Monday, September 28, 2015

Kei + Colin XXIX: Can you tell me where my love has gone




*Ohayou = (jap.) Guten Morgen



MITTWOCH
Zwei stunden später quakte der Wecker schrill "OHAYOOOO!* Ein neuer Tag, gib dein Bestes und rette die Welt! Ohayoooo! Gib den Bestes und rette die Welt! Ohayoooo! Gib dein Bestes und-" Klick. Colins Hand rutschte schlaff am Regal am Kopf seines Bettes herunter. Kei schlief weiter.
Langsam setzte Colin sich auf. Seine Hand landete auf Keis Gesicht.
"Hmm." Ein morgendlich genervtes Brummen schlug Colin entgegen. Im nächsten Moment war Kei wach und setzte sich auf.
Nachdem er sich kurz die Augen gerieben hatte, rutschte Colin aus dem Bett und taperte benommen zum Kleiderschrank. Als er ihn öffnete, fielen seine Hose und sein Sweatshirt vom vorigen Tag heraus. Er trat sie zurück und nahm sich Socken, Boxershorts und seine sauber und vollständig aufgehängte Uniform heraus. Kei schaute ihm kurz zu und stand dann ebenfalls auf.
"Ich muss gleich nachhause und mich umziehen," teilte er Colin mit.
"Hm," antwortete Colin abwesend.
Kei zog sich schnell die Kleidung vom Vortag über, nahm seine Tasche und verabschiedete sich von Colin.
"Wir sehen uns dann nachher," sagte er, während er auf dem Fensterbrett saß.
Plötzlich schien Colin aufzuwachen. "Warte." Er lief zu Kei. "Ich machs wie du." Er versuchte, ihn zu umarmen. Kei grinste ein wenig in sich hinein. Erwiderte die Umarmung kurz und war verschwunden.

Kurz vor Unterrichtsbeginn saß Colin zuverlässig an seinem Platz, in seinem mittlerweile üblichen Rollkragenpulli unter der Uniformjacke, ließ seinen Druckbleistift zwischen den Fingern hin und herwandern, hatte das Kinn auf die andere Hand gestützt und sah müde/nachdenklich/verträumt aus dem Fenster, während er mit Knöpfen in den Ohren Musik hörte. Kei kam quasi mit dem Lehrer in den Raum. Die Ruhe selbst, ließ er sich überhaupt nicht hetzen. Er war umgezogen und trug nur die Jacke seiner Uniform, deren Ärmel er hochgekrempelt hatte. Ungeachtet der Temperaturen und des Wetters draußen.
Er setzte sich auf seinen Platz und grüßte Colin nonverbal, da der Lehrer die Klasse bereits zur Ruhe ermahnt hatte. Als Kei sich in sein Blickfeld setzte, schmunzelte Colin ihn an und nahm die Knöpfe aus den Ohren, schaltete den mp3-player aus und richtete den Blick nach vorn. Der Vampir schmunzelte leicht zurück und richtete seinen Blick ebenfalls nach vorn. Aber nicht lange. Das Wetter war weit interessanter als das, was der Lehrer so von sich gab. Colin passte auch nicht auf. Er sah zwar ins Buch, aber nickte leicht mit dem Kopf und wippte im Takt mit einem Fuß, ohne irgendwas auf der Seite aufzunehmen. Stattdessen schrieb er mit dem Bleistift auf den Tisch. Kei blickte irgendwann wieder nach vorn. Doch wirklich aufmerksam war er nicht. Er wartete nur darauf, dass die Stunde vorbeiging. Trotzdem begann er ein bisschen mitzuschreiben und seinen Block vollzukritzeln.
Als es endlich läutete, war der Lehrer selbst überrascht und packte kommentarlos sein Buch unter den Arm, um einfach hinauszutapsen. Colin langte gleich wieder nach seinem mp3-player und steckte sich wieder die Knöpfe in die Ohren. Kei tat es ihm gleich, nur dass er nach seiner Zigarettenschachtel griff und sich erhob um zum Rauchen nach draußen zu gehen. Vorher jedoch nahm er einen von Colins Kopfhörern aus dessen Ohr.
"Ohayo!" grüßte er.
"-Mister, can you tell me where my love has gone? He's a-" quakte es aus dem Ohrstecker, bevor Colin überrascht und leise "Ohayo" entgegnete, mit einem warmen Lächeln.
"Kommst du mit nach draußen?" fragte Kei und gab den Ohrstecker zurück.
"-Japanese Boy. I woke up one morning-" Colin schaltete die Musik aus und stand gleichzeitig hastig auf. Kei grinste ganz leicht bei dem halb verstandenen Songtext und ging mit Colin nach draußen, wo er sich eine Zigarette anzündete und die Ruhe draußen genoss. Drinnen war es ihm entschieden zu laut, sobald die Lehrer gegangen waren.
Er küsste Colin. Sehr bereitwillig erwiderte Colin den Kuss, hielt ihn aber schön kurz und keusch.
"Ihr seid für das Konzert schon sehr gut vorbereitet," bot er an.
"Danke! Wir haben auch viel geübt," erwiderte Kei und fügte die Frage an, ob Colin auch viel üben musste, oder eher nicht. Colin gab ihm einen Blick, der klar andeutete, dass das eine dumme Frage gewesen sei.
"Jeder muss immer viel üben." Er lehnte sich an die Wand. "Shingo und ich haben rangeklotzt, und es ist was gutes dabei herausgekommen." Er nickte entschlossen. "Und Frau Hasegawa wird umkippen. So wie sies dafür verdient, dass sie mich aus dem Chor geschmissen hat."
"Warum hat sie dich ausm Chor geworfen?" Er zog an seiner Zigarette. Er war ein bisschen gespannt darauf, was Colin wohl auf die Beine gestellt hatte. "Verrätst du mir, was ihr geplant habt?"
"No," sagte Colin und lächelte. Dann wackelte er mit den Augenbrauen und stieß sich von der Wand ab, um wieder reinzugehen. Kei beendete seine Zigarette noch und ging dann hinterher. Er würde wohl warten müssen, auch wenn ihm das nicht gefiel. Geduld war nunmal nicht seins.
"Schade. Ich hätts gern gesehen, wenn die Aula nicht überquillt."
"Ah, aber wo bleibt denn der Spaß, wenn man sich nicht in aller Öffentlichkeit blamiert?" Colin grinste schelmisch. Kei grinste bei dem Gedanken, wie Colin sich tatsächlich absichtlich blamierte, allerdings schlichen sich ihm dabei ein paar wirklich blamable Szenen in den Kopf, und so schob er das Ganze schnell wieder in die hinterste Ecke seiner Gedanken.
"So kann man das auch sehen. Aber wenn, dann richtig."
Daraufhin schmunzelte Colin nur enigmatisch, als er sich wieder an seinen Platz setzte.
Die Lehrerin war bereits da und ließ Arbeitsblätter verteilen. Wie meist die Ruhe selbst, ließ auch Kei sich auf seinem Platz nieder und warf einen Blick auf das Arbeitsblatt, das seinen Weg auf seinen Tisch gefunden hatte. Es war ein Englischvokabelblatt zum Übersetzen, mit ein paar kurzen Lückentexten.
Colin schnaufte gelangweilt, kritzelte innerhalb von ein paar Minuten alles voll und schielte zwischendurch zu Kei, um zu sehen, wie er voranschritt. Kei stellte sich deutlich besser an als sonst, wenn auch nicht perfekt, aber so langsam machte er sich. Zufrieden lehnte Colin sich auf den Tisch, als er fertig war und gesehen hatte, dass Kei wusste, was er tat, verschränkte die Arme, legte das Gesicht drauf und holte dreist ein bisschen Schlaf nach.

NACHMITTAG/SCHULSCHLUSS
Colin rieb sich die Augen als er langsam seinen Krempel zusammenpackte.
"Probt ihr jetzt noch?"
"Die anderen ja, ich nicht. Ich muss ja noch weg," erklärte Kei und schaute kurz auf sein Telefon.
"Achso." Das hatte Colin vergessen. Er nickte und schulterte seine Tasche. "Also bis morgen."
"Bis morgen," erwiderte Kei, nahm ebenfalls sein Zeug und war ziemlich schnell verschwunden.

WENIGE STUNDEN SPÄTER
Bei Kei zuhause klingelte es sturm.
Kei erhob sich von seinem Bett, wo er Gitarre spielend gelegen hatte, und ging zur Tür, öffnete. Sehr eiligen Schrittes schnaufte jemand in rasendem Tempo zu Keis Wohnung hoch. Der Vampir war in der offenen Wohnungstür stehengeblieben, um zu sehen, wer da geklingelt hatte. Erstaunt stellte er fest, dass es Shingo Murata war.
"Was willstn du hier?" Und woher weißt du, wo ich wohne...?
Als er in Doppel- und Dreifachschritten die letzte Treppe nahm, sah er Kei gehetzt an, als hätte er ein Gespenst gesehen. Er war offensichtlich schon eine Weile gelaufen und musste erstmal zu Atem kommen.
"Colin ist entführt worden... hech... er hat mich zu dir geschickt... hah..."
"Wer hat dich geschickt? Colin?" Er ahnte Böses. Shingo nickte und stützte sich auf die Knie, immer noch keuchend.
"Er hat mir deine Adresse... gesagt... als wir gerannt sind... er ist nicht... sehr sportlich... Ich darf nicht zur Polizei, hat er gesagt... und nicht zu den... Eltern, nur Sakai, sagte er..." Endlich richtete Shingo sich wieder auf, mit rotem Kopf. "Drei Männer, zwei im Anzug, einer mit lila Jogginganzug, schwarze Limo, Honda, mit getönten Scheiben -" begann er.
Kei dachte nach. "Komm rein. Setz dich hin. Ich muss eben telefonieren, wenn du was trinken willst, bedien dich einfach. Küche is da lang." Er deutete Shingo den Weg und nahm sein Telefon.
Seinem Gesprächspartner teilte er alles mit, was Shingo erzählt hatte.
"He Shingo! Haben die Typen irgendwas gesagt?"
Shingo hatte Wasser direkt aus dem Hahn aus seinen Händen getrunken und sich das schweißnasse Gesicht etwas abgewaschen.
"Der eine Anzug sagte, dass sie Colin haben wollen und ich egal sei. Das war alles. Wir sind bis zum Virgin Music Store gekommen. Von da aus sind sie Richtung Ostviertel gefahren. Er hat sein Handy noch bei sich." Daraufhin ließ Shingo sich auf den nächsten Stuhl fallen und beugte sich erschöpft vor. Besagter Virgin Store befand sich am anderen Ende der Innenstadt.
Kei hatte das Telefon noch am Ohr.
"Handyortung, wenn wir Glück haben, ist's noch an. Es geht ihnen nur um Colin. Ich glaube ich weiß, wer dahinter steckt," sagte er.
Nachdem er noch einige Minuten telefoniert hatte, steckte er das Telefon weg und nahm sich eine Zigarette.
"Ich kümmer mich darum, Shingo. Keine Polizei und lass Colins Eltern da raus. Ich will mich nicht auch noch mit denen auseinandersetzen müssen."
Shingo sah ihn müde, gestresst und zweifelnd von unten an, wo er auf seine Knie gestützt herumsaß.
"Warum sollte ich zu dir und nicht zur Polizei? Was hat Colin mit der Yakuza zu tun?"
"Er eigentlich gar nichts." Kei zog an seiner Zigarette lehnte sich an die Wand. Die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass Colin von den Leuten vom Vortag entführt worden war, von den Kollegen derjenigen, Kei im Garten abgeschlachtet hatte. Das war momentan die plausibelste Erklärung.
Ein paar Minuten später klingelte es wieder.
Shingo schüttelte den Kopf. "Du gehst ganz schon gelassen damit um, dass du ihn da reingeritten hast." Er wischte sich über das Gesicht.
"Soll ich etwa panisch durch die Gegend rennen?" fragte der Vampir und ging an die Tür. Davor einer seiner Vorgesetzten. Er ließ ihn herein und gesellte sich mit dem Mann zurück an den Küchentisch an dem Shingo saß. Die beiden besprachen kurz, wie sie mit der Situation umgehen sollten und beschlossen, sich ihr sofort anzunehmen.
"Shingo, ich muss dich rauswerfen, ich muss los."
Eilig sprang Shingo auf. "Ich kann euch helfen!"
Der Mann im Anzug wendete sich an Shingo. "Das ist zu gefährlich, Kleiner. Nicht nur für dich."
"Und was mache ich dann?" fragte er hilflos.
"Abwarten, Tee trinken, Fresse halten," bot Kei an.
"Rede nicht so mit mir, Arschloch! Deinetwegen ist das passiert!" Er ging trotzdem zur Tür. Colin hatte ihm gesagt, er solle tun was Sakai sagt. Nicht, dass er ihm das auf die Nase binden musste, auch wenn er der Aufforderung nachkam.
Kei und der Mann im Anzug gingen ebenfalls zur Tür, nachdem Kei Schlüssel und dergleichen zusammengesucht hatte. Unten stiegen sie in einen Wagen und waren ziemlich schnell verschwunden. Shingo ließen sie einfach unten stehen.
Entgegen aller Hoffnung versuchte Shingo, Colin anzurufen und ihm Nachrichten zu schicken, aber es funktionierte nicht.


Kei + Colin XXVIII: Wrap this up



Colin hielt mit dem Tuch über Keis Oberschenkel inne und sah ihn an. "Bist du immun gegen Infektionen?"
"Ich hatte nie eine. Aber immun - nein. Ich kann genauso an einer unbehandelten Wunde sterben. Das dauert aber viel, viel länger. Auch müsste es viel schlimmer sein als bei einem Menschen," erklärte er. "Ich bin nicht immun, aber weniger anfällig und und robuster."
Colin schmunzelte. "Das ist ja fast niedlich, wie du versuchst, dich davor zu drücken." Er begann, das trocknende Blut um die Schusswunde herum abzuwischen, ohne die Wunde selbst zu berühren. Kei sagte dazu nichts und ließ Colin machen. Behutsam und leicht vornübergebeugt putzte Colin das ganze Blut um die Wunde herum ab, auch die Striemen, die es beim Herunterlaufen hinterlassen hatte, und faltete das Tuch danach um. Er rutsche etwas zur Seite, um sich Keis Rücken zu widmen. Er legte eine Hand sachte auf seine Schulter und putzte auch hier langsam das Blut ab. Die Menge war hier nicht der Rede wert, aber er nahm sich trotzdem Zeit dafür. Kei bewegte sich nicht um zu vermeiden Desinfektionsmittel in eine der Wunden zu kriegen. Das musste wirklich nicht sein, auch wenn das immer noch angenehmer war, als angeschossen zu werden. Als Colin endlich beschloss, dass er fertig war, legte er das blutige Tuch auf den Tisch und griff nach den Mullrollen. Kei betrachete seine saubere Schusswunde.
"Hast du die Kugel noch?" fragte er Colin. Der nickte zu dem Jeansfetzen auf dem Tisch, auf den er sie gelegt hatte, während er wieder an Keis Seite zurückrutschte.
"Kommando," sagte er, "Hosen runter."
Kei musste Schmunzeln. Er kannte das Spiel aus der Grundschule. Er zog seine Hosen bis unter die Knie.
"Reicht das so, Herr Feldwebel?"
"Sehr gut, Soldat." Er salutierte knapp und legte eine der Rollen auf die Wunde, ehe er begann, die andere abzuwickeln. "Festdrücken," befahl er. Kei drückte die Verbandsrolle gegen die Wunde. "Hast du mal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht?"
"Klar." Er wickelte die selbstklebende Binde stramm um Keis Oberschenkel und errötete leicht. Diese Situation machte ihn etwas verlegen. "Ich wachse behütet auf, schon vergessen?"
Kei musste grinsen.
"Der Besuch vorhin ließ mich das beinahe übersehen."
"Ah ja. Nun, für Nachbarn und das Geziefer, das du so anschleppst, kann meine Erziehung nichts." Die letzten zwanzig Zentimeter der Binde strich Colin sorgfältig glatt, damit sie gut festklebte, und nutzte damit diese perfekte unschuldige Gelegenheit, den so gut wie nackten Kei an einer so privaten Stelle anzufassen, noch einmal unauffällig aus, bevor er sich aufrichtete.
Kei kommentierte das nur mit: "Angeschleppt würde ich jetzt nicht sagen." Er betrachete Colin ungeniert.
"Angelockt?" bot Colin an und beugte sich zur Seite, um nach seinem Kimono zu fischen.
"Auch nicht. Ich würde sagen, dass das gar nicht meine Schuld war." Kei zog sich seine Hosen wieder hoch.
"Von Schuld rede ich ja gar nicht. Nur davon, dass sie deinetwegen hier waren." Colin zog sich den Kimono über und schloss ihn, indem er den Obi ziemlich schnell und unbehutsam darumwickelte. "... Unseretwegen," gab er zu.
"Meinetwegen war schon richtig. Der Typ ist nicht wegen dir tot," stellte der Vampir fest und zog sich sein, noch immer feuchtes, Shirt über.
"Ohne mich hättest du aber keinen Grund gehabt, ihn umzubringen." Colin zuckte mit den Schultern. Dann blickte er zur Seite. "Oder vielleicht einen anderen..."
"Vielleicht."
Colin krabbelte an den Tisch und schloss den Verbandskasten. Danach machte er sich daran, die Teeutensilien wegzuräumen. Während er auf Kei gewartet hatte, hatte er ein bisschen aufgeräumt, aber sie standen noch immer auf dem Tisch herum.
"Und jetzt hast du seinetwegen bei deinen eigenen Leuten verschissen?" Er verstaute den Kessel, die Schachtel und alles andere wieder in der Holztruhe und klappte diese zu. Nur das benutzte Schälchen und den kleinen Feuertopf stellte er zu dem Jeansfetzen und dem Tuch auf den Tisch, wo auch noch die beiden Pistolen lagen.
"Nein. Ich denke nicht. Aber das muss ich morgen herausfinden," sagte Kei.
"Wo hast du sie hingebracht? ... Darf ich das wissen?" Colin nahm die Patrone mit zwei Fingern und sah sie sich interessiert an.
"Ich hab sie meinem Vorgesetzten gegeben. Zusammen mit dem Wagen." Kei lächelte. "Willst du sie behalten? Immerhin hast du sie aus meinem Bein gezogen."
Colin sah ihn an und lächelte sachte zurück. "Ja. Meine Münze hast du mir ja abgenommen."
Kei lachte leicht. "Du wolltest sie ja nicht rausrücken."
"Aber ich habs getan. Obwohl sie MIR vor die Füße gefallen ist. Das war Schicksal!" Er schmunzelte.
"Ungeschicktheit," setzte Kei dagegen.
Colin war amüsiert. "Du, ungeschickt? Das klingt für mich äußerst schicksalhaft. Blödheit dagegen... das würde ich noch eher glauben." Er duckte sich vorsichtshalber. Kei nahm das Dekoschwert und ließ es direkt neben Colins Gesicht zu Boden gehen. Sehr dicht neben seinem Gesicht. Vor dem Boden stoppte er. Er wollte das Schwert schließlich nicht zerstören. Colin hatte die Augen zusammengekniffen und öffnete sie vorsichtig wieder. Er hob den Kopf langsam und sah Kei erschrocken an.
"Was hat es damit eigentlich auf sich?" versuchte er abzulenken.
"Es ist eine Erinnerung an meine Mutter," erklärte Kei. Colin sah ihn ernst und gespannt an.
"Das war ihr Blut?" Scheiße, ich habe sie einfach in den Mund gesteckt...
"Ja. Sie wurde... umgebracht. Das muss beinahe zwölf Jahre her sein," sagte Kei gelassen. Colins Augen weiteten sich etwas. Er wartete aufmerksam. Kei erzählte weiter. "Ich erfuhr später, dass es mein Vater war, der sie getötet hat. Die Münze lag in der Blutlache. Ich hab sie genommen und bin weggelaufen, bevor die Polizei kam."
"Und dein Vater? Was ist mit dem passiert?"
"Keine Ahnung. Ich kannte ihn nicht und nach dem Tag hab ich ihn nie mehr gesehen."
"Hier gibt es die Todesstrafe. Wenn er verurteilt wurde, lebt er womöglich nicht mehr. Weißt du, warum ers gemacht hat?"
"Ich denke nicht, dass er verurteilt wurde. Die werden ihn nie gekriegt haben. Nein. Ich hab's mit angesehen. Aber ich weiß nicht, warum."
"Der Regen hat aufgehört." Colin starrte Kei weiter an. Kei erwiderte seinen Blick, leicht fragend. "Lass uns reingehen."
"Ja. Das ist ne gute Idee." Kei erhob sich, das Katana noch in der Hand. Colin lud sich den Verbandskasten und den Abfall auf den Arm und legte darauf zaghaft die beiden Pistolen. So stand er vorsichtig auf und ging zur Tür, die er mit dem Ellenbogen aufschob. Kei zog sich seine Schuhe an, ließ sie offen und trat nach draußen. Die Luft war noch feucht und Wasser tropfte von Blättern und co. Colin legte sich noch seine nassen Socken auf den Haufen und stieg in die Sandalen. Dann trat er die Schiebetür zu und ging zum Haus. Vor der Terrassentür zog er die Sandalen wieder aus. Er schlich barfuß durch das Wohnzimmer, den Flur und die Treppe hinauf, wohl darauf vertrauend, dass Kei die Tür selbst schließen und lautlos folgen konnte. Kei folgte dem Kleineren und schloss Teehaustür und Terrassentür hinter sich. Leise schlich er Colin hinterher.
Colin trug alles in sein Zimmer. Als er sich zu Kei umdrehte und das Schwert sah, sagte er: "Werdet ihr euch je trennen können?"
Kei schaute ihn an und dann das Schwert.
"Ja." Er legte es auf Colins Schreibtisch und steckte bei der Gelegenheit gleich sein Telefon wieder ein. "Aber einfach ist das nicht."
Colin schmunzelte. "Du darfst dafür die hier haben." Er hob ihm entgegen, was er in den Armen trug und meinte offensichtlich die immer noch ungesicherten Knarren.
"Na gut." Er nahm die beiden Glocks und sicherte sie erstmal. Dann steckte er sie in seine Schultasche. "Ein Katana hätte wirklich Stil. Das hat Spaß gemacht da draußen."
Colin grinste.
"..." sagte er und legte die blutige Patrone neben seinen Wecker. Er packte die Socken und den Müll dorthin, wohin sie jeweils gehörten, und schlich dann in das Badezimmer, um den Verbandskasten zurückzulegen.
Kei lehnte an der Fensterbank. Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass es schon fast vier Uhr morgens war.
Oh... kommentierte er die frühe Uhrzeit in Gedanken und steckte das kleine Gerät wieder weg. Als Colin zurückkam, schloss er leise die Tür und riss sich den Obi herunter. Grinsend ging Kei zu ihm hinüber und ging ihm ein wenig zur Hand, indem er den Kleineren seines Kimonos entledigte. Colin errötete etwas.
"Ich kann mich allein ausziehen."
Kei grinste. "Weiß ich. Aber so geht's schneller." Er zog ihm den Kimono von den Armen. Colin sah ihn trocken an.
"Ach so, ja. Schneller ist in der Regel besser."
Kei schaute ihm in die Augen und wollte ihm gerade was erwidern, als zum bestimmt x-ten Mal sein Telefon klingelte.
Diesmal ging er dran. Ließ den Anrufer eine Weile reden.
"Erklär mir mal, warum drei bewaffnete Pisser im Garten standen. Was hatten die bitte mit Higa zu tun? .... Nein. ... Keine Ahnung... Ja... Gut... Sie sind jetzt tot... Gut, mach ich..." Er legte auf. Seufzte.
Colin hatte interessiert zugehört, während er gleichzeitig die Geigen und den Kimono wegräumte und ein T-Shirt und eine klassische Schlafanzughose unter seiner Bettdecke hervorzog. Er sah Kei an, während er sich anzog, als das Gespräch beendet war.
"Ich weiß jetzt, wer unsere Gäste waren," sagte Kei und steckte das Telefon weg.
"Toshi, Yoshi und Kobahashi," riet Colin unernst, während er sich das Hemd herunterkrempelte und zum Schreibtisch ging.
"Gute Idee, aber nein. Ihre Namen weiß ich auch nicht. Sie wollten wohl Rache üben. Das beweist, dass dein Nachbar meinen Boss nach Strich und Faden verarscht hat."
Mehr verriet er Colin nicht. Der wusste eigentlich eh schon genug, das er nicht wissen sollte. Colin setzte sich vor das Schwert und nahm es auf den Schoß.
"Und was sollst du jetzt machen?"
"Morgen aufschlagen, aber das hatte ich eh vor," sagte Kei.
"Statt Schule?" Colin zog sein Haargummi ab, legte es auf den Tisch und nahm ein Taschentuch aus der Schachtel neben der Tastatur. Er wischte damit über das Schwert.
"Tatsächlich nicht. Ich fahr erst nach der Schule dort hin."
Die Feuchtigkeit ließ sich erfreulich leicht ohne Schlieren wegputzen, und Colin setzte das Schwert mit der Spitze senkrecht auf den Boden zwischen seinen Beinen. Nachdem er den Griff für makellos genug befunden hatte, stützte er sich mit dem Unterarm darauf.
"Hast du vor, in deinen nassen Kleidern zu schlafen?"
Kei schaute ihn an.
"Nein." Er hatte nicht damit gerechnet, bei Colin zu übernachten. Etwas umständich pellte er sich aus seinen nassen Sachen und legte sie über die Heizung, damit sie trocknen konnten. Colin sah ihm beim Ausziehen interessiert zu. Kei ließ sich davon nicht ablenken. Da alle seine Kleidungsstücke nass geworden waren, zog er auch alles aus, und warf sich einfach nackt in Colins Bett. Musterte ihn von dort aus.
Colin wurde gewahr, dass er starrte und sich auf die Lippe gebissen hatte, und stand schnell auf.
"Ich hänge das Schwert wieder auf." Er ging zügig zur Tür und fuhr sich dabei mit der freien Hand durch die Haare, sodass der Zopf auseinanderfiel und als schützender Vorhang vor seinem Gesicht dienen konnte.
"Okay. Bis gleich," hatte Kei dazu zu sagen und verfrachtete seinen Körper unter die Decke, machte es sich bequem und wartete.
Colin fand im Wohnzimmer die Scheide und legte alles sorgfältig in die Halterung zurück. Nach wenigen Minuten war er wieder in seinem Zimmer angekommen, schloss leise die Tür und knipste das Licht aus. Durch die Fenster beleuchteten noch weißes, fahles Straßenlaternen- und Mondlicht den Raum. Colin kletterte aufs Bett. Kei hatte es sich bequem gemacht, aber Colin noch genug Platz gelassen.
Es ist so ruhig hier... dachte er, als Colin sich zu ihm gesellte.
"Gute Nacht."
Colin musste grinsen. "Gute Nacht," erwiderte er brav, als er unter die Decke kroch. Es war darunter nicht so warm, wie er erwartet hatte. Er drehte sich auf die Seite, Kei zugewandt, und sah ihn an. Kei lag halb auf der Seite, halb auf dem Rücken und hatte die Augen geschlossen. Er war schnell im Einschlafen. Während er einschlief, rollte er ganz auf die Seite, Richtung Colin.
"Weißt du, dass deine Augen im Dunkeln leuchten?" fiel Colin zum Schluss noch ein, als er auch einschlief.
Kei murmelte etwas, das mal ein "Ja, ich weiß." werden wollte und war kurz darauf in Reich der Träume verschwunden.


Kei + Colin XXVII: Weißt du, was du willst?



"Keine zehn Zentimeter," mutmaßte Kei. Immerhin war es kein Durchschuss und er ein verdammt schlankes Wesen.
"Aaahrg..." oder so ähnlich, fluchte er leise, während Colin in seinem Bein herumpopelte. Das TAT WEH, in der Tat. Aber nicht so, als könnte er es nicht aushalten. Eine Weile lang. Er würde morgen einiges klären müssen. "Es kann sein... dass ich morgen nicht zur Schule komme," sagte er. Colin nickte nur.
"Stöhn nicht so laut..." Freudig überrascht vernahm er ein leises Klicken und schaffte es, den metallenen Fremdkörper zu packen und beim ersten Versuch herauszuziehen. Die Kugel zog schleimige Blutfäden hinter sich her. Fasziniert legte er sie mitsamt der Pinzette auf den Stofffetzen, den er aus Keis Hose herausgeschnitten hatte und sah noch einmal die Wunde an. Er wusste, was als nächstes kommen musste. Er musste die Wunde desinfizieren und verbinden. Aber das wollte er nicht. Er sah Kei an. "Tut es jetzt noch weh?"
Kei hob den Kopf leicht um Colin anzusehen.
"Wenn du nicht mehr darin herumfingerst, nicht," sagte er und grinste ein bisschen. Colin zog sich die Handschuhe aus und kletterte auf Keis Schoß. Als er rittlings auf ihm saß, wurde offensichtlich, dass er unter dem Kimono nackt war. Er küsste Kei wieder.
Kei vergaß schnell, dass er blutete und sein Bein theoretisch wehtun sollte, was es kaum tat. Ein Mensch müsste sich die Seele rausgeschrien haben mit einer Kugel im Bein. So vermutete er zumindest. Er erwiderte den Kuss und schob eine Hand in Colins hübsches Kleidungsstück.
Colin wollte vieles sagen, aber wusste nicht wie und was genau, und versuchte einfach alles nonverbal auszudrücken. Er küsste ihn also gierig weiter und hielt nur gerade so viel Abstand, wie nötig war, um seine Hose zu öffnen. Das ging schnell, obwohl der Stoff feucht und seine Finger vor Aufregung ungelenk waren. Kei küsste Colin ebenso gierig, und scherte sich beinahe nicht darum, dass Colin auf dem tiefen Loch in seinem Bein saß. Er verzog nur ein bisschen das Gesicht und gab ein leises Stöhnen von sich – mehr aber auch nicht. Mit einer Hand schob er den schönen Stoff von Colins Schulter, mit der anderen half er dem Kleineren bei dem Unterfangen Hose.
Keis gedämpfter Laut ließ Colin unwillkürlich mit einem leisen, genüsslichen "Hm" antworten. Eilig rupfte er Keis Jeans und Boxershorts ein Stück weit herunter und packte ihn unsanft im Schritt, bevor er dichter heranrutschte und sich an ihn presste. Die andere Hand hatte er in Keis Haaren vergraben. Seine persönliche Einweihung des Teehauses hatte er sich anders ausgemalt, aber das hier war keineswegs schlechter als seine Wunschvorstellung.
Die Schusswunde war nun nicht mehr belastet, als Colin sich vorbeugte und damit Kei zum Zurücklegen bewegen wollte. In Wirklichkeit war das nicht offensichtlich, da er sich nur an ihn drückte.
Kei, der sich mühelos so viertelaufrecht halten konnte, tat das auch und grinste leicht, als er Colins Geräusch vernahm und drückte ihn mit einer Hand ebenfalls dichter an sich. Während er den Kleineren so dicht bei sich hielt, lehnte er sich zurück, bis er entspannt auf dem Boden lag.
"Jetzt sehen wir, was du selbst an Blutverlust verkraftest," murmelte Colin zwischen Beißen und Lecken von Keis Lippen. Er richtete sich auf und lockerte den Obi, um seinen Kimono besser öffnen zu können. Dann zögerte er, als ihm plötzlich der Gedanke kam, dass er mächtig Ärger bekommen würde, wenn seine Eltern feststellten, dass dieses teure Kleidungsstück zerknittert, blutbefleckt und womöglich gar beschädigt war. Er hielt inne.
"Oh, das ist gar nicht wenig," meinte Kei dazu, als mache ihm das gar nicht viel aus. Weniger als Colin ganz sicher, aber auch er konnte nicht unendlich viel Blut hergeben. Als Colin stillhielt, schaute er ihn fragend an. "Was ist?"
Colin erwiderte den Blick so, als ob er vergessen hätte, dass Kei da war. Langsam und vorsichtig kletterte er von ihm herunter. "Was ist?" fragte Kei nun noch einmal, betrachtete den Kleineren. Setzte sich auf.
Etwas überrascht, dass Kei ihn so einfach gewähren ließ, kniete Colin sich hin und zog seinen Obi sehr sorgfältig und langsam ab und den Kimono übertrieben ordentlich aus. Das dauerte. Kei grinste.
"Man kann sowas auch schneller ausziehen," sagte er. "Ich kann dir helfen," fügte er hizu und betrachtete dabei, wie Colin sich aus dem vermutlich übertrieben teuren Kleidungsstück pulte.
Dann machs doch! fuhr Colin ungeduldig durch den Kopf. Warum bist du überhaupt plötzlich so nett und geduldig?
Nach außen hin reagierte er nur mit einem leichten Augenrollen und ließ sich beim vorsichtigen Ausziehen nicht aus der Ruhe bringen. Selbst als er splitternackt und auf Halbmast dakniete, nahm er sich alle Zeit der Welt, seinen guten grünen Kimono ordentlich, geradezu zeremoniell zu falten.
Kei dauerte das etwas zu lange. Er nahm dem Kleineren das Kleidungsstück halb zusammengelegt aus der Hand, beförderte es unsanft in die nächstgelegene Ecke und Colin auf den Boden.
"So. Du brauchst zu lange dafür." Er küsste ihn.
Schon besser, dachte Colin.
"Nur so lange wie du gewartet hast." Er wusste nicht, wo das herkam und schämte sich sofort dafür. I'm not that needy!
Um seine zerstörte Würde wieder etwas zusammenzusetzen, versuchte er Kei etwas wegzudrücken, damit es so aussah, als wollte er sich wehren. Er erwiderte den Kuss trotzdem, nur kroch er gleich darauf ein Stück rückwärts. Grinsend packte Kei den Kleineren bei der Schulter und verlagerte sein Gewicht so, dass Colins Zurückweichen völlig nutzlos war, weil der Größere nun über ihm lehnte. Er lag nicht auf ihm, sondern stützte sich mit einer Hand neben seinem Kopf ab.
"Ich sollte das bisschen Geduld besser begraben," meinte er grinsend und bearbeitete Colins Hals mit den Zähnen, allerdings ohne ihn bluten zu lassen. Er wollte ihn bei Bewusstsein behalten.
"Ja, mach das. Sie steht dir nicht." Sie passt mir nicht. Dir steht alles. Colin winkelte sein linkes Bein etwas an und berührte Keis Schritt mit seinem Knie. Mit den Händen drückte er weiter gegen Keis Brust. "Du hast heute drei Leute umgebracht. Zwei davon hast du erschossen. Du kannst gut schießen. Ist das normal für dich?" Ich mag, wie du mich Süßer genannt hast. "Wer ist Yanda Higa?" Er bewegte sein Bein etwas.
"Ich hab etwas Übung. Im Benutzen und Zielen, Menschen erschießen tue ich selten," beantwortete Kei die erste Frage und grinste ein bisschen bei der zweiten. "Dein Ex-Nachbar," erklärte er und widmete sich wieder Colins Hals und Oberkörper. Colin schauderte und verzog das Gesicht. Nun hatte er doch den Namen des Perversen erfahren.
"Woher wussten die, dass du hier bist?" Das war ihm eigentlich fast egal. Er wollte Kei nur reizen. "Warst du unvorsichtig?" Er tauschte sein Knie gegen seine Hand und drückte zu. Der Vampir gab einen knurrenden Laut des Gefallens von sich.
"Nein." Er biss in Colins Schulter. "Der einzige, der unvorsichtig war, warst du."
"Was meinst du? Inwiefern?" Er quittierte den Biss damit, dass er nun mit beiden Händen langsam rieb und drückte.
"Du warst unvorsichtig genug mir das Fenster aufzumachen." In Keis Körper breitete sich Wohlgefallen aus, er nahm seine freie Hand um es Colin gleichzutun. Der seufzte.
"Ich war jedesmal unvorsichtig, wenn ich mich mit dir abgegeben habe, Klugscheißer." Er ließ los und griff Keis Handgelenk, um dessen Hand trotz dieses fantastischen Kribbelns in seinem Brustkorb wegzudrücken. "Und ich bereue es minütlich," knurrte er. Warum mache ich immer das Gegenteil von dem, was ich will?
"Wirklich? Irgendwie kann ich das nicht ganz glauben." Kei grinste. Das brachte ihm einen nun sehr überzeugenden Strafblick von Colin ein.
"Jedesmal wenn du so grinst, werde ich daran erinnert, dass du durch und durch wahnsinnig bist," erläuterte Colin kühl, ließ Keis Hand los und krabbelte wieder rückwärts. "Und dass dir jederzeit einfallen kann, dass ich dir tot viel besser gefallen würde." Dass ihn das mehr anmachte als einen neuen Wall Street Broker sein erster Jahresbonus, brauchte er dem Verrückten nicht unter die Nase zu reiben.
"Das würdest du aber nicht lange," meinte Kei dazu. "Lebendig gefällst du mir besser." Immer noch grinste er. Er folgte ihm und drückte ihn dabei zu Boden. Küsste ihn. Colin biss ihm auf die Unterlippe und musste dabei grinsen, schaffte es aber, nicht laut zu lachen.
"Warum hast du mir das verraten? Du hättest mich so gut erpressen können." Er legte die Arme um Keis Nacken. "Jetzt hast du kein Druckmittel mehr. Wie unvorsichtig von dir."
"Ach was. Mir fallen noch mehr ein," stellte Kei klar und grinste noch immer. Er erwiderte den Kuss und biss dem Kleineren ebenfalls auf der Unterlippe herum. Nicht vorsichtig. Colin unterdrückte ein Stöhnen.
"Die da wären?" Er zog an Keis Haaren am Hinterkopf.
"Das verrate ich dir nicht. Das ist mein Geheimnis," sagte Kei und zeigte sich unbeeindruckt davon, dass Colin an seinen Haaren zog, trotzdem hatte er seinen Kopf zurückgenommen, angenehm war es immerhin trotzdem nicht. Colin ließ ihn los.
"Mein Druckmittel für dich ist aber kein Geheimnis. Und ich setze es jetzt ein," kündigte Colin mit einem bösen Schmunzeln an, bevor er sich unter Keis Griff umzudrehen versuchte, um wieder wegzukriechen. Kei hielt ihn einfach fest, wo er war.
"Das musst du noch üben, Süßer." Grinsend schaute er den Kleineren an. Das sah fast bedrohlich aus. Colin hielt inne und fühlte sich so nackt wie er war.
"Das mache ich dann jetzt, ja?" schlug er vor und wand sich weiter. Er schaffte es nur, sich fast ein bisschen auf eine Seite zu drehen, mehr nicht.
"Üb weiter. Aber nicht jetzt." Er drehte den Kleineren wieder auf den Rücken, wie er ihn haben wollte und bearbeitete seine Nippel mit den Zähnen, während eine Hand in Colins Schritt beschäftigt war. Der hob nun das Becken und stöhnte, aber ob aus Protest und Frust oder aus Erregung war nicht offensichtlich, und Colin selbst war sich auch gar nicht sicher. Es nervte ihn nämlich einerseits, dass er dem Wahnsinnigen wirklich nichts entgegenzusetzen hatte, andererseits mochte er sehr, was gerade passierte. Aber kampflos aufgeben wollte er nicht, das würde ihn zu willig wirken lassen.
Also landete seine rechte Hand auf Keis Gesicht und schob, seine linke langte nach einer von Keis Händen, und seine Beine winkelte er wieder an, um mehr Abstand zu gewinnen. Kei grinste immer noch. Er war völlig unbeeindruckt und bewegte sich keinen Zentimeter. Widmete sich seinen Taten.
"Try harder." Das versaute Grinsen sollte nicht mehr von seinem Gesicht verschwinden. Colin knurrte, stemmte beide Knie gegen Keis Bauch und versuchte nun ernsthaft, mit der einen Hand in dessen Gesicht und der anderen in den Haaren, seinen Kopf wegzuschieben. Kei nahm die ihm nicht gehörende Hand aus seinem Gesicht und pinnte Colin auf den Boden. Mit einer Hand schob er Colins Beine so zurecht, dass er sich bequem auf seine Hüften lehnen konnte und die Versuche ihn loszuwerden, nun entgültig fruchtlos waren. Er schaute ihm direkt in die Augen. Colin funkelte ihn wütend an. Es sah ehrlich aus. Welcher Natur seine Erregung genau war, konnte man eigentlich leicht deuten. Er war genervt, aber nicht nur.
"Fuck you!" stöhnte er frustriert und zog an seinen Armen. "Why are you so strong!" Fuck you, fuck me, whatever.
Kei ließ ihn ziehen, es brachte ihm nur nichts. Leicht bewegte er sein Becken gegen Colins. Seine Arme hielt er mit einer Hand fest. "Ich nehm lieber dich."
Colin legte mit geschlossenen Augen den Kopf zurück und hielt sein Stöhnen zurück, obwohl er das fast nicht wollte. Okay, ja, gut, einverstanden.
"Immer diese leeren Versprechen," brummte er. "Du spuckst lauter große Töne, aber -" Kei grinste noch immer. Er ließ seinen Worten Taten folgen. Er ließ die Hände des Kleineren los und positionierte sich zwischen dessen Beinen, grinsend. Mehr oder weniger schnell versenkte er zwei Finger seiner rechten Hand in Colin. Mit der anderen Hand stützte er sich am Boden ab.
Als Kei ihn losließ, stützte Colin sich sofort auf die Ellenbogen.
Ich glaubs nicht, warum macht er das jetzt, wozu diese peinliche Fürsorge? Er legte sich wieder zurück und versteckte sein Gesicht hinter den flachen Händen. Trotz Scham und Verlegenheit wehrte er sich jetzt kein bisschen mehr, auch nicht zum Schein. Der muss ja richtig in mich verliebt sein. "I need you as mine" sagte er, "I need you as mine"... Ihm war nicht voll bewusst, dass er letzteres zwischen seinen unregelmäßigen Atemzügen hörbar murmelte. Dafür war er zu high.
Kei war nur kurz pseudofürsorglich mit Colin. Bald zog er seine rechte Hand zurück und nutzte sie stattdessen ebenfalls zum Abstützen, als er sich selbstsicher und ohne sich von dem engen Widerstand irgendwie aufhalten zu lassen, in Colin hineinschob. Ziemlich bald darauf wurden die Stöße in den kleinen Körper unter ihm alles andere als rücksichtsvoll. Das Gemurmel Colins nahm er kaum bewusst wahr. Sein Kopf war gerade mit anderem beschäftigt als damit herauszufiltern, was da an ganzen Sätzen aus Colins Mund kam. Das Murmeln hörte auch schnell auf, als der Rausch, in dem Colin sich befand, um rauhe Schmerzen ergänzt wurde. Körperlich spürte er hauptsächlich den Druck, der sich in seinem Unterleib aufbaute, und er war halbbewusst dankbar dafür, dass er außer Kei nur noch die rauhe Reismatte unter sich wahrnahm, denn an Eltern, Schule oder Polizei wollte er nicht denken müssen. Das letzte, was er unter unregelmäßigen Atemstößen äußerte, war "Tha gaol agam ort." Er hielt die Beine um Kei geklammert und hatte die Arme die meiste Zeit über seine Augen gelegt. Kei hatte ein Grinsen auf den Lippen, von dem er gar nicht wusste, dass es da war. Er beschleunigte seine Bewegungen weiter. Colins Worten schenkte er kaum Beachtung, auch wenn er sie hörte. Das war später wichtig. Vielleicht.
Nach sehr kurzer Zeit zog Colin die Beine an und biss sich in den Unterarm, was sein nun fast schluchzendes Stöhnen nur unwesentlich dämpfte, als er kam. Seine Beine zitterten etwas, aber er hielt Kei weiter fest, und die Augen hatte er immer noch mit dem anderen Arm verdeckt. Kei kam keine Minute später. Etwas, aber nur etwas leiser als Colin. Eine Weile verharrte er, wo er war. Mit einer Hand nahm er Colins Arm von seinem Gesicht. Der gab sein Gesicht frei, das sich nun allmählich entspannte, aber wischte sich noch schnell über die feuchten Wangen und Augen, ehe er die Augen öffnete. Er sah Kei halbwach und ruhig an und leckte sich über die Lippen. Er behielt ihn weiter umklammert, aber nicht mehr so fest wie zuvor.
Der Vampir hatte das Einschussloch in seinem Bein vergessen. Er küsste den Kleineren gierig. Colin gab einen leisen Laut der Anerkennung von sich und erwiderte den Kuss mit genausoviel Enthusiasmus unter großzügigem Einsatz seiner Zähne.
Tha gaol agam ort, tha gaol agam ort, tha gao- SHUT UP SHUT UP SHUT UP! Er packte Kei mit einer Hand im Nacken und biss ihm hart auf die Unterlippe. Kei zuckte leicht zusammen, grinste und biss genauso hart zurück, sodass Colin anfing leicht zu bluten. Drückte ihn dabei ein wenig mehr zu Boden.
Er stöhnte leicht auf und grub seine Fingernägel in Keis Nacken.
"Ah, fuck..." flüsterte er resigniert. Er war so glücklich, dass es ihn fast ekelte, es machte ihn so aggressiv. Für seine freie Hand fand er nun Verwendung, indem er den Arm um Keis Rücken legte und ihn tief kratzte. Kei spürte, dass er anfing zu bluten, wo Colin ihn gekratzt hatte. Er küsste den Kleineren weiter. Den ersten Kratzern fügte Colin mit beiden Händen mehr hinzu, hielt Kei mit aller Kraft mit den Beinen umklammert und knurrte leise "Tha gaol agam ort" in den Kuss. "Tapadh leat."
Kei spürte ein wenig mehr Blut seinen Rücken herunterlaufen und küsste ihn weiter. Ließ ihn dabei ein bisschen mehr bluten. Gleiches Recht für alle.
"Entschuldigung... danke," sagte Colin leise und ließ Keis Rücken in Ruhe, nachdem er die Feuchtigkeit auf seinen Händen bemerkt hatte. Er leckte sich selbst über die blutende Lippe. Keis Grinsen wurde etwas sanfter.
"Kein Grund dich zu entschuldigen," sagte er und küsste den Kleineren wieder. "Bitte," gab er dabei von sich. Colin lachte leise.
"Warum lachst du?" wollte Kei wissen, der seine Position noch immer nicht großartig verändert hatte.
Colin grinste ihn fröhlich an und winkte fahrig ab.
"Weil du so nonchalant bist. Und dauernd grinst wie ein Depp." Er lachte wieder. Ich versuche, dich kleinzumachen und mich über dich lustig zu machen, um nicht in Ehrfurcht zu erstarren, und das kratzt dich überhaupt nicht.
Kei küsste ihn wieder. Nach einem amüsiert klingenden "Hm" erwiderte Colin den Kuss, sehr zärtlich und langsam. Kei ließ sich darauf ein.
"Ich sollte öfter mal zum Teetrinken herkommen," sagte er leise. Colin schmunzelte.
"Mit Unterhaltung und Snacks ist es jetzt doch vollständig gewesen. Du solltest dich aber nicht jedesmal anschießen lassen, das könnte auf die Dauer anstrengend werden."
"Ja. Und deine Mutter hat noch einen Grund mich zu hassen." Er lachte.
"Was, wegen der ungebetenen Gäste? Nicht doch. Sie liebt Besuch."
Jetzt lachte Kei noch mehr. "Ich werd mir Mühe geben." Er machte eine kleine Pause. "Liebt sie auch Blut in ihrem Teehaus?"
"Hm?" Colins Grinsen sackte etwas zusammen. "Oh..."
"Das kann man sicher verschwinden lassen, obwohl ich zugeben muss, dass das schon was hat. So ein blutiges traditionelles Teehaus," meinte er. Colin sah ihn blass und hilflos an und regte sich nicht. Kei setzte sich auf.
"Was ist?" Manchmal wurde er nicht schlau aus Colin und gerade gar nicht. Das bisschen Blut auf dem Boden war kein Weltuntergang. In seinen Augen zumindest nicht.
Colin folgte Keis Beispiel vorsichtig und suchte dabei mit den Augen die Bodenmatten ab. Erleichtert stellte er fest, dass sie völlig blutfrei geblieben zu sein schienen. Was immer auf dem Tisch lag konnte einfach abgewischt werden, also richtete er seine Aufmerksamkeit nun auf Keis Wunde. Sie blutete nicht mehr, war aber blutig und glänzte feucht. Nun tat es ihm Leid, dass er sie nicht versorgt hatte, aber Kei schien ihr keine Beachtung zu schenken. Keis Oberkörper war fast ebenso blutig wie sein Bein. Er beachtete beides wenig. Das Blut begann zu kleben und zu trocknen.
"Tut das nicht weh?" fragte Colin, während er Kei mit hungrigem Blick anerkennend betrachtete.
"Nah. Fast gar nicht," meinte Kei und betrachtete den Kleineren ebenfalls.
"Das muss trotzdem saubergemacht und verbunden werden." Colin kniete neben dem Tisch und holte ein nach Desinfektionmittel riechendes Tuch aus einer Folie. Kei ahnte Böses. Alkohol und Wunden vertragen sich nicht gut und obwohl er nicht gerade empfindlich war, war das eine Erfahrung, die er nicht besonders mochte.
"Das heilt auch so."


Saturday, September 26, 2015

Kei + Colin XXVI: Teezeremonie und Katana



Als er das Teehaus betrat, lehnte er sich drinnen an einen Balken und zog die klatschnasse Jacke aus, ließ sie auf den Boden fallen – und wartete.
Nur wenig später – ungefähr so lange, wie es wohl dauerte, sich umzuziehen und auf konventionellem Wege in den Garten zu gehen – kam Colin beim Teehäuschen an und schob die Tür auf. Er war nicht sehr nass geworden, obwohl sich seine Haare schon etwas lockten, und er zog sich sofort die Holzsandalen und feuchten Socken aus. Ohne Kei anzusehen, kam er herein und kniete sich in seinem grünen Kimono mit kupferfarbener Stickerei auf den Tatami und schob die Tür wieder zu.
Kei staunte, als er Colin erblickte. Er selbst hatte sich an der Tür des Teehauses die Stiefel ausgezogen und sie ein wenig unachtsam neben die Tür gestellt. Der Vampir ging auf Colin zu, betrachtete ihn dabei und ließ sich elegant vor ihm auf den Boden gleiten. "Der Kimono steht dir echt gut," tat er seinen Gedanken leise kund. Colin musste verlegen lächeln.
"Danke. Willkommen," sagte er in höflicher Formel mit einem tiefen Kopfnicken. Er brachte es zwar fertig, Kei anzusehen, aber wandte den Blick sofort wieder ab und sah zu einer dunklen Holztruhe, die an der gegenüberliegenden Wand stand.
"Jetzt muss ich dir auch Tee machen," sagte er leise und erhob sich, um zu dem Kasten mit den Utensilien zu gehen. Kei lächelte. Bedankte sich höflich und wartete ab, was noch passieren würde. Er kannte Teezeremonien zwar, war aber nie selbst an einer beteiligt gewesen. Und irgendwie hatte er sich die Umstände für ein solches Event immer anders vorgestellt. Vielleicht mit seinem Boss bei irgendeinem wichtigen Treffen, wenn der ihn dabei haben wollte – aber er hätte nie damit grechnet, dass Colin ihm eine private abhalten würde.
Colin ging zu der Holzkiste und kniete sich davor, öffnete sie und entfaltete sie wie einen Schrankkoffer. Sie enthielt Schälchen, Fläschchen, weitere kleine Holzschachteln, zwei Kessel mit Stövchen und kleine Brennschälchen. Er musste etwas überlegen, suchte sich aber selbstsicher die Dinge heraus, die er brauchte und trug sie zu dem niedrigen Tisch. Er stellte seine Schachtel dort ab und bedeutete Kei mit einer winkenden Geste und einem warmen Lächeln, sich an die gegenüberliegende Seite des Tisches zu setzen. Kei erwiderte das Lächeln, noch immer ein wenig erstaunt, ebenso warm und setzte sich an den Tisch. In seinem Kopf ging alles mögliche durcheinander. Der Moment gerade, was man sonst noch so in diesem Teehaus machen könnte. Die Gedanken an seine Kollegen schob er einfach mal ganz beiseite.
Colin baute seine Schälchen, Matten, Löffel und alles andere vor sich auf und zündete den kleinen Topf unter dem Stövchen an. Dann goss er Wasser aus einer großen Kanne in den Kessel. Während es heiß wurde, sortierte er die Utensilien auf dem Tisch, etwas überlegend. Er wusste offenbar, was zu tun war und machte keine Fehler, musste aber immer wieder über seinen nächsten Schritt nachdenken. Er war sehr konzentriert.
"Ich habe leider keine Süßigkeiten. Oder Unterhaltung. Also ist es nicht ganz komplett," entschuldigte er sich. "Warst du schonmal bei einer Teezeremonie?" Er hatte vergessen, dass er das schon einmal gefragt hatte. Er sah Kei zwischendurch an.
"Nein, noch nie. Ich hab nur aus der Ferne mal welche gesehen," erklärte er ruhig und schaute Colin zu.
Kei bemerkte nicht, dass er sein Telefon gar nicht wieder eingesteckt hatte und so war auch dessen Klingeln nicht zu hören. Was er nicht wusste war, dass es mehrmals dringlich klingelte. Völlig unbemerkt.
Colin schmunzelte leise. "Dann sind wir jetzt fast quitt. Es freut mich, dich auch entjungfern zu dürfen." Er fuhr damit fort, das Pulver zu mischen, das heiße Wasser aufzugießen und den Tee aufzuschäumen.
Kei grinste leicht dreckig. Sein Blick sprach Bände, aber den Kommentar behielt er für sich. das Grinsen wurde bald wieder zu einem Lächeln. In der Ferne waren Motorengeräusche zu hören, so still war es. Und Regen, der aufs Dach trommelte. Colin, der etwas erleichtert schien, das Teemachen nach allen Regeln der Kunst korrekt zuende bringen zu können, wischte den Rand des hübschen schwarzen Schälchens ab und reichte es mit beiden Händen mit gesenktem Blick über den Tisch. Er hielt es in einem gefalteten weißen Tuch, das vor der Hitze schützen sollte. Kei nahm das Schälchen dankend entgegen, als er hörte, wie sich die Motorengeräusche näherten und ganz in der Nähe zum Stehen kamen.
"Erwartet ihr noch irgendwen? Draußen scheint ein Besucher zu sein, hörst du das?" fragte er Colin, an seinem Tee nippend. Heiß! Aber gut!
Colin legte die Hände schön förmlich in den Schoß und schüttelte den Kopf.
"Nicht, dass ich wüsste. Dafür ist es zu spät. Aber wir haben ja noch Nachbarn übrig." Er lächelte zufrieden, als Kei den Tee zu mögen schien.
Kei grinste. "Ich vergaß!" Die Leute, denen die Fahrzeuge gehörten, näherten sich. Kei hörte Klettergeräusche als kämen sie über die Mauer mit dem Zaun. "Der Tee ist gut!" teilte er mit. "Und die Besucher scheinen deine zu sein, sie klettern gerade über den Zaun." Er kramte einhändig nach seinem Telefon... "Shit. Mein Handy liegt noch in deinem Zimmer," stellte er fest und seufzte. "Wenn die nicht in Richtung Tür gehen, schau ich mal nach, wer da zum Spielen kommt," sagte er und genehmigte sich noch einen Schluck Tee. Colins Lächeln war indes hinuntergefallen.
"Verarschst du mich?" Er machte keine Anstalten, sich zu erheben oder aufzuräumen.
"Heute nicht, nein. Da sind ein paar Penner über deinen Zaun geklettert." Kei war die Gelassenheit in Person. Tatsächlich störte ihn das wenig, aber er wollte wissen, wer da warum in Colins Garten herumkreuchte. Er bezweifelte, dass die wegen Colin da waren. Die Teetasse leerend erhob er sich. "Ich geh mal nachsehen."
Colin blinzelte und sah zu ihm auf. Nach ein paar Sekunden stand er auch auf und ging ihm barfuß nach. Kei machte sich keine Mühe, leise zu sein. Auch ließ er Colin ihm auf die winzige überdachte Veranda des Teehäuschens folgen.
Als sie die fremden Leute sehen konnten sagte er: "Warte hier, Colin, ich bin gleich wieder da."
Er schlenderte zu den Männern hinüber.
"Darf ich fragen, was ihr Penner hier wollt?!" Als sich einer umdrehte, erkannte er ihn. Was macht der denn hier?
"Wir wussten, dass du hier sein würdest... ich mach's kurz. Hast du Higa Yanda umgebracht?"
Kei stutzte unmerklich. Was haben die mit dem Perversen zu tun?
"Darf ich fragen, was drei unterbemittelte Kreaturen wie euch angeht, was ich getan oder nicht getan habe?" Der Mann, der Kei am nächsten stand, kam auf ihn zu.
"Das ist ne Nummer zu groß für dich, Kleiner. Du wirst wohl unwissend sterben müssen." Er zog eine Waffe und hielt sie dem Vampir entgegen. Kei fing an zu lachen, ganz leicht.
"Pack das Spielzeug weg, Wichser. Du kannst deinem Boss ausrichten, dass ich mehr weiß, als ihm lieb ist. Mich zu töten wäre ein großer Fehler." Er blickte kurz in Richtung des Hauses. Die Glasschiebetür zum Wohnzimmer stand etwas offen. Drinnen an der Wand hingen drei schöne Katana. Er grinste. Colin, der auf Keis Geheiß hin gern unter dem vorstehenden Dach des Teehauses stehengeblieben war, hielt unwillkürlich die Luft an, als der Mann die Pistole zog und auf Kei richtete. Er schielte zum Wohnzimmer hin und hoffte, dass falls Hiroki aufwachen sollte, er geistesgegenwärtig genug war, die Polizei zu rufen und sich nicht selbst einzumischen. Colin selbst begann, sich hoffentlich unbemerkt, seitwärts gehend zur Terrasse mit der Schiebetür zu stehlen. Aus dem unbemerkt wurde aber nichts und einer der drei Männer stellte sich vor ihn und packte ihn stoisch beim Oberarm.
Für einen Japaner war der Mann ziemlich bullig, fand Colin. Er fand auch, dass der Griff etwas wehtat, aber er sagte nichts und gab auch sonst keinen Laut von sich.
Kei sprang in die Luft, drehte einen angeberischen Rückwärtssalto und landete direkt vor der Terrassentür. Ehe die Typen merkten was geschah, stand er mit dem größten der drei Schwerter in der rechten Hand wieder in der Tür.
"Wenn ich du wäre, würde ich ihn loslassen," riet er dem Mann, der Colin festhielt. Die anderen standen mit offenen Mündern da, als sie feststellten was gerade geschehen war. Die Waffen der Männer richteten sich langsam auf Kei.
"Ich würd mich auch loslassen," konnte Colin sich nicht verkneifen, nachdem er sich von seiner Überraschung über Keis Artistikeinlage erholt hatte. Er hatte sowas ähnliches von ihm immerhin schonmal gesehen, im Gegensatz zu diesen Männern.
Seine Wortmeldung machte den Herrn, der ihn festhielt, allerdings wieder auf ihn aufmerksam und brachte ihn nur dazu, seinen Griff noch fester zu schrauben. Das tat nun wirklich weh. Aber das einzige, was Colin wirklich Sorgen machte – schließlich hatte er da einen bewaffneten Vampir auf seiner Seite, der konnte sie beide problemlos verteidigen – waren die Schalldämpfer auf den drei Pistolen. Sie bedeuteten, dass egal was hier nun passierte, keine Kavallerie kommen würde.
Kei stellte sich lässig zwischen Colin und den Mann, der ihn festhielt.
"Sag mal, Süßer, wie scharf sind deine Katana?"
Colin wurde spontan schwindlig. Ha. Süßer. Er fühlte sich etwas betrunken.
"Heh. Gar nicht." Danach wurde er sofort von dem bulligen Typen zur Seite gerissen, der ein paar Schritte zurückmachte, zurück zur Tür des Teehauses, und ihm die Mündung seines Schalldämpfers an die Schläfe hielt.
"Wie schade, ich werde das beizeiten ändern, aber das geht auch so." Mit einem schnellen und vor allem harten Schlag in die Halsbeuge des Mannes, der Colin festhielt, schickte er ihn zu Boden, und die Pistole flog aus seiner Hand. Dass Kei sich wieder bewegt hatte, nahmen die anderen beiden Männer erst dann wahr, als es schon zu spät war und der Vampir die Pistole des Bewusstlosen/ Sterbenden/ Toten/ was auch immer in einer und das stumpfe Katana in der anderen Hand hielt. "Ich hab dich gewarnt," sagte er zu dem am Boden liegenden, als sich plötzlich ein Schuss löste. Die zwei verbleibenden Männer grinsten, als Kei zusammenzuckte, gar zu Boden zu fallen schien.
Entgegen ihrer Erwartung erhob er sich aber wieder.
"Das tat weh, Wichser." Kei knallte den Schützen einfach ab, der ihm wohl hatte Respekt beibringen wollen. "Verpiss dich oder stirb," sagte er zu dem letzten Verbliebenen.
Colin hatte sich aus dem verkrampften Griff des stämmigen Kerls gelöst und war dabei gewesen, sich wieder aufzurichten, als Kei geschossen hatte. Er staunte die Szene atemlos an und beachtete den Mann, der ihm mit zerstörtem Hals zuckend zu Füßen lag, überhaupt nicht. Fieberhaft versuchte er in der Dunkelheit und dem fallenden Regen auszumachen, wo Kei getroffen worden war. Und er hatte dazugelernt. Wenn er wieder irgendwie auf sich aufmerksam machte, würde der dritte Mann möglicherweise auf ihn schießen und nicht auf den Vampir mit den fantastischen Reflexen. Also hielt er brav den Mund und die Füße still und sah nur zitternd zu. Hey, es war kalt. Und aufregend. Er zitterte nunmal.
"Hörst du schwer?" fragte Kei den Mann, der noch immer dastand und sich nicht rührte, die Pistole weiterhin auf ihn richtete, jedoch etwas besser zielte als sein Kollege. Kei sah, dass er im Begriff war abzudrücken und kam ihm zuvor. Schoss ihm ins Handgelenk, sodass die Waffe zu Boden fiel und der Typ aufschrie. "Verpiss dich," wiederholte Kei.
Colin war hingerissen. Er war froh, dass er sich selbst nicht sehen konnte, wie er mit wahrscheinlich abgrundtief bescheuertem Gesichtsausdruck den Jungen mit dem Schwert und der Pistole angaffte. Außerdem wurde er dabei unterbrochen, ehe er sich zu sehr darüber ärgern konnte, weil ihn der Mann zu seinen Füßen plötzlich beim nackten Knöchel packte. Als ziemlich reflexartige Reaktion darauf hob Colin seinen anderen Fuß und trat dem Mann mit der Ferse in die tiefe Wunde im Hals. Dies ließ den Sterbenden so heftig zusammenzucken, dass er Colin den Fuß wegriss. Mit einem kleinen Ausruf der Überraschung fiel Colin polternd auf die kleine Veranda des Teehauses.
Kei grinste, als er den Sturz hinter sich hörte. "Verpiss dich endlich," sagte er dem Typen vor sich, der nur mit seinem zerstörten Handgelenk beschäftigt war. "Oder du hast gleich noch viel mehr Sorgen." Der Mann schaute ihn wimmernd vor Schmerzen an. Kei ging zu ihm und schlug ihm mit dem Katana die Halswirbel kaputt.
Er steckte sich die Pistole hinten in den Hosenbund und ging zu Colin, reichte ihm eine Hand. "Alles klar?"
Colin nahm seine Hand und stand auf. Er starrte Kei nur voller Verblüffung an, während Bewunderung, Ratlosigkeit, Erregung und vielleicht noch andere Dinge darum kämpften, gleichzeitig verbal ausgedrückt zu werden. Da fiel sein Blick auf den großen dunklen Fleck auf Keis Oberschenkel.
"Nein, du bist verletzt," antwortete er atemlos. Dann langte er nach Keis Nacken und küsste ihn heftig.
"Das ist nur ein -" Er wollte noch 'Kratzer' sagen, wurde aber unterbrochen. Er erwiderte den Kuss und umarmte Colin einhändig. In der anderen Hand hielt er das Schwert. Um sie herum lagen drei Tote in Colins Garten. Es regnete noch immer in Strömen und der Morgen war noch weit weg.
Nach nur ein paar Sekunden unterbrach Colin den Kuss und keuchte: "Die müssen hier weg." Er hielt Kei weiter fest. "Meine Mutter kommt irgendwann nach Hause." Vielleicht war sie längst zurückgekommen, während sie im Teehaus gewesen waren, Colin hatte keine Ahnung, wie spät es war. Er sah sich um, schwindlig wie zuvor, und sah neben dem schwarzen Chrysler eine weitere schwarze Limousine stehen. Frau Hammerer war also wieder zuhause. Sie konnte jederzeit aus dem Fenster sehen. Oder Hiroki. Oder-
Kei grinste. "Ja. Die müssen verschwinden. ich hab auch schon eine Idee, wie." Er schielte auf den Wagen, mit dem die ungebetenen Gäste gekommen waren. Wie er wohl schaut, wenn er erfährt, dass ich Autofahren kann? leicht amüsiert schaute er zu Colin. "Sei so gut und pass auf, ob jemand nach draußen kommt, ja? ich gehe den Müll rausbringen," sagte er und schulterte zwei der Toten auf einmal und warf sie nacheinander über den Zaun, ehe er sie auf der anderen Seite in deren Wagen verfrachtete. Beim dritten hatte er den Schlüssel dazu gefunden.
Oh. Ein schlauer Einfall. Colin war beeindruckt. Er ging etwas hinterher, schob die Terrassentür zu und sammelte dann mit spitzen Fingern die beiden restlichen Handwaffen der Männer ein. Er wusste, dass man sie sichern musste, aber fand den Schalter dafür nicht und brachte die Pistolen nur vorsichtig in das Teehaus und legte sie dort auf den Tisch. Dann kniete er sich davor, wischte sich die nassen Locken aus dem Gesicht, die aus seinem Zopf herausgefallen waren und wartete.

Kei hatte bald auch den dritten im Kofferraum verstaut und seinem Boss ein spätes Geschenk vor die Tür gestellt, als er nach etwa einer halben Stunde zurückkam und und das Teehaus – ganz artig ohne Schuhe – betrat.
"Müll ist entsorgt," verkündete er. Das stumpfe, aber echte Dekoschwert hielt er wieder in der Hand. "Weißt du, ich hätte gern ein richtiges Katana. Aber ein scharfes."
Colin sah zu ihm auf. Das Zeitfenster, das Kei ihm gelassen hatte, hatte er genutzt, um einen Erste-Hilfekasten aus dem Haus zu holen. Dieser stand nun vor ihm auf dem niedrigen Tisch und er selbst lag ein bisschen davor, halb eingenickt. Nun setzte er sich gerade auf. Er nickte. Er wollte auch, dass Kei ein scharfes Schwert besaß. Hach. Er tätschelte die Matte neben sich und nahm die Schere aus dem Kasten. Kei setzte sich neben ihn. Er war völlig durchnässt. Er zog das Shirt aus, das mittlerweile einiges mehr wog, und ließ es mit einem lauten Flatsch auf den Boden fallen. "Die kommen erstmal nicht wieder."
"Wäre lustig. Vampire gegen Zombies," sagte Colin, als er sich Keis verletztes Bein nahm und ihm mit einer flachen Hand auf der Brust bedeutete, sich etwas zurückzulehnen. Kei lehnte sich etwas zurück, auf die Ellenbogen, und wartete auf das, was Colin vorhatte. Vermutend, dass es wehtun würde.
"Ja, aber nur wenn ich größere Waffen kriege." Colin warf einen Blick auf das Schwert. Es war das längere der drei. Er sah Kei kurz trocken an und widmete sich dann der Hose.
Vorsichtig tastete er nach dem Loch, das erschreckend hoch saß. Er hob den Stoff hoch und schnitt ihn vom Loch ausgehend auf. Als er die Wunde freigelegt hatte, legte er die Schere auf den Tisch und nahm eine lange Pinzette zur Hand.
"Brauchst du etwas zum Draufbeißen?" fragte er Kei, nachdem er eine Hand auf die Wunde gelegt hatte. Er war sehr verlegen. Das hier war alles sehr... er hoffte, dass er nicht vor lauter Verzückung über... alles... zu schlampig arbeitete und irgendeinen großen bleibenden Schaden bei Keisuke verursachte.
"Du hättest die Hose auch ausziehen können. Jetzt ist sie ganz kaputt." Kei betrachtete den zerschnittenen Stoff um sein rechtes Bein. "Ich werd's auch so überleben," fügte er hinzu und legte sich entspannt zurück. "Lass dir nicht zu lange Zeit damit. Das wird echt wehtun."
Colin leckte sich die Lippen um ein unerwartetes Lächeln zu kaschieren und zog die Wunde mit zwei Fingern auseinander.
"Ich habe keine Ahnung, wie tief sie drinsteckt..." Er stecke die Pinzette hinein.


Kei + Colin XXV: Störfaktor



Colin begegnete ihm mit geschlossenen Augen und entspannte sich merklich. Er küsste ihn langsam und sachte nur für ein paar Sekunden, bevor er die Augen wieder öffnete und zurückwich.
Kei hatte ein Lächeln auf den Lippen.
Sein Telefon klingelte schon wieder. Er schaute drauf und überlegte ob er dran gehen sollte oder nicht.
Colin sah das Telefon giftig an.
"Drangehen oder nicht?" fragte er Colin schließlich, als der Anrufer es ziemlich lange klingeln ließ.
Colin nahm ihm das Telefon aus der Hand.
"Willst du dran gehen?" Diese Vorstellung fand Kei äußerst amüsant.
"Nein," sagte Colin, indem er auf das rote Knöpflein drückte. "Ich habe etwas besseres zu tun."
Kei begann wieder ein wenig zu grinsen. "Das da wäre?"
Colin zuckte mit den Schultern. "Na, alles andere." Er legte das Telefon hinter Kei auf den Schreibtisch und blieb gleich da so dicht vor ihm, um ihn nochmal zu küssen.
Dieses 'alles andere' war ein anderes, das Kei ziemlich gern hatte. Und deutlich besser war als mit irgendwelchen Menschen zu reden, die ihm nur auf den Sack gehen wollten.
Er erwiderte den Kuss und schaltete einhändig hinter seinem Rücken das Telefon einfach aus. Wieder nach nur ein paar Sekunden brach Colin wieder ab aber blieb fast wo er war, und lächelte Kei warm an. Kei erwiderte das Lächeln halb grinsend und hob Colin hoch. Er nutzte gern aus, dass er größer war als Colin.
Colins Lächeln wurde auch breiter, aber er versuchte, sich aus Keis Griff zu winden. "Warte."
Kei grinste ein bisschen breiter. "Worauf?"
Er behielt Colin, wo er war und schaute ihm in die Augen. Colin hielt still, als er überlegte. Es war ihm zu peinlich, laut zu sagen, was er vorhatte, aber er schielte zu seiner Musikanlage.
Kei folgte dem Blick und ließ Colin herunter, als er keine verbale Antwort bekam.
Er war so frei, zu vermuten, dass er gleich wissen würde, worauf er warten sollte.
Colin ging zu seinem gut gefüllten Regal und suchte mehrere CDs aus, trug sie zur Stereoanlage, ließ den Schuber herausfahren und entnahm ihm sechs CDs, die er im Regal ablegte, bevor er die anderen hineinsortierte.
Kei befand die Anlage spontan als genial und sah dem Jüngeren dabei zu, wie er sie bediente.
Er schlenderte zu Colin herüber um zu sehen, was Colin da gerade in die Anlage steckte. Auf den Hüllen standen "The Dead Weather", "Bright Eyes", "Imitation Electric Piano", "Ping Pong Bitches", "Live" und "Monster Magnet". Kei sagten die Titel und Bandnamen nichts. Es war aber ein großer Fortschritt, dass er sie lesen konnte und sie verstand. Er kommentierte Colins Musikauswahl mit: "Ich bin gespannt, was du meinen Ohren antust."
Grinsend.
"Ich gar nichts," sagte Colin brav. Er drückte auf Play und stellte die zufällige Wiedergabe ein. Während das rauhe, aber melodiöse Geschrammel mit kratzender Stimmbegleitung in leiser Zimmerlautstärke losging, ging er quer durch den Raum zur Tür und drehte den Schlüssel um.
Kei lauschte der Musik ein wenig und schaute Colin dabei zu, wie er die Tür abschloss.
"Wer droht denn hier aufzutauchen, wenn keiner da ist?" fragte er.
"Irgendwann kommen sie nach Hause." Er zuckte mit den Schultern. "Meine Mutter nicht vor Mitternacht. Hiroki... keine Ahnung. Vielleicht schläft er im Büro, vielleicht arbeitet er durch, vielleicht kommt er nach Hause, wer weiß." Er schlenderte zurück in den Raum.
Kei hatte keine Ahnung, wie spät es war. "Irgendwann ist noch lange hin."
"Ja. Irgendwann ist lange hin." Er hatte wieder die Hände in seiner Bauchtasche, als er etwas unschlüssig und wirklich langsam auf Kei zuging. Kei, der neben der Musikanlage stand, beobachtete Colin.
Er hatte eine Hand in der Hosentasche, während die andere einfach neben seinem Körper herunterhing.
Ein leichtes Grinsen lag auf seinem Gesicht.
"Grins nicht so irre," murmelte Colin. Kei ließ das natürlich nicht bleiben, sein Grinsen wurde nur minimal schmaler.
"Warum nicht?" fragte er, den Kleineren betrachtetend. Colin blickte halb verschämt, halb amüsiert aus dem Augenwinkel zur Seite.
"Weil das debil aussieht," log er. Er hielt kurz vor Kei an. Kei musste ein wenig lachen, fing sich jedoch schnell wieder. Mit der Hand, die eben noch in seiner Hosentasche gesteckt hatte, zog er Colin zu sich und küsste ihn. Colins Herz und Atem machten spontan gleichzeitig Pause und er erwiderte den Kuss aus Reflex. Aus Reflex, ja. Ganz unwillkürlich und automatisch.
Bis der Reflexmoment vorbei war und er ganz mit Absicht, wenn auch nicht mit vollem Bewusstsein, seine Arme aus der Tasche des Sweatshirts zog und sie um Keis Schultern legte. Kei schob eine Hand unter Colins Shirt und nutzte die andere um den Abstand zwischen sich und dem Kleineren weiter zu verringern. Er biss ihm auf die Lippe, allerdings ohne Schaden anzurichten.
Colin wusste nicht sicher, wie sich eine Panikattacke anfühlte, aber er hatte gelesen, dass unerklärliche Atemnot, unregelmäßiger Puls und einfach nur Nervosität damit in Zusammenhang gebracht wurden. Er hatte das dringende Bedürfnis, diese Hände und diesen Mund schnell loszuwerden, damit er sich jetzt nicht lächerlich machen konnte. Ohne auf sie verzichten zu müssen. Und Kei war gerade sehr un-Kei-haft. Und das war gut. Und gruselig. Und gut.
Und Colin wurde bewusst, dass er gerade verkrampft und mit angehaltenem Atem reglos dastand und das einen völlig falschen Eindruck machen musste. Aber es ging nicht anders.
Du riechst gut.
Das konnte er doch nicht sagen.
Ich lie-ha, ha...
Ha. Nein.
Quietsch.
Absolut NICHT.
Kei setzte sein Tun fort, auch wenn er von Colins Nervosität Kenntnis nahm, die mehr als offensichtlich war. Gern würde er gerade jetzt Gedanken lesen können.
Colin befand sich selbst für albern und beschloss, sich ein ganz kleines bisschen die Blöße zu geben. Kei mochte ihn immerhin wirklich, da würde ein winziger Moment der Schwäche nicht gleich alles kaputtmachen.
So dachte er, und atmete wieder, und war froh darüber, dass noch keine peinlichen Quietschgeräusche nach außen drangen. Aber er küsste Kei so langsam und blieb so dicht an ihn gedrückt, dass er sich fast selbst lächerlich vorkam.
Scheiß drauf.
"Du riechst gut," flüsterte er gegen Keis Lippen. Kei grinste leicht. Ihm fielen tausend Antwortmöglichkeiten ein, die alle nicht ganz passten. Er wollte diesen Moment, der, wenn man ihm das drei Stunden vorher erzählt hätte, als extrem kitschig und 'niemals...' abgestempelt worden wäre, irgendwie nicht zerstören. Da ihm nichts einfiel, was er darauf entgegnen konnte, küsste er Colin und antwortete ihm kaum bis extrem schwer verständlich.
"Du auch..."
Insgheim hielt er es für eine gute Idee, Duschen gewesen zu sein, bevor er sich auf den Weg gemacht hatte. Heute Nachmittag hätte Colin ihm nicht begegnen wollen.
"Entschuldige," murmelte Colin benebelt lächelnd und küsste Kei weiter. Er nahm seine Arme herunter um Keis Hemd hochzuschieben, aber das gestaltete sich in seiner Position und mit Keis Armen im Weg schwierig. Kei war so frei, ihm ein wenig Platz zu machen, wobei er gleichzeitig Colins Shirt mit nach oben zog. Nervös schluckte Colin und hob ohne darüber nachzudenken, oder sich bewusst dazu zu entschließen, die Arme. Kei beförderte Colins Shirt quer durch den Raum. Es landete auf dem Stuhl am Schreibtisch. Colin sah dorthin.
"Gut gezielt."
"Das ist Talent," kommentierte Kei das grinsend. Colin sah zu ihm auf.
"Oooh, bist du in der Basketballmannschaft?" gurrte er mit zusammengelegten Händen und bewunderndem Gesichtsausdruck. "Du bist soo coool!"
Kei lachte ein bisschen. "Mit wem sollte ich denn spielen, der mit mir mithalten kann, he?"
Colin legte in verdammt treffender Animeimitation den Zeigefinger aufs Kinn und blickte nachdenklich nach oben.
"Hmm, du hast Recht... mit dir kann niemand mithalten..."
Kei grinste ein bisschen. "Du solltest Schauspieler werden!" befand er. Tatsächlich konnte er sich das wirklich vorstellen. Colin war gut.
Der vampir beschloss, den Moment zu ruinieren und küsste den Jungen vor sich, zog ihn wieder ein Stückchen dichter.
"Ich bin längst einer!" Colin musste auch grinsen und erwiderte den Kuss gierig, während er Keis Hemd hochschob und ihn darunter kratzte. Das war nicht geplant, es passierte einfach, aber es schien so richtig zu sein. Kei war ein wenig überrascht, keineswegs negativ. Er küsste Colin weiter. Biss ihm auf die Lippe - neckisch grinsend. Seine linke Hand steckte halb in Colins Hosenbund, während die andere ihn festhielt. Colin zog seine Hände zurück um Kei die Jacke auszuziehen.
"Nacktszenen stehen nicht in meinem Vertrag. Dafür habe ich ein Double."
"Dein Double ist verhindert, sagen wir, es ist anderweitig beschäftigt." Kei ließ sich die Jacke ausziehen und ließ sie einfach unachtsam zu Boden fallen.
"Sei ehrlich. Du hast ihn umgebracht." Nun sollte Keis Hemd noch dran glauben.
"Würd ich nie." Kei klang wie die Unschuld vom Lande mit einem Unterton, der genau das Gegenteil preisgab. Er beförderte sein ausgezogenens Shirt zu seiner Jacke auf den Fußboden.
"Ah, gut. Dann liegt er nur gefesselt und geknebelt in irgendeinem Keller. Beruhigend," seufzte Colin und küsste Keis Hals. Er wusste nicht, warum er sich das traute, aber er hatte das Bedürfnis danach.
"Kann sein, vielleicht sitzt er auch in meiner Wohnung herum, weil ich keinen Keller habe, das müsste gleich grausam sein." Kei grinste leicht, vergrub die rechte Hand in Colins Haaren und ließ die linke über seinen Oberkörper streichen.
Insgeheim hoffte er, dass Colins Eltern erst gegen Morgen nachhause kommen würden. Ein Hoch auf die Abwesenheit von Uhren oder Zeitgefühl. Colin küsste Kei weiter, über die Brust und den Bauch, und öffnete dabei seinen Gürtel. Kei grinste. Er kratzte dem Kleineren über den Oberkörper, als er seine Hand aus Colins Hosenbund nahm. Er lehnte leicht an dem Regal mit der Anlage. Colin hatte gerade Keis Gürtelschnalle klimpernd zur Seite geschoben und seine Hose geöffnet, als er vor Schreck zusammenzuckte als die Musik plötzlich lauter wurde. Kei grinste und verränkte mit einem "Sorry" seinen Arm ein wenig um die Lautstärke wieder etwas runterzudrehen, trotzdem war die Musik minimal lauter als zuvor. Colin hockte auf einem Knie vor ihm und warf ihm einen wachen, strengen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Keis Hose zuwandte.
"Das wird jetzt vielleicht ein Dejà vu -" Er zog Keis Jeans und Boxershorts etwas herunter und ärgerte sich innerlich ein bisschen, das Licht angelassen zu haben. Kei würde jetzt alles sehen.
Kei grinste.
"So ein Dejà vu hat man doch gern," flüsterte er, wohl wissend auf welche Situation Colin anspielte. Der Unterschied war Licht. Das hatte es beim letzten Mal nicht gegeben. Als er sich wieder leicht an das Regal lehnte, passte er auf, nicht wieder den Lautstärkeregler zu treffen und Colins Nachbarn eventuell in den Wahnsinn zu treiben. Nach einigem verschämtem Zögern nahm Colin seinen Penis in die Hand und küsste ihn und vermied es dabei tunlichst, nach oben zu sehen.
Die leise schlurfenden Schritte, die sich auf dem Flur näherten, nahm er nicht wahr. Kei grinste leicht - normalerweise hätte er die Schritte längst gehört, aber er war ein bisschen zu sehr abgelenkt und wollte gar nicht wissen, was außerhalb seines direkten Umfelds geschah. Er senkte nur den Blick ein wenig. Kaum merklich, aber für ihn ausreichend um zu sehen, was er sehen wollte. Colin hatte die Augen geschlossen und diesmal keinen Vorhang aus Haaren vor dem Gesicht, als er mit den Lippen und der Zungenspitze langsam der Länge nach - es klopfte an der Tür. Danach bewegte sich die Türklinke.
"Alles in Ordnung?" sagte Hirokis müde Stimme durch die verschlossene Tür. "Warum hast du abgeschlossen?"
Kei gab kein Geräusch von sich.
Warum JETZT?! ... Weil er beschäftigt ist... Privatsphäre... Kei dachte sich das lieber, da er nicht unbedingt Lust auf eine Auseinandersetzung mit Colins Eltern hatte.
Man sah ihm aber deutlich an, was er gerade dachte.
Colin war eingefroren. Er starrte ins Leere.
Arg. Warum warum warum... !
"Colin?" Hiroki klopfte wieder und probierte auch die Klinke noch einmal. Kei bedachte den hinter der Tür stehenden mit einem Mittelfinger und tat weiterhin, als wäre er gar nicht anwesend. Schließlich versuchte er geräuschlos Colin aus seiner Starre zu lösen.
Das klappte. Colin räusperte sich und stand auf.
"Ja?" sagte er, während er zur Tür ging. Er schloss auf und öffnete die Tür einen Spalt. Sie öffnete sich in die der Regalwand entgegensetzte Richtung, sodass man nicht dort hinsah, wenn man von draußen durch die halb geöffnete Tür schaute.
"... Mach es nicht so laut, ja?"
"Das war ein Versehen. Entschuldige," murmelte Colin mit hochrotem Kopf. Kei stand reglos da und wartete. So laut war die Musik doch gar nicht.
"Ist gut. So ist es in Ordnung. Mach nicht mehr so lang." Nun klang Hiroki nicht mehr so verschlafen wie zuvor. Colin nickte entschuldigend. "Und schützt euch, okay?" sagte er im Weggehen. Versteinert blickte Colin weiter auf den Flur hinaus.
Kei blickte ebenso in Richtung Tür. Was zum?! Woher weiß er...?!
"Woher weiß er, dass ich da bin?" fragte Kei leise und blickte zu Colin.
Colins Kopf drehte sich laaangsam und er bedachte Kei mit einem finsteren Blick.
"Der Mann kann hellsehen. Ich hasse es." Energisch schloss er die Tür. Diesmal hielt er sich nicht damit auf, sie abzuschließen. Das bot offenbar sowieso keinen Schutz. "Vielleicht hat ihm DAS HIER auch einen dezenten Hinweis gegeben." Er sah genervt aus, wie er mit beiden Händen auf seinen Schritt deutete, wo sich ein deutliches Zelt abzeichnete.
Kei grinste. "Da lässt sich Abhilfe schaffen."
Colin blickte ihn zweifelnd an. "Ernsthaft, du willst weitermachen, während mein Vater ein paar Zimmer weiter pennt? Ich wusste nicht, dass er da ist." Er zuckte mit den Schultern und schielte zum Bett, auf dem noch die zwei Geigen lagen. Er murmelte weiter. "Das wäre ja im Grunde egal, wenn er... argh, er weiß bescheid..." Er schauderte.
Daraufhin grinste Kei weiter. "Wir können das auch verschieben. Müssen wir aber nicht. Er wird sich seinen Teil denken und friedlich schlafen," war alles, was er zu dem Fakt des nebenan schlafenden Vaters zu sagen hatte. Das mit dem Verschieben war keineswegs ernst gemeint. Kei war ein eventueller Zuhörer vollkommen egal. Colin ging kopfschüttelnd zurück zu Kei und dem Regal und hob dessen Hemd und Jacke auf. Er hielt sie Kei hin, wobei er einen Sicherheitsabstand von über einer Armlänge einhielt. Er vermied es auch, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Der Vampir nahm seine Sachen kommentarlos entgegen, zog sie sich über und stand plötzlich hinter Colin.
"Dann eben ein anderes Mal," hauchte er in sein Ohr. Colin schauderte. Keisuke war so verdächtig rücksichtsvoll. Dafür war Colin ihm in diesem Augenblick nicht einfach nur dankbar, es bezauberte ihn geradezu. Er schloss die Augen und atmete langsam.
"... Ja..."
Die Tasche lag noch da drüben herum, das Fenster war geschlossen und es regnete noch in Strömen, draußen gab es das Teehaus und er würde morgen früh sowieso nach Kei gefragt werden... Gleich sage ich irgendwas bescheuertes.
Er griff hastig nach Keis Schultasche, um sie ihm zu geben.
"Willst du mich loswerden?" Kei grinste und nahm seine Tasche entgegen. "Zeigst du mir das Teehaus, bevor ich allein und im Regen durch den Garten waten muss?" Er grinste immer noch.
Colin wurde noch etwas röter. Er blickte verstohlen auf seinen Kleiderschrank und schien kurz nachzudenken, bis er leicht nickte. Entschlossen sah er zurück zu Kei und nahm noch einen Schritt zurück von ihm.
"Es ist nicht abgeschlossen. Ich komme sofort nach." Das schien ihm als Anweisung zu reichen und er ging zu seinem Kleiderschrank und schob ihn auf.
Keis Grinsen wurde zu einem Lächeln ehe es wieder ein Grinsen wurde. Er zog seine Jacke über und nahm seine Tasche, ehe er aus dem Fenster in den Regen sprang.
"Ich warte unten."