Thursday, September 17, 2015

Kei + Colin VI: Blut geleckt 1

Hier geht es zum ersten Teil.


SAMSTAG
Colin stieg um kurz vor fünf Uhr in einem schickeren Stadtviertel, wo ruhige Alleen von Villen in europäischem Stil mit großen Gärten und kleinen Gartenhäusern in japanischem Stil gesäumt waren, in die U-Bahn.
Er war in zivil und trug Turnschuhe, Jeans, ein T-Shirt mit Bruce-Lee-Aufdruck und eine dünne, ausgeblichene Kapuzenjacke. Aus seiner hinteren Hosentasche guckte rechts eine Kette heraus und aus der linken ein dünnes Taschenbuch. Vorn hingen Kabel von seinen Ohren an seinem T-Shirt herunter, die in einer Tasche der Jacke verschwanden.
Colin lehnte sich in eine Ecke zwischen Sitzbank und Tür des Waggons und wartete mit Musik im Ohr auf den Vergnügungsviertelausstieg.

Kei, in schwarzer, halbwegs enger, mit Löchern, Schnallen und Ketten dekorierten Hose, Tanktop und jeder Menge Kleinkram um Hals und Arme, schlenderte durch einen weniger geduldeten und doch geliebten Teil der Stadt. Eines der Vergnügungsviertel. Wie die meiste Zeit war er auch jetzt allein unterwegs. Seine Kumpane überlebten meist nicht lang. Seine Haare waren auftoupiert und seine nicht wenigen Piercings an den Ohren mit hübschem Schmuck versehen. Eine Jacke trug er nicht. In seiner Tasche war genug Schutz vor Regen.
Er sah sich um. Nach Spaß. Sein Messer trotzdem immer griffbereit in der Hosentasche. Die Münze lugte zwischen den anderen Anhängern hervor.

Colin stieg aus und trottete hinter dem Tross von größtenteils gut gelaunten und aufgedonnerten Menschen her, ließ sich dabei aber Zeit, um zurückzufallen und damit ihrem Lärm und ihrer Nähe zu entgehen – weitestgehend – und kam schließlich auch an der Oberfläche an. Hier auf der mittlerweile langsam dunkelnden Straße, die schon stark mit Blink- und Neonlichtern beleuchtet war, nahm er sich die Knöpfe aus den Ohren und sah sich um.
Er ging zu einer Frau, die wie eine Officelady aussah, und frug sie etwas, nickte und bedankte sich, ging dann zur nächsten Ampel um mit den Dutzend anderen Leuten dort über die Straße zu gehen.

Keis Weg verschlug ihn in eine kleine Konzerthalle. Dort sollte ein Konzert einer Rockband stattfinden.
In dem schwarzen Ring in seiner Lippe steckte eine silberne Kugel. Das Dämmerlicht der Halle und der Straße dorthin ließen ihn sich wohl fühlen. Er mochte es nicht, wenn es draußen hell war, von der Sonne mal abgesehen.

Colin fand das fragliche Haus und ging hinein, gab seine paar Scheinchen Eintritt ab, ließ sich die Hand stempeln und gesellte sich auch in die kleine Halle, die eigentlich bloß ein Nebenraum einer Disco war, und machte die Bar ausfindig. Er steckte sich die schulterlangen blonden Haare nun aus dem Gesicht hinter die Ohren, da es hier viel dunkler als draußen war und er seine Sicht nicht noch weiter behindern musste. Er ging zur kleinen Theke in der hinteren Ecke und kaufte sich Brause. Sie kam in kleinen Plastikflaschen.

Kei stand mit Getränk vor der Bühne herum und unterhielt sich mit dem Gitarristen. Der Auftritt würde erst in einigen Minuten anfangen.
Er tauschte Gitarre gegen Getränk und spielte ein wenig auf der Gitarre herum. Er kannte den jungen Mann, da er oft dort war. Die Band spielte ebenfalls oft dort und Kei mochte die Jungs.
Man konnte sie auch als Freunde bezeichnen. Sie lebten immerhin noch.
Er schloss die Gitarre von Shin, so der Name des Gitarristen, an einen Verstärker an und spielte noch eine Weile, auf dem Bühnenrand sitzend. Nebenbei unterhielt er sich mit den anderen drei Musikern.
"Kei! Wenn du mal mitspielen willst, sag Bescheid," teilte einer von ihnen mit.
Der Vampir nickte und spielte lachend weiter.

Colin ging auf die Bühne zu, langsam, weil er gleichzeitig versuchte, die Flasche in einer seiner weiten Jackentaschen zu verstauen, obwohl sie dafür ein bisschen zu groß war. Er sah darum erst wieder auf, als er nur noch ein paar Meter von der Bühne und den Leuten, die davor verstreut, teils versammelt, herumstanden und -saßen, entfernt war, und das erste was er sah, war sein verrückter, mordlustiger Mitschüler. Er blinzelte.
"Der Verrückte," sagte er zu sich. Er drehte sich schnell wieder um und hoffte, dass Kei ihn noch nicht gesehen hatte. Verspätet fiel ihm ein, dass es vielleicht klug wäre, seine blonden Haare auch zu verstecken, und zog hastig noch die Kapuze hoch. Dabei rutschte ihm die Flasche aus der Tasche und rollte über den Boden. Colin lief ihr gebückt nach, mit ausgestreckten Armen und der großen Kapuze über dem Kopf.
Kei bemerkte ihn tatsächlich nicht und widmete sich weiter der ihm nicht gehörenden Gitarre.
Er sah sich nicht um und unterhielt sich weiter mit den anderen.
Als er die rollende Flasche sah, nahm er diese und gab sie dem ihr-nachlaufenden.
Er erkannte Colin. Das war auch nicht besonders schwer.
"Pass besser auf dein Zeug auf," sagte er und wandte sich wieder seinen Freunden zu.
Colin nahm die Flasche und bedankte sich erleichtert, bis er aufsah und ihm auffiel, dass er genau in die Mitte der Runde gelaufen war, der er ausweichen wollte. Er starrte Kei versteinert an und krallte sich an der Flasche fest. Ohne ein weiteres Wort ging er rückwärts.
Wobei er über den abgestellten Rucksack von irgendjemandem stolperte.
Kei untermalte Colins Abgang musikalisch und gab dann die Gitarre ihrem Eigentümer zurück.
Er schmunzelte über Colin. Auf die Frage, was mit dem los sei, antwortete er er hätte keine Ahnung.
Colin hatte sich gefangen, ohne hinzufallen, und machte sich zurück zur rückwärtigen Wand der Halle, leise fluchend.
"Fucking arse. Stalking bloodsucking piece of damn you mumblemumble..."
Kei half den Musikern beim Aufbau und setzte sich dann an den Bühnenrand. Colin beoachtend, den er sehr wohl in disem Dämmerlicht sehen konnte. Er nippte an seinem hochprozentigen Drink und wartete darauf, dass die Musik anfing.
Colin hatte sich hinten an die Wand gestellt, lehnte daran und sah einigermaßen genervt aus, schien das aber unter Kontrolle zu bekommen zu versuchen. Ab und zu trank er aus der Flasche. Er stierte wütend in die Luft vor seinen Füßen. Nach kurzer Zeit wurde sein Gesichtsausdruck sanfter und er lächelte ein bisschen. Dann schien es wieder, als fiele ihm etwas ärgerliches ein, und so wechselte es sich über Minuten ab, bis die Band endlich zu spielen begann.
Kei ließ seine Beobachtungen des jüngeren bleiben, als die Musik zu spielen begann. Er stellte sich vor die Bühne und schien die Umwelt um sich herum zu vergessen. Er ging jede Sekunde mit der Musik mit.
Nach den ersten paar Stücken hatte Colin sich weiter nach vorn gewagt. Nun waren viel mehr Menschen da und die kleine Halle war fast voll, aber man musste sich nicht drängelnd und schubsend fortbewegen. Er hatte sich die dünne Jacke um die Hüften geknotet und besaß die Flasche längst nicht mehr. Ohne es zu merken, hatte er sich nur ein paar Meter neben Kei plaziert und hatte sich dort ein paar anderen Jungen angeschlossen, die ausgelassen mit Bierbechern in den Händen herumsprangen.
Kei war ebenfalls ausgelassen am Herumspringen. Bewegte sich dabei von der Stelle und wanderte mal hier und mal dort hin. Seine strahlend blauen Augen leuchteten.
Er landete irgendwann vor Colin, den er tatsächlich kaum bemerkte. Seine Aufmerksamkeit war nach vorn gerichtet. Der knapp 1,70 Meter große Japaner bekam von ein paar Seiten Bier von herumspringenden Menschen ab. Sein eigenes Getränk stand auf der Bühne.
Colin stellte bald fest, wer ihm da die Sicht versperrte und grunzte verärgert. Er nahm einen weiteren großen Schluck aus einem geborgten Bierbecher und kämpfte mit der kindischen Versuchung, Kei zu schubsen.
Er erlag ihr nicht. Der Kerl provozierte ihn und das nervte ihn, weil er wusste, dass er wahrscheinlich mehr Angst vor ihm haben müsste. Er war so schrecklich seltsam und gefährlich - und da wurden Colins grimmige Gedanken beim Anstarren von Keis Rückseite brüsk unterbrochen, indem ihn jemand von hinten so hart anrempelte, dass er vorwärts stolperte und zum Festhalten nur Kei vor sich hatte.
Colins Gesicht landete auf Keis Rücken und seine Arme flogen um seine Hüften, wo er sich sofort festklammerte. Er wollte sofort - schneller als sofort! - wieder loslassen, doch blieb mit seinem Festivalarmband an irgendetwas an Keis Hosenbund hängen.
Kei, der das Angerempeltwerden auf Konzerten gewohnt war, merkte sofort, wer sich da an ihn klammerte. Er befand die Situation für gar nicht mal übel, jedoch konnte er sich nicht umdrehen. Irgendwas zog an seiner Hose - ein bisschen.
Er tastete danach und fand als erstes Colins Hand. Absichtlich vorsichtig tastete er weiter, nach dem Ursprung der unfreiwilligen Anhänglichkeit. Er fand das Armband, das sich wie auch immer an einen seiner Gürtel gehängt hatte. Langsam nästelte er es frei und drehte sich um. Colin weiter festhaltend.
"Welch ein überraschender Anblick," 'flüsterte' er ihm ins Ohr.
Colin richtete sich wieder auf, sehr errötet und verlegen.
"Es tut mir Leid," bekam er vor lauter Peinlichkeit nur in peinlich hoher Stimme heraus und schauderte, als Kei ihm wieder durchs Ohr kroch - Colin sah rechts und links an ihm vorbei und sah dabei etwas gequält aus. Er kaute sich auf den Lippen herum und traute sich nicht, seine Hand zurückzunehmen.
"Das war ich nicht - mit Absicht ..."
Kei war das durchaus bewusst, ausnutzen tat er es trotzdem. Er hatte kein Problem damit, wenn Colin gegen ihn fiel. "Wirklich? Schade." Nach einer Weile ließ er Colin wieder los. Nicht ohne ihm einmal über sein hübsches Gesicht zu streichen. Er widmete sich wieder der Musik. Blieb aber in Colins Nähe.
Colin musste Kei doch eben ansehen, als er ihm ins Gesicht - was?! Als Kei sich wieder umdrehte, machte er einen Schritt zurück und fasste sich sachte an die Wange.
Er schnorrte noch etwas Bier von seinen neuen Kumpanen um nicht zuviel darüber nachzudenken, was er eventuell, unter Umständen, einem möglicherweise schwulen Vampir für Signale übermittelt haben mochte. Gleichzeitig fiel ihm allerdings nicht auf, dass er Kei nun die ganze Zeit nachdenklich bis interessiert begaffte.

Kei widmete sich fürs erste ganz der Musik und vergaß dabei, dass Colin noch da war. Er nahm einen obligatorischen Schluck Bier. Brauchte er nicht, schmeckte aber. Der Vampir schien in der Musik zu versinken. Tanzte und sprang herum. Je nach Tempo und Rhythmus.
Als die Band eine Pause machte, ließ Kei sich rücklings auf die Bühne fallen. "Shin. Bier. Danke," sagte er und nahm das bald gereichte Getränk entgegen. Leerte es auch ziemlich schnell. Außer Colin kannte immerhin niemand sein kleines Geheimnis. Sein Blick wanderte durch den Raum, blieb an Colin hängen.
Der saß im Schneidersitz bei den vier Jungen, denen er sich angeschlossen hatte und rauchte. Die geschenkte Zigarettenschachtel lag auf seinem Knie und seine freie Hand deckte sie sachte zu. Er vergaß, den Blick abzuwenden, als Kei zu ihm hinsah, und sah einfach zurück. Allerdings errötete er etwas, senkte den Blick kurz und zog an der Kippe, sah dann wieder zu Kei auf.
Kei lächelte, als Colins Blick seinem begegnete. Lächelte einfach. Das Blutrünstige war aus seinem Blick verschwunden. Für den Moment jedenfalls. Er fischte sich ebenfalls eine Kippe aus der Schachtel in seiner Hosentasche und sah weiter in Richtung Colin.
Den Moment erhielt er aber nicht allzulang aufrecht. Eine Minute vielleicht. Dann drehte er sich um und angelte nach Shins Gitarre, die in seiner Nähe stand.
Colin lächelte zaghaft zurück und sah Kei weiter an, auch als er nach der Gitarre griff. Kei legte den Kopf in den Nacken und spielte ohne hinzusehen vor sich hin. Irgendwann musste er aufhören, weil Shin seine Gitarre zurückhaben wollte.
"Kei, steh auf, wir wollen weitermachen." Angesprochener bekam einen leichten Tritt und schickte sich an, sich zu erheben.
Colin unterhielt sich kurz mit den Jungen als sie alle wieder aufstanden. Die anderen Zuschauer versammelten sich auch wieder vor der Bühne und johlten und klatschten. Kei lehnte nun, Kippe in der Hand, an der Bühne und lächelte leicht.
Colin war kurz hinter einer größeren Person verschwunden, und als Keis Sicht auf die Gruppe wieder freigegeben wurde, auch nicht mehr zu sehen.
Er ging im Vorraum forsch in Richtung Klo.

Kei, der sich kurz in der Halle umsah, fiel auf, dass Colin verschwunden war. Jedenfalls war er nicht mehr, da, wo er vor einer Minute noch gewesen war. Er wand sich durch die Menge und fand sich irgendwann nahe dem Klo wieder. Mit dem Gedanken, warum zur Hölle er das eigentlich tat. Was ihn nicht davon abhielt. Er erblickte Colin in eben jener Richtung, die er selbst eingeschlagen hatte. Wartend beobachtete er den Kleineren.
Er ging ihm ungeniert hinterher. Lehnte sich an die Wand des Vorraums. Er musste ihn nicht beim Pissen beobachten - oder beim Kotzen. Wartend stand er da, ein Bein an der Wand und die Arme vor dem Körper verschränkt. Colins Schuhe waren unter der Tür der Kabine hindurch zu sehen. Er stand seitwärts vor der Toilette, der Trennwand zugewandt, und außer etwas Rascheln schien er keine Geräusche zu verursachen. Er atmete schnell, aber versuchte, das möglichst leise zu tun, und erzeugte etwas mehr und ... wiederholteres textiles Rascheln, als es zum Hoseöffnen nötig gewesen wäre.
Kei lauschte den kaum hörbaren Geräuschen, die zweifellos von Colin kamen und mehr als eindeutig waren. Er grinste - ziemlich breit. Lehnte sich unbemerkt an die Tür der Kabine, in der Colin stand - und klopfte, sich räuspernd, an die Tür.
Colin hielt sofort inne und die Luft an. Alles an ihm versteinerte, bis auf seinen Puls. Sein Mund sagte lautlos: 'Fuck.'
Er machte ein säuerliches Gesicht und packte sich langsam und vorsichtig wieder ein.
"Was ist?!"
Kei hing mit einem Satz an der Tür und schaute darüber.
"Nichts," grinste er. Mit einem Blick, der sagte, dass er genau wusste, womit Colin gerade beschäftigt war. "So viele Leute hier und du vergnügst dich allein," fügte er immer noch grinsend an.
Colin wandte Kei blitzschnell den Rücken zu und beeilte sich beim Zuknöpfen etwas mehr, auch wenn es unangenehm war.
"Allein würde ich das nicht nennen, wenn sich noch Stalker oben an die Tür hängen und zugucken," brummte Colin grimmig.
"Du warst auch nicht zu überhören," stichelte der Größere. Eindeutig im Vorteil und überlegend, wie er den ausnutzen konnte. "Stört dich etwa, dass ich hier rumhänge?" fragte Kei grinsend nach.
Sein Grinsen war ziemlich dreckig.
Colin stieg auf die Klobrille, drehte sich dabei um, schoss Kei einen tödlichen Blick der frostigen Verderbnis zu und trat mit aller Kraft gegen die Tür.
Kei lachte. Hielt sich etwas fest - und schwang sich einfach über die Tür, sodass er nun zwischen Colin und dieser stand. "Ich bin ja schon unten - du musst nicht gleich gewalttätig werden," sagte er mit mehr als zweideutigem Unterton. Colin schnaubte wütend und hob wieder den Fuß, um offensichtlich noch einmal zuzutreten - nur diesmal etwas tiefer.
Kei war schneller dicht bei ihm, als Colin treten konnte. "Du musst schon schneller sein, wenn du mich treten willst," grinste er und beförderte den Kleineren beinahe sanft gegen die Wand.
Colin ruderte etwas mit den Armen, als er für einen Moment fürchtete, er würde ins Klo abrutschen, "Wha- Fuck," aber ging dann dazu über, sich an Keis ärmellosem Hemd festzuhalten, bis ihm auffiel, woran er sich da festhielt und sich ihm zu entwinden versuchte. Er war so genervt. "Bloody cunt of a fucking stalker! Arschloch!" fügte er hinzu, damit Kei ihn auch verstand, und funkelte ihn wütend an.
Kei grinste immer noch. "Das merkst du erst jetzt? Übrigens stalke ich dich nicht, ich war zuerst in der Halle, ziemlich sicher." Er hatte gute Laune. Immer noch hielt er den Kleineren da wo er war, verringerte den Abstand noch ein wenig und schaute ihm ins Gesicht. Colin hörte auf zu zappeln und sein Gesichtsausdruck wandelte sich von glühender Wut in etwas ruhigeres und dunkleres.
Er hob eine Hand und zählte an den Fingern ab:
"Du beglotzt mich im Unterricht, du kommst zu meinem Vorspiel, gehst mir in die Mittagspause nach und bist dann rein zufällig am Freitagabend auch bei der Schule und jetzt rein zufällig beim selben Konzert und nun auch noch rein zufällig hier im Klo - obwohl du bestimmt noch nichtmal einen Stoffwechsel hast -" Colins Blick fiel auf die Münze zwischen dem vielen Schmuck, der vor Kei baumelte, und er griff sie sich.
"Ach ja, und nicht zu vergessen - du kommst zu meinem Konzert und bringst mich fast hiermit um-" Er hielt die Münze hoch. "-und bedrohst mich vor der Schule-" seine Stimme wurde leiser.
"Auf dem Konzert und an der Schule war ich zufällig," entgegnete Kei und grinste immer noch. "Und umgebracht würde ich das nicht nennen, auch nicht fast. Das hätte anders ausgesehen, ich war ganz vorsichtig. Und auf deinem Konzert ist sie mir runtergefallen, fast tot sahst du auch da nicht aus." Er fügte noch an: "Du hättest sie mir gleich wiedergeben können, selber Schuld. Beschwer dich nicht."
Colin ließ die Münze los und rammte seinen Hinterkopf mit einem frustrierten Grunzen gegen die Wand.
"Und was willst du jetzt von mir? Ich habe nichts von dir eingesteckt." Er klang immer noch genervt, aber nicht mehr so feurig wütend. "Oh, die Zigaretten? Willst du sie zurück?" bot er mit einem unlustigen Grinsen an.
"Nein nein, die waren ein Geschenk. Das fordert man nicht zurück. Solltest du wissen." Er lächelte kurz, ehe sein Grinsen zurückkehrte. Er stand mittlerweile so dicht bei ihm, dass er Colins unbeendetes Werk vernahm. Der hielt die Luft an und starrte Kei an.
"Du bist so pervers, weißt du das? Wer geht Leuten aufs Klo nach?" zwang er heraus, und versuchte sich so wenig wie möglich zu bewegen. Aber atmen musste er wieder. Kei war viel zu nah. "Zu nah..."
"Ich nehm das als Kompliment," hatte Kei dazu zu sagen und grinste nur noch mehr, als Colin sich halbwegs beschwerte, er würde zu dicht bei ihm stehen. Der Vampir erlaubte sich die Dreistigkeit ihm noch einen Zentimeter näher zu kommen und die Situation ein bisschen auszunutzen. Er bewegte sich absichtlich mehr als nötig. Colin atmete kontrolliert aus und biss sich dabei auf die Zunge, um wenigstens kein Geräusch dazu zu machen. Er machte fast ein bisschen mit, aber versuchte davon abzulenken, indem er Kei wieder verächtlich ansah. "Du hast sie nicht mehr alle. Wer grinst denn die ganze Zeit so debil?"
Er hoffte, dass Kei nicht auffiel, dass er gar nicht mehr abzuhauen versuchte und ließ seine Arme darum da wo sie waren: Neben sich an die Wand gedrückt und möglichst unauffällig unbeweglich. Kei ließ auch noch den letzten Abstand zwischen sich und Colin dahinschmelzen, wohl merkend, dass dessen Gegenwehr verschwunden war. Das war fast schon bisschen traurig, aber störte ihn keineswegs. Obwohl er sehr geduldig sein konnte, wenn er etwas wollte. Unter gewissen Umständen. Diesen zum Beispiel.
"Du siehst bei Weitem nicht mehr so sauer aus wie vor einer Minute. So scheiße, wie du behauptest, kann ich also gar nicht sein." Sein Grinsen hatte nichts Mordlustiges, aber trotzdem etwas, das einem einen Schauer über den Körper jagte. Er sah Colin direkt in die Augen. Keine zwei Zentimeter von dessen Gesicht entfernt. Festhalten tat er ihn noch immer, nur für den Fall.
Colin fühlte sich genötigt, sehr, sehr leise zu sprechen und die Augen halb zu schließen. Das schien irgendwie am besten zu passen.
"Du bist nicht scheiße. Nur pervers und wahnsinnig."
"Oh, damit kann ich leben," erwiderte Kei beinahe ebenso leise. Vor draußen war Musik zu hören. Er verkleinerte den Abstand zu Colins Gesicht ein wenig und kostete die Situation voll aus. Nebenbei fiel ihm ein, dass seine untere Körperhälfte auch noch beweglich war und dieses Wissen setzte er auch prompt um. Einen knappen Zentimeter von Colins Gesicht entfernt. Colin schloss die Augen mit etwas gequältem Ausdruck und ließ so etwas ähnliches wie ein Seufzen verlauten. Er lehnte den Kopf so weit zurück wie möglich und wandte sein Gesicht ab. Er wollte zwar eigentlich nicht aufgeben, aber jetzt war es längst egal und er packte Keis Hemd an den Seiten, um ihn da zu halten, wo er war. Kei ließ bereitwillig Colins Handgelenke los. So hatte er die Hände wieder frei und konnte sich Anderem widmen. Während er eine Hand in seines Mitschülers Hose verschwinden ließ, drehte er mit der anderen dessen Gesicht bestimmt, aber unbrutal, wieder in seine Richtung und überwand den letzen Zentimeter an Luft auch noch. Colin machte ein etwas überraschtes Geräusch, war aber eigentlich gar nicht überrascht. Nur verdammt unsicher. Er öffnete den Mund ein kleines bisschen, schloss die Augen und nahm an, dass das so in Ordnung war, denn Keis Hand lenkte ihn ohnehin zu stark ab, um jetzt Küssen zu üben. Er drückte sich gegen seine Hand und versuchte wieder, sein Atmen zu unterdrücken. Unwillkürlich zog er Kei beim Hemd dicht an sich.
Den störte die offensichtliche Unerfahrenheit des Jüngeren kein bisschen. Er grinste ein wenig und biss ihm beinahe zärtlich auf die Unterlippe. Schmeckte dessen Blut.
Der Japaner machte es sich ein wenig einfacher und öffnete Colins Hose einfach ein Stück weit, schaffte mehr Platz und beschäftigte sich weiter damit ihm den Kopf zu verdrehen, während zwischen die beiden vielleicht noch ein Stück Papier passte, wenn überhaupt. Colin zuckte etwas zusammen und stöhnte bei dem Biss leise, was ihm sofort peinlich war, und er versuchte, davon abzulenken, indem er zurückbiss, allerdings nicht so effektiv wie der Blutsauger. Dafür krallte er sich in Keis Seiten fest und hoffte, dass das ein bisschen wehtat. Kei kommentierte das jedoch nur mit einem Grinsen und setzte sein Tun fort. An Colins Hals und in seiner Hose, mal schneller, mal langsamer. An seinem Hals hinterließ er eine Reihe blauer Flecken. Ab und an ließ er die Haut des Kleineren reißen. Er mochte das Gefühl von Colins Fingern, wie er - vergeblich – versuchte, ihm ein wenig wehzutun. Spuren würde es vielleicht hinterlassen.
Colin wand sich ein bisschen und schaffte es, wirklich nur ein paar kleine leise Geräusche zu machen, vom schweren Atmen mal abgesehen. Er ging mit Keis Bewegungen mit bis er seine Knie nachgeben fühlte. Etwas fühlte sich nach zuviel an.
"Hmf," gab er eloquent von sich und ließ Kei los um seine Arme zwischen sie zu zwängen und ihn wegzuschieben. Er rutschte fast an der Wand hinunter. Kei war gerade noch so dazu in der Lage, den Kleineren abzufangen und wieder halbwegs aufzurichten. Ein ganz klein wenig beleidigt, dass er sein Tun abbrechen musste. Mit einem eindeutig fragenden Bick sah er Colin an und gab ein unglaublich intelligendes "Was is?" von sich.
Colin sah ihn nicht direkt an, sondern sprach heiser und leise mit Keis Hals und seinen Ketten und Anhängern. "Eh, ich, das ist etwas... ein bisschen zu..." Er schnaubte frustriert und kaute auf seiner Zunge herum, aber packte Kei vorn beim Hemd. "... ich weiß nicht. Irgendwas."
Kei erwiderte ohne Gemeinheit in der Stimme: "Sag Bescheid, wenn's dir eingefallen ist. Wir können ja sonst auch erstmal wieder zurückgehen." Er lächelte tatsächlich, wenn auch nur ganz, ganz kurz. Er hatte alle Geduld der Welt. Früher oder später bekam er sowieso, was er wollte. Da war er sich mehr als sicher. Colin hielt Keis Hemd weiter fest und nickte langsam, bevor er sich wieder zurück an die Wand lehnte ohne Kei einmal direkt anzusehen, und durchatmete.
Er ließ los und begann mit angespanntem Gesicht damit, sich vorsichtig wieder anzuziehen.


Hier geht es zum nächsten Teil.

Kei + Colin V: Offenbarung

Hier geht es zum ersten Teil.


Colin saß bei Beginn der ersten Stunde nach der Mittagspause wieder auf seinem Tisch und unterhielt sich mit Tomoko, Ayane und Shingo. Er schien sich von jeglichem potentiellen Schrecken völlig erholt zu haben.
Kei kam in die Klasse und setzte sich. Musterte Colin ein wenig und schaute aus dem Fenster.
Der Lehrer verspätete sich ziemlich.
Scheinbar waren Colin und die anderen sich darüber einig, nicht mit Kei oder über ihn zu sprechen, und führten ihr ursprüngliches Gespräch über das Neujahrskonzert fort, aber nur für ein paar kurze Minuten, da endlich der Mathelehrer hereinkam. Colin wechselte von der Tischplatte auf den Stuhl, während die anderen sich auch setzten, und nahm Buch und Taschenrechner heraus. Er sah Kei nicht an. Der hatte ganz vergessen wie amüsant die Schule doch sein konnte. Colins Benehmen war wieder so ein Moment. Er nahm sein Mathezeug raus und blickte aus dem Fenster. Davor schien nie etwas los zu sein. Es liefen kaum Menschen dort herum, wenn Unterricht war.
Hin und wieder musterte er Colin.
Seine Lust auf Unterricht war verschwindend gering.
Colin vertiefte sich in die Aufgaben und arbeitete schnell und effizient wie zuvor, aber er schien trotzdem nicht fertig zu werden. Ihm fiel nicht auf, dass er zuviel rechnete, bis er beim nächsten Kapitel ankam. Als er die Überschrift sah, stutzte er, sah überrascht auf, sah sich um, zu Kei, und dann schnell wieder nach vorn.
Er pulte schnell sein kleines Buch heraus und beugte sich darüber, sorgfältig darauf achtend, dass seine Haare Keisukes Blick auf sein Gesicht verhinderten. Diesmal las er die Noten, indem er ihnen mit dem Zeigefinger folgte, und starrte regelrecht darauf.
Kei, der bald mit seinen Aufgaben fertig war, hatte nichts weiter zu tun und beoachtete Colin, der dies offensichtlich nicht wollte. Er begann, rhythmisch auf seinem Tisch herumzuklopfen und sich damit abzulenken. Der Unterricht ging zum Glück bald zuende. Lange würde es bis zum Schulschluss nicht dauern.
Irgendwann murmelte Colin: "Hör auf, mich anzustarren."
Kei musste lachen. "Hm, nein. Den Wunsch erfüll ich dir nicht."
Colin drehte sich demonstrativ weg und lehnte sich mit dem Rücken zu Kei mit dem Ellenbogen auf den Tisch.
Grinsend sagte der Ältere: "Du bist auch von hinten ganz ansehnlich." Er blickte irgendwann aus dem Fenster und amüsierte sich im Stillen.
Colin grunzte missmutig und drehte sich wieder nach vorn.

Kei ging nach dem Klingeln aus der Klasse. Endlich Wochenende.
Draußen regnete es in Strömen. Er zündete sich unter dem Vordach seine Kippe an und spannte den Schirm auf.

Am Abend rannte Colin ohne Regenschirm, aber mit Kapuzenjacke, durchnässt auf das Schulgelände. Er kletterte über das verschlossene Tor und rüttelte an den verschlossenen Türen des Haupteingangs.

Kei, nachts gern auf der Suche nach Opfern, kam an der Schule vorbei, da in der Nähe eigentlich immer etwas zu holen war. Lärm drang an sein Ohr und er drehte sich um. Huh?
Er sprang mühelos über den Zaun und lief in Richtung des Lärms - erblickte Colin.
"Was machst du um diese Uhrzeit hier?" fragte er den Kleineren, während er in seine Richtung ging. Colin drehte sich erschrocken um. Er machte den Mund auf und zu. Er sah einigermaßen verzweifelt aus.
"Hab ich dir die Sprache verschlagen?" Er besah sich die Situation. "Soll ich dir helfen, da rein zu kommen?" Kei grinste. Colin nickte nur eilig. Er machte einen Schritt zur Seite und gab die Tür frei. Er schien zu erwarten, dass Kei die Tür eintreten würde oder sowas in der Art. Kei grinste immer noch. Diese Tür wollte er gar nicht öffnen.
"Die Tür zum Dach ist nie abgeschlossen. Ich bring dich da hoch, wenn du da unbedingt reinwillst." Er besah sich den Kleineren und verstand nicht, was er da wollte. Es wollte ihm auch kein einziger Grund einfallen. Colin hatte immer noch große, etwas ängstliche Augen, aber nickte entschlossen.
"Ja. Wo?" Er sah rechts und links an der Fassade entlang. "Wo kommt man da hoch?"
"Festhalten." Kei nahm Colin halbwegs in den Arm und sprang aufs Dach. Ohne große Probleme. Es hatte was von Parcour. Oben angekommen, grinste er schon wieder. "Da wären wir. Das Dach." Er dachte für den Moment nicht daran, den Kleineren wieder loszulassen.
"Ah, what the-" Colin hielt sich instinktiv fest, aber auf dem Dach angekommen, versuchte er sofort, Kei wegzustoßen.
Der grinste nur.
"Der Versuch ist erfolglos, Kleiner. Ich bin stärker als du." Nachdem er Colin - spaßeshalber - an die Wand des Dachtreppenhäuschens gedrückt hatte, ließ er ihn aber wieder los. "Viel Spaß noch. Man sieht sich, Süßer." Kei schlenderte wieder zum Rand des Daches, blieb dort stehen.
Colin starrte Kei erstaunt und ziemlich schockiert an. Er öffnete und schloss noch ein paarmal erfolglos den Mund.
"Warte! Was- wie hast du- " Er stieß sich von der Wand ab und begann auf Kei zuzurennen und rutschte dabei auf dem nassen Boden aus.
Kei hörte es glitschen und war schneller bei Colin, als dem lieb sein konnte und hielt ihn vom Fallen ab. "Nicht so eilig, Kleiner," grinste er. Im nächsten Moment sah man ihn noch vom Dach fallen. "Bis dann, Süßer," verabschiedete er sich, während er rückwärts nach unten fiel. Unten landete er wie eine Katze auf den Beinen und verschwand im Dunkeln.
Colin hockte sich an die viel zu niedrige, praktisch nicht existierende Brüstung, stützte sich auf die Kante und brüllte hinterher: "Warte doch! Komm zurück, du Ar-" da fiel ihm ein, dass Kei gesagt hatte, die Tür sei nie abgeschlossen. Herauskommen würde er außerdem bestimmt durch irgendein Fenster.
Er stand also wieder auf und ging in die Schule.

Amüsiert saß Kei auf dem Zaun, der das Schulgelände vom Weg trennte. Was Colin in der Schule machte, war nicht seine Angelegenheit. Er konnte ihn immer noch fragen, wenn er ihn traf. Er nahm sich eine Kippe, zündete sie an und rauchte gemütlich. Der Regen des Tages hatte schon vor einer Weile aufgehört, jedoch war es noch ziemlich nass. Kei schaute sich um. Hunger nagte an ihm, viel zu oft in der letzen Zeit.
Keine zwanzig Minuten später kam Colin um die Ecke des Gebäudes in Richtung Tor gelaufen. Er ging zügig, schien es aber nicht mehr allzu eilig zu haben. Er wollte offenbar nur schnell wieder weg, bevor er bei dem kleinen Einbruch ertappt werden konnte. Seine Jacke war geöffnet und er hatte ihre Ärmel hochgekrempelt.
Kei grinste. "Da ist ja unser kleiner Einbrecher. Das war aber ein kurzer Besuch." Er hatte seine dritte Kippe in der Hand und schaute in Colins Richtung. Immer noch hungrig. Irgendwo hoffte er, dass Colin ihn einfach ignorierte und weiterging. Er beobachtete ihn genau. Der Junge nickte und lächelte erleichtert. Er war beim Laufen und Klettern ein bisschen rot geworden und atmete etwas schwerer als sonst.
"Danke." Er runzelte kurz verwirrt die Stirn. "Wofür auch immer. Wie hast du das gemacht?" Er trat ans Tor heran und kletterte hinauf.
"Vergiss das am besten gleich wieder," meinte Kei, Colin immer noch anschauend. Geh einfach weiter...
Er wollte Colin nicht umbringen, aber ihn leben zu lassen wäre auch kaum eine Option. Verschwinden wäre eine. Er ließ seine Kippe fallen und machte Anstalten, sich rückwärts vom Zaun fallen zu lassen. Colin war gerade oben angekommen und hockte rittlings auf dem Tor. Als er sah, wie Kei umkippte, packte er ihn sofort vorn beim Hemd und seinen Arm mit der anderen Hand.
"Pass auf!"
Kei, der sich absichtlich, zwecks Abgangs hatte fallen lassen, verfluchte Colin diesem Moment. Er hielt sich mit den Beinen am Zaun und mit einer Hand an seinem Klassenkameraden fest. Zog ihn fast nach unten.
"Du lebst verdammt gefährlich," sagte er leise, versuchte an etwas anderes zu denken als das rote Gold in den Venen des anderen. Colin hakte sich mit den Füßen und Knien zwischen den Gitterstäben fest und versuchte, Kei unter Ächzen wieder heraufzuziehen. Es war offensichtlich, dass seine schmächtige Statur nicht nur seinem zarten Alter, sondern großer Unsportlichkeit geschuldet war. Er brachte es trotzdem fertig, trotzig zu entgegnen: "Ich lebe gefährlich? Du gammelst fast zwei Meter hoch - und wie zur Hölle bist du mehrere Stockwerke - hrrmgrrf," schnaufte er angestrengt.
Kei hätte keine Mühe gehabt, so hängen zu bleiben und erleichterte Colins Arbeit, indem er sich einfach aufrichtete und wieder gerade auf dem Zaun saß.
"Ja du," grinste er, ein wenig mörderisch. "Du solltest Sport machen. Dann würdest du ein Leichtgewicht wie mich auch hochziehen können." Kei wog tatsächlich nicht viel. Er war sehr schlank, ohne Gürtel würde seine Hose ständig herunterrutschen. "Wenn du mich entschuldigen würdest..." sein Blick wanderte zu einem Mann, der in eine Gasse in Colins und seiner Blickrichtung schlenderte. Colin hielt sich dankbar wieder selbst am Tor fest und versuchte, seinen Atem zu beruhigen. Er entgegnete nichts, sondern folgte nur Keis Blick. Er sah den Mann und beeilte sich, vom Tor herunterzukommen.
Kei war schneller unten als Colin und ehe der sich versah, ebenfalls in der Gasse verschwunden. Um Colin machte er sich wenig Gedanken.
Er schlug den Mann von hinten K.O. - gezielt, geübt - und riss mit einem Messer dessen Handgelenk auf, bis auf die Aterie. Er verschwand mit seinem Abendessen hinter einer weiteren Ecke - sicher war sicher.

Leicht blutbeschmiert saß er neben dem Toten, dessen Blut so schnell in seinem Körper verschwunden war wie Wasser es bei einem Menschen gewesen wäre. Er sah zufrieden aus und verstaute den Toten in einer Mülltonne.
An der Hausecke stand Colin und flüsterte "Holy fuck," sobald der Deckel der Mülltonne wieder auflag. Er starrte Kei mit offenhängendem Mund an und stand versteinert da.
Kei, der sich am Hemd seines Opfers den Mund abgewischt hatte, drehte sich um, als er etwas hörte - und sah Colin da stehen. "Fuck." Er starrte ihn nur an, einige Sekunden lang.
Ehe er an ihm vorbeiging. "Jetzt hast du's doch rausgefunden." Er hatte ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen, hauchte ihm "Das wird dir keiner glauben" ins Ohr. Hoffend, dass das stimmte und Colin die Fresse hielt. Er konnte keinen Stress gebrauchen.
Der Junge starrte weiter und zuckte bei dem Flüstern wieder zusammen. Er drehte sich um und machte einen Schritt hinter Kei her.
Anstatt etwas zu sagen, brachte er zuerst nur ein quietschendes Geräusch zustande und griff nach Keis Arm, um ihn aufzuhalten. Kei blieb stehen. Verblüfft über irgendeine Reaktion. Drehte sich um, sagte aber nichts. Wartete ab, was Colin wollte. Der sah Keis Gesicht, schluckte, starrte ehrfürchtig... "Warum..." -schluckte- "... Warum gehst du zur Schule?"
Colin merkte, dass er Kei noch immer festhielt, ließ ihn los und zog seine Hand schnell zurück.
Kei war platt. Von all den Fragen, die man ihm hätte stellen können, stellte Colin diese.
"Ich hab nichts besseres zu tun," antwortete er - wahrheitsgemäß. Zumal er wirklich erst siebzehn Jahre alt war und keinerlei Abschlüsse besaß.
Colin sagte "Ah," und starrte nicht mehr ganz so sehr, hatte aber immer noch große Augen. Er schluckte nochmal und sah kurz zur Seite.
"Und warum. Warum hast du. Warum hast du mich da warum hast du mich aufs Dach gebracht?"
"Betrachte das als ehm, nette Geste oder so," sagte Kei. Colin hatte da schließlich reingewollt.
Er würde sich die Nacht noch um die Ohren schlagen.
"Was hast du gedacht, hm?" er grinste.
Colin musterte Keis Gesicht und der größte Teil der Furcht wich aus seinem und machte einer typischeren genervten Trotzigkeit Platz. "Ich dachte, es wäre vielleicht klüger gewesen, sich den Leuten nicht zu offenbaren - warum grinst du mich eigentlich immer so an? ... Du wolltest nur angeben," fiel ihm ein.
"Natürlich wollte ich das," gab Kei zurück. "Du bist ein amüsanter kleiner Kerl."
Er war sich ziemlich sicher, das sein nicht ganz so kleines Geheimnis bei Colin gut aufgehoben war. Die Frage nach dem Grinsen überhörte er gekonnt. "Man sieht sich!" Er wandte sich zum Gehen.
Colin stutzte bei 'amüsanter kleiner Kerl' und seine Miene verfinsterte sich.
"Ich bin ein was?" Er folgte Kei forschen Schrittes.
"Du hast mich schon verstanden," erwiderte der und ging einfach weiter.
Colin hielt Schritt. "Freut mich, dass ich dich so gut unterhalte," er klang ein wenig patzig. "Ich wusste doch, dass es einen Grund dafür geben muss, dass du mich ständig verfolgst. Wenigstens tust du das nicht, weil du mich aussaugen willst, das ist so eine große Erleichterung!"
Kei lachte. Er war tatsächlich zufällig an der Schule vorbeigekommen. Plötzlich drehte er sich um und beförderte Colin an die nächstgelegene Wand, hielt ihn dort fest.
"Sei dir da mal nicht so sicher," er grinste mordlustig.
Colin schloss schnell den Mund. Aber nur kurz.
"Wie soll ich dich ernstnehmen, wenn du selber dauernd lachst?" frug er trocken, aber sein schneller Atem und erhöhter Puls verrieten doch etwas Furcht. Etwas viel.
"Wohl noch nie einem gut gelaunten Vampir begegnet?" er grinste dreckig. Wohl wissend, dass Colin sich fast in die Hose machte. Er genoss das. Sehr sogar. Kostete den Moment aus. Sah Colin tief in die Augen und machte keine Anstalten ihn loszulassen. Colin versuchte, seinen Atem etwas unter Kontrolle zu bringen, denn es war ihm peinlich, Kei direkt ins Gesicht zu pusten. Er begegnete Keis Blick und wurde wieder rot, aber das konnte nicht aus Anstrengung sein.
"Zählt meine Mutter?"
Kei verzog keine Miene. "Meinetwegen. Dafür hast du ziemlich Schiss." Er grinste. "Du musst nicht gleich rot werden." Er drückte ihn ein wenig fester gegen die harte Wand. Colin verzog etwas das Gesicht und ächzte leise.
"Ich habe keine Angst. Offensichtlich hängst du ja ziemlich an mir."
Kei ließ ihn noch immer grinsend wieder los. "Fühl dich geehrt, Kleiner." Mit diesen Worten zog er von dannen. Er hatte ja noch endlos viel Zeit, sich Colin zu widmen. Der sah ihm nach und hielt sich den Arm an der Stelle an der Kei ihn festgehalten hatte.


Hier geht es zum nächsten Teil.

Wednesday, September 16, 2015

Kei + Colin IV: Vorspiel


Hier geht es zum ersten Teil.


Am späten Nachmittag begann es zu regnen, und es hörte bis zum nächsten Vormittag nicht auf.
Kei, diesmal ganz ohne Uniform in Tanktop und langer zerrissener Hose, schlenderte in die Schule. An seinen Armen baumelten Bänder und von seinem Hals die Münze. Kei war froh, dass es Freitag war. Die Nacht hatte er draußen verbracht. In den morgendlichen Nachrichten waren Berichte von etwa fünf Toten in einem Stadtviertel, an denen keinerlei Spuren gefunden worden waren. Entweder waren einfach keine hinterlassen worden, oder der Regen hatte sie weggespült.
Als er die Bilder sah, schaute er sie erstaunt an. In einem der Schulflure hingen große Bleistift- und Kohleporträtzeichnungen von Schülern. Auf einer davon war Colin abgebildet. Vor diesem Portrait blieb er stehen. Er hatte keine Ahnung wer dafür verantwortlich war. An ein größeres Kunstprojekt konnte er sich nicht erinnern. Ein kleines Schild neben dem ersten Bild in der Reihe deklarierte die Zeichnungen als Werke des Kunstclubs. Unter jeder Zeichnung hing ein weiteres Schild mit den Namen des Zeichners und des Modells.
Ein paar Schüler gingen durch den Flur, und Colin betrat ihn nun auch und begann, sich die Bilder anzusehen. Anstelle des großen Rucksacks trug er seinen Geigenkasten auf dem Rücken.
Kei fand, dass die Bilder wirklich gut waren. Nicht alle, aber einige. Er ging an Colin vorbei.
"Du wurdest gut getroffen," sagte er, als er an ihm vorbeikam. "Wo hast du dein Zeug gelassen?" fragte er beiläufig.
Colin sah sich um und lächelte Kei zum Gruß an. "Hier in der Schule. Wo hast du deins gelassen?" Er sah gründlich an Kei herunter.
"Welches?" Kei trug obenrum nicht viel, aber seine Hose war dekoriert. Er hob seine Umhängetasche hoch. Bedeutete mit dieser Geste, dass er sehr wohl etwas dabei hatte. Er war kaum nassgeregnet, weil er einen Schirm besaß, mit dem er seine Haare trocken hielt. Ansonsten störte ihn der Regen nicht. Colin war ebenfalls trocken.
Er blinzelte verständnislos. "Deine Uniform."
"Waschmaschine," antwortete Kei, dessen Uniformjacke beim gestrigen Blutbad etwas abbekommen hatte. Kei schaute weiter auf die Bilder.
Colin nahm das so hin, guckte Kei aber weiter an, dann auch zurück auf die Bilder, als der seinen Blick abwandte.
Er sah sich um, entdeckte seins und sah es sich an.
Kei bleib noch eine Weile bei den Bildern und betrachtete Colin auch noch ein wenig.
Eilig hatte er es immerhin nicht. Er grinste ein wenig als er an dem Kleineren vorbeischlenderte. Ein Grinsen, das nicht freundlich war, aber auch nicht abgrundtief böse. Ein wenig fasziniert. Er wusste nicht, was er von Colin halten sollte. Interessant war das richtige Wort. Colin sah sein Bleistiftabbild ein wenig nachdenklich an, bis Kei an ihm vorbeiging. Er wandte sich stracks zum Gehen, mit verlegen gesenktem Blick. Diese Reaktion amüsierte den jungen Vampir. Weitergrinsend machte er sich nun auf den Weg zum Klassenzimmer.
"Colin!" rief er ihm nach und warf ihm eine Packung Kippen zu. "Du bist ja noch zu klein um dir welche zu kaufen," grinste er und ging in die Klasse.
Colin drehte sich automatisch um und fing die Schachtel aus Reflex auf. Er sah sie verwirrt an und steckte sie hastig in die Jacketttasche, bevor jemand sie sah, und ging auch in den Klassenraum. Er vermied es wieder, jemandem lang ins Gesicht zu sehen, besonders Kei, aber linste immer wieder kurz zu ihm hin, vor dem Unterricht und währenddessen.
An dem ging das nicht unbemerkt vorbei. Es amüsierte ihn. "Bin ich so interessant?" flüsterte er, über seine Aufgaben gebeugt.
Colin machte ein leises Schnaubgeräusch und lächelte ein bisschen wenig überzeugend, neigte dann den Kopf etwas nach vorn, stierte demonstrativ in sein Buch und ließ seine Haare auf der Kei zugewandten Seite von hinter seinem Ohr als Vorhang herunterfallen.
Kei musste lachen. Amüsiert wendete er sich wieder seinen Aufgaben zu.
Dann halt nicht.

Kurz vor der Mittagspause fragte Tomoko, die vor Colin saß, ob er nach der Schule zum Geigenunterricht müsse. Sie nickte auf den Kasten, der hinten auf einem der Reservetische lag.
"Nein, ich spiele heute vor."
"Oh! Wo denn?"
"Hier. Bei Frau Hasegawa."
Kei hörte das auf einem Ohr mit, als er aufstand. Da er sowieso nichts anderes vorhatte, nahm er sich vor, sich das anzuhören. Frau Hasegawa hatte einen ziemlich strengen Ruf.
"Dürfen wir mitkommen? Oder sind keine Zuschauer erlaubt?" fragte Tomoko gespannt. Colin zuckte mit den Schultern.
"Ich glaube schon. Es ist in der Aula, also wird es bestimmt in Ordnung sein."
"Wenn sie dich nimmt, dauert es aber noch ewig, bis du auftreten darfst. Sie lässt alle erst ein Jahr lang proben, bevor sie öffentlich spielen dürfen."
Colin zuckte nur wieder mit den Schultern.
"Kann mir recht sein."
"Wann musst du denn hin?"
"Um viertel nach zwölf."
Tomoko machte riesige Augen.
"Das ist gleich!"
"Oh damn," Colin sprang auf, grabschte sich den Geigenkasten und stürzte aus dem Raum.
Kei lachte. Er schlenderte aus dem Raum und machte sich auf zur Aula. Gemütlich. Wenn er wollte, konnte er verdammt schnell da sein. Er nutzte das Gedränge auf dem Flur aus, um sich unbemerkt in die Aula zu setzen. Er saß irgendwo auf dem Boden herum, außerhalb der Sichtweite der Mädels. Colin konnte ihn sehen, wenn er wollte. Es waren nur eine handvoll Leute da. Tomoko und Ayane natürlich, sie hatten noch einen Jungen mitgebracht, Frau Hasegawa, die sich mit einem dicken Hefter in die erste Reihe gesetzt hatte und zwei weitere Lehrer, die scheinbar nur aus Interesse da waren.
Colin selbst ging auf einer Seite der Bühne hin und her und stimmte dabei die Geige. Er schien etwas atemlos, aber mit jedem Strich über die Saiten etwas gelassener. Sein Kasten lag offen auf der Bühnenkante. Nun schob er ihn mit der Fußspitze etwas zur Seite.
Frau Hasegawa sagte etwas - unverständlich, weil leise und zur Bühne hin, Colin sah sie an und sagte: "Corelli. La folia." Frau Hasegawa sagte noch etwas und Colin schmunzelte etwas, sah zu den Mädchen und entdeckte dabei Kei im Gang sitzen. Er grinste ihn an und sagte: "Irrsinn," setzte sich dann die Geige auf die Schulter.
Keis Gesichtsausdruck ließ den Hauch eines Lächelns vermuten. Irrsinn, ja das passt gut, dachte er und lauschte nachdenklich. Er machte die Augen zu und hörte dem Kleineren zu. Er lehnte sich an die Wand und sah fast schon friedlich aus, wie er dasaß.
Colin begann langsam und sauber zu spielen, sehr kontrolliert und etwas steif, bis er nach ein paar Sekunden außer der Geige alle Geräusche ausgeblendet hatte und nun nur ernst, aber scheinbar sehr gelassen spielte. Nach einer Weile begann er damit, auf der Bühne etwas umherzugehen, einen Schritt nach vorn, nach hinten, beugte sich ab und zu ein bisschen vor, als ob er nicht allein mit den Armen spielen könnte.
Anfangs sah er dabei ernst in seinen geöffneten Geigenkasten hinein und später zu Kei.
Der begann irgendwann, ihn zu beobachten - fasziniert zu beobachten. Musterte jede Bewegung genau, malträtierte sein Piercing beinahe unbemerkt. Nicht einmal, als Colin ihn direkt ansah, genierte er sich. Sah ihm einfach weiter zu. Blickte ihm kurz direkt in die Augen, mit einer Mischung aus Faszination und noch etwas anderem. Grinste leicht. Trotzdem hatte sein Blick etwas Freundliches. Colin sah schrecklich ernst aus, und als es am Schluss daran ging, auf mehreren Saiten gleichzeitig zu spielen, geradezu wütend.
Das legte sich in den letzten Takten und sein Gesichtsausdruck beruhigte sich.
Er richtete sich wieder auf und ließ Bogen und Geige sinken.
Ayane und Tomoko sprangen auf und fingen an zu klatschen.
Kei blieb sitzen und blickte noch weiter kurz und sehr fasziniert in Colins Richtung. Erst als die Weiber ihrem Lob freien Lauf ließen, stand er auf und lehnte sich an die Wand. Er wartete noch eine Weile, ehe er zu Colin hinüberging, ihm einen undefinierbaren Blick zuwarf.
Colin war von der Bühne gesprungen, stand steif davor, hörte brav nickend Frau Hasegawas Kommentaren zu und bemerkte gar nicht, wie Kei näherkam, bis Frau Hasegawa ihre Ausführungen abbrach und Kei pointiert anblickte. Colin sah ihn mit einer Mischung aus Misstrauen und Verwunderung an und zuckte überrascht zusammen, als er ihm ins Ohr flüsterte.
"Du bist gut, Kleiner," hauchte er ihm grinsend ins Ohr und ging an den Weibern vorbei, in Richtung Tür. Colin sah Kei nach und musste sein Ohr anfassen. Hoffte, dass er nicht gerade rot wurde.
Frau Hasegawa war ganz sicher total pikiert und Colin mindestens verblüfft. Mission erfüllt. Kei war sich ziemlich sicher, bei Colin keinen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben. Grinsend schlenderte er nach draußen und zündete sich eine Zigarette an.



Kei + Colin III: Undurchsichtig

Hier geht es zum ersten Teil.


Colin kringelte mit seinem Bleistift einen Namen im Artikel ein und schrieb daran "Vollidiot".
Kei, der das gelesen hatte, kommentierte das mit: "Dann ist es ja gut, dass der tot ist," in dem gleichen gelangweilten Ton wie immer.
Colin grinste.
"Hast du'n Radiergummi?"
Kei drückte Colin das gefragte Objekt in die Hand. "Da."
"Die Firma dankt." Colin steckte den Ratzefummel in seine Kei abgewandte Hosentasche und bewegte dabei seine Schreibhand zur Seite, sodass sein eigener Radiergummi sichtbar wurde.
"Wenn du einen Radiergummi hast, was willst du dann mit meinem?" fragte Kei, verwirrt. Er hatte keine Ahnung, was das sollte.
Coin Hammerer sah weiter abwechselnd ins Buch, auf seinen Block und zur vortragenden Lehrerin. "Behalten."
Kei wurde nicht schlau aus dem Kleinen, aber seinem Radiergummi trauerte er nicht nach, wenn Colin das aus welchem Grund auch immer haben wollte, dann sollte er es seinetwegen behalten.
Er wandte seinen Blick wieder auf sein Gekritzel.
Colin machte brav weiter seine Notizen und las weiter mit, bis zum Ende des Unterrichts.
Kei hörte nur halb zu. Ihn interessiert seine militärische Lehrkraft nicht.
Als die Lehrerin wieder geschäftig hinausrauschte, stand Colin auf und ging zum Fenster vor Keis Tisch. Der bunthaarige Japaner ignorierte ihn, solange er ihm nicht den Blick nach draußen versperrte.
Colin betrachtete den Hof und die Bäume, die aus dem Fenster hinaus zu sehen waren. Minutenlang. Ausdruckslos.
Kei sah weiter nach draußen. Schließlich erhob er sich und ging aus der Klasse. Seine Tasche ließ er im Raum liegen, er würde ja gleich wieder zurückkommen.
Draußen ging er eine Rauchen. In Sichtweite des Klassenfensters, da dieses in der Nähe des Eingangs gelegen war.
Colin schloss Kei in seine versunkene Betrachtung der Aussicht mit ein. Ausgiebig. Weiterhin weitestgehend ohne besondere Stimmung im Gesicht. Er hatte die Hände in den Hosentaschen und stand reglos da.
Kei pustete bläulichen Dunst in die Luft und sah sich um. Nichts los. Aber selbst wenn, stören würde ihn kaum einer. Nachdem er den Glimmstengel auf dem Boden ausgetreten hatte, schlenderte er wieder in Richtung Gebäude zurück - die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.
Colin drehte sich vom Fenster weg und kehrte zu seinem Tisch zurück, als Kei und der nächste Lehrer hereinkamen.

Colin schien den Geschichtsunterricht so interessant zu finden, dass er Kei überhaupt nicht mehr beachtete. Sein gespannter Blick klebte entweder im Buch oder am Lehrer.
Kei lief an seinem Lehrer vorbei und setzte sich auf seinen Platz. Nahm sein Zeug und blätterte in seinem Buch herum. Blieb an einem halbwegs interessanten Kapitel stehen und las es sich durch. Dem Unterricht folgte er nicht. In seinem linken Ohr steckte ein Kopfhörerstöpsel auf dem leise Musik lief. Unhörbar für die Klasse.
Colin würdigte Kei auch keines weiteren Blickes mehr, als die Mittagspause begann, und verließ zusammen mit den Mädchen vom vorigen Tag den Raum, nachdem er seinen Geschichtskram weggepackt hatte.
Er ließ sich mit Tomoko und Ayane wie viele andere auch neben dem Baseballplatz auf der Wiese nieder, um mitgebrachte Brote zu essen.
Kei setzte sich unter einen Baum unweit des Baseballplatzes und genoss seine Ruhe.
Er nahm die Münze in die Hand und betrachtete sie – grinsend. Hin und wieder ließ er den Blick in Richtung Colin wandern. Den er auf der Wiese ausgemacht hatte.
Er und die Mädchen unterhielten sich und aßen davon abgesehen nur friedlich.
Kei hätte zu gern gewusst, ob der dem Kleinen Angst eingejagt hatte. Auf jeden Fall hatte er sich bei ihm unbeliebt gemacht. Nicht, dass ihn das sonderlich störte. Immerhin hatte er, was er wollte. Auch wenn nun Colins Blut an der Münze klebte und nicht mehr das seiner Mutter.
Er nahm einen der Ohrstöpsel heraus und lauschte seiner Umgebung. Viel zu viele Stimmen, die er nicht verstand, da noch Musik auf sein anderes Ohr eindröhnte. Er schaltete den Lärm der Umgebung wieder aus.
Coin stand auf und schlenderte zu Kei hinüber. Die Mädchen sahen ihm nach. Kei bemerkte den Ankömmling zwar, tat aber völlig desinteressiert und sah in den Himmel. Erst als der Kleinere vor ihm stand, sagte er: "Was willst du?" die Münze wieder loslassend.
Der Junge lächelte schüchtern und kratzte sich am Nacken.
"Kann ich... eine Zigarette schnorren?"
Kei schaute ihn verblüfft an. "Das vierzehnjährige Wunderkind will Zigaretten schnorren..." sagte er mehr zu sich selbst als zu dem Kurzen. Trotzdem gab er dem Jüngeren eine seiner Zigaretten ab. "Ich will mal nicht so sein."
Er steckte das Päckchen wieder weg und sah in Richtung Colin. Der grinste etwas verwundert. "... Danke." Er guckte die Zigarette, dann Kei an. "Hast du auch Feuer?"
"Nein, hab ich nicht, ich verzaubere die Zigaretten und sie gehen von alleine an," kommentierte er und rückte sein schwarz glänzendes Zippo raus, auf dem in einem schönen Schriftzug sein Name stand. Colin nahm das Feuerzeug entgegen und lächelte nach einem Blick auf die Kana ein bisschen, klemmte sich die Kippe zwischen die Lippen und zündete sie an. Er schien darin nicht ungeübt zu sein. Er klappte das Feuerzeug wieder zu und hielt es Kei mit einem schelmischen Grinsen hinunter. "Danke."
Kei nahm sein Feuerzeug entgegen. Nickte. Verstaute das kleine Ding in seiner Hosentasche.
"Was grinst du?" fragte er beiläufig. Er hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass einer wie Colin ein solches Laster hatte. Aber jedem das Seine.
Colin zuckte mit den Schultern. "Ich habe gerade 3000 Yen gewonnen." Er zwinkerte schmunzelnd und drehte sich um. "Cheers!"
Der Junge schlenderte zu den Mädchen zurück und setzte sich wieder zu ihnen, ließ sich auszahlen und rauchte dabei die Kippe zu Ende.
Kei sah unbeeindruckt in den Himmel. Das war alles? Na dann. Er hing weiter seinen Gedanken nach und ließ Colin seinem Treiben nachgehen, wenn die das nötig hatten, bitte. Er widmete sich nun selbst einer Zigarette um diesem ewigen Hunger Einhalt zu gebieten. Klappte nicht, lenkte ihn aber ab. Zumindest für eine Weile. Er wollte wirklich nicht unbedingt einem seiner Mitschüler ein merkwürdiges Ende bereiten. Das würde auffallen.

Zum Ende der Pause verabschiedete Colin die Mädchen, als er sah, dass Kei noch immer unter dem Baum saß, und lief zu ihm zurück.
Der seufzte. Musste der ihm jetzt auch noch das Mittagessen ruinieren?
Er stand auf und machte Anstalten zu verschwinden. Beachtete den anderen nicht weiter und schlenderte in Richtung des Schultores. Doch Colin lief eilig hinterher, um ihn einzuholen. "Warte mal!"
Genervt seufzend blieb Kei tatsächlich stehen. "Was?" Er war hungrig und genervt. "Mach schnell, ich hab zu tun."
Colin hatte ein paar Geldscheine in der Hand. Er stopfte sie Kei zielgenau in die nächstgelegene Jacketttasche. "Da. Nächstes Mal kannst du dir 'ne Eintrittskarte kaufen!" Er drehte wieder um und rannte zum Gebäude zurück - immerhin begann der Unterricht gleich wieder.
Es waren 3000 Yen.
Nicht verstehend stand Kei noch ein paar Sekunden da und sah Colin nach. Was sollte das denn bitte?
Er zog das Geld aus der Jackentasche und zählte. Hatte Colin das nicht gerade von den Mädels bekommen?
Er dachte nicht sehr viel weiter über die mehr als ungewöhnliche Einladung nach und machte sich davon. Sein Ziel hatte er schnell gefunden. Nicht gemeldete Stricher werden normalerweise nicht vermisst.

Gegen Ende der gerade laufenden Stunde kam er wieder in der Klasse an. Setzte sich auf seinen Platz.
Der Schotte nahm Keis Rückkehr mit mildem Interesse zur Kenntnis, bevor er sich wieder seinem gelben Büchlein widmete. Er hatte den Radiergummi wieder auf Keis Tisch gelegt, unbenutzt.
Kei nahm seinerseits zur Kenntnis, dass sein Radiergummi wieder auf seinem Tisch lag. Er fragte sich, was Colin damit bezweckte. Dass sich ein Blutfleck auf sein Hemd geschlichen hatte, fiel ihm nicht auf. Man sah ihn aber auch nur, wenn man gut hinsah.
"Lesen im Unterricht ist aber nicht sehr vorbildlich," sagte er, als er sich setzte.
Colin zuckte mit den Schultern. "Blaumachen auch nicht. Du solltest vielleicht mit Kampfsport anfangen. Dann wärst du nicht immer so aggressiv und müsstest dich nicht ständig prügeln." Er linste auf Keis Hemd und sah dann zurück ins Buch.
Der Biolehrer kam herein.
Kei gab nur ein undefinierbares Geräusch von sich und erwiderte: "Meine Angelegenheiten gehen dich nichts an, Kleiner. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man die Fresse halten, das solltest du doch wissen."
Er hatte keine Lust noch weitere Stunden in der Schule herumzusitzen, aber den Abschluss wollte er schon noch haben. Der Lehrer hielt sowas wie einen kaum spannenden Vortrag über Kreislauf und Stoffwechsel von Säugetieren und gab dann Lese- und Schreibaufgaben aus dem Buch auf.
Colin begann ohne Umschweife damit und wurde wie üblich so schnell fertig wie man ungefähr schreiben kann, und legte sich dann das gelbe Buch hin. Es waren nur Noten darin.
Kei, dessen Aufmerksamkeitsspanne so groß war wie seine Münze, hatte wie immer Probleme damit, konzentriert an dieser Aufgabe zu sitzen. Irgendwann wurde auch er fertig und besah sich Colins Buch. Ein Notenbuch. Lernte der das auswendig?
Er war ruhiger als vor der Pause und sah gelangweilt aus dem Fenster. Zwischendurch zu Colin, der in seinem Buch las. Er begann zu lächeln und ließ einmal ein leises Lachen verlauten, das er gleich mit einem Räuspern kaschierte. Er blickte den Lehrer verlegen an, der zu ihm herüberlinste.
Colin blätterte zurück und las die zwei Seiten noch einmal mit einem breiten Grinsen. Dann schüttelte er amüsiert den Kopf.
Kei ging wieder dazu über, seinen Klassenkameraden zu ignorieren und widmete sich dem Fenster. Spielte mit seinem Piercing herum und wartete bis die Stunde vorbei war.
Es folgte die Macht-eure-Hausaufgaben-oder-paukt-Zeit für die einen, Clubzeit für die anderen.
Colin stand auf und schob seinen gesammelten Krempel in den Armeerucksack.
Kei packte ebenfalls sein Zeug zusammen und machte sich davon. Er wollte nachhause, sich umziehen und dann weggehen. Viel Schlaf brauchte er nicht, wenn überhaupt.
Schnellen Schrittes lief er durch die Schule und die Türen eben derer.


Hier geht es zum nächsten Teil.

Kei + Colin II: Der zweite Eindruck

Hier geht es zum ersten Teil.


Am nächsten Morgen fing er den Jüngeren vor dem Eingang zum Gebäude ab.
"Colin!" Mit Höflichkeiten hielt er sich nicht auf.
Colin stutzte. "Äh... Kerl."
"Kei, aber das tut nichts zur Sache. Du hast was gefunden, das mir gehört, ich hätte es gern zurück." Von Freundlichkeit war in seiner Stimme kein Hauch zu vernehmen.
Colin sah kurz überlegend zur Seite.
"Äh. Deine Höflichkeit? Die könntest du fallengelassen haben, als du mich gestern angerempelt hast."
"Nein, etwas größeres."
Colin musste plötzlich lachen.
"Okay, dein Ego?"
"Kleiner. Etwas greifbares. Es ist dir vor die Füße gefallen."
Colin lächelte freundlich. "Du irrst dich. Das Schulbuch gehört mir." Er schob die Hände zurück in die Hosentaschen und machte Anstalten, an Kei vorbeizugehen. Dessen Geduldsspanne war nicht gerade die längste, also hielt er den kleineren mühelos an der Schulter fest und somit auf.
"Die Münze, du Blitzbirne. Die blutige, wenn dir das denken hilft."
Colin blickte finster auf. "Fass mich nicht an."
"Heul nicht rum und gib mir die Münze zurück, dann kannst du da gern hineingehen." Keis gelangweilter Blick hatte sich zu Aggression gewandelt. Colin versuchte, sich mit einem Ruck aus seinem Griff zu befreien und weiterzugehen, doch Kei drückte nur fester zu.
"Hörst du schwer?"
Colin kniff aus Unwohlsein die Augen etwas zusammen, aber blieb bloß stehen und ballte die Hände in den Hosentaschen zu Fäusten.
"Ja. Ich bin furchtbar schwerhörig. Könntest du das bitte wiederholen? Laut, bitte."
Anstatt die Stimme zu erheben, hob Kei den Kleineren einfach in die Luft und drückte ihn an die Wand. "Du hast mich genau verstanden, Zwerg."
Der Zwerg vergaß vor lauter Verblüffung, sich zu wehren und guckte den Verrückten nur entgeistert an.
"Hast du sie noch alle?"
"Nein. Damit das geklärt ist. Und jetzt rück meine Münze raus." Kei machte gar nicht erst den Versuch, zu erklären, dass ihm etwas viel an dem kleinen Stück Metall lag. Er trug es seit jenem Tag mit sich herum. Immer. Was war er auch so dumm gewesen, ausgerechnet diese Münze fallen zu lassen...
"Es sind lächerliche hundert Yen, du Wahnsinniger!"
"Hör das Diskutieren auf und gib sie mir zurück." Keis Blick wandelte sich von Aggression zu etwas anderem. Wut vielleicht. Etwas derartiges, nur tödlicher. Colin konnte gerade noch schlucken.
"Okay, lass mich los," flüsterte er.
Kei ließ ihn los - ohne ihn abzusetzen. Machte aber keine Anstalten ihm Raum zur Flucht zu geben und wartete. Beim Herunterkommen rempelte Colin ihn etwas an und richtete sich eilig wieder auf. Er griff in seine Hosentasche, zog die Hand wieder heraus, blickte auf die kleine Münze und
- steckte sie sich in den Mund. Er sah Kei ins Gesicht und schluckte demonstrativ.
Keis Geduld war endgültig am Ende.
"Spuck die verdammte Münze aus, oder es klebt DEIN Blut daran."
Das brachte Colin wieder zum Lachen und er lehnte sich zurück an die Wand. Er bewegte den Mund etwas, grinsend, öffnete ihn dann und streckte kurz die Zungenspitze heraus, auf der die Münze lag. Nachdem er den Mund wieder geschlossen hatte, schmunzelte er immer noch.
Am liebsten hätte Kei ihm das Gesicht zerschnitten. Das käme in der Schule allerdings schlecht. Ein bisschen jedenfalls. Mit einem Messer, welches er aus seiner Hosentasche zog, strich er Colin über die Wange.
"Gib mir die Münze wieder, du bereust das noch," sagte er fast schon zu freundlich.
Als er das Messer bemerkte, hörte Colin auf zu lächeln und versuchte, kontrolliert zu atmen und Kei weiter fest anzusehen. Er sah aber eher fasziniert als ängstlich aus.
Nachdem er Keis Gesicht etwas gemustert hatte, öffnete er langsam wieder den Mund und schob sich die Münze zwischen die Lippen.
Keis Gesicht verzog sich zu einem mörderischen Grinsen.
"Danke, Verehrtester," sagte er leise, kam dem Jüngeren sehr nahe. Die Münze holte er sich mit den Zähnen zurück.
Mit dem Stückchen nicht mehr wirklich blutigen Metalls zwischen den Lippen ließ er schließlich von Colin ab, drehte sich um und ging, als wenn nie etwas gewesen wäre. Vorher jedoch schnitt er nicht tief und nicht lang in Colins Arm. Ließ ein, zwei Tropfen Blut auf die Münze tropfen. "Mach das nicht nochmal," sagte er, während er durch die Tür ging.
Colin sah ihm nach und schauderte. Als Kei außer Sicht war, zog er sich den Ärmel wieder herunter und ging zögernd hinterher zum Klassenraum.

Beim Eintreten vermied er es, jemanden direkt anzusehen und steckte sich nervös viel häufiger als nötig die Haare hinter die Ohren.
Kei schaute gelangweilt drein, wie den gestrigen Tag auch. Er grinste kaum merklich als er sah, dass Colin etwas unsicher in den Klassenraum kam. Er war selbst Schuld. Der Siebzehnjährige genoss das ein bisschen, ehe er dazu überging, wieder teilnahmslos aus dem Fenster zu starren.
Colin derweil baute seinen Krempel auf und linste dabei zu Keis Tisch um zu sehen, was darauf herumlag.
Kei hatte die Münze in der Hand herumgetragen, da das Blut darauf erstmal trocknen musste. Um sie nicht wieder zu verlieren nahm er eine kleine Silberkette aus seiner Tasche und legte sie auf den Tisch zusammen mit Block und Federtasche. Die Kette fädelte er durch die Münze, die ein kleines Loch zu diesem Zwecke aufwies. Irgendwer hatte vor etlichen Jahren mal ein Loch hineingebohrt. Kei hatte das nie interessiert, bisher war ihm die Münze auch noch nie abhanden gekommen. Er befestigte das nun Schmuckstück an seinem Hals, Noch rot von Colins Blut.
Colin beobachtete das und wartete, bis Kei mit dem Schließen der Kette fertig war, bevor er sich zu ihm beugte und flüsterte: "Warum hast du mich damit beworfen, wenn du sie behalten wolltest?"
"Das war ein Versehen. Ich wollte sie nicht fallen lassen," erklärte Kei kurz.
Colin runzelte die Stirn. "Fallen lassen," wiederholte er trocken.
"Ja. Problem damit? Wenn ich dich damit beworfen hätte, würde ich sie sicher nicht wiederhaben wollen. Das wäre ein Geschenk gewesen." Kei verstand nicht ganz, was Colin daran so ungewöhnlich fand. Bis ihm einfiel, dass er unbemerkt geblieben war und man denken musste, dass er die Münze geworfen hatte. "Ich saß auf dem Dach."
Colin gab ihm einen unüberzeugten Blick. "You're shitting me."
"Was kann ich dafür, wenn du nicht schaust, wo die Dinge herkommen, die ausversehen vor deinen Füßen landen?" Verstanden hatte er ihn kaum, der Blick war aber eindeutig.
"Das kitschige Glasdach. Ich lag neben dem Fenster, das war offen. Erklärung genug?"
Kei war angepisst, aber die Aggression von vorhin ließ sich in seinem Blick nicht vermuten, er schaute einfach genervt.
Colin gab sich Mühe, nicht zu grinsen, war aber offensichtlich amüsiert. "Warst du da, weil du dir keine Karte leisten konntest? Oder ist das ein guter Platz für ein Nickerchen?"
"Es ist ein guter Platz für ein Nickerchen," erwiderte Kei trocken. Dass er wegen Colin dagewesen war, musste der ja nicht wissen.
Colin lächelte breit. "In dem Fall ... Muss ich dich ja gut in den Schlaf gewiegt haben. Du warst nicht mal mehr dazu in der Lage, dein Schmusegeld festzuhalten." Er machte ein fast mitleidiges, aber eher amüsiertes Gesicht und eine vage, schwächlich winkende Geste mit der Hand.
"Ja, Einschläfern kannst du auf hohem Niveau. Das muss man dir lassen." Kei veränderte seine Miene kein bisschen. "Du hast 'ne große Fresse für deine vierzehn Jahre, Kleiner. Pass gut drauf auf, wir wollen doch nicht, dass dein hübsches Gesicht kaputt geht, oder?" Kei war verdammt leicht zu provozieren und sehr ungeduldig. Er hatte nicht wirklich Lust das Gespräch mit dem Kleinen fortzuführen, schließlich hatte der ja seine Antwort bekommen.
Colin hatte seinen Kopf auf die Faust gestützt und Kei dreist weiter angelächelt, und nickte nun verständnisvoll. "Es rührt mich, dass du mein Handwerk anerkennst und sogar mein Gesicht hübsch findest. Ich werde gut darauf aufpassen. Aber wenn nochmal Geld vom Himmel fällt, kann ich nicht dafür garantieren." Er zuckte mit den Schultern und machte ein gekonnt unschuldiges Gesicht.
Die Lehrerin rauschte endlich herein, knallte einen dicken Hefter aufs Pult und verkündete den Beginn des Unterrichts.
"Los, Allemann, Japanisch, Seite 35!" rief sie feldwebelhaft in den Raum hinein.
Kei hasste diese Frau, aber das tat er mit allen Menschen. Bei Colin war er sich noch nicht sicher.
"Keine Sorge, die Versuchung wird dir erspart bleiben." Kei blätterte in seinem Japanischbuch herum und landete irgendwann tatsächlich auf der gefragten Seite. Beim Lesen fing er wieder damit an, auf einer seinen grünen Haarsträhnen herumzukauen.
Colin öffnete das Buch auf Seite 35 und wurde als Neuling gleich zum Vorlesen der halben Seite aufgefordert. Es war ein alter Zeitungsartikel voller antiquierter Ausdrücke und heute fast ungebräuchlicher Kanji. Er stand auf und las ihn flüssig vor.
Kei staunte nicht schlecht. Ein weiteres Mal hatte der Kleine ihn verwirrt und verblüfft. Während er sich fragte, wo Colin diese Kanji gelernt hatte, las er beiläufig mit und driftete mit seinen Gedanken ab.
Er sah wieder aus dem Fenster.
Colin beantwortete noch ein paar Fragen zu der Bedeutung einiger der Wörter und setzte sich wieder. Er folgte einigermaßen interessiert dem Unterricht und machte sich unaufgefordert ein paar Notizen, während Kei sein Heft vollmalte, solange er nichts schreiben musste.

Kei + Colin I: Der Kleine

TEIL I
BELIEBIGE SCHULE IN TOKYO
Colin Hammerer wurde auf dem Flur angerempelt und ließ sein Buch fallen, ignorierte geübt den dämlichen Spruch des dämlichen Idioten, der keine Manieren kannte und hob sein Buch wieder auf. Dabei wischte er sich demonstrativ den Ärmel der nagelneuen Schuluniform ab. Ein nasses Blatt von seinem Mathebuch abpopelnd ging er weiter und studierte dabei die Nummern an den Klassentüren.

Nachdem Keisuke es mit lediglich der Jacke der Schuluniform und ansonsten Freizeitkleidung in das Gebäude geschafft hatte – er war sowieso schon spät dran gewesen – rannte er auf der Suche nach dem richtigen Raum den erstbesten Mitschüler über den Haufen. Da er es ziemlich eilig hatte, sah er sich nicht einmal mehr um. Irgendetwas war auf den Boden gefallen, aber das war nicht wirklich sein Problem.

Nach gelassenem Abgehen des Flures fand Colin endlich den richtigen Raum. Mittlerweile war er der einzige auf dem Schulflur, aber er rechnete sich aus, dass er es sich als neuer Schüler leisten konnte, zur allerersten Stunde zu spät zu kommen. Das war um Längen besser, als abgehetzt seinen ersten Eindruck zu hinterlassen.
Er schob sich die Haare hinter die Ohren und nickte sich selbst grimmig zu, bevor er die Tür öffnete.

Gerade noch eine Minute vor dem Unterrichtsbeginn rechtzeitig in die Klasse gekommen – oder besser gestürzt – hatte Keisuke es sich auf einem der hinteren Plätze bequem gemacht und wartete ab, was passieren würde. Er spielte an dem Ring herum, der sich mittig in seiner Unterlippe befand und besah sich gelangweilt den Raum, als sich die Tür öffnete.
Ein neuer Schüler? Warum hat niemand etwas erwähnt? Der Lehrer machte Anstalten, den Neuankömmling zu begrüßen. Der Ausländer mit den blonden Locken verbeugte sich brav vor dem Lehrer und blickte beinahe gelangweilt drein, als er als Colin Hammerer aus Schottland vorgestellt wurde.
Colin verbeugte sich auch vor der Klasse, das Mathebuch vor sich haltend, mit seinem grünen Armeerucksack auf dem Rücken.
"Hallo, ich bin Colin. Ich freue mich ... " Er guckte kurz ratlos zur Seite. "... auf das Schuljahr."
Er ließ seinen Blick kurz über die Gesichter schweifen.
Auch das noch, dachte Kei, dessen gesprochenes Englisch nun wirklich nicht gerade sehr gut war. Schließlich hatte er keine Ahnung, wie das Japanisch des Neuen war. Auf den ersten Ton gar nicht so schlecht, aber man konnte ja nie wissen.
Er würdigte den jungen Schotten kurz eines Blickes. Habe ich den nicht vorhin umgerannt?
Dieser Tatsache maß er keine weitere Bedeutung bei, jedoch wollte er nicht unbedingt, dass der Neue ihm hinterlief, nur weil er ihn schon einmal gesehen hatte. Daran glaubte er nicht.
Er wandte seinen Blick aus dem Fenster. Es war noch früh. Das Gelände sah noch friedlich aus.
Colin wurde vom Lehrer angewiesen, sich einen der Reservetische von der Rückwand zu nehmen und sich damit in eine Lücke in der hintersten Reihe zu setzen. Er nickte und folgte, selbst verfolgt von Blicken und dem obligatorischen Gemurmel, das er geflissentlich ignorierte.
Als er sein ausgesuchtes kleines Pult hingestellt hatte und seinen Rucksack daneben absetzte, erkannte er den Jungen wieder, der da neben ihm aus dem Fenster guckte. Er ließ sich auf den Stuhl fallen und murmelte dabei hörbar genervt: "Bloody brilliant."
Keisuke nahm zur Kenntnis, dass er nun einen unfreiwilligen Sitznachbarn hatte, ohne den Blick vom Fenster abzuwenden. Die morgendliche Ruhe auf der anderen Seite der Scheibe war irgendwie interessanter anzusehen. Sie lenkte ihn etwas vom Geschehen um ihn herum ab, allerdings ohne das Gemurmel seiner Mitschüler verstummen zu lassen. Der Neue, Colin oder so, schien seinen neuen Platz nicht optimal zu finden.
Ich sollte den Teufel vielleicht nicht gleich an die Wand malen... Kei war kein besonders kontaktfreudiges Geschöpf und hoffte, dass das auch für Colin galt. Das würde ihm lästige soziale Interaktion ersparen.
Nach einer Weile drehte er sich um und musterte den Neuen von oben bis unten.
Colin hatte sein Papier, Stifte, Taschenrechner und das Mathebuch – auf der richtigen Seite aufgeschlagen – zurechtgelegt und schien dem Geschehen an der Tafel ohne Schwierigkeiten zu folgen. Seine Kleidung war neu und vorschriftsmäßig, nur die Haare grenzwertig lang und nicht zusammengebunden, sonst ließ nichts auf etwaige Unangepasstheit schließen. Er wirkte nur etwas schmächtig und jung für diese Klasse. Und, natürlich, europäisch.
Er würdigte Keisuke keines weiteren Blickes und als es daran ging, die Aufgaben zu bearbeiten, machte er sich konzentriert, aber scheinbar nicht allzu angestrengt, an die Arbeit.
Dabei lugte ein rotes Band unter seinem rechten Jackettärmel hervor.
Es passte nicht so ganz zu Colins Vorzeigeoutfit. Es machte das Bild, das Kei sich von dem Neuen aufzubauen begann, kaputt.
Kei hatte weit mehr Probleme mit dem Stoff, auch wenn er ihn einigermaßen konnte und nicht den Anschluss verlor, aber sein Fall war er nicht. Eine dunkelgrüne Haarsträhne in seinem Mund bearbeitend kritzelte er seinen Block voll mit Aufgaben und Auswürfen seiner Gedanken. Er hatte eine Mischung aus blauen, schwarzen und grünen Strähnen in den Haaren. Die Lehrer hatten es aufgegeben, ihm dieses Auftreten auszureden zu versuchen.
Nach viel zu kurzer Zeit legte Colin seinen Druckbleistift hin, zog ein kleines Büchlein aus seinem Rucksack und lehnte sich damit zurück. Er machte keine Anstalten, das kleine gelbe Buch mit lateinischer Schrift zu verbergen und las seelenruhig darin, während Kei weiter über seinen Aufgaben grübelte. Zwischendurch seufzte er und malte auf seinem Block herum. Ihm war nicht nach Konzentrieren. Als er sich im Raum umsah, fiel ihm Colins Buch auf.
Na toll, der ist schon fertig. Kei versuchte zu lesen, was da in dem Buch des anderen stand. Vergeblich.
Als er sich wieder die grüne Strähne in den Mund steckte und sich zurück über seine Aufgaben hängte, sah Colin zu ihm herüber. Er schien seinen Blick bemerkt zu haben und linste seinerseits auf das Chaos auf Keisukes Schreibblock. Mit einem dreckigen Schmunzeln, das er ebensowenig zu verstecken versuchte wie sein Buch, las er gelassen weiter. Dabei rutschte ihm beim Hochhalten des Buches sein Ärmel etwas weiter herunter, sodass das rote Armband mit seiner schwarzen Aufschrift "--Freakfest 2014--" ganz sichtbar wurde.
Huh? Kei las die Aufschrift auf dem roten Festivalarmband an Colins Handgelenk. Was macht der bitte auf so einem Festival? Das kam unerwartet und riss das Nerdbild noch weiter kaputt.
"Grins nicht so dreckig," kommentierte der Japaner das Schmunzeln, das eindeutig ihm galt und widmete sich wieder seinem Mathebuch.
Colin grinste daraufhin noch breiter, nun aber mehr amüsiert als schadenfroh.
"Achte lieber mehr auf deine Arbeit als auf mein Gesicht." Er hob den Blick nicht aus seinem Buch und blätterte dabei sogar gelassen um.
"Wow, sind wir witzig," murmelte Kei und beendete das Gespräch, das eine solche Bezeichnung nicht verdiente. Irgendwie mochte er den Neuen nicht besonders.
So viel stand schon mal fest.
Der größte Teil der Mathestunde, bis zu ihrem viel zu weit entfernten Ende, war mit Papierrascheln, Schreiberkratzen und Gemurmel angefüllt, bis der Lehrer in die Hände klatschte und alle unterbrach, um der Klasse den Rest der unerledigten Aufgaben als Hausaufgabe aufzutragen.
Eine Stunde weniger. Kei notierte sich, was er nicht erledigt hatte und stopfte das Notizheft in seine Umhängetasche. Ordnung war darin nicht zu finden. Mit der gepackten Tasche, wenn man das so nennen wollte, marschierte er nach draußen. Sie hatten jetzt Pause, wenn auch keine allzu lange.
Colin blieb die paar Minuten im Klassenraum und saß bei Keisukes Rückkehr auf seinem Tisch, von Mitschülern umringt, mit denen er sich jovial unterhielt.
...
"Vielleicht könntest du Tomoko Nachhilfe geben," Ayane knuffte besagte Tomoko in die Seite und grinste.
"Sei ruhig, du kannst das genauso wenig."
"Ich kann euch allen beiden Nachhilfe geben," leistete sich Colin und erntete dafür Gelächter und irgendwoher ein Schulterklopfen.
Kei, der seine Raucherpause beendet hatte, sah seine geliebte Ruhe gestört, die er bis dahin genossen hatte, da sich nie beonders viele Menschen in die Nähe seines Sitzplatzes begeben hatten.
Ein stummes Seufzen und ein genervter Blick in Richtung der Störenfriede reichte ihm aus.
Er setzte sich. "Wie wär's wenn ihr euch verpisst? Danke."
Sein Blick ging wieder aus dem Fenster.
Ein paar ließen sich davon tatsächlich einschüchtern und gingen zu ihren Plätzen zurück, oder es lag nur daran, dass Englisch nun beginnen würde.
Colin sah zu Keisuke und dann zurück zu Ayane und Tomoko. "Er verwechselt 'hospitality' und 'hostility', scheint mir." Die beiden lachten ein bisschen und machten sich auch zu ihren Tischen zurück. Colin kletterte vom Tisch auf seinen Stuhl und tauschte Mathe- gegen Englischbuch aus.
Keisuke nahm sein Zeug hervor und tat so, als würde er dem Unterricht folgen, er schrieb lediglich das nötigste und sah lustlos auf die Tafel und immer mal im Raum umher. Colin ignorierte er einfach. Nahm nebenbei zur Kenntnis, dass dieser tatsächlich Japanisch konnte und kaute auf seinem Lippenpiercing herum, während er sich wünschte, dass der Schultag entweder enden oder spannender werden würde.
Während Englisch durfte Colin ein bisschen öffentlich von sich erzählen und tat dies roboterhaft, mit geübter Begeisterungslosigkeit, bearbeitete die Aufgaben genauso schnell wie in Mathematik und vertrieb sich so gut wie die ganze Zeit weiter mit seinem Buch, bis es endlich zur Mittagspause läutete.
Am Ende der Stunde, Kei hatte seine Aufgaben gerade mal angefangen, meldete er sich ab. Schenkte dem Lehrer einen mehr als tödlichen Blick und musste daraufhin keine Proteste befürchten. Dass die Pause sowieso gleich anfangen würde, war ihm gleich. Er hatte nicht vor, an diesem Tag wieder zurückzukehren.

Am Abend desselben Tages stieg Colin um kurz vor sieben Uhr vor der Konzerthalle in der Innenstadt aus einer schwarzen Limousine, begleitet von einer mit engem, langem Kleid, Seidenschal und langen Handschuhen bekleideten Dame, die ihm nach dem Aussteigen gleich das schicke Jackett zurechtklopfte. Er nahm den Geigenkasten entgegen, den der Fahrer ihm reichte, und entwand sich sichtlich genervt seiner Mutter.
Kei, der sich gerade sein Abendessen besorgt hatte, stand über dem Blutbad in einer dunklen Gasse nahe eines Straßenstrichs, der sich unweit eines Konzertsaales befand. Er nahm dem Toten neben dessen Blut auch sein Geld ab. Verbrannte die Papiere, die er bei sich getragen hatte. In einem dunklen Club ging er sich die Hände waschen und bestellte einen Drink.
Ihm war ein Werbeflugblatt für ein klassisches Konzert über den Weg geflattert.
-- Tschaikowskys Traumtänzer--
  • Adrian Mills-Cohen -
  • Kaori Yamagata -
  • Colin Hammerer -
  • Sarah Wu -

Kei dachte nach, über den Flyer den er gesehen hatte. Da stand tatsächlich der Name des Neuen drauf. Zufall? Wohl kaum. Und klassische Musik war nicht gerade eine seiner Begeisterungen. Davon gab es sowieso wenige. Aber es wäre etwas, das er tun könnte um die ewige Zeit totzuschlagen.
Er zahlte seinen Drink mit dem geraubten Geld und warf das Glas einfach an die Wand hinter dem Tresen.
Draußen ging er umher, sich darüber wundernd, dass ihm niemand hinterherlief.

Auf dem Dach der Konzerthalle gab es ein Glasdach, auf dem der junge Mann sich niederließ. Neben einem offenen Fenster. Colin würde nie erfahren, dass er tatsächlich dorthin gekommen war um sich den anderen beim Spielen anzuhören.

Colin hörte dem Pianisten und der Cellistin bei ihrem angeregten Privatgespräch zu, weil er nunmal danebensaß, und starrte dabei auf das Schaltpult, das da an der Wand hing und von dem aus man die Kulissen und Lichter bedienen konnte.
Noch fast zehn Minuten bis sie rausdurften. Und dann erstmal stimmen. Und dann endlich für eine gute Stunde kein Zombie sein. Er umarmte gelangweilt seine Geige.

Nach dem Stimmen auf der riesigen Bühne kam der Dirigent unter Applaus ebenfalls heraus und begann damit, das Orchester und die vier Solisten vorzustellen. Sarah Wu habe bereits dies und das gemacht, Adrian Mills-Cohen gerade geheiratet - Extra-Applaus! - und würde bald eine Professur in New York antreten, blah blah, Colin Hammerer habe mit seinen 14 Jahren schon mit He Wang Bao und Gerhard Oppitz gespielt und man solle sich nicht durch sein zartes Alter und die unschuldige Erscheinung hinters Licht führen lassen sondern ihm erst einmal zuhören.
Dann begann endlich die Musik. Erst hob das Orchester an, und nach und nach setzten dann die Soli ein und wechselten sich ab.
Colin lächelte die ganze Zeit. Das machte er nicht mit Absicht. Er schloss zwischendurch die Augen und wand sich mit der Geige durch die Musik der anderen Solisten, als ob sie greifbar wäre und sich wie lange Schleifen über die Bühne schlängelte.

Kei war geplättet. So jung hätte er Colin nicht geschätzt. Er hatte dessen Vorstellungsmonolog vor der Klasse einfach ignoriert.
Trotzdem hörte er dem Gespielten zu und legte sich auf dem Dach hin. Das war sogar gar nicht mal unbequem. Beobachten tat er ihn nicht. Stattdessen sah er sich um. Natürlich konnte er seinem Mitschüler auch den Tag verderben. Er fand eine Münze in seiner Tasche. Blutverschmiert. Die konnte er ihm nicht einfach in die Geige fallen lassen. Dann eben nicht heute.
Er hörte dem Kleinen lieber weiter zu. Geige spielen konnte er. Das klang schön. Warum war er nie zuvor auf ein klassisches Konzert gegangen?
Keisuke begann, mit der blutigen Münze zu spielen und warf sie hoch, fing sie wieder auf und so weiter.
Von der Musik abgelenkt vergaß er die kleine Münze irgendwann. Sie musste herunterfallen - direkt vor Colins Füße.

Colin runzelte die Stirn und hielt kurz inne, als die Münze vor ihm vom Parkett abprallte und machte instinktiv einen Schritt zurück. Der Bogen kratzte mit einem unschönen Kreischen über die Saiten, als ihm die Münze ins Gesicht sprang.
Das Orchester spielte professionell weiter, doch aus dem Publikum waren ein paar überraschte Geräusche zu hören, und Sarah Wu, die gerade kein Solo hatte, ging besorgt zu Colin, der sich verwirrt über das Gesicht wischte und nachsah, ob eine Saite gerissen war. Die Cellistin sprang derweil spontan für ihn ein und nahm seine fallengelassene Melodie mit ihrem viel tieferen Instrument gekonnt auf.

Kei machte kurz ein Uppsgesicht trauerte seiner blutigen Münze hinterher.
Hörte den unter ihm Spielenden aber weiterhin zu.

Colin bemerkte die Münze, hob sie auf und steckte sie schnell ein, als Sarah Wu sein Gesicht nach Kratzern untersuchte. Sie nickte ihm zu, er nickte zurück und spielte bei seinem nächsten Einsatz weiter. Bei den ersten Takten klatschten einige Zuhörer kurz.

Kei, der seinen blutigen Talisman sehr mochte, wollte diesen natürlich wiederhaben und sah so gar nicht ungern, dass Colin die Münze einsteckte. 



Hier geht es zum zweiten Teil.