akira nickte langsam. Als ich damals dachte, 'Oh, wie cool, er ist so gefährlich,' hatte das eine etwas andere Dimension als all das hier...
"Weiß dieser Ryuji, wo du wohnst?"
"Ich hoffe nicht, ich würde ungern meine Wohnung zerlegen müssen."
"Hat er irgendwas mit deinen Leuten zu tun? Mit deinem Boss und so?"
"Nein. Wenn er was mit der Yakuza zu tun, nicht mit meinem Boss. Als ich ihn zuletzt sah, hatte er das nicht. Aber er hat das auch nicht nötig."
"Klingt ungemütlich."
Er setzte sich auf und begann, sich erst die Schlinge und dann vorsichtig das T-shirt auszuziehen. Das ging auch mit einem Arm ganz gut, wenn auch langsam und mit ein paar Grimassen. Kei beobachtete ihn dabei, als er sein Arsenal wieder wegräumte - geladen und zusammengebaut.
"Wenn es ein Erdbeben gibt, fällt der ganze Spaß vom Schrank und wir haben ne Party," schlug Akira vor. Er legte das T-shirt irgendwo neben sich und legte sich wieder hin. Unter dem Verband um seine Brust schauten ein paar große Blutergüsse an den Stellen hervor, die mit Keis Stiefeln Bekanntschaft gemacht hatten.
"Der Schrank fällt oben drauf und nichts passiert," machte Kei einen Gegenvorschlag.
"Waaas, ist der etwa nicht erdbebensicher?" fragte Akira ungläubig mit einem Schmunzeln. "Dafür aber kuuugelsicher?"
"Kleinere Erdbeben überlebt hier alles, kommt ja oft genug vor." Kei schmunzelte. "Bei einem großen möchte ich nicht hier sein."
"Sondern lieber bei all dem Futter draußen."
Akira hatte die Augen geschlossen. Seine Wunden pochten. Das fühlte sich gut an.
"Nur dem, das noch lebt."
"Die Tasche da oben hat an der Seite einen kleinen Reißverschluss."
Kei sah hoch. "Die hier?" Er deutete darauf. Es war nicht seine. Akira nickte, ohne hinzusehen.
"Da ist was für dich drin. In dem kleinen Fach."
Kei holte die Tasche vom Schrank und öffnete das kleine Fach. Seine Finger schlossen sich um eine Kette, er zog sie heraus und lächelte, als er das Plektron sah.
"Danke."
Akira lächelte ihn an. "Es sollte dein Geburtstagsgeschenk sein, aber jetzt wissen wir ja nicht, ob du den noch erlebst." Er schmunzelte. "Ich weiß auch gar nicht, ob du Eric Clapton überhaupt gut findest, aber das Ding da ist wertvoll für mich." Er zeigte dahin, wo das kleine signierte Plastikdreieck zwischen Keis Fingern herunterbaumelte. "Das war einer der guten Gründe, leichtsinnig ins Haus zurückzugehen."
"Ich werde gut darauf aufpassen. Und meinen Geburtstag überleben. Ist ja nicht mehr lang."
Kei lächelte, als er sich aufs Bett setzte. Akira setzte sich auf und wollte ihm die Kette abnehmen. Kei übergab sie ihm. Schaute ihn fragend an. Akira öffnete sie und wollte sie Kei umbinden. Kei beugte sich zu ihm hinüber, sodass Akira sich nicht so sehr verrenken musste.
Er befestigte sie und bemerkte: "Silber lässt dich nicht in Flammen aufgehen, das ist sehr praktisch."
Kei lachte ein bisschen. "Sonne tötet mich auch nicht," merkte er lächelnd an.
Akira schmunzelte.
"Omedetou."
"Arigatou."
Akira legte sich wieder hin. Kei legte sich daneben.
"Es tut mir Leid," sagte Akira leise und flach, als er die Decke ansah.
"Was?"
"Was ich getan habe."
Kei wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Vorsichtig nahm er Akiras heile Hand als Antwort und ließ seine Gedanken unausgesprochen.
Akira hielt Keis Hand fest und wandte sein Gesicht ab um zu versuchen, sich über die Wangen zu wischen, was sich mit dem eingegipsten Ellbogen als unmöglich herausstellte. Also gab er es auf und sah mit nasserem Gesicht wieder an die Decke.
Kei drehte sich mit geschlossenen Augen auf die Seite und hatte sein Gesicht nahe dem von Colin im Kissen vergraben.
Akira studierte Keis Gesicht. Er verstand immer noch kein bisschen, was der Vampir an ihm fand, und was er nun immer noch für ihn übrig hatte. Aber er hoffte, dass er seine Meinung nicht so bald ändern würde.
Er schloss die Augen und ließ das heiße Pochen und Kribbeln durch seinen ganzen Körper ziehen.


Wednesday, September 30, 2015

Kei + Colin XXXII: Tha gaol agam ort

*Tha gaol agam ort = (Schottisches Gälisch) Ich liebe dich
** Gabh mo leisgeul = (Schottisches Gäl.) Entschuldigung, Verzeihung
*** Anatamo = (jap.) Du auch/Sie auch; hier: "Ich dich auch."


Kei hatte Colin schrecklich vermisst als er im Krankenhaus gelegen hatte. Besonders solche Situationen. Mit einer Hand entledigte er sich seiner Hose, nachdem er sich so positioniert hatte, dass ihm das auch möglich war. Während er den Kuss aufrecht erhielt, machte er es sich zwischen Colins Beinen bequem. Ebenfalls ohne den Kuss zu unterbrechen, setzte Colin sich auf und kniete vor Kei. Er strich über beide Pflaster, ohne dabei besonders sanft zu sein. Kei störte das nicht groß, immerhin waren die Wunden kaum noch offen. Die eine Hand vergrub er in Colins Haaren und hielt ihn dort, wo er war. Mit der anderen fuhr er langsam an dessen Oberkörper herunter bis er an seinem Ziel angekommen war. Jedoch bewegte er seine Hand nur langsam - völlig absichtlich. Colin legte die Hände auf Keis Schultern und drückte leicht.
"Leg dich hin."
Kei legte sich zurück und schaute Colin grinsend an. "Was wird das?"
Colin, der sich schon etwas über Kei gebeugt hatte, zögerte und setzte sich wieder halb auf. Er sah ernst und nun ein bisschen unsicher aus, aber es fiel ihm keine Entgegnung ein, also beugte er sich wieder hinunter. Er nahm Keis Penis in die Hand und begann, wie die anderen beiden Male, ihn der Länge nach zu küssen und mit der Zungenspitze zu befeuchten. Kei fing an, ein bisschen dämlich zu grinsen, entspannte sich. Mit beiden Händen, nasser Zunge und weichen Lippen bereitete er ihn gewissenhaft vor. Er nutzte wieder seinen bewährten Vorhang aus Haaren als Sichtschutz, um sich damit unbeobachtet zu fühlen. Er kam bis zu langsamen Pumpbewegungen und Lecken der Eichel, bevor er anfing sich zu schämen. Kei gab genießende Laute von sich, wenn auch nicht besonders laut. Seine rechte Hand war in Colins Haaren vergraben.
"Ist dir das zu langsam?" Colin sah auf, war aber anscheinend nicht dazu bereit, seinen Haarvorhang ganz aufzugeben. Ein bejahendes Geräusch, das mal ein Wort werden wollte, verließ den Mund des Vampirs. Mit einem leisen, kurzen Schmunzeln ließ Colin ganz los und kroch hinauf. Er kniete rittlings auf Kei und schaffte es sogar, ihn anzusehen.
"Hey. Das ist gemein," sagte Kei und erwiderte Colins Blick.
Du weißt nur nicht, was ich vorhabe. "Du bist fantasielos," flüsterte Colin. "Sieh weg." Er griff hinter sich und versuchte gleichzeitig die andere Hand über Keis Augen zu legen.
Kei drehte den Blick beiseite. "Bin ich?"
"Weiß ich nicht, ist mir egal, sei einfach ruhig," murmelte Colin angestrengt. Kei war gespannt, was der Kleinere vorhatte, wenn auch ungeduldig.
Is ja gut... Ich bin ruhig... dachte er sich, als ob Colin das hören konnte. Diese Situation war auch für Kei völlig neu. Tatsächlich hielt er die Klappe, als er erahnte, wie Colins Gesicht in dem Moment aussehen musste.
Das hier ist peinlich, okay, lass es mich machen und halt den Mund, versuchte Colin ihm telepathisch mitzuteilen, während er sich langsam aber ohne zu zögern ihn einführte und dabei den wirklich unangenehmen Widerstand zu ignorieren versuchte. Es fiel ihm schwerer, wenn er selbst bestimmen konnte, was passierte, und ehe er ein allzu deutliches Geräusch von sich gab, hielt er inne und verfluchte, dass er so verschämt war. Er ließ Keis Gesicht gehen und stützte sich leicht auf seine Brust und machte weiter, indem er zitternd ausatmete und sich entspannte. Er mochte den Schmerz doch, aber ihn sich selbst zuzufügen war etwas anderes. Irgendwann schien es nicht weiterzugehen, aber es war noch so viel -
"Das ist unmöglich, bist du Wichser in den letzten paar Tagen gewachsen? So zehn Zentimeter?" brummte Colin. Kei lachte ein bisschen.
"Nicht dass ich wüsste," entgegnete er grinsend. "Need some help?" erkundigte er sich grinsend.
Colin funkelte ihn genervt an. Der sollte nicht so gut gelaunt sein - obwohl, er hatte gerade allen Grund, glücklich zu sein - "Ach halt die Schnauze."
"Zu Befehl," kam von Kei zurück und er hielt tatsächlich den Mund.
Mit geschlossenen Augen atmete Colin nochmal kontrolliert aus. "Sag irgendwas." Ja, ich weiß, ich widerspreche mir selbst. "Egal was. Was gutes."
"Du machst mich fertig," gab Kei in einem leicht seufzenden Tonfall von sich, der einen großen Anteil Zufriedenheit in sich trug, während er sich die Freiheit herausnahm, sich dem Kleineren etwas entgegen zu bewegen. Das war was gutes. Colin machte ihn fertig, auf eine gute Art und Weise.
Das funktionierte tatsächlich. Colin entspannte sich unwillkürlich, wenn auch mit einem leisen schmerzerfüllten Stöhnen.
"I l-hm."
Kei grinste leicht und betrachtete Colin. Er bewegte sich weiterhin, wenn auch nicht viel.
"Das ist dir natürlich noch viel zu langsam," flüsterte Colin, willkürlich geschätzt. Mittlerweile hatte er die Augen geschlossen, um nicht sehen zu müssen, wie der Vampir ihn ansah, aber er begegnete Keis sachten Stößen und biss sich auf die Zunge. Ich werde jetzt nicht wie eine Jungfrau als einziger herumwimmern.
"Du solltest Hellseher werden," entgegnete Kei. Der Vampir gab hin und wieder genießende Geräusche von sich.
"Well, fuck you, I'm not going any faster," entgegnete Colin härter als er wollte. "Das tut weh, weißt du?" Er sah Kei streng an, aber sein Gesichtsausdruck und die Geräusche, die er dennoch machte, deuteten eher an, dass er den Schmerz gar nicht schlecht fand. Er richtete sich sogar auf und vergaß fast, sich dafür zu schämen, dass Kei ihn sehen konnte.
"Ich glaub nicht, dass dich das stört," gab Kei dazu und schaute dreckig grinsend zurück. Mit einem halb genüsslichen, halb angestrengten Stöhnen beugte Colin sich wieder vor und stützte sich mit einer Hand auf Keis Wunde.
"Mach dich nicht über mich lustig. Das hier mache ich für dich," knurrte er.
Kei grinste leicht, gab aber gleichzeitig einen kleinen 'Autsch'-Laut von sich. "Hab ich nicht," meinte er.
"Gut," flüsterte Colin atemlos, "Denn ich kann jederzeit einfach aufstehen und gehen." Er fügte dem etwas tatsächlichen, physischen Nachdruck auf das Pflaster hinzu. Kei hatte nicht gedacht, dass die halb verheilte Wunde noch so sehr wehtun könnte.
Sei dir da mal nicht so sicher, entgegnete er Colin in Gedanken.
"Tha gaol agam ort,"* murmelte er sehr leise. Um Kei richtig zu küssen, war er ein kleines Stück zu kurz, also küsste er nur dessen Kinn, bevor er sich wieder aufsetzte und begann sein Becken zu bewegen. Diesmal beobachtete er Kei und schloss zwischendurch aus einem anderen Grund die Augen.
Kei verstand ihn nicht. "Was?" fragte er deshalb nach.
Mit einem Lächeln wiederholte Colin den Satz, durchsetzt von Seufzen, das er nicht einmal mehr unterdrücken wollte. "Tha. Gaol... agam... ort..."
Kei grinste und bewegte sich ein kleines bisschen schneller. Zwischen einzelnen Seufzern und anderen Geräuschen brachte er die Frage nach einer Übersetzung hervor, während er ihn mal ansah, mal genießend die Augen geschlossen hatte.
"Gabh mo leisgeul,"** flüsterte Colin mit einem kurzen Kopfschütteln. Er schmunzelte etwas, aber das löste sich sofort wieder auf als er wohlig seufzend an die Decke sah. Kei beschloss, später herauszufinden, was Colins Worte bedeuteten. Was er verstanden hatte, war, dass der ihm jetzt keine Übersetzung geben würde. Just in diesem Moment beschäftigte er sich weiter damit, sich etwas schneller werdend gegen Colins Körper zu bewegen. Mit Aufstützen auf Keis Bauch versuchte Colin, ihn etwas zurückzuhalten und kniete sich hin, um die rücksichtslosen Stöße abzumildern, aber nicht direkt, weil er nicht mochte, was passierte. Das bisschen Kontrolle, das er sich einbildete zu besitzen, wollte er auch benutzen.
"Ich sags dir irgendwann bestimmt."
"Das will ich hoffen," sagte Kei und tat ausnahmsweise mal das, was Colin zu wollen schien, was zum allergrößten Teil daher rührte, dass er wissen wollte, was Colin geplant hatte. Fragen tat er ihn aus dem Grund nicht, weil er wusste, dass er es sowieso erfahren würde. Und wieder beugte Colin sich vor. Er ließ Kei einfach ganz gehen, das heißt, aus sich herausrutschen, und küsste ihn.
"Es heißt 'Ich liebe dich'."
Kei wurde ganz leicht rot. Zu seinem Glück war es dunkel und Colin würde das nicht sehen können.
"Anatamo,"*** erwiderte er leise.
Das hatte Colin nicht erwartet. Nicht das, was diese Entgegnung bedeutete, und erst recht nicht, dass Kei das tatsächlich sagte. Da war so ein interessantes Gefühl. Er hielt inne und vergaß zu atmen.
Kei küsste ihn.
"Atmen nicht vergessen," mahnte er.
Hastig sog Colin die Luft ein, als hätte er die Aufforderung gebraucht. Er küsste Kei und behielt dabei die Augen offen.
Kei hatte keine Gefühle wie normale Menschen. Irgendwelche hatte er, aber sie waren anders und einfacher, hatte Colin gedacht, und nun wusste er nicht, was der Vampir gerade genau gemeint hatte.
Er schloss die Augen und zog an Keis Lippenring. Kei gab dem Zug leicht nach und biss Colin auf die Oberlippe. Mit den Armen hielt er den Kleineren da wo er war. Der musste schmunzeln.
"Tut das weh?" fragte er Keis Mund, während er auf dessen Wunde lag.
"Nah, nur n bisschen," sagte der Vampir, dessen Wunde ziemlich wehtat.
Colin setzte sich auf. Kei erhob sich ebenfalls leicht, betrachtete Colin im Dunkeln. "Hm?"
Er saß noch semibequem rittlings auf Kei, als er sich das erste Armband abnahm. Kei sah auf Colins Handgelenk, das jetzt etwas besser aussah als vor einigen Tagen.
"Tut das noch weh?" fragte er.
"Nur, wenn ich dran kratze oder so. Es ist nur ein wenig empfindlich, das ist alles." Es waren dünne, feine Linien, die sich wie Fäden aus frischer rosa Haut um das Handgelenk wickelten. Er nahm das zweite Armband auch ab. Darunter sah es genauso aus. Danach öffnete er das Halsband.
Kei betrachtete Colins Verletzungen und befand, dass sie gar nicht schlecht aussahen.
"Steht dir irgendwie..."
"Narben?" Colin hob eine skeptische Augenbraue.
"Ja, also die zumindest."
Er legte das weiche Lederband hin und gab damit auch den Blick auf ein paar bunte Blutergüsse und kleine frische Narben um seinen Hals frei.
"Ich könnte drauf verzichten."
Kei grinste leicht, als er das sah. "Geht ja wieder weg," bot er an.
"Garantierst du mir das?" Colin schmunzelte.
"Zumindest bei den meisten, ja." Kei lächelte leicht. "Einige werden aber bleiben."
"Garantierst du mir das?" fragte Colin und grinste breiter.
"Ja."
"Und wenn nicht, gibst du mir dann neue?"
"Mit dem größten Vergnügen."
Lächelnd küsste er Kei zärtlich. Kei erwiderte den Kuss eine Weile, wie Colin ihn begonnen hatte, wurde aber schnell fordernder. Colin biss ihm auf die Lippe und kratzte über seinen Rücken, inklusive Pflaster. Kei befand das für gut, wenn man von der Wunde absah, die er zu bluten beginnen spürte. Weiter kümmerte er sich jedoch nicht darum. Colin küsste ihn einfach nur weiter, genüsslich und gemächlich, ohne weitere Anstalten zu machen, irgendetwas fortzusetzen. Keis Ungeduld kroch langsam aber sicher wieder in ihm herauf. Wenn er etwas hasste, dann war das Colin, wenn der tat, was er gerade tat, weshalb er kurzentschlossen sich und Colin einfach mal herumdrehte, sodass er nun auf Colin lag. Das nahm Colin so hin, ohne sich zu sträuben oder den Kuss zu unterbrechen. Stattdessen legte er seine Beine um Keis und seine Arme um seinen Nacken. Die vage Sorge um Keis Verfassung verflog sofort, als er daran dachte, dass der Wahnsinnige jetzt die Narben mehrerer Schusswunden trug, und was er gerade gesagt hatte, was er bisher alles getan hatte, und was genau jetzt passierte – er war zu hingerissen um sich um ihn zu sorgen.
Er biss fest genug auf Keis Unterlippe, um sie zu verletzen.
Kei grinste bloß und murmelte: "Dein Blut schmeckt besser als meins," während er sich ein bisschen brutal in den Körper unter sich versenkte. Colins Griff um seinen Hals wurde dabei fester und er stöhnte kurz auf. Das war so schmerzmotiviert wie es klang, aber bei Colin bedeutete das nicht unbedingt etwas schlechtes.
"Ich mags aber," knurrte er.
Kei grinste nur und biss Colin auf die Unterlippe.
"Hah." Colin wandte das Gesicht ab und rupfte einen Zipfel der Decke unter sich hervor, den er über sein Gesicht drückte. Das Grinsen verschwand nicht von Keis Gesicht, als er seine Bewegungen schneller und die Stöße härter werden ließ. Er beobachtete Colin unter sich von Zeit zu Zeit.
Der hielt sich weiter das Stückchen Bettdecke vor das Gesicht und machte gedämpfte verzweifelte Geräusche. Mit den Beinen hielt er Keis weiter fest, obwohl das keinen großen Effekt hatte, weil sie zwischendurch zuckten und zitterten. Kei machte damit eine ganze Weile weiter. Colins Geräusche waren wie Musik in seinen Ohren, die sonst so häufig Tod und Sterben zu hören bekamen. Zwischendurch entzog er sich Colins Körper fast ganz, nur um dann wieder in ihn zu stoßen, wobei er selbst ab und zu das eine oder andere Geräusch hören ließ. Colin biss in die Decke und wand sich, um Kei dicht bei und in sich zu behalten, und zwischendurch, um den schmerzhaften, harten Stößen zu entgehen, er konnte sich nicht entscheiden, was, und es funktionierte sowieso beides nicht richtig. Er krallte sich verkrampft in der Decke fest - was auch nichts nützte - und schaffte es nur, nicht so laut zu stöhnen wie sein Körper wollte. Es dauerte aber nicht sehr lang, bis er kam und es doch tat. Dabei riss er sich noch mehr von der kühlen Bettdecke über den Kopf. Kei kam nicht lange nach Colin mit einem Stöhnen, das etwas lauter war. Er wusste, dass sich die Nachbarn beschweren würden, aber das war ihm völlig egal. Er legte seinen Körper auf dem von Colin ab und grinste leicht.
"Nächstes Mal nehm ich dir die Decke weg," versprach er.
Colin blieb so liegen und beeilte sich nicht, von seinem High herunterzukommen. Er war sich nur sehr bewusst, wie laut und unsicher sein Atem gerade war, und zog die Decke etwas von seinem Gesicht herunter, hielt sie jedoch weiter fest. Keis Gewicht auf ihm war ihm sehr willkommen. Er hatte das Gefühl, als würde es ihn am Auseinanderfallen hindern.
"Warum?" fragte er heiser.
Kei sprach leise und hatte ebenfalls keinerlei Eile seine momentane Situation zu verändern.
"Ich will dein Gesicht sehen," erklärte er.
"Warum," wiederholte Colin im gleichen Tonfall. Er sah Kei ernst und benebelt an. Dann lachst du dich doch nur kaputt.
Kei lächelte noch immer leicht. "Brauch ich dafür einen speziellen Grund?"
"Nein, aber ich glaube, dass du einen hast."
"Außer dem, dass ich dich sehen will, hab ich keinen."
Jetzt lächelte Colin amüsiert. "Du willst mich sehen, weil du mich sehen willst."
"Ich sagte doch, es gibt keinen besonderen Grund."
Seine Arme krochen unter Keis auf dessen Rücken und er musterte ihn fasziniert. Ohne dass sich sein Gesichtsausdruck wandelte, sagte er sanft: "Du blutest," und strich über das nasse Pflaster.
"Ich weiß," sagte Kei, als hätte Colin gesagt, dass es regnen würde. "Ich werd ein neues Pflaster draufkleben."
Colins Mundwinkel zuckte.
"Du musst so gelenkig sein," hauchte er bewundernd und ziemlich unernst.
Kei lachte. "Du klingst wie ein Groupie."
Colin nickte etwas seitwärts. "Ein Fanboy vielleicht. Groupie klingt so... wie ein Teil einer Menge."
"Dann halt so." Kei lächelte leicht.
Colin fiel etwas ein.
"Ich habe darauf nicht geachtet, aber... hast du eigentlich Verehrer? Verehrerinnen? So in der Schule? Also... ich habs bei Sonoda einmal mitgekriegt, wie tatsächlich eine Horde Mädchen vor seinem Klassenzimmer auf ihn gewartet hat als er Geburtstag hatte. Das war wie im Manga."
Jetzt lachte Kei. "Also das weiß ich nicht, wenn ja, habe ich sie gekonnt nicht beachtet."
Colin lächelte breit.
"Was ist?" fragte Kei, der immer noch auf Colin lag.
"Das ist gut."
"Weil du sonst viele viele Leute zum Töten hättest?"
Colins Augenbrauen flogen hoch.
"Ich, töten?" Er war ganz ehrlich überrascht. "Jetzt, wo du das erwähnst... vielleicht ist es auch schade, denn ich könnte so viele Leute eifersüchtig machen."
"Vielleicht gibt es ja Groupies und ich habe sie nie bemerkt, also müsste dein Plan erfolgreich sein."
"Wenn sie nicht bemerkbar sind, ist es doch witzlos."
"Ich bemerke sie nicht, heißt nicht, dass sie nicht bemerkbar sind." Kei lachte. "Mich kümmert es bloß nicht."
"Ich werde ab nun Ausschau halten. Tu noch etwas für mich."
"Kommt drauf an, was."
"Bring mich Samstag ins Kuroyakoto."
"Kann ich machen, was willst du da?"
"Was ich da will? Musik hören, rumspringen... was man so macht. Du musst ja nicht mitkommen, wenns dir nicht gefällt, du musst mich nur reinbringen."
"Okay. Ich komme mit. Nicht, dass du wieder entführt wirst."
"Irgendwie bezweifle ich, dass die Yakuza da herumchillt." Colin ließ die Arme herunterfallen. "Lass uns das Pflaster wechseln."
"Hübsche Jungs werden nicht nur von Mafiosi entführt," Kei erhob sich ein wenig umständlich und rollte von Colin herunter, bevor er aufstand. Colin lachte und kletterte hinterher.
"Und die weniger hübschen? Die werden nur für Lösegeld entführt, was?" Er strich über die klebrigen Flecken auf seinem Bauch. "Und aus Rache an anderen Yakuza, die eine Schwäche für die Jungs haben."


Tuesday, September 29, 2015

Kei + Colin XXX: Kei ist genervt

| One Inch Punch - Pretty Piece of Flesh |


Akaya = (jap.) "Rote Nacht" 
- sama = Unterwürfige Anrede; "Herr"/"Meister"
- kun = Anrede für männliche Kollegen und Gleichgestellte


Kei bekam eine Bildnachricht.
Es war ein Foto von Colin, wie er in einem rüschigen, unordentlichen Kleid mit gefesselten Füßen und Händen auf einem schäbigen Fußboden in einem halbdunklen Raum saß. Er starrte tödlich hasserfüllt, aber schien abgesehen von der Kostümierung unversehrt zu sein.
Kei rief den Abensder einfach an.
"Was soll der Scheiß, was willst du?"
Nach dem Abnehmen antwortete niemand. Es war nur ein rumpelndes, ratterndes Geräusch zu hören, das schnell anschwoll und dann mit einem gedämpften Kreischen anhielt. Danach wurde aufgelegt.
Kei fragte sich, was die Penner wollten, außer ihm zu schaden. Er zeigte seinem Vorgesetzten die Nummer.
"Kennst du die?"
Sein Vorgesetzter verneinte. "Frag Ryuuji-sama. Der könnte sie kennen."

Gemeinsam betraten sie das Büro, das Kei mittlerweile sehr vertraut war.
"Ryuuji-sama." Er verbeugte sich.
"Akaya-kun."* Ein Kopfnicken.
Kei legte seinem Boss die Nummer vor und - tatsächlich. Der wusste beinahe auf Anhieb, wem sie gehörte.
"Versucht es im östlichen Viertel bei dieser Adresse. Nehmt die hier mit." Der Boss ließ sich von einem Mann, der stumm neben dem seinem Schreibtisch gestanden hatte, zwei Pistolen aus einem hohen Panzerschrank geben und legte sie nach einer kurzen Inspektion auf den Tisch.
Kei nahm sich eine davon, prüfte ob sie geladen und gesichert war, und steckte sie sich hinten in den Hosenbund.

Mit seinem Vorgesetzten fuhr er zur genannten Adresse. Ein Nachtclub.
Kei ging einfach hinein und erkundigte sich an der Bar nach dem Inhaber der Handynummer – mit dem Namen, den Ryuuji-sama ihm gegeben hatte. Der Barmann sagte ihm, dass der Typ, dem die Nummer gehörte gerade 'im Lager' sei und Kei dort nicht hindürfe.
Er suchte trotzdem nach der Tür mit der Aufschrift 'Personal', fand sie am unteren Ende einer Treppe ging einfach hinunter. Sein Begleiter wartete oben am Ladeneingang.
"Ihr habt Besuch!" rief er in den Gang hinter der Tür.
Er stand unmittelbar vor dem ersten Typen.
Der hatte seine halbautomatische Irgendwas längst in der Hand gehabt und richtete sie nun faul auf Kei.
"Herzlich willkommen," sagte er undeutlich. Er hatte einen feuchten Sprachfehler. Hinter Kei war ein Schritt zu hören, und das leise Klicken, das andeutet, wie sich ein Finger auf einem Abzug krümmt.
"Sei gegrüßt, ich hab meinen Freund verloren. Ich hätte ihn gern zurück." Er zog seine Waffe. Oh zwei davon...Wie originell.
Der Mann, der hinter ihm auf seinen Rücken zielte, drückte ab.
Kei wich dem Schuss tatsächlich aus und erschoss den anderen. Es war knapp. Der Schuss streifte ihn an der Seite, doch seiner hatte sein Gegenüber mitten ins Gesicht getroffen, das nun mit einem matschigen Laut zerplatzte. Die nächste Kugel fand den anderen Typen zuverlässig im Hals. Er hatte nicht einmal mehr Zeit, zu gurgeln, während er tot zusammenbrach.
"Überleg dir das lieber nochmal." Er ging in dem Gang ein Stück weiter. "Wer will noch?" fragte er laut, während er über eine Leiche stieg.
Die schwere metallene Feuerschutztür, die von den beiden Gorillas bewacht worden war, war verschlossen.
Kei stand davor und seufzte. Er klopfte einfach mal an.
Als Antwort erhielt er nur das vorbereitende Klicken mehrerer Schusswaffen, und weiter entfernt und noch gedämpfter konnte er einen Mann kurz aufschreien und dann dreckig fluchen hören.
"Wenn ihr mich erschießen wollt, müsst ihr die Tür schon aufmachen. Oder muss ich das etwa selbst?"
"Das kommt ganz darauf an, wie ernst es dir ist," kam gedämpft zurück. "Du musst es nicht. Wenn du heute noch was wichtigeres zu tun hast, kann deine Freundin bestimmt noch ein bisschen warten."
Kei versuchte es damit, auf das Schloss der schweren Tür zu schießen und sie dann gewaltsam einzutreten. Tatsächlich gab sie nach. Der Mann in dem Gang, zu dem diese Tür führte, der seinerseits wiederum zu einer weiteren Tür derselben Machart führte, wusste, dass er sich in einer ziemlich misslichen Lage befand. Allein, um zu überleben, musste er den Eindringling, den seltsamen Akaya mit dem Ruf, eine außergewöhnlich effektive und gewaltsame Killermaschine zu sein, der es irgendwie fertigbrachte, eine Stahltür zu zerbeulen, töten oder auf andere Art unschädlich machen, denn selbst wenn er sich ergab und dann tatsächlich verschont werden würde, würde er sterben, nur etwas später durch seine Bosse. Aber das kam ihm sowieso nicht in den Sinn, denn er war treu und zuverlässig, wenn auch in just diesem Moment ein vages bisschen eingeschüchtert.
Er entsicherte beide Maschinenpistolen und richtete sie schonmal auf die Tür.
Kei öffnete das zweite Schloss, jedoch nicht die Tür selbst. Die schob er nur quietschend einen kleinen Spalt weit auf und schoss durch diesen, in der Hoffnung mit wenig Zielen zu treffen.
Die Wache hatte in diesem leeren Gang keine Möglichkeit, in Deckung zu gehen und ballerte einfach drauflos, als auf ihn geschossen wurde. Gleichzeitig brüllte er verwegen. Die Projektile durchdrangen die schwere Tür nicht, zerbeulten und verzogen sie aber noch etwas mehr und ließen den Mörtel und Putz rund um die Tür aus der Wand spritzen.
Kei hatte sich hinter der Tür in Deckung gebracht und schoss ab und an auf den Mann in der Hoffnung eines Treffers. Der Mann war im Blutrausch. Er schoss einfach weiter, bis die Pistolen leer waren und ließ sie dann fallen, um neue unter seiner Jacke hervorzuziehen und weiterzuschießen. Es war nicht festzustellen, ob er getroffen war, bis er seine beiden Ersatzmagazine auch schreiend leergefeuert hatte und dann plötzlich stumm zusammenbrach.
Kei hatte sich einfach in Deckung gehalten, bis das Dauerfeier aufhörte. Danach wagte er sich, um die Ecke zu schauen und stellte fest, dass der Typ tot war.
Er ging weiter, ohne ihm groß Beachtung zu schenken.
Die nächste Tür war der vorigen sehr ähnlich, und sie war ebenfalls verschlossen.
Kei war genervt. Er zerschoss dieses Schloss ebenfalls und öffnete die Tür vorsichtig. Sie war schwer, ließ sich aber ohne Widerstand öffnen. Der Raum dahinter war spärlich beleuchtet und beinahe leer. An der gegenüberliegenden Wand, direkt gegenüber der Tür, saß Colin auf dem unebenen Kellerboden, die gefesselten Füße vor sich gestellt und die Arme hinter dem Rücken. Wie auf dem Foto trug er das Kleid. Außerdem war er mit einem Seil und stabilem Klebeband geknebelt. Seine Augen weiteten sich etwas, als er Kei erkannte.
Kei betrat den Raum, wobei er dicht bei der Tür stehenblieb, und sah sich vorsichtig um. Er ließ den Blick von Colin aus weiter durch den Raum wandern. Sofort raste von der Seite ein Ende eines Holzstabes auf seine linke Schläfe zu. Gleichzeitig trat hinter der geöffneten Tür ein Anzugträger mit Pistole in der Hand hervor und schoss auf Keis Brust.
Der Vampir wich blitzschnell aus, indem er sich zur Seite beugte, und trat dem Stabschwinger gegen den Kopf. Die Kugel erwischte ihn fast, landete aber in der Wand. Der Stabkämpfer im Jogginganzug war ein erfahrener Schläger und wusste mit dem Bo umzugehen, also schüttelte er nur grunzend den Kopf, während er einen Schritt zurück nahm, um das Gleichgewicht zu behalten, bevor er sich schnell und geschickt drehte, um Kei erneut anzugreifen.
Währenddessen verfehlte der Anzugträger Kei noch zweimal und packte sich stattdessen fluchend Colin. Als er ihn hinten am Kleid griff und auf die Beine zog, zog sich Colins Gesicht mit einem erstickten Laut vor Schmerzen zusammen. Der Anzugträger rammte ihm den Lauf seiner Pistole gegen die Schläfe.
"Schluss mit dem Theater!" brüllte er.
Kei drehte sich um, knockte den Stabkämpfer dabei mit dem Griff seiner Glock aus.
Fuck... "Ich war hier eh fertig."
"Sehr richtig," stimmte der Anzugträger zu und schoss wieder auf Kei, jetzt wo er praktisch stillhielt. Kei wurde an der Hüfte gestreift, als er auswich und dabei den Abstand zwischen sich und dem Mann verringerte. Der schoss nochmal und ging dabei selbst zu Seite, wobei er Colin mitschleifte, der wieder ein Geräusch von sich gab, das unmissverständlich von Schmerzen zeugte. Diesmal behielt er die Augen geschlossen und versuchte nur, seinen Atem zu beruhigen.
Im nächsten Moment hatte der Typ eine Faust im Magen und eine Kugel im Bein.
"Eins."
Der Mann ließ einen unkontrollierten Schuss los und krümmte sich würgend, während ihm gleichzeitig ein Bein einknickte. Dabei riss er Colin unwillkürlich nach hinten, der mit gefesselten Füßen sein Gleichgewicht nicht finden konnte und es bloß schaffte, sich mit einem Ruck nach vorn auf die Knie fallen zu lassen. So blieb er vornübergebeugt erstmal mit zusammengekniffenen Augen hocken und versuchte, sich möglichst nicht zu bewegen. Auf seinem Rücken waren seine blutverschmierten Handgelenke stramm mit dünnem Stahldraht gefesselt, der ihm tief in die Haut schnitt.
Der Mann richtete die Pistole wieder auf Kei und schoss.
Kei wurde durchschossen. Knapp unter der Lunge. Ein Durchschuss. Der Vampir zerschoss im Gegenzug den Typen mit einem Schuss ins Auge und einem, seinem letzten im Magazin, durch die Lunge.
"Alles okay?" Er richtete sich an Colin, wohl wissend, dass das eine blöde Frage war.
"Hm," sagte Colin gedämpft, der bei den letzten Schüssen vorsichtig hingesehen hatte. Er nickte und sah Kei mit Tränen in den Augen an. Er sah, wie sich das Blut auf Keis Hemd ausbreitete.
Langsam drang es in Kei Bewusstsein vor, dass er ein Loch in seinem Körper hatte. Er zuckte zusammen. Das tat weh.
"Hng..." gab er von sich, befreite Colin von Knebel und Fesseln und nahm ihn in den Arm.
Als Kei den Draht um seine Hände entfernte, schnaufte er und riss sich zusammen, um nicht aufzuschreien. Wo der Draht abgezogen wurde, quoll frisches Blut hervor. Seine Füße waren durch den Stoff seiner Schuhe um die Knöchel geschützt gewesen, aber das Segeltuch war dort, wo der Draht es umwickelt hatte, aufgerieben und zerrissen.
Er legte sein Gesicht in Keis Halsbeuge und atmete durch.
"Gleich bist du tot," flüsterte er.
"Ach was. Is nurn Kratzer." Kei sprach leise. "Lass uns gehen, ja?"
Colin nickte. Kei drehte sie beide in Richtung Tür.
"Wenn ich ohnmächtig werde, sei so gut und halt mich am Leben, okay? Ich bin zu jung zum Sterben."
Colin musste fast lachen, dann weinen, und entschloss sich, keins von beidem zu tun.
"Jetzt musst du kein Macho mehr sein." Er ging hinter die Tür, wo seine Tasche und seine Kleider hingeworfen worden waren, stopfte letztere in die erstere, wobei seine Hände zitterten und er nicht so recht die Kontrolle über sie hatte, und hängte sich die Tasche um, ehe er zu Kei zurückging und dessen Arm auf seine Schultern nahm, um ihn zu stützen.
Obwohl er es nicht zugeben würde, war Kei das willkommen. Sein T-Shirt saugte sich mit Blut voll und eben dieses lief seinen Körper herunter.
"Warte," sagte Colin plötzlich, "setz dich hier an die Tür. Weißt du, wo wir hier sind?"
"Ostviertel unter einem Nachtclub," erklärte Kei, als er sich bedacht auf den Boden fallen ließ.
"Welcher Nachtclub genau?" Colin stützte Kei auf dem Weg nach unten noch etwas und rupfte dann seine Hose und seinen Pullover aus der Tasche.
"N Kneipen- und Stripclub... Den Namen weiß ich nicht, nur die Adresse."
Die gab er Colin dann auch und lehnte sich an die Wand, an der sie gerade vorbeigelaufen waren. Colin fand sein Telefon in seine Kleider gewickelt, schaltete es an und wählte sofort den Notruf. Er schaltete auch den Lautsprecher an und legte das Telefon neben sich auf den Boden, damit er die Hände frei hatte. Er zog Keis bluttriefendes Hemd hoch. Kei ließ ihn machen.
"Was wird das?"
"Druckverband. Damit du nicht verblutest." Er ließ das Hemd klatschend auf den Boden fallen, nahm sich seinen schwarzen Rollkragenpullover und zerriss ihn. Da meldete sich jemand vom Notruf.
Colin gab die Adresse, Art der Verletzung und Anzahl der Verletzten an. Er sagte, dass sie sich im Keller des Clubs befänden und er jetzt einen Druckverband improvisieren würde. Die Frau am anderen Ende der Leitung schien sich nicht über die Umstände zu wundern oder zu zögern, sondern bedankte sich für die Angaben und kündigte professionell an, dass sie gerade einen Rettungswagen losgeschickt habe.
Während des kurzen Gesprächs hatte Colin einen Teil des Pullovers stramm zusammengerollt und auf Keis Wunde gedrückt.
"Drück drauf, so fest du kannst."
Kei tat, wie ihm geheißen. So hoher Blutverlust bekam ihm gar nicht gut. Die zweite Pulloverrolle drückte Colin auf die Austrittswunde auf Keis Rücken, und dann nahm er seine Uniformhose und band sie stramm um Keis Oberkörper. An einer Seite knotete er die Beine fest zusammen.
"Ist das sehr eng?"
"Erträglich. Ich krieg noch Luft." Kei war verdammt dünn, wenn auch muskulös. Manchmal machte er den Anschein, als könnte man ihn zerdrücken, besonders wenn so halb tot war wie jetzt.
"Lehn dich an den Knubbel auf deinem Rücken." Colin übernahm das Drücken auf der Vorderseite. "Bist du allein gekommen?" Er drückte mit der linken Hand auf den Verband, während seine rechte zitternd in seinem Schoß auf dem Rüschenrock lag und ihn vollblutete.
"Nein. Draußen ist ein Kollege, der wartet... Das Kleid steht dir nicht. Der Kimono war besser." Kei rang sich ein Grinsen ab und lehnte sich an die Wand. Colin lächelte.
"Schade. Damit sollte mir die ganze Schule zu Füßen liegen. Aber jetzt ist das auch egal, es ist sowieso kaputt." Er sah zur zerschossenen Kellertür. "Es ist wahrscheinlich besser, wenn er nicht gesehen wird, oder?"
"Der Tote oder mein Kollege?"
"Dein Kollege. Gegen den Toten können wir nichts machen. Davon haben wir hier mehrere herumliegen."
"Er hat ja nur da gestanden, es sieht aus, als wäre er ein Gast gewesen."
"Dann sollte ich ihn nicht reinholen." Er betrachtete noch einmal die Tür. "Es tut mir Leid. Sie werden die Polizei dazuholen. Aber das ist besser als zu sterben, richtig?"
"Ich hab Lärm gehört, die Typen waren schon tot."
"Was ist mit der Waffe, die du benutzt hast, mit deinen Fingerabdrücken, den Schmauchspuren auf deiner Hand und mit deinen Verletzungen?"
"Das untersuchen die doch erst, wenn ich übern Berg bin. Ich hab mich gewehrt. Ansonsten gibst du die Waffe meinem Kollegen, der ist unverdächtig."
"Gib sie mir. Hat Shingo dir alles erzählt?"
Kei gab ihm die Waffe.
"Dass ihr verfolgt wurdet und dass die dich haben wollten. Warum, weiß ich nicht."
Colin ließ die Pistole in seiner Schultasche verschwinden und legte noch die Kostümverleihtüte obendrauf, bevor er zu guter Letzt seine Schuljacke draufstopfte.
"Wir könnten erzählen, dass du auch hier gefangen warst."
"Das glauben die nicht. Die kennen mich. Ein bisschen."
Colin musste nicht fragen, woher. Er sah Kei nur ernst an.
"Du bist blass geworden," sagte er flach.
"Ist das was neues?"
Colin küsste ihn sanft. Kei erwiderte den Kuss kurz, danach schloss er die Augen und lehnte auch den Kopf an die Wand hinter sich. Die Tür zum Club öffnete sich und Menschen stampften raschelnd herbei.



Monday, September 28, 2015

Kei + Colin XXVIII: Wrap this up



Colin hielt mit dem Tuch über Keis Oberschenkel inne und sah ihn an. "Bist du immun gegen Infektionen?"
"Ich hatte nie eine. Aber immun - nein. Ich kann genauso an einer unbehandelten Wunde sterben. Das dauert aber viel, viel länger. Auch müsste es viel schlimmer sein als bei einem Menschen," erklärte er. "Ich bin nicht immun, aber weniger anfällig und und robuster."
Colin schmunzelte. "Das ist ja fast niedlich, wie du versuchst, dich davor zu drücken." Er begann, das trocknende Blut um die Schusswunde herum abzuwischen, ohne die Wunde selbst zu berühren. Kei sagte dazu nichts und ließ Colin machen. Behutsam und leicht vornübergebeugt putzte Colin das ganze Blut um die Wunde herum ab, auch die Striemen, die es beim Herunterlaufen hinterlassen hatte, und faltete das Tuch danach um. Er rutsche etwas zur Seite, um sich Keis Rücken zu widmen. Er legte eine Hand sachte auf seine Schulter und putzte auch hier langsam das Blut ab. Die Menge war hier nicht der Rede wert, aber er nahm sich trotzdem Zeit dafür. Kei bewegte sich nicht um zu vermeiden Desinfektionsmittel in eine der Wunden zu kriegen. Das musste wirklich nicht sein, auch wenn das immer noch angenehmer war, als angeschossen zu werden. Als Colin endlich beschloss, dass er fertig war, legte er das blutige Tuch auf den Tisch und griff nach den Mullrollen. Kei betrachete seine saubere Schusswunde.
"Hast du die Kugel noch?" fragte er Colin. Der nickte zu dem Jeansfetzen auf dem Tisch, auf den er sie gelegt hatte, während er wieder an Keis Seite zurückrutschte.
"Kommando," sagte er, "Hosen runter."
Kei musste Schmunzeln. Er kannte das Spiel aus der Grundschule. Er zog seine Hosen bis unter die Knie.
"Reicht das so, Herr Feldwebel?"
"Sehr gut, Soldat." Er salutierte knapp und legte eine der Rollen auf die Wunde, ehe er begann, die andere abzuwickeln. "Festdrücken," befahl er. Kei drückte die Verbandsrolle gegen die Wunde. "Hast du mal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht?"
"Klar." Er wickelte die selbstklebende Binde stramm um Keis Oberschenkel und errötete leicht. Diese Situation machte ihn etwas verlegen. "Ich wachse behütet auf, schon vergessen?"
Kei musste grinsen.
"Der Besuch vorhin ließ mich das beinahe übersehen."
"Ah ja. Nun, für Nachbarn und das Geziefer, das du so anschleppst, kann meine Erziehung nichts." Die letzten zwanzig Zentimeter der Binde strich Colin sorgfältig glatt, damit sie gut festklebte, und nutzte damit diese perfekte unschuldige Gelegenheit, den so gut wie nackten Kei an einer so privaten Stelle anzufassen, noch einmal unauffällig aus, bevor er sich aufrichtete.
Kei kommentierte das nur mit: "Angeschleppt würde ich jetzt nicht sagen." Er betrachete Colin ungeniert.
"Angelockt?" bot Colin an und beugte sich zur Seite, um nach seinem Kimono zu fischen.
"Auch nicht. Ich würde sagen, dass das gar nicht meine Schuld war." Kei zog sich seine Hosen wieder hoch.
"Von Schuld rede ich ja gar nicht. Nur davon, dass sie deinetwegen hier waren." Colin zog sich den Kimono über und schloss ihn, indem er den Obi ziemlich schnell und unbehutsam darumwickelte. "... Unseretwegen," gab er zu.
"Meinetwegen war schon richtig. Der Typ ist nicht wegen dir tot," stellte der Vampir fest und zog sich sein, noch immer feuchtes, Shirt über.
"Ohne mich hättest du aber keinen Grund gehabt, ihn umzubringen." Colin zuckte mit den Schultern. Dann blickte er zur Seite. "Oder vielleicht einen anderen..."
"Vielleicht."
Colin krabbelte an den Tisch und schloss den Verbandskasten. Danach machte er sich daran, die Teeutensilien wegzuräumen. Während er auf Kei gewartet hatte, hatte er ein bisschen aufgeräumt, aber sie standen noch immer auf dem Tisch herum.
"Und jetzt hast du seinetwegen bei deinen eigenen Leuten verschissen?" Er verstaute den Kessel, die Schachtel und alles andere wieder in der Holztruhe und klappte diese zu. Nur das benutzte Schälchen und den kleinen Feuertopf stellte er zu dem Jeansfetzen und dem Tuch auf den Tisch, wo auch noch die beiden Pistolen lagen.
"Nein. Ich denke nicht. Aber das muss ich morgen herausfinden," sagte Kei.
"Wo hast du sie hingebracht? ... Darf ich das wissen?" Colin nahm die Patrone mit zwei Fingern und sah sie sich interessiert an.
"Ich hab sie meinem Vorgesetzten gegeben. Zusammen mit dem Wagen." Kei lächelte. "Willst du sie behalten? Immerhin hast du sie aus meinem Bein gezogen."
Colin sah ihn an und lächelte sachte zurück. "Ja. Meine Münze hast du mir ja abgenommen."
Kei lachte leicht. "Du wolltest sie ja nicht rausrücken."
"Aber ich habs getan. Obwohl sie MIR vor die Füße gefallen ist. Das war Schicksal!" Er schmunzelte.
"Ungeschicktheit," setzte Kei dagegen.
Colin war amüsiert. "Du, ungeschickt? Das klingt für mich äußerst schicksalhaft. Blödheit dagegen... das würde ich noch eher glauben." Er duckte sich vorsichtshalber. Kei nahm das Dekoschwert und ließ es direkt neben Colins Gesicht zu Boden gehen. Sehr dicht neben seinem Gesicht. Vor dem Boden stoppte er. Er wollte das Schwert schließlich nicht zerstören. Colin hatte die Augen zusammengekniffen und öffnete sie vorsichtig wieder. Er hob den Kopf langsam und sah Kei erschrocken an.
"Was hat es damit eigentlich auf sich?" versuchte er abzulenken.
"Es ist eine Erinnerung an meine Mutter," erklärte Kei. Colin sah ihn ernst und gespannt an.
"Das war ihr Blut?" Scheiße, ich habe sie einfach in den Mund gesteckt...
"Ja. Sie wurde... umgebracht. Das muss beinahe zwölf Jahre her sein," sagte Kei gelassen. Colins Augen weiteten sich etwas. Er wartete aufmerksam. Kei erzählte weiter. "Ich erfuhr später, dass es mein Vater war, der sie getötet hat. Die Münze lag in der Blutlache. Ich hab sie genommen und bin weggelaufen, bevor die Polizei kam."
"Und dein Vater? Was ist mit dem passiert?"
"Keine Ahnung. Ich kannte ihn nicht und nach dem Tag hab ich ihn nie mehr gesehen."
"Hier gibt es die Todesstrafe. Wenn er verurteilt wurde, lebt er womöglich nicht mehr. Weißt du, warum ers gemacht hat?"
"Ich denke nicht, dass er verurteilt wurde. Die werden ihn nie gekriegt haben. Nein. Ich hab's mit angesehen. Aber ich weiß nicht, warum."
"Der Regen hat aufgehört." Colin starrte Kei weiter an. Kei erwiderte seinen Blick, leicht fragend. "Lass uns reingehen."
"Ja. Das ist ne gute Idee." Kei erhob sich, das Katana noch in der Hand. Colin lud sich den Verbandskasten und den Abfall auf den Arm und legte darauf zaghaft die beiden Pistolen. So stand er vorsichtig auf und ging zur Tür, die er mit dem Ellenbogen aufschob. Kei zog sich seine Schuhe an, ließ sie offen und trat nach draußen. Die Luft war noch feucht und Wasser tropfte von Blättern und co. Colin legte sich noch seine nassen Socken auf den Haufen und stieg in die Sandalen. Dann trat er die Schiebetür zu und ging zum Haus. Vor der Terrassentür zog er die Sandalen wieder aus. Er schlich barfuß durch das Wohnzimmer, den Flur und die Treppe hinauf, wohl darauf vertrauend, dass Kei die Tür selbst schließen und lautlos folgen konnte. Kei folgte dem Kleineren und schloss Teehaustür und Terrassentür hinter sich. Leise schlich er Colin hinterher.
Colin trug alles in sein Zimmer. Als er sich zu Kei umdrehte und das Schwert sah, sagte er: "Werdet ihr euch je trennen können?"
Kei schaute ihn an und dann das Schwert.
"Ja." Er legte es auf Colins Schreibtisch und steckte bei der Gelegenheit gleich sein Telefon wieder ein. "Aber einfach ist das nicht."
Colin schmunzelte. "Du darfst dafür die hier haben." Er hob ihm entgegen, was er in den Armen trug und meinte offensichtlich die immer noch ungesicherten Knarren.
"Na gut." Er nahm die beiden Glocks und sicherte sie erstmal. Dann steckte er sie in seine Schultasche. "Ein Katana hätte wirklich Stil. Das hat Spaß gemacht da draußen."
Colin grinste.
"..." sagte er und legte die blutige Patrone neben seinen Wecker. Er packte die Socken und den Müll dorthin, wohin sie jeweils gehörten, und schlich dann in das Badezimmer, um den Verbandskasten zurückzulegen.
Kei lehnte an der Fensterbank. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass es schon fast vier Uhr morgens war.
Oh... kommentierte er die frühe Uhrzeit in Gedanken und steckte das kleine Gerät wieder weg. Als Colin zurückkam, schloss er leise die Tür und riss sich den Obi herunter. Grinsend ging Kei zu ihm hinüber und ging ihm ein wenig zur Hand, indem er den Kleineren seines Kimonos entledigte. Colin errötete etwas.
"Ich kann mich allein ausziehen."
Kei grinste. "Weiß ich. Aber so geht's schneller." Er zog ihm den Kimono von den Armen. Colin sah ihn trocken an.
"Ach so, ja. Schneller ist in der Regel besser."
Kei schaute ihm in die Augen und wollte ihm gerade was erwidern, als zum bestimmt x-ten Mal sein Telefon klingelte.
Diesmal ging er dran. Ließ den Anrufer eine Weile reden.
"Erklär mir mal, warum drei bewaffnete Pisser im Garten standen. Was hatten die bitte mit Higa zu tun? .... Nein. ... Keine Ahnung... Ja... Gut... Sie sind jetzt tot... Gut, mach ich..." Er legte auf. Seufzte.
Colin hatte interessiert zugehört, während er gleichzeitig die Geigen und den Kimono wegräumte und ein T-Shirt und eine klassische Schlafanzughose unter seiner Bettdecke hervorzog. Er sah Kei an, während er sich anzog, als das Gespräch beendet war.
"Ich weiß jetzt, wer unsere Gäste waren," sagte Kei und steckte das Telefon weg.
"Toshi, Yoshi und Kobahashi," riet Colin unernst, während er sich das Hemd herunterkrempelte und zum Schreibtisch ging.
"Gute Idee, aber nein. Ihre Namen weiß ich auch nicht. Sie wollten wohl Rache üben. Das beweist, dass dein Nachbar meinen Boss nach Strich und Faden verarscht hat."
Mehr verriet er Colin nicht. Der wusste eigentlich eh schon genug, das er nicht wissen sollte. Colin setzte sich vor das Schwert und nahm es auf den Schoß.
"Und was sollst du jetzt machen?"
"Morgen aufschlagen, aber das hatte ich eh vor," sagte Kei.
"Statt Schule?" Colin zog sein Haargummi ab, legte es auf den Tisch und nahm ein Taschentuch aus der Schachtel neben der Tastatur. Er wischte damit über das Schwert.
"Tatsächlich nicht. Ich fahr erst nach der Schule dort hin."
Die Feuchtigkeit ließ sich erfreulich leicht ohne Schlieren wegputzen, und Colin setzte das Schwert mit der Spitze senkrecht auf den Boden zwischen seinen Beinen. Nachdem er den Griff für makellos genug befunden hatte, stützte er sich mit dem Unterarm darauf.
"Hast du vor, in deinen nassen Kleidern zu schlafen?"
Kei schaute ihn an.
"Nein." Er hatte nicht damit gerechnet, bei Colin zu übernachten. Etwas umständich pellte er sich aus seinen nassen Sachen und legte sie über die Heizung, damit sie trocknen konnten. Colin sah ihm beim Ausziehen interessiert zu. Kei ließ sich davon nicht ablenken. Da alle seine Kleidungsstücke nass geworden waren, zog er auch alles aus, und warf sich einfach nackt in Colins Bett. Musterte ihn von dort aus.
Colin wurde gewahr, dass er starrte und sich auf die Lippe gebissen hatte, und stand schnell auf.
"Ich hänge das Schwert wieder auf." Er ging zügig zur Tür und fuhr sich dabei mit der freien Hand durch die Haare, sodass der Zopf auseinanderfiel und als schützender Vorhang vor seinem Gesicht dienen konnte.
"Okay. Bis gleich," hatte Kei dazu zu sagen und verfrachtete seinen Körper unter die Decke, machte es sich bequem und wartete.
Colin fand im Wohnzimmer die Scheide und legte alles sorgfältig in die Halterung zurück. Nach wenigen Minuten war er wieder in seinem Zimmer angekommen, schloss leise die Tür und knipste das Licht aus. Durch die Fenster beleuchteten noch weißes, fahles Straßenlaternen- und Mondlicht den Raum. Colin kletterte aufs Bett. Kei hatte es sich bequem gemacht, aber Colin noch genug Platz gelassen.
Es ist so ruhig hier... dachte er, als Colin sich zu ihm gesellte.
"Gute Nacht."
Colin musste grinsen. "Gute Nacht," erwiderte er brav, als er unter die Decke kroch. Es war darunter nicht so warm, wie er erwartet hatte. Er drehte sich auf die Seite, Kei zugewandt, und sah ihn an. Kei lag halb auf der Seite, halb auf dem Rücken und hatte die Augen geschlossen. Er war schnell im Einschlafen. Während er einschlief, rollte er ganz auf die Seite, Richtung Colin.
"Weißt du, dass deine Augen im Dunkeln leuchten?" fiel Colin zum Schluss noch ein, als er auch einschlief.
Kei murmelte etwas, das mal ein "Ja, ich weiß." werden wollte und war kurz darauf in Reich der Träume verschwunden.