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Friday, July 14, 2017

Kei + Colin XCI: Zum zweiten ersten Mal



Kei schlenderte zurück zu Colin. Bei ihm angekommen sagte er ruhig: „Ich darf nicht mitkommen.“
Colin war nun angezogen, also in Schlafanzughose und T-shirt, und saß im Schneidersitz auf dem Bett. Er musterte Kei, soweit ihm das in der Dunkelheit möglich war. Bis auf drei Stück auf dem Nachttisch waren alle Kerzen aus, aber die ruhige Musik lief noch.
Er nickte.
„Dennis sagt, er braucht mich hier. Aber ich werde von mir hören lassen.“ Kei ließ sich vor Colin auf den Boden fallen, sodass er saß und schaute zu ihm hoch. Colin zuckte mit den Schultern.
„In ein paar Wochen bin ich wieder da,“ sagte er leise.
„Ich weiß. Ich kriege die Zeit schon rum.“
Colin hielt sichtlich ein Schmunzeln zurück. Relativ erfolglos.
„Jaja, lach mich aus.“ Kei lächelte leicht. Es machte ihm nicht groß was aus, Colin anlügen zu müssen. Er würde das früh genug richtig stellen.
Nun grinste Colin unverhohlen. „Ich lache dich nicht aus,“ sagte er leise. Er war wirklich nicht belustigt. Sondern sehr, auf eine interessante neue Art, gerührt und verzückt. Dieses prickelnde Schwindelgefühl meldete sich zurück.
„Schon klar.“ Kei musterte Colin vom Boden aus. Der sah ihn weiter scheinbar amüsiert an, aber mit einem sehr warmen Blick, und stützte das Kinn auf eine Hand, die er sich dabei ein bisschen vor den Mund hielt, indem er auf seinen Daumen biss. Kei musterte ihn weiter. „Wann fährst du jetzt eigentlich?“
Schulterzucken.
„Übermorgen wahrscheinlich. Oder den Tag danach. Ich brauche ja erst die Uniform und Bücher und so.“
„Okay.“ Nicht viel Zeit 'ne Wohnung zu finden.
„Warum sitzt du da auf dem Boden? Müffel ich?“ Nun schmunzelte Colin wirklich.
Kei lachte. „Soll ich mich lieber auf dich werfen?“
Noch ein Schulterzucken, diesmal elegant gekünstelt. „Du bist eh kurz davor. Warum also noch mehr Zeit verschwenden?“
Kei grinste. Er stand auf und ließ sich auf Colin fallen. „So besser?“ Colin fiel lachend zurück.
„Au. Du bist kantig.“
„Dafür entschuldige ich mich nicht.“
„Warum nicht? Ich habe mich an dir geschnitten, da!“ Er hielt einen Arm hoch und zeigte auf eine völlig unversehrte Stelle über der Armbeuge.
„Lügner, da ist gar nichts,“ sagte Kei schmunzelnd, nachdem er die Stelle begutachtet hatte.
„Du siehst nur, was du sehen willst,“ sagte Colin seufzend und ließ den Arm fallen. „Du hast mich tief verletzt,“ schmachtete er affektiert und drehte mit leidendem Ausdruck den Kopf zur Seite. Kei musste sich das Lachen verkneifen. Grinsend biss er Colin eine kleine Wunde in die Halsbeuge.
„Jetzt ist da was.“
„Ah, spinnst du? Das tat wirklich weh.“ Stirnrunzelnd wischte Colin sich über die Stelle. Es blutete nur ein bisschen.
„Ach was, das ist nur ein Kratzer.“
„Das hat richtig geknackt, Mann,“ beschwerte er sich. Sein prüfender Finger hatte nur einen winzigen Blutschmier, aber er stirnrunzelte Kei beleidigt an, während sich die Wunde schon wieder schloss. Kei lachte.
„Das muss ich überhört haben.“ Er küsste Colin.
Bevor er darüber nachdenken konnte, erwiderte Colin den Kuss gierig und schlang die Arme um Keis Nacken.
Die zwei Tage, die er noch mit Colin hatte, mussten bestens ausgenutzt werden. Kei erhielt den Kuss aufrecht und setzte sich vernünftig auf den Kleineren, was bequemer war als halb auf ihm zu liegen. So musste er feststellen, dass Colins Körper nicht begriffen hatte, dass sein Besitzer eine gewisse Sache eigentlich noch aufschieben wollte. Er wand sich unter Kei und rutschte unwillkürlich ein wenig so herum, dass aus der Bequemlichkeit etwas drängenderes wurde, während er sich eigentlich nur voll auf Keis Lippen und Zunge konzentrierte. Kei grinste ein bisschen und schob Colins T-shirt nach oben. Der schien darauf gar nicht zu reagieren, sondern saugte nur weiter an Keis Lippe und dem Ring darin. Das war dem Vampir für den Moment ganz recht. Er biss Colin auf die Unterlippe und erkundete dessen Oberkörper mit einer Hand, ohne dabei Anstalten zu machen, ihm das Shirt ganz auszuziehen. Mit einem privaten Lächeln ließ Colin ihn los, um das gleiche zu tun. Praktischerweise hatte Kei ja nichts als ein Paar zerfetzte Jeans an. Er hörte aber nicht auf, ihn zu küssen. Er wollte dabei langsam sein, aber es ging nicht.
Das konnte noch eine Weile so weitergehen. Absichtlich bewegte Kei sich ein bisschen. Colins Atmung wurde hastiger und als er feststellte, wie offensichtlich er mit seinen eigenen Beckenbewegungen auf Kei reagierte, murmelte er wie betrunken: „Das haben wir bestimmt schon hundertmal gemacht,“ gegen Keis Lippen.
„Ich hab nicht mitgezählt,“ entgegnete der grinsend.
Wenn sich das Blut in Colins Körper nicht gerade woanders konzentriert hätte, wäre er vermutlich sehr rot geworden. Er hielt Kei irgendwo am Rücken fest.
„Kannst du so tun...“ murmelte er heiser und sah zu, dass sein Gesicht dicht genug an Keis lag, dass der ihn nicht direkt ansehen konnte. Er schien Schwierigkeiten zu haben, den Satz zu beenden.
Kei schaute erst fragend, dann fragte er: “So tun, als was?“
Colin sah an Kei und sich hinunter und dann, als ihn das zu stark am Denken hinderte, ein bisschen zur Seite.
„... Als ob... wir nicht... Ich habe nämlich nicht...“
Kei musste ein bisschen schmunzeln. Was auch immer Colin wollte, es würde nichts ändern. Der Vampir wusste, dass Colin sich nicht mehr daran erinnern konnte, was sie beide gehabt hatten bevor Dennis sein Gedächtnis gelöscht hatte. Er wartete darauf, dass Colin den Satz beenden würde.
Tat er aber nicht. Er ließ Kei nur los, um sich die Hände vors Gesicht zu halten und sich frustriert ächzend auf die Seite zu drehen, soweit das unter Kei eben ging, ohne diesen köstlichen Druck auf seinen Schritt wegzuschieben. Jemandem, mit dem man schlafen wollte, zu beichten, dass man Jungfrau war und bitte auch mit Samthandschuhen angefasst werden wollte weil man anscheinend bescheuerte Märchenvorstellungen von Sex und so weiter hatte, wäre schon schlimm und peinlich genug, aber gleichzeitig zu wissen, dass man eben schon bestimmt zigmal keine Jungfrau mehr war, und mit eben genau derselben Person...
„This is so messed up,“ stöhnte er in seine Hände.
„Nur, weil du dir den Kopf zerbrichst.“ Kei lächelte und blieb auf Colin sitzen. Das Umdrehen dürfte dem Kleineren nicht schwer gefallen sein, angesichts der Tatsache, dass Kei nicht schwer war.
Kopf zerbrechen... Die Alternative wäre, richtig peinlich zu sein, wenn ich einfach alles sagen würde, was mir einfällt... Er sah Kei an, ein bisschen niedergeschlagen oder genervt vielleicht. Aber das würde dir nichts ausmachen, oder? Er hatte ja eigentlich nichts zu verlieren. Er wusste schon, dass Kei in ihn verliebt war und riskierte wohl nichts, wenn er einfach direkt wäre.
Er musterte Kei angestrengt.
Aber wenn ich in der verlorenen Zeit anders war, also wie ich wirklich bin, dann werde ich zu einer anderen Person wenn ich mich jetzt anders verhalte, weil ich mich sicher wähne-
„Du kannst mich nicht schockieren. Egal, was du sagst – oder was du denkst das ich nicht weiß,“ kommentierte Kei Colins Gedanken und musterte ihn. Colin guckte ihn verwirrt an.
„Was?“
„Denk halt nicht so laut.“
Colin riss die Augen auf und holte Luft. „Telepathie ist - nicht - erlaubt!“ rief er, indem er Kei dreimal schubste. Kei lachte.
„'Tschuldigung.“ Das meinte er nicht wirklich ernst. Er fand es gut, Colins Gedanken mitzubekommen. Auch wenn er das nicht immer absichtlich machte. Colin setzte sich auf und rutschte dabei weit genug zurück, um sich nicht selbst eine Kopfnuss mit Keis Kinn zu verpassen.
„Wenn du weißt, was ich gedacht habe, weißt du ja auch, was ich sagen wollte, also frag nicht so scheinheilig.“ Er wirkte ein wenig genervt und ziemlich peinlich berührt, aber nicht wirklich wütend. Kei schmunzelte bloß. Colins Gedanken auszublenden musste er noch lernen. Das wollte er zwar nicht unbedingt, aber lernen musste er es trotzdem.
„Hilft es, dass ich gefragt habe, bevor ich das wusste?“
Vor lauter Verlegenheit sah Colin jetzt doch fast wütend aus und konnte nichts sagen, sondern schubste Kei nur wieder.
Lach nicht, du Arsch.
Kei ließ sich nach hinten fallen. So sah Colin sein amüsiertes Gesicht wenigstens nicht. Colin wartete ein bisschen und guckte unschlüssig herum, ehe er wieder etwas sagen konnte. Nachdem er sich geräuspert hatte.
„... Ähm, und... willst du noch?“ Ohne Kei anzusehen. Kei, der seine unbequem aussehende Position nicht änderte, nickte, was Colin nicht sehen konnte.
„Ja.“ Colin konnte man fast als niedlich beschreiben, wenn Kei das Konzept von Niedlichkeit geläufig wäre.
„Und, ähm... räusper ... du kannst - würdest du... ja?“
Kei schmunzelte immer noch. „Okay.“
Colin musste verlegen grinsen und wischte sich über das Gesicht. „... Tut mir Leid...“
„Du kannst nichts dafür.“
„Doch. Ich bin sehr umständlich. Entschuldige. Das muss für dich so lästig sein.“
„Wieso? Ich bin doch schuld daran. Lästig wären ganz andere Sachen.“
„Woran bist du schuld? Reden wir von derselben Sache?“ Colin beugte sich vor, um Kei anzusehen.
„Ich bin schuld daran, dass du dein Gedächtnis los bist.“ Keis Blick lag zwischen Colins Gesicht und der Zimmerdecke.
„Wie meinst du das?“ Colin zog sich das T-shirt aus und warf es auf eine Ecke des Bettes. „Dennis hat gesagt, dass ich gefährlich war und er es darum machen musste.“
„Weil ich gesagt habe, dass er's tun soll.“
„Und warum hast du das getan?“ fragte Colin im Konversationston.
„Weil das die einzige Möglichkeit war, dass du nicht völlig durchdrehst... oder draufgehst.“
„Dann ist es doch unnötig, von Schuld zu sprechen, oder?“ sagte Colin mit einem sanften Lächeln und öffnete Keis Hose. Der Knopf war sowieso offen gewesen, also zog er nur ohne Umschweife den Reißverschluss auf. „Dann muss ich dir ja dankbar sein. Und trotzdem mache ich dir jetzt Umstände.“ Schulterzucken.
„Das nennst du Umstände.“ Kei lächelte.
Wieder zuckte Colin mit den Schultern. „Wenn ich mich plötzlich ziere, obwohl du schon hundertmal mit mir geschlafen hast, das ist... das würde mich an deiner Stelle vielleicht nerven. Das sollte alles vielleicht einfacher machen, aber es ist irgendwie doppelt peinlich... weil ich mir jetzt selbst Konkurrenz machen muss oder so.“ Stirnrunzelnd und nachdenklich kroch er über Kei, um ihn ernst anzusehen. „Ich verstehe das hier nicht ganz. Du?“
„Nein. Ich glaube, das ist auch nicht nötig.“ Kei musterte Colin, da ihm das jetzt wieder möglich war. „Wieso sollte mich das nerven, ich hab doch Zeit genug.“ Wenn er irgendetwas hatte, dann war es Zeit.
Colins Gesicht entspannte sich merklich.
„... Ich frage mich nur, ob ich jetzt anders bin. Ich weiß nicht, ob ich mich genauso verhalte wie du mich kennst. Wenn nicht - das könnte - also, sollte ich versuchen, der gleiche zu sein-“
„Du bist wie du. Nur ohne die ganzen Dinge, die passiert sind.“
„Ja. Und das macht dir nichts aus?“
„Es ist schade, dass du dich an einiges nicht erinnerst, aber da ich das nun nicht ändern kann, wieso sollte ich daran verzweifeln?“
„Nicht verzweifeln.“ Colin legte eine Faust sachte auf Keis Brust, wie in einem sanften Zeitlupenschlag. „Du könntest nur sehr enttäuscht sein, oder... irgendwie... abgetörnt.“
„Frustriert vielleicht. Manchmal.“ Kei sortierte seine Beine etwas um, da es allmählich unbequem wurde drauf zu liegen. Colin machte ihm Platz dafür und kniete nun zwischen seinen Beinen. Er richtete sich wieder auf. Er nickte.
„Wenn das alles ist... ist es gut,“ sagte er und kam sich dabei lahm vor. Ich habe das Gefühl, als müsste ich dich irgendwie trösten oder bei der Stange halten.
Bloß nicht. Das wäre merkwürdig. Kei lächelte und zog Colin wieder zu sich herunter um ihn zu küssen. Der machte es sich dankbar lächelnd auf und teilweise neben Kei gemütlich, um seinem neuen Hobby genüsslich nachzugehen. Er mochte, wie vertraut Keis Körper seinem eigenen vorkam, obwohl er ihn gerade noch kennenlernte. Kei hielt den Kleineren fest und vertiefte den Kuss.
Breathe. Breathe. Stop huffing. Breathe. Don't moan. Just breathe normally. Shit. I'm passing out.
„... you dizzy...?“ murmelte Colin sachte.
„Nope,“ entgegnete Kei leise.
„Really... but it's really good...“
Kei musterte Colin. „Nicht bewusstlos werden.“
Er schüttelte langsam und sehr high lächelnd den Kopf, ehe er Kei wieder küsste, und zwar langsam und sehr genüsslich. Leicht grinsend erwiderte Kei den Kuss. Colins Oberschenkel lag auf und auch in Keis Schritt und hielt wie der Rest von ihm nicht gerade still, obwohl er seine Lage nicht wechselte. Scheinbar versuchte er, sich durch Osmose in Kei hineinzuschmelzen oder ihn in die Bettdecke zu drücken. Zwischen dem Einsatz von Zungenspitze und Zähnen flüsterte er irgendwann: „Jetzt wirklich.“
„Ich weiß.“ Mit der freien Hand machte Kei sich daran, Colin seiner Hose zu entledigen. Eilig hatte er es damit nicht. Nach einem kurzen, wohligen Schaudern half Colin mit. Er hatte es eigentlich eilig, aber versuchte, sich zurückzuhalten. Der Weg ist das Ziel. Was Kei gerade machte, musste ausgekostet werden. Er machte bisher genau das, worum Colin gebeten hatte und irgendwie kitzelte das überall unter seiner Haut.
Während er Kei weiter gemächlich und innig küsste, kratzte er sachte mit einer Hand auf seinem Bauch entlang und schob sie dann unter Keis Hosenbund, um ihm die Jeans hinunterzuschieben. Das war allerdings etwas schwieriger, weil er selbst halb darauf lag und die Hose außerdem ziemlich eng war. Kei war so frei, sein Becken etwas anzuheben, damit Colin es mit seiner Hose leichter hatte, während er dem Kleineren die Schlafanzughose so weit herunter schob, wie ihm das gerade möglich war, ohne seine Position großartig zu ändern. Colin setzte sich auf und trat dabei seine Hose weg. Dann zog er Keis Jeans herunter. Er wirkte weniger schüchtern als vorher, dafür hauptsächlich entschlossen, wie er Kei fasziniert musterte. Kei entledigte sich seiner Hose mit einem Tritt in die Luft und küsste Colin wieder, nachdem er sich leicht aufgesetzt hatte.
Plötzlich musste Colin grinsen. „You can kiss me in the moonlight, on the rooftop under the sky, oh,“ sang er leise, „you can kiss me with the windows open while the rain comes pouring inside, oh, kiss me in sweet slow motion, let's let everything slide...“
Das brachte auch Kei zum Grinsen. Mit der rechten Hand hielt er Colin im Nacken fest und vertiefte den Kuss ein wenig.
„You've got mfl-“ Der Rest wurde weggeküsst und versickerte im Nirvana. Colins Hände strichen von Keis Hals ziellos über seine Schultern, Rücken, Brust und Bauch und er wagte sich noch zwischen seine Beine. Er befühlte und rieb Keis Halbständer sanft und war auf dessen Reaktion gespannt. Diese war ein Gefallen bekundendes Geräusch, ein nicht allzu lautes. Er biss Colin leicht grinsend auf die Unterlippe.
„Hm.“ Das war genug Ermutigung. Colin machte selbstsicherer damit weiter, nachdem er noch dichter herangerutscht war. Das ist Multitasking, dachte er abwesend, als Keis Zunge ihn wieder ablenkte. Und er fühlte sich so besoffen.
Kei verlagerte sein Gewicht so, dass er den linken Arm nicht mehr zum Aufstützen brauchte um es dem Kleineren gleichzutun. Den Kuss hielt er dabei aufrecht.
Oh my god, fuhr es dem Jungen halbschockiert durch den Kopf, und unnötigerweise You sure you wanna touch me there? Das war so merkwürdig und er musste verzückt seufzen und sich gierig gegen Keis Hand bewegen.
Yeah. Kei sprach diesen Kommentar nicht laut aus. Colin würde ihn nur schlagen dafür. Das musste jetzt nicht sein. Er bewegte seine Hand ein wenig schneller. Der Vampir war auch nicht wirklich gut darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und so ließ er Colins Gesicht erst einmal in Ruhe. Es klebte trotzdem weiter auf seinem. Colin konnte sich zwar auf nichts anderes konzentrieren als das, was seine und Keis Hände da taten, aber Keis Lippen brauchte er dennoch, auch wenn sein Atem und sein Puls unregelmäßig rasten und er nichts mit ihnen anfangen konnte.
„Hm, wait,“ flüsterte er und ließ Kei los. Der ließ ihn auch gehen, etwas widerwillig, und sah fragend in dessen Gesicht. Um sie herum war es so ruhig, dass er den Herzschlag des Kleineren hören konnte.
Colin nahm nicht wahr, dass nach dem Lied von Faith Hill, das er kurz leise mitgesungen hatte, die Musik ausgegangen war. Er kroch über das riesige Bett zum Nachtschrank, um die Kondomschachtel und die Gleitgeltube aus der Schublade zu nehmen, die er während Keis kurzer Abwesenheit darin verstaut hatte. Die Schachtel warf er achtlos neben sich auf das Kissen.
In der Zeit, die Colin brauchte um das Zeug aus der Schublade zu nehmen, machte Kei die Musik wieder an und war so frei, die Zufallswiedergabe einzuschalten, damit sie nicht wieder einfach ausging. Colin fummelte ein Kondompäckchen heraus und schnupperte an dem Gel, während er da kniete und gespannt wie ein Flitzebogen wartete, Tube in der Hand und Kei erwartungsvoll anstarrend.
Kei kehrte, als er mit der Stereoanlage zufrieden war, zu Colin zurück und begegnete dessen Starren mit einem Blick, der eine Mischung aus einem freundlichen Lächeln und einem leicht dreckigen Grinsen war. Er wollte gar nicht wissen, was Colin erwartete. Im Augenblick fand er es gut, dass die Gedanken seines Freundes nicht ständig in seinem Kopf herumschwirrten. Der Vampir setzte sich neben dem Kleineren aufs Bett und küsste ihn, wobei er ihm Kondom und Gleitgelpackung abnahm.
„Oh, gu-“ -ut, mach du das... Colin erwiderte den Kuss begeistert, mit einem schaumigen Wohlgefühl überall.
Kei ließ die Gleitgeltube neben sich fallen, nachdem er festgestellt hatte, dass Kondompackungen öffnen mit einer Hand doch etwas mehr Geschick erforderte als er fähig war aufzubringen und drückte Colin leicht aber bestimmt nach hinten, ohne von ihm abzulassen. Der lehnte sich zurück, auf seine Hände, sodass er immer noch saß, und zog den Kopf zurück, um Kei zuzusehen.
Kei betrachtete Colin mit einem Blick, der vermuten ließ, dass er Colin entweder auffressen wollte, oder er ein Junkie war, dem man gerade Stoff für den nächsten Trip gegeben hatte. Dieser wilde Raubtierblick war Colin zwar unheimlich, weshalb er noch ein Stück zurückrutschte, aber er machte ihn auch zu sehr an, um ihm wirklich Furcht einzujagen. Er begegnete ihm mit einem eigenen entschlossenen Blick, der allerdings dadurch etwas an Wirkung verlor, dass er schwer atmete und auf seiner Lippe kaute.
Kei grinste leicht und beobachtete Colin. Eigentlich könnte er das den ganzen Tag machen, weil es amüsant war, ihm dabei zuzusehen. Nur jetzt gerade wollte er das nicht ewig. Er öffnete die Plastikhülle des Kondoms und küsste den Kleineren grinsend.
Mit einem brennenden Gefühl hinter den Augen erwiderte Colin den Kuss hastig und fiel beinahe rückwärts aufs Bett, weil er Kei wieder anfassen wollte und sich so nicht mehr aufstützen konnte. Mit einer ungeduldigen Hand strich er über Keis Wange und Hals, während die andere fast zitternd unter ihm nachgab.
Kei legte das Gummi zur Seite um mit einer Hand die Gleitgeltube zu befingern - mit dem Zweck sie zu öffnen. Erfolg. Er öffnete die Tube ohne wieder von Colin ablassen zu müssen und lehnte sich über ihn. Die freie Hand benutzte er zum Abstützen um nicht auf ihn zu fallen, doch Colin legte beide Arme um seinen Nacken und ließ sich selbst nach hinten fallen. Was dazu führte, dass Kei nicht viel anderes übrig blieb als auf Colin zu landen. Der küsste ihn bloß gierig weiter mit Zunge und Zähnen und hakte seine Beine um Keis, damit der blieb wo er war und Colins Beckenbewegungen nicht ins Leere stießen. Grinsend beschmierte Kei einhändig seine rechte Hand mit dem durchsichtigen, glitschigen Zeug. Das war etwas umständlich, aber machbar, sogar ohne Colins Bettzeug damit zu versauen - nicht dass ihm sonderlich daran gelegen wäre, Colins Bett sauber zu lassen. Er kam Colins kurzen, hastigen Stößen mit eigenen entgegen, während derer er mit zwei Fingern in den Kleineren eindrang.
Oh, really now- Colin wusste, dass ihn das nicht so überraschen sollte. Er hielt trotzdem stirnrunzelnd die Luft an. Körperlich war es nur leicht unangenehm. Die Peinlichkeit dieser ganzen Geschichte überwog einfach. Er hielt Kei fest bei sich, damit er ihm nicht ins Gesicht sehen musste. Anstatt ihn weiter zu küssen, leckte er sich jedoch nur selbst verlegen die Lippen. Kei grinste und bewegte seine Hand ein bisschen, nebenbei hinterließ er leichte Bissspuren an Colins Hals. Die Bisse ließen Colin leise aufstöhnen, oder er konnte es gut darauf schieben, in seinem eigenen Kopf, ohne sich einzugestehen, dass Keis Finger schuld waren. Er kratzte sanft auf Keis bunten Schultern und Rücken herum. Mit den Beinen konnte er ihn jetzt nicht mehr festhalten.
Kei führte sein Tun noch eine kleine Weile fort, man konnte meinen, er hätte ein Muster aus kleinen Verletzungen auf Colins Hals hinterlassen wollen. Doch kaum dass er damit fertig war, waren die ersten auch schon wieder verheilt. Leise stöhnend stemmte Colin sich in die dicke, weiche Decke, Keis Hand entgegen. Er hatte ihn losgelassen und krallte sich nun in die Decke. Zwischen ihnen wurde es ein wenig glitschig, als Colins Eichel etwas zu tropfen begann. Kei küsste den Kleineren und biss ihm beinahe zärtlich auf die Unterlippe der daraufhin mit einem leisen Geräusch seufzte, das ihm peinlich gewesen wäre, wenn er noch geradeaus hätte denken können. Die Musik und Kei auf ihm lenkten ihn davon ab, während er langsam zurückküsste und sich unter ihm wand. Vor seinem inneren Auge erschien ein bescheuertes Gänseblümchen, das Blütenblätter fallenließ.
He loves me, he loves me not, he loves me, he loves me not, he loves me-
Kei ließ von Colin ab, um sich des Gummis anzunehmen. Im ersten Moment entfuhr Colin noch ein hilfloses Seufzen vor verzweifelter Enttäuschung, dann versuchte er, sich aufzurichten um zu sehen, was Kei machte, gab das aber gleich wieder auf und ließ sich wieder zurückfallen. Er wischte sich über das Gesicht. Seine Hände waren etwas kühler als seine brennenden Wangen. Seine Beine bewegten sich von selbst, um möglichst viel von Kei zu berühren, der da zwischen ihnen kniete und er musste so dringend angefasst werden.
Kei ließ Colin nicht lange Zeit enttäuscht zu sein, was überhaupt nur der Tatsache geschuldet war, dass man Kondome nicht einhändig aus der Verpackung nehmen konnte. Nach dem Überziehen beugte er sich wieder über den Kleineren, küsste ihn und ersetzte seine Finger nicht besonders vorsichtig durch sein Geschlecht.
Holy shit it's happening now- fuhr es Colin zuerst siedendheiß durch den Kopf. Doch weil Kei sich und ihm kein bisschen Zeit ließ, trieb ihm ein stechender, rauher Schmerz und schließlich ein merkwürdiges Schwindelgefühl alle Gedanken aus und er zitterte nur stöhnend und biss Kei versehentlich auf die Lippe. HOLY SHIT. Das war besser als – besser als – Geigespielen.
Es wäre zwar genug Zeit vorhanden gewesen um vorsichtig zu sein, nur kam Kei das nicht in den Sinn. Wenn er irgendetwas gerade nicht brauchte - Colin offensichtlich auch nicht - war das vorsichtiges Zögern. Ohne Colin sich an dieses Ausgefülltsein gewöhnen zu lassen, begann er sich zu bewegen. Gierig bewegte er sich etwas schneller, wobei seine Stöße zunehmend härter wurden.
Ow, fuck- Der rauhe Schmerz blieb und nahm zu. Das andere, gute Gefühl aber auch. Um Kei nicht den Rücken oder die Arme zu zerkratzen, raufte Colin sich Teile der Decke über seinem Kopf zusammen, den er schluchzend darin vergrub. Er hatte Schwierigkeiten zu atmen. Immer wenn er Luft holte, trieb Kei sie ihm wieder aus. Und er hoffte abwesend, dass Kei ihm nicht genau ins Gesicht sah, denn er wusste, dass er weinte, wollte aber nicht, dass Kei aufhörte.
Eigentlich schon, aber eigentlich nicht.
Kei hatte die Augen halb geschlossen und führte eher mehr als weniger rücksichtslos fort, was er tat. Colin dabei anzusehen gelang ihm nicht wirklich. War ihm auch egal.
Colin konnte sein Zucken und Zittern nicht kontrollieren, oder sein Stöhnen, das allmählich zu leisen Schreien wurde, also rupfte er sich die Decke über das Gesicht, um hineinzubeißen. Er merkte nicht einmal, wie er kam. Nur, dass er sich wie in einer perversen Version von Elektroschocktherapie vorkam.
Kei kam stöhnend eine kleine Weile nach Colin, dessen Gesicht er nun doch gern gesehen hätte. Zu hören, was der Kleinere verlauten ließ, war allerdings ebenso gut. Sein Kopf war nicht weit von Colins Schutzschilddecke entfernt. Berauscht lächelnd und schwer atmend ließ er sich auf Colin sinken und zog sie ihm vom Gesicht.
Der zuckte und zitterte noch und atmete schwer. Er verlor seinen Griff in das feuchte Bündel auf seinem Gesicht aber ließ es einfach wegrutschen. Luft war auch gut, und jetzt da Kei stillhielt, konnte er vielleicht aufatmen und aufhören, so unkontrolliert zu schluchzen. Kraftlos wischte er sich mit einem Unterarm über das nasse Gesicht, weil der gerade so praktisch da in der Nähe war, und ließ ihn dann auch über seinem Kopf liegen. Kei vergrub sein Gesicht in Colins Halsbeuge und blieb luftholend auf ihm liegen. Mit einer Hand strich er ihm leicht übers Gesicht.
„Du - hast - Das war - nicht - nett,“ schluchzte Colin atemlos. Er schien aber bloß erschöpft zu sein. Immerhin weinte er nicht mehr. Right. Anything else I'd like to embarrass myself with?
„Sag bloß, du hast Nettigkeiten von mir erwartet,“ nuschelte Kei leise in Colins Halsbeuge.
Ja, habe ich! rief er in Gedanken, weil er seiner Stimme jetzt nichts mehr zutraute, und hoffte, dass das bei Kei ankam. Das hat wehgetan! Er wollte Kei von sich runterschubsen, fand aber nicht einmal die Energie, seine Arme überhaupt zu heben.
„Klang nicht danach, als hätte dich das groß gestört.“ Keis Gesicht zierte ein leichtes Grinsen.
„Are you - fucking - kidding - Get off!“ Nun schaffte Colin es, Keis Schulter zu schlagen. Der blieb einfach unbeeindruckt liegen und schmunzelte. Colin gab sich die Zeit, um seine Atmung noch etwas zu beruhigen. „Haben wir das immer so gemacht?“ fragte er schließlich heiser.
„Weniger romantisch,“ kommentierte Kei. Colin machte ein säuerliches Gesicht, das Kei nicht sehen konnte.
„Das war nicht romantisch,“ brummte er. „Das war brutal.“
„Ich meinte die Umgebung.“ Er machte eine kleine Pause. Im Vergleich zu Colins wirklichem ersten Mal und Sex neben der Leiche seines Vaters war das schon romantisch. Mit Kerzen und Musik. „Es hat dir gefallen.“
„... Am Anfang. Ja...“ gab Colin leise zu. „Danach... Das machen wir nicht nochmal,“ murmelte er. Dass es vielleicht etwas leichtsinnig war, das jetzt zu sagen, während Kei noch wie ein heißer, nasser Baumstamm in ihm steckte, fiel ihm zu spät ein. Kei schmunzelte bloß.
Das klang ganz anders. Du kannst mir erzählen, was du willst.
Als Kei nicht zu reagieren schien, fragte Colin zaghaft: „War ich ein Masochist?“ und schämte sich gleich für die bescheuert klingende Frage.
„Scheinst du immer noch zu sein.“ Kei grinste ein bisschen.
„... Du kannst mich mal,“ sagte Colin matt. Ihm fiel nichts besseres ein.
„Immer gerne,“ entgegnete Kei leise.
Nur weil er immer noch in dieser Hormonsuppe schwamm, traute Colin sich, folgendes laut auszusprechen: „Wann habe ich gesagt, dass ich gut finde, was du machst? 'Oh yeah baby fick mich, härter, tiefer, schneller' - Habe ich das irgendwann gesagt, huh?“ sagte er heiser. Herausfordernd. Des Nachdrucks wegen schlug er Kei nochmal auf den Oberarm.
„Nicht wörtlich.“ Kei grinste. Hast du, nur nicht heute.
„Also habe ichs nicht gesagt!“
Kei lachte ein bisschen. „Und wenn du wieder laufen kannst, kommst du an und sagst 'Mach das nochmal'.“
Colin rutschte herum und schob Kei halb von sich herunter - sodass er aus ihm herausrutschte - um ihn zu ohrfeigen. Kei fing seine Hand grinsend ab. „Zu langsam.“
Colin holte Luft und funkelte Kei wütend an. „Raus,“ sagte er heiser.
„Bist du sauer? Ich wollte nicht, dass du sauer wirst.“
„Bin ich-“ Er starrte Kei ungläubig an und vergaß darüber, seine Hand zurückzuziehen. „Das hat scheißewehgetan und du machst bloß Witze! Ich dachte du hättest kapiert, was ich von dir will und dann machst du – SOWAS! Ist ja kein Wunder, dass ich wahnsinnig geworden bin!“
„'Tschuldigung.“ Hey! das war nicht meine Schuld!
„'Entschuldigung'?! Ernsthaft?“ Er schubste Kei. „Ich war so kurz davor -“ Er zeigte 'ein bisschen' mit Daumen und Zeigefinger und sah Kei dann wieder böse an, nur um sich auf die Zunge zu beißen, damit er den Satz nicht beenden musste. Er schien vergessen zu haben dass 'sozial' oder 'Menschen verstehen' nicht zu Keis Qualitäten gehörten.
Mir eine zu scheuern? Mich gern zu haben? Mich aus dem Fenster zu schmeißen? Kei musterte den Kleineren.
Mich in dich zu verlieben.
Kei musterte Colin weiterhin. Einfach mal den Mund halten zu können würde ihn aus einer Menge Mist heraushalten. Colin sah ihn nicht direkt an und guckte dafür schamvoll irgendwo unter seinem Gesicht herum. Nackter Kei war aber nicht sehr hilfreich beim Nicht-verlegen-werden, und so kaute er sich nur weiter auf der Zunge herum und hoffte, dass seine sehr warmen Wangen nicht so rot waren wie sie sich anfühlten. Er steckte sich eine Locke hinters Ohr.
„... Ich werde nicht sagen 'Mach das nochmal',“ murmelte er. „'Mach das anders' vielleicht.“
Kei rollte sich auf die Seite. Er lächelte leicht und nahm die Hand mit der Colin ihn gerade noch hatte schlagen wollen. Colin ließ ihn, aber konnte ihn nicht direkt ansehen. Kei schloss die Augen und behielt Colins Hand in seiner. Colin drehte sich auf die Seite, auf Kei zu, und musterte ihn stumm.
Der lächelte und schien fast zu schlafen.
Nach einer Weile machte auch Colin die Augen zu und driftete weg.

Sunday, July 9, 2017

Kei + Colin LXXXVII: Embrace my instincts


|Vamps - Devil Side (Youtube)|

Als Colin wenig später wieder hereinkam, trug er den Rock und das schwarze, enge Beinkleid, das allerdings nicht die Strumpfhose war, denn die hatte er immer noch in der Hand und wurde nun achtlos aufs Bett gepfeffert. Das war momentan auch alles, was er anhatte, und es schien haargenau zu passen. Delilah und Kei hatten gutes Augenmaß bewiesen. Kei grinste leicht, als Colin aus der Tür kam. Ja, das hatten sie gut hinbekommen. Auch nur halb angezogen. Colin hatte sich entscheiden müssen, ob er sich lieber mit der Strumpfhose den Sack abklemmen oder mit den langen Strümpfen etwas Haut zeigen wollte. Die Wahl war ihm nicht schwer gefallen.
Ohne Kei anzusehen - er war schon rot und verschämt genug - zog er sich irgendein enges, dünnes Kapuzenshirt aus einer Schublade und zog es sich über, damit er sich die Perücke befestigen konnte.
„Hast du Spaß, ja?“ brummte er, während er mit Haarklammern und einem schwarzen Tuch hantierte, um die Haare festzumachen und den Ansatz zu verdecken.
„Ja, sehr viel.“ Kei grinste. Dann ließ er Colin allein. Er musste sich selbst auch noch anziehen.
Um acht Uhr war Colin fertig, fand er, oder zumindest so bereit, wie er jemals sein würde. Er dankte den beiden insgeheim für die unpeinlichen und bequemen Stiefel, die Abwesenheit jeglicher ausgestopfter BHs und die Ketten und Ledergurte. So war er wenigstens eine geschmackvolle Dragqueen. Der Sitz seiner Perücke musste noch etwas korrigiert werden, damit sie bei heftigeren Bewegungen nicht herunterfiel, aber das war mithilfe der Haarspangen und des Tuches leicht getan.
Kei trug ein schwarzes T-shirt mit Lederjacke - eigentlich wie immer - und eine schwarze Hose mit einem Loch am rechten Knie, die mit Kette und Nietengürtel dekoriert war. Er trug weiße Kontaktlinsen mit dem schwarzen Umriss eines Wurfsterns, um seine blaue Iris verschwinden zu lassen. Um seinen Hals baumelte das von Eric Clapton signierte Plektrum, das Colin ihm zum Geburtstag geschenkt hatte.
„Das ist viel zu auffällig, mein Freund,“ sagte Colin in der Eingangshalle und zeigte auf Keis Gesicht, während er ihm in die Augen starrte. In einer Hand hielt er einen kleinen Zettel, den ihm Delilah gerade gegeben hatte, zusammen mit einer ihrer Lederjacken. „Delilah wartet draußen,“ meldete er, während er sich die Jacke anzog. „Sie hat braune Linsen drin.“
„Ich kann ja braune Augen mit bunten Kontaktlinsen haben. Hauptsache, man sieht das Blau nicht,“ entgegnete Kei schulterzuckend.
„Und wenn du auffällst, werden die Leute sagen, ‚Oh da war ein Asiate mit komischen Augen,‘ und das wird schon reichen.“
Als sie nach draußen kamen, schien Delilah der gleichen Ansicht zu sein, denn sie sah Kei streng an.
„Ist ja gut. Bin sofort wieder da.“
Drei Minuten später kam Kei mit braunen Augen wieder zurück. Als er die Treppe herunterkam, zuckte Colin von Delilah weg und strich sich verstohlen über die Haare. Delilah stieg einfach ausdruckslos auf ihr Motorrad und setzte sich eine Sonnenbrille auf. Sie hatte keinen Helm dabei. Kei holte sich sein Motorrad und bedeutete Colin, aufzusteigen.
„Du kannst ja nicht fahren.“ Nicht mehr.
Er machte es umständlich, das Aufsteigen, denn immerhin trug er (fast) keine Hose. Und der Rock war nun doch ziemlich kurz. Er hoffte, dass Kei nicht darauf achten würde.
„Ich heiße übrigens Ivy Branson,“ informierte er Kei.
„Den Vornamen wusste ich. Es ist mir eine Freude, dich kennenzulernen.“
„Gleichfalls. Wie heißt du eigentlich?“ Colins Arme legten sich um Kei.
„Sakamoto, Kenichi.“ Kei freute an dem Namen nur, dass man immer noch Kei daraus basteln konnte. Er gab Colin/Ivy einen Helm, der am Lenker hing, und setzte sich den anderen auf.
„Ich weiß nicht, ob ich den aufziehen sollte. Die Perücke...“
„Herrscht in England Helmpflicht?“
„Ja.“
„Dann ja, aber vorsichtig.“
Gesagt, getan. Und als letzte Sicherheitsmaßnahme hielt er sich wieder an Kei fest. Nur Delilah schien sich darum nicht zu kümmern. Die war auch schon gemächlich vorgefahren und nicht mehr zu sehen. Kei bedeutete Colin, sich festzuhalten, und fuhr dann auch los. Er kannte den Weg, also war es egal, ob Delilah noch zu sehen war oder nicht. Auf der Fahrt beruhigte es Colin ungemein, dass sein Rock gut genug zwischen ihm und Kei eingeklemmt war, um nicht herumzuflattern. Dass er auf dem vibrierenden Sitz so dicht an Kei gedrückt dasaß, hatte allerdings einen gegenteiligen Effekt. Und sorgte für Nervosität.
Kei gefiel das. Auf der freien Straße fuhr er ein bisschen schneller. Erst als der Verkehr zunahm, fuhr er verkehrsgerecht.
Du bist zu schnell, fuhr Colin durch den Kopf. Aber viel machte ihm das nicht aus. Kei konnte fahren. Und nach ein paar Minuten fiel es ihm immer leichter, sich vorzustellen, dass er gehörig viel für ihn übriggehabt haben konnte. Es war offensichtlich, dass Kei mit seinen Fahrkünsten angeben wollte. Das konnte er gut. Als er wieder langsamer werden musste, weil der Verkehr etwas dichter wurde, hatte er Delilah wieder eingeholt. An einer roten Ampel nahm sie die beiden zur Kenntnis und ließ den Motor ein bisschen aufröhren, tat aber nicht so, als würden sie sich kennen.
Colin nahm diese Gelegenheit wahr, seine Hände scheinbar ziellos ein wenig auf Keis beledertem Bauch herumzubewegen. ‚Ich kann mir vorstellen, ihn gemocht zu haben‘ war ein sehr fadenscheiniger Versuch seines Gehirns, etwas körperlicheres und weniger leicht zu formulierendes zu verschleiern. Hey, Motorräder und Leder sind - so Dinge... Gib Ruhe, ich bin halt noch nie Motorrad gefahren, grummelte er innerlich.
Kei nahm Colins Berührungen zur Kenntnis und grinste in seinen Helm. Er nickte Delilah zu. Als es grün wurde, fuhr sie zahm hinter ihnen her. Kei fuhr zielgerichtet zu der Adresse der Konzerthalle, beziehungsweise dort in die Nähe, wo die Motorräder abgestellt werden konnten. Dort stieg Colin erst ab, als er es geschafft hatte, sich den Helm abzunehmen, ohne die aufgesetzte Frisur zu zerstören und ihn Kei zu reichen, damit er beim Absteigen mit freier Sicht dafür Sorge tragen konnte, dass sein Röcklein vorn keine verräterische Beule aufwies, für die er sich schämen musste. Tat es auch nicht, dafür sorgte er geschickt und sogar unauffällig. Kei nahm den zweiten Helm an sich und öffnete seine Jacke, nachdem er vom Motorrad abgestiegen war.
Colin schnappte sich das Plektrum und besah es sich genau. „Wo hast du das her?“ fragte er streng.
„Von dir.“
„Warum sollte ich dir das geben? Kennst du Eric Clapton überhaupt?“
„War ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk und ja.“
Überrascht sah Colin zu ihm auf.
Er musste ihn ja wirklich vergöttert haben.
„Oh. ... Wann hast du denn Geburtstag?“ Er ließ das Plektrum los und trat einen Schritt zurück. Sicherheitsabstand. Kei war ein bisschen warm und roch gut.
„Ende Januar.“ Kei lächelte leicht.
„Oh,“ sagte Colin. Er hatte keinen Grund, ‚Oh‘ zu sagen. Er steckte die Hände in die Jackentaschen und sah sich um.
„Da lang,“ sagte Kei und deutete die Straße hinunter. Mit einem Nicken drehte Colin sich schwungvoll in diese Richtung und ging los. Nach den ersten paar Schritten hatte er es raus, dabei nicht bescheuert zu schlurfen. Es fiel ihm zwar nicht schwer und ging größtenteils auch unbewusst, musste aber dennoch erst einmal in Auftrag gegeben werden. Nun würde ihn jeder ohne Zweifel für ‚Ivy‘ halten können. Jeder außer Kei, aber das mit dem Namen bekam er hin. Er benutzte ohnehin nicht oft einen Namen, wenn er Colin/Ivy ansprach. Er folgte dem Kleineren, der wirklich überzeugend aussah. Delilah war nirgends zu sehen.
Am Eingang wurden Kei und Ivy vom Türsteher aufgehalten. Ausweiskontrolle. Er blickte dem jungen Mann in die Augen und fixierte ihn ein paar Sekunden lang. Dann winkte er sie einfach durch und wünschte ihnen einen schönen Abend. Erst in einem Nebenflur vor der eigentlichen Konzerthalle mussten sie das Ticket bezahlen, das aus einem Stempel auf dem Handrücken bestand. Dort befand sich auch die Garderobe, wo Kei die Helme abgab. Colin gab auch Delilahs Jacke ab und sah sich dann nach den Toiletten um. Er musste überprüfen, ob seine Haare wie Haare aussahen. Er zeigte auf das entsprechende Schild, sodass Kei es sehen konnte, und verschwand dorthin. Kei deutete mit einem Nicken seine Zurkenntnisnahme an und machte sich schnell daran, etwas zu trinken zu besorgen, bevor er mit zwei Bier wieder zum Eingang der Toilette zurückkehrte. Das ging schnell, weil noch nicht viele Besucher hier waren. Kei stand gerade ein paar Sekunden da, als Colin eilig seitwärts aus der Tür zur Herrentoilette stolperte. Kei schaute ihn fragend an und fragte sich, ob es auffällig war, wenn Colin die Herrentoilette in seinem Aufzug benutzte, entschied allerdings, dass ihm das eigentlich egal war. Die Blicke der anderen Leute waren aber durchaus sehenswert. Er hielt ihm eine Bierflasche hin. Mit verwirrtem und leicht gehetztem Blick riss Colin diese geradezu an sich, um gleich ein gutes Drittel ihres Inhalts hinunterzustürzen. Den Schaum, der daraufhin herausquoll, schlürfte er ab. Keuchend wischte er sich mit dem Ärmel über den Mund.
„Das war gruselig,“ sagte er danach.
„Was war gruselig?“ Kei sah leicht amüsiert aus.
„Es funktioniert. Die zwei Typen da drin haben mich blöd angegrinst und gezwinkert.“
„Sag Bescheid, wenn sie aufdringlich werden. Das machen die nur einmal,“ grinste Kei und trank einen Schluck während er den Weg zur Bühne einschlug. Colin ging neben ihm her, sobald dafür genug Platz war.
„Soweit kommts wohl nicht. Ich bin zwar wunderschön, aber nicht wehrlos.“
Das sorgte für einen äußerst amüsierten Ausdruck auf Keis Gesicht. „Das ist bestimmt spaßig mit anzugucken.“
„Was, wie ich mich wehre? Oder wie ich begrapscht werde?“ Er war gerade im Begriff gewesen, noch einen Zug aus seiner Flasche zu nehmen, und sah Kei nun über den Flaschenhals hinweg an.
„Der Gesichtsausdruck des Typen, wenn du ihm ins Gesicht trittst.“
Colin lachte. „Danke für die Stiefel,“ sagte er grinsend mit einem affektierten Seitwärtsnicken und angedeutetem Knicks. Kei lachte ebenfalls und hatte sehr lustig anzuschauende Bilder im Kopf. „Wir sind zu früh, was?“ fragte Colin, als er sich umsah und seine Bierflasche schon halbleer war. Auf der Bühne wurde noch herumgebaut und die Musik, die gespielt wurde, kam aus der Dose.
„Ein bisschen.“ Kei sah auf sein Telefon. „In ‘ner halben Stunde geht‘s los.“
„Dann liege ich längst unter dem Tisch,“ sagte Colin augenrollend und hielt seine Bierflasche hoch.
„Nach einem Bier? Das glaube ich dir nicht.“
„In einer halben Stunde habe ich noch drei hiervon weg!“
„Betrink dich während des Konzerts. Dann hast du noch was davon.“ Für Kei war es harte Arbeit sich zu betrinken. Er konnte Unmengen harten Alkohols vernichten, ohne dass es eine Auswirkung auf ihn hatte.
„Ich trinke, bis dein Geld alle ist,“ kündigte Colin an und leerte daraufhin seine Flasche.
„Dafür musst du bis zum Koma saufen.“
„So reich bist du?“
„You keep this up and you can visit us in the men's room again,“ sagte ein tätowierter Hipster mit Vollbart grinsend, während er sich an ihnen vorbei zur Theke drängelte. Es war etwas voller geworden.
„Dafür muss ich nicht besonders reich sein,“ scherzte Kei. Den Hipster bedachte er mit nicht ganz so tödlichem Blick wie sonst.
„Aber noch hast du, ja? Dann lass mal springen.“ Schulterzuckend hielt Colin die Hand auf und seine leere Flasche hoch. Kei drückte ihm Geld in die Hand, damit Colin sich ein neues Bier holen konnte.
„Bring mir eins mit.“ Er leerte seine eigene Flasche.
„Weib, hol Bier. Zu Befehl,“ sagte Colin, während er Geld und Flasche an sich nahm und sich ebenfalls zur Theke aufmachte. Kei lachte.
Irgendwo zwischen einem dutzend weiterer Besucher lehnte Delilahs sonnenbebrillte schwarze Gestalt an der Wand und schaute sich scheinbar teilnahmslos im dunklen Raum um. Anstatt sich wie die meisten an einem Getränk festzuhalten, hatte sie die Arme verschränkt und schien gemütlich Kaugummi zu kauen.
Als Colin bald darauf zurückkehrte, gab er Kei sein frisches Bier und schaute sich weiter um. Stumm besah er sich die Menschen und wartete.
Kei schlenderte dichter an die Bühne heran. Er hatte Delilah mittlerweile ausgemacht und fand, dass sie irgendwie aussah, als gehöre sie gar nicht auf dieses Konzert sondern warte nur auf jemanden, der sie anscheinend versetzt hatte oder so. Colin merkte nicht gleich, dass Kei sich wegbewegte, ging ihm aber wenig später gemächlich nach.
Nach einigen weiteren Minuten des Wartens und Aufbauens begann das Konzert und allmählich fanden sich fast alle Besucher vor der Bühne ein. Die Menge verwandelte sich bald in einen Spaß habenden, herumspringenden Haufen. Entlang der Wände und vor der Bühne standen Bierflaschen und lagen einige Taschen und Jacken herum. Kei war mehr oder weniger unbeabsichtigt in einen Moshpit geraten. Sein Bier war verschwunden. Colins auch. In seinem Magen. Die leere Flasche stand zwischen anderen vor der Bühne herum und er selbst sprang mit - anders als Kei war er mit voller Absicht im Moshpit. Er war sich sicher, dass seine festgezurrten Haare das aushielten, wenn er gerade überhaupt an sie dachte. Leider wurde er zwischendurch von hilfsbereiten Menschen aus der pöbelnden Gruppe herausgezogen, weil man das mit kleinen Mädchen nunmal so macht. Als ihm der dicke Boden einer Bierflasche seitlich auf die Stirn geschlagen wurde, war er auch ganz froh darüber, dass sein Weg zur Wand nicht so weit war. Aus dem Nichts wurde ihm von rechts ein Taschentuch angereicht, um das Blut abzuwischen. Der Sänger und der Schlagzeuger verausgabten sich ähnlich wie die Jungs direkt vor der Bühne. Sie lenkten Colin ein paar Sekunden lang ab, ehe er sich umdrehte, um dem Taschentuchspender zu danken. Delilah nickte nur ausdruckslos und starrte dann wieder vorwärts.
Kei war mehrfach absichtlich gegen Colin gesprungen anstatt zu versuchen ihn da rauszuziehen, was ihm von den anderen Leuten manchmal tadelnde Blicke einbrachte. Ihm egal. Dass Colin verschwand, bekam er nur am Rande mit. Der würde auch wieder auftauchen. Nach einigen Minuten wurde es in der Halle etwas ruhiger, weil zur Abwechslung mal ein ruhigeres Lied gespielt wurde. Danach ging es mit den spaßigeren weiter. Und mit Colin. Dessen neuerliches Auftauchen bestand darin, Kei von hinten auf den Rücken zu springen. Sozusagen als Vergeltung für den Schubser, der ihm den schmerzhaften Kuss der Bierflasche beschert hatte. Kei duckte sich leicht, sodass Colin huckepack auf ihm landete. So halb zumindest. Und da blieb er auch und faltete die Beine und einen Arm fest um Kei, während er unter dem Gelächter der Umspringenden einen halbvollen Plastikbecher mit Cola über ihm ausgoss. Kei beschwerte sich und sprang mit Colin auf dem Rücken herum. lange würde der Kleinere da nicht bleiben. Dass sein Gesicht jetzt anfing zu kleben, fand er äußerßt wenig lustig.
Bald ließ Colin ihn auch los und wurde heruntergebuckelt. Lachend fing er sich mithilfe fremder Hände wieder und sprang weiter mit. Von Kei bekam er einen Mittelfinger, wobei sein Gesicht verriet, dass er nicht wirklich sauer war. Er widmete sich wieder dem Bühnengeschehen. Kurz darauf war Colin wieder verschwunden. Bier treibt halt.
Kei bekam das kaum mit. Das Konzert ging weiter und er verschwand im nächsten Moshpit, noch ein paar Menschen umspringen. So nahm er auch nicht wahr, dass Delilah bald ebenfalls durch Abwesenheit glänzte. Erst nach einer ganzen Weile fiel ihm auf, dass Colin nicht wiederkam. Irgendwann ging er nach dem Kleineren suchen.
Er vermutete ihn auf dem Klo. Dort herrschte reges Kommen und Gehen, doch Colin war nicht dabei. Im Flur vor den Toiletten und der Garderobe, sowie im Durchgang nach draußen standen gedrängt kleine Grüppchen herum und zwischendurch kamen nach Zigarettenrauch und kalter Luft riechende Menschen von draußen herein. Da auch Delilah nicht zu sehen war, egal, wo er hinging, schaute Kei draußen nach.
Hast du Colin gesehen? Vielleicht war Delilah ja in Gedankenhörweite. Kei hatte noch nicht herausgefunden, wie genau das funktionierte.
Rauchen, kam Delilahs monotone Entgegnung.

In der Tat stand Colin mit einigen anderen Menschen neben der Tür auf dem zertretenen Rasen und schien sich prächtig mit ihnen zu unterhalten. Ein Mädchen mit viel schwarzem Makeup im Gesicht zündete ihm gerade eine Zigarette an, nachdem er einen Stummel ausgetreten hatte. Kei nahm sich eine Zigarette aus der Schachtel in seiner Jackentasche und gesellte sich zu Colin und den anderen. Mit fröhlichen und freundlichen „Hey“s und „Hi“s wurde er winkend begrüßt.
„Your hair looks amazing,“ sagte das schwarzgeschminkte Mädchen grinsend und erntete gleich ein paar Lacher. „Did you wash your face yet?“
Tatsächlich hatte Kei auf der Suche nach Colin sein Gesicht von der Cola befreit. Da es draußen dunkel war, war das nicht besonders gut zu sehen. „Yeah. Thanks for the refreshment by the way,“ wendete er sich an Colin und zog an seiner Zigarette.
„You're welcome,“ sagte Colin mit freundlichem Grinsen. Das Makeupmädchen wurde von einem der Typen mit einem Smartphone abgelenkt und ging mit ihm ein Stück zur Seite. Nun standen sie noch mit dem Vollbarthipster da.
Den Kei nicht mochte. Er war schnell darin, zu entscheiden, wen er mochte und wen nicht. Dieser Kandidat war ein gutes Beispiel für ‚Mag-ich-nicht‘. Er hielt sich aber damit zurück den Hipster das auch spüren zu lassen. Stattdessen bedachte er Colin mit einem ‚Du mich auch‘-Blick.
„This is Will,“ sagte Colin mit einem Wink auf den Hipster, der Kei daraufhin lächelnd zunickte. Kei erwiderte den Gruß halbwegs freundlich. Er spielte ausnahmsweise den halbwegs anständigen Japaner. „And that's Kenichi. We came together.“
„I'll go back in - the concert isn't over yet,“ informierte er Colin und den Rest. Er wollte das Ende des Konzerts, das bald kommen würde, noch mitbekommen.
„Alright,“ sagte Will nickend und Colin winkte. Kei verabschiedete sich und verschwand wieder in der Halle.

Kurze Zeit später gesellte Colin sich wieder zu ihm. Mit einem sachten Schlag auf den Oberarm machte er sich bei ihm bemerkbar. Kei drehte sich zu ihm und lächelte leicht. Er hatte ein neues Bier in der Hand. Colin erwiderte das Lächeln und sah dabei ein wenig schüchtern aus.
Mit Bierflasche sprang es sich nicht ganz so gut, aber das war egal. Das letzte Lied wurde gerade gespielt und um Kei und Colin herum sprangen die Menschen herum, während sie riesige Wasserbälle oder sowas ähnliches über ihren Köpfen durch die Halle schubsten. Grinsend ließ Colin einen davon mit den Fingerspitzen weiterhopsen, als Will sich zu ihnen gesellte und ihm einen durchsichtigen Plastikbecher mit einer Cola-Alkoholmischung in die Hand drückte. Kei war der Hipster zwar suspekt, aber er ließ ihn in Ruhe. Nicht alle Menschen waren ausnahmslos schlecht.
Vielleicht doch.
Kei war sich dessen nicht ganz sicher.
Er schlug einen der Ballons so weit durch die Halle, dass er nach hinten flog, sodass die anderen Konzertbesucher auch was von dem Spaß haben konnten.

Als Colin vor einem der Garagentore vom Sitz gerutscht war und sich den Helm abgenommen hatte, sagte er lächelnd, aber ernst: „Danke. Das war richtig gut.“
„Gerne wieder,“ sagte Kei beim Öffnen des Garagentors und schob das Motorrad hinein. Delilahs Motorrad stand bereits dort und strahlte seine Wärme ab. Colin legte seinen Helm dort ab, wo noch andere herumlagen. Er zog den Zettel mit Wills Telefonnummer aus der Jackentasche und zog sich die Jacke aus, um sie auf den Ständer zu hängen, von dem Delilah sie für ihn genommen hatte. Kei, der seine eigene Jacke trug, behielt diese an. „Ich muss nochmal weg. Bin in einer Stunde wieder da.“
„Warum, was machst du?“ fragte Colin.
„Abendessen.“
„... Oh.“ Es dauerte ein paar Sekunden, aber schließlich fiel bei Colin der Groschen. Kei musste ja Blut trinken. Er nickte und ging zum Durchgang, der in den Küchen- und Lagerbereich führte. In der Küche, die die Köchin längst verlassen hatte, suchte Colin sich sein eigenes Abendessen zusammen. Er hatte vorgehabt, sich ein abenteuerliches Sandwich zu basteln, fand stattdessen aber die Reste eines vorzüglichen Mahls, das zum Teil aus Gänsebraten bestanden hatte. Damit schlug er sich den Bauch voll und besiegte seinen alkohol- und bewegungsbedingten Heißhunger, bevor er sich in sein Zimmer begab.

Kei ging indes die Einfahrt wieder hinunter. Dass er sein Abendessen leben lassen musste, störte ihn ein wenig. Er mochte es, die Menschen allmählich sterben zu lassen. Das musste Colin nicht wissen. Dennis auch nicht unbedingt.
Ein paar Kilometer weiter fand er komplett zugedröhnte Jugendliche.
Mit leicht glasigen Augen machte er sich auf den Weg zurück ins Schloss. Alle drei seiner Menügänge lebten noch, mussten aber den Blutmangel erstmal ausschlafen.

Während der junge Vampir ins Schloss zurückkehrte, war Colin gerade mit Duschen und Zähneputzen fertig und saß in Boxershorts, T-shirt und Sweatshirtjacke auf dem Bett herum, um Ivys Kleider, die vor ihm auf dem Boden ausgebreitet lagen, nachdenklich anzustarren. Musste er jetzt für die Öffentlichkeit bis in alle Ewigkeit Ivy Branson spielen? Als Jux war das ja ganz lustig, aber was war mit dem Geigespielen? Das war es, was er konnte und er hatte immer erwartet, dass er das für den Rest seines Lebens machen würde, also auch für Geld, als Job. Ging das noch? Als Ivy Branson. Was für ein Schwachsinn.
Freunde gewinnen schien trotzdem kein Problem zu sein.
Will war nett.
Aber Will mochte nicht Colin Hammerer, sondern Ivy Branson. Vielleicht als Kumpel, vielleicht nicht.
Colin rieb sich über das Gesicht. Er war kein Idiot. Wills Frage danach, ob Kei sein ‚Boyfriend‘ sei, hatte ja wohl einen bestimmten Grund gehabt, auch wenn Will nichts eindeutiges versucht hatte.
Er grunzte genervt. Fuck my life.

Kei hatte drogeninduzierte gute Laune und warf beim Eintreten seine Kleidungsstücke hörbar durch den Raum. Irgendwann in Japan hatte er herausgefunden, wie er high werden konnte. Jeder normale Drogenkonsumversuch blieb weitgehend ergebnislos und Alkohol zeigte nur bei Extremkonsum auf normale Weise Wirkung. Das war leicht nervig, aber nicht schlimm.
Er nahm im Bad die Kontaktlinsen heraus und steckte den Kopf Colins Zimmer. „Bin wieder da.“
Der Vampir trug nur noch Boxershorts.
„Wow, du hast ja gute Laune,“ gab Colin überrascht zurück. Er konnte nicht umhin, Kei ausgiebig zu mustern.
Keis Blick verriet, dass er künstlich aufgedreht war. „Die hatten irgendwas eingeworfen. Extasy, Gras und Alkohol hab ich bei denen gefunden,“ grinste er und verschwand wieder hinter der Tür. „Ich geh‘ duschen!“
Dass er den Rest der Drogen an sich genommen hatte, behielt er erst einmal für sich.
„Welcher Idiot benutzt gleichzeitig Extasy und Gras?“ rief Colin ihm nach. Er wusste zwar nicht viel über Drogen, aber dass das eine ein Aufputsch- und das andere mehr ein Beruhigungsmittel war, war ihm halb bekannt.
„Der eine Gras. Der andere Extasy. Alle drei betrunken.“ Und alles mischte sich jetzt in Keis Blutkreislauf zusammen.
Weiter auf die Tür starrend, die Kei einen Spalt breit offengelassen hatte, versuchte Colin, sich bewusst zu machen, dass Kei gerade offenbar mehrere Menschen, die entweder high oder betrunken - oder beides - gewesen waren, überfallen und Blut von ihnen getrunken hatte.
Er wartete, bis das Wasser zu rauschen begann und rutschte dann lautlos vom Bett, um auf den Flur zu schleichen. Von dort betrat er langsam und vorsichtig, so leise er konnte, Keis Zimmer.
Er sah sich um. Hier lagen verstreut Kleidungsstücke herum. Auf dem Bett lag seine Jacke.
Der Vampir hörte, wie Colin in sein Zimmer ging. Er hatte nämlich auch seine Badezimmertür nicht ganz geschlossen und hörte Schritte. „Suchst du was?“
Colin erstarrte und sah ertappt zur offenen Tür. Kei stand dort nicht und hatte eindeutig aus der Dusche heraus gerufen, aber wie zur Hölle hatte er ihn gehört?
„In der linken Jackentasche sind zwei Tütchen Gras. Diese Idioten. Du kannst eins haben, wenn du das gesucht hast,“ verkündete der Vampir und widmete sich weiter der Dusche.
Er hatte nicht direkt danach gesucht, doch sein Blick wanderte trotzdem aus Reflex zur Jacke auf dem Bett. Er war nur neugierig gewesen. Nun kratzte er nur verlegen seinen nackten linken Fußrücken an seinem Bein, ehe er betreten und still zur Tür und auf den Flur zurückging. Erst als er sein eigenes Zimmer wieder betrat, gab er sich keine Mühe mehr zu schleichen. Obwohl er sich noch schämte. Er begann damit, seine Kleider und die Perücke irgendwie zusammenzupacken und im Kleiderschrank zu verstauen.
Kei musste leise lachen.
Als Colin mit Aufräumen fertig war, nachdem er zuletzt Wills Telefonnummer in seiner Nachttischschublade verstaut hatte, war er eigentlich mehr als bettfertig, aber brachte es vor Verlegenheit trotzdem nicht fertig, seine Nachttischlampe auszumachen und unter die Decke zu kriechen. Also setzte er sich bloß an das dicke geschnitzte Holzbrett am Kopfende des Bettes gelehnt hin und versuchte, ‚A Tale of Two Cities‘ weiterzulesen.
Kei war nach dem Duschen in sein Zimmer gegangen und hatte seine Kleidungsstücke auf einen Haufen geworfen um sein Bett frei zu haben. Er setzte sich hin und nahm seine Gitarre, um Colin mit zweideutigen Liedern zu beschallen. In erträglicher Lautstärke, um keinen Anschiss von Dennis oder Rupert zu kriegen.
Regeln. Gewöhnungsbedürftig, wenn man das ganze Leben lang keine gehabt hatte.
Die Geräusche aus dem Nachbarzimmer taten nichts, das Colin nicht bereits selbst bravourös fertigbrachte - sich unfreiwillig vom Text ablenken. Er hatte nun jeden Satz mindestens viermal gelesen und immer noch nicht wahrgenommen, was drinstand. Keis Stimme und die Gitarrenklänge vermischten sich mit dem Bild vom aufgekratzten Kei mit leuchtend blauen Augen, der gerade fast nackt in seiner Tür gestanden hatte, um ihm salopp von den Drogen zu erzählen, die er Leuten abgenommen hatte, die er gerade für ihr Blut überfallen hatte...
Ah shit.
Colin seufzte.
Wahrscheinlich wäre es am besten gewesen, die Badezimmertür zu schließen.
Aber dann würde er die Musik dämpfen, die...
Er warf das Buch neben sich und rutschte etwas hinunter, um sich um eine nun ziemlich dringende Sache zu kümmern, die in seinen Boxershorts stattfand.
So leise wie möglich.
Das bekam Kei tatsächlich nicht mit, weil er gerade beschäftigt war. Irgendwann fing er an, ‚Devil Side‘ von VAMPS zu spielen.
Embrace my instincts, right, dachte Colin mit einem leisen Schmunzeln, während er aufmerksam auf den Liedtext horchte. That's exactly what I'm doing right now.
Mittlerweile lag er fast vollständig auf dem Rücken, während er sich anfasste. Kei konnte verdammt gut singen. Seine Stimme machte irgendetwas mit ihm, das seine Hand nicht konnte.
Sich ausmalend, was Colin gerade anstellen mochte, grinste Kei und machte weiter damit, dem Kleineren schöne Gedanken zu bereiten. Er malte sich ein paar Szenen aus und erinnerte sich an andere.
Und alles, woran Colin sich erinnerte, waren die beiden Motorradfahrten, dicht an Kei gedrückt, Kei wie er ‚Eine Mischung aus Liebe, Sex und Chaos‘ sagte, die bloße Idee, dass er schon zigmal mit ihm geschlafen hatte und Kei ihn offenbar viel besser kannte, als er sich vorstellen konnte, Keis Stimme jetzt und wie er gerade in der Tür ausgesehen hatte... und das war mehr als genug.
Er stöhnte und seufzte nicht laut, sondern atmete nur schwer und raschelte zwangsläufig mit dem Bettzeug, seinen Kleidern und seiner Haut, aber er war sich sehr, sehr sicher, dass Kei nichts davon über seinen Gesang und sein Saitenzupfen hören konnte. Unmöglich.
Kei hörte Geräusche aus Colins Zimmer, da er ja nicht gerade Lärm machte, konnte aber nicht genau feststellen, was Colin da veranstaltete. Das war aber egal, denn er konnte es sich denken und er war sich mehr als sicher, dass seine Vorstellung der Realität entsprach. Das leise Rascheln dauerte noch ein paar Minuten an und verstummte dann. Er mochte es, Recht zu haben.
Matt und immer noch unruhig atmend lag Colin da und hob langsam seine beschmierte Hand, um sich ohne besonderen Grund, mit dem er sich hätte rechtfertigen können, die glänzende Flüssigkeit auf seinen Fingern anzusehen.
Jetzt musste er sich waschen gehen, dachte er dumpf. Aber er konnte damit jetzt nicht ins Badezimmer. Keis Tür war noch offen.
Die Musik spielte auch noch und das Grinsen auf Keis Gesicht war immer noch da. Er verfluchte Colins Gedächtnisverlust in diesen Minuten mehr denn je.

Monday, June 27, 2016

Kei + Colin LXXVI: Willkommen zurück


Im Erdgeschoss klickte die Haustür.
Kei hielt ihn fest und zog Colin auf seinen Schoß, nachdem er sich vernünftig hingesetzt hatte. Die sich öffnende Tür ließ ihn aufhorchen, aber er bewegte sich nicht.
Dennis' Schritte eilten die Treppe hinauf und hielten vor ihrer Zimmertür an. Es klopfte.
Colin zuckte zusammen und sah erschrocken zur Tür.
Kei hielt ihn fest. "Wer is da?" fragte er.
"Ich bin's nur, der Weihnachtsmann," sagte Dennis durch die Tür. "Schlaft ein bisschen, es scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Jane und Delilah haben sich gemeldet."
"Gut, danke." Kei sah zu Colin. "Das war Dennis, unser Fahrer von eben - und ein Teil meiner Verwandtschaft, der mich nicht umlegen will."
"Hm," sagte Colin und legte den Kopf wieder auf Keis Schulter.
"Gute Nacht," sagte Dennis gedämpft durch die Tür. "Und, Colin? Es tut mir Leid." Er ging ein paar Schritte weit weg, öffnete eine nahe Tür und schloss sie wieder.
Kei vergrub seinen Kopf an Colins Hals. Er erwiderte nichts auf Dennis' Gutenachtgruß.
"Es tut mir Leid," flüsterte Colin beinahe unhörbar.
"Dir muss gar nichts leidtun," entgegnete Kei ruhig.
Colin weinte weiter und ließ Kei ein bisschen los, um sich so zur Seite zu lehnen, dass es einfach zu verstehen war, dass er sich hinlegen wollte. Kei war so frei, Colin aufs Bett zu legen und setzte sich einfach daneben. Colin hielt seinen Arm und zog daran. Daraufhin legte Kei sich hin und umarmte ihn. Colin wischte sich einmal mit dem Unterarm übers Gesicht, erst über die Wangen und dann unter der Nase entlang, und rutschte dann dicht an Kei heran, die Arme und Beine eng angewinkelt. Er legte eine flache Hand mitten auf Keis Brust ehe er die Augen schloss und sich sein Atem beruhigte.
Die Hand behielt er genau da.
Ein Teil von Keis Verstand wünschte sich ganz andere Umstände, ein anderer war froh, Colin einfach bei sich zu haben. Er schloss die Augen. Er ist warm...

Mitten in der Nacht patschte es sachte auf Keis Schulter.
Kei wurde sofort etwas wacher. "Hm?"
Colin kniete neben ihm und wirkte angespannt. Peinlich berührt.
"Kannst du bitte mitkommen," flüsterte er.
"Klar... Wohin?" Kei richtete sich müde auf.
"... Zum Badezimmer... du musst nicht mit reinkommen..." Colin war es offensichtlich extrem peinlich. Aber er konnte Kei nicht einmal loslassen, geschweige denn sich ohne ihn aus dem Raum begeben, in diesem fremden Haus, zu einem Raum den er erst einmal finden musste... Er wurde ein bisschen rot.
Halbbewusst war er davon überzeugt, dass sich diese neuen Umstände sofort in Wohlgefallen auflösen und ihn wieder in seiner stinkenden, lichtlosen Zelle aufwachen lassen würden, wenn er Kei aus den Augen ließe.
"Okay." Kei erhob sich um Colin den Weg zum Bad zu zeigen. Der Vampir trug auch noch die Hose, mit der er eingeschlafen war. Colin blieb dicht bei ihm, als sie den Flur entlanggingen, und ließ den Blick prüfend durch das Badezimmer schweifen, nachdem Kei darin das Licht angeschaltet hatte. Colin ging hinein und ließ die Tür offenstehen. Leise und vorsichtig klappte er den Klodeckel hoch und öffnete seine Jeans.
Kei stand artig vor der Tür Schmiere und wartete auf Colin.
Als er mit Pinkeln fertig war und sich zögerlich die Hände gewaschen hatte, halb damit rechnend, dass jeden Moment ein Fallbeil oder etwas ähnlich unangenehmes auf ihn niederdonnern würde, knipste Colin das Licht wieder aus und schlüpfte sofort wieder zu Kei auf den Flur.
Kei ging mit ihm zurück in das Schlafzimmer. Er fragte sich, was man mit ihm gemacht haben musste, dass er sich nicht traute alleine pinkeln zu gehen. Colin sah zu, dass die Tür geschlossen war und bedauerte, dass in ihrem Schloss kein Schlüssel steckte. Auf dem Bett nahm er die gleiche Position wie vor ein paar Stunden ein und hielt wieder eine Hand auf Kei, bevor er die Augen zumachte.
"Kei," flüsterte er.
Kei lag neben Colin, noch nicht eingeschlafen. "Ja?"
"Tha gaol agam ort."
Kei schloss die Augen. "Anatamo."

Noch bevor die Sonne aufging, war Colin wach. Er blieb liegen und sah Kei an. Seine Hand lag immer noch auf ihm. Er hätte noch jahrelang weiterschlafen können, glaubte er, aber dieser Anblick im Halbdunkel vor ihm war erholsamer als das, was er sah, wenn seine Augen geschlossen waren. Er atmete ruhig und flach und betrachtete Kei.
Baden. Zähneputzen. Haare kämmen. Eine andere Hose anziehen. Erstmal eine neue Hose finden. Wäre es nicht gut, diese Sachen alle zu machen, bevor Kei aufwachte? Dafür würde er ihn loslassen und ohne ihn das Zimmer verlassen müssen.
Er blieb liegen und sah Kei weiter an.
Kei schlief friedlich weiter. Beim Schlafen hatte sich seine Hand um den Oberkörper des Kleineren geschlungen und ihn seitdem festgehalten. Nicht kräftig. Mit friedlichem Gesicht lag er da.
Über die folgenden Stunden nickte Colin immer wieder sachte ein und wachte bald darauf wieder auf, um Kei weiter zu betrachten. Dass er auch jedesmal mit dem gleichen Anblick aufwachte, mit dem selig schlummernden Kei vor seinem Gesicht und dessen Arm um sich, überraschte ihn und machte ihn unbeschreiblich glücklich.
Es vergingen noch einige weitere Stunden bis Kei es schaffte, wach zu werden, und langsam die Augen öffnete.
"Morgen..." murmelte er leise und drehte sich etwas in Richtung Colin, sodass er halb auf ihm lag. Colin atmete plötzlich aus, so als ob er entweder zu lachen oder zu weinen anfangen wollte. Er grinste gegen Keis Schlüsselbein, das ihm auf die Nase drückte. Kei gab ein Geräusch von sich, das in etwa bedeutete, dass er nicht vorhatte sich zu erheben. Grinsend blieb er liegen. Colins Arme krochen um Keis Körper herum und legten sich um seinen Rücken. Sachte küsste er die Schulter und den Hals über sich.
Es war so warm. Und Kei roch gut. Er selbst nicht, aber Kei.
Der Vampir umarmte seinen Freund umständlich und vergrub seinen Kopf in dessen Haaren. Aufstehen wollte und würde er jetzt nicht. Außer um mit Colin duschen zu gehen. Was ziemlich bald passieren musste. Denn Colins strähnige, knotige Haare waren voller Staub, Erde und getrocknetem Blut und boten nichts angenehmes.
Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit nuschelte Kei: "Duschen?" und begann sich ein wenig zu bewegen.
Ja, dachte Colin und ließ ihn los.
Dann fiel ihm auf, dass er gar nichts gesagt hatte.
"Ja," sagte er leise.
Langsam stand Kei auf.
"Ich komm auch mit," sagte er mit leichtem Grinsen auf den Lippen. Colin folgte ihm auf dem Fuße. Er lächelte.
Auf dem Flur begegneten sie Dennis. Er trug wieder seine eigenen Kleider - Jeans und Knöpfhemd mit DocMartens - und lächelte sie an.
"Guten Morgen. Frau Quan ist da. Sie hat angeboten, euch Frühstück zu machen."
Kei verzog das Gesicht. Nahrhaft war nur Blut, alles andere sättigte ihn nicht.
"Morgen." Er selbst trug noch immer seine Hose vom Vorabend und sonst nichts. Zum Dank für das Frühstücksangebot nickend ging er weiter in Richtung Bad. Colin nickte und lächelte Dennis dankbar an und ging eilig hinter Kei her. Dennis sah zu, wie sie im Badezimmer verschwanden und ging dann wieder die Treppe hinunter.

Mit dem Sonnenlicht kam Colin das Badezimmer wie ein ganz anderer Raum vor. Auf der Ablage über dem Waschbecken lag eine Packung mit nagelneuen Zahnbürsten, die in der Nacht noch nicht dagewesen war. Von besagtem Sonnenlicht gab es außerdem mehr als genug, da die Fenster nicht verhängt waren. Der Vampir ließ seine Hose mitsamt Boxershorts auf den Boden fallen und machte das Wasser in der Dusche an. Die Zahnbürsten waren ihm nicht aufgefallen. Colin hingegen nahm sich eine aus der Packung, fand auch eine Tube Zahnpasta auf der Ablage und begann damit, sich übergründlich die Zähne zu putzen. Währenddessen wurde er langsamer, als ihm auffiel, wie zivilisiert und normal das hier war, was er gerade machte, und wie gegensätzlich zu dem, was er in der letzten Zeit getan und erlebt hatte. Es kam ihm kurz in den Sinn, nachzufragen, wie lange es gedauert hatte, aber dann wollte er es überhaupt nicht wissen. Kei hatte sich im Auto dafür entschuldigt, dass es 'so lang gedauert' habe. Und ihm selbst kam es wie Wochen vor. Er wollte es nicht wissen.
Er spuckte aus, gurgelte, und nahm sich neue Zahnpasta auf die Bürste, um von vorn anzufangen.
Während das Wasser warm wurde, widmete Kei sich ebenfalls der Zahnpflege, wobei ihm ein Durchgang reichte und er dann unter das heiße Wasser stieg. Das tat gut. Ausnahmsweise gab es mal viel Platz in der Dusche. Das Schloss war sehr luxuriös gewesen, aber ansonsten hatte er wenig Luxus auf seinen Reisen erlebt. Dies war eine der komfortabelsten Unterkünfte.
Endlich ließ Colin es gut sein, als er beim Ausspucken ein bisschen Blut im weißen Schaum bemerkte. Er spülte die Zahnbürste aus, legte sie neben den Wasserhahn und sah sich um. Als Kei gerade nicht hinschaute, weil er sich friedlich am Wasser zu erfreuen schien, zog er sich die Hose aus, die er seit - nun ja, die ganze Zeit - getragen hatte, und ließ sie auf dem Boden liegen. Er kletterte zu Kei in die Badewanne und zog den Vorhang zu.
Er blieb außerhalb des Wasserstrahls stehen, weil Keis Anblick ihm etwas Ehrfurcht einjagte. Er wollte ihm gerade nicht zu nahe kommen um ihn mit seiner schmutzigen Nähe zu belästigen.
Kei war gerade dabei, seine Haare einzuschäumen, als Colin dazukam. Gern räumte er seinem Freund Platz unter dem Wasserstrahl ein. Er hatte noch niemanden erlebt, der eine Dusche so nötig hatte.
Grinsend spritzte er dem Kleineren Wasser ins Gesicht. Colin kniff die Augen zusammen und schnaufte.
Als Kei ihn dazu einzuladen schien, trat er vor und unter das Wasser. Es war erschreckend warm. Er schloss die Augen, senkte den Kopf und tränkte sich stumm in diesem heißen Rauschen.
Von seinen Haaren perlte die ersten Sekunden lang alles ab, ehe sich der Dreck daraus löste und langsam in grauen und braunen Schlieren an ihm herunterlief. Das gleiche galt für die Flecken auf seiner Haut. Kei begutachtete das eine Weile lang ehe er damit begann, Colins Körper mit Seife einzureiben. Er selbst war weit weniger dreckig.
Mit einem unhörbaren Seufzen lehnte Colin seine Stirn an die Fliesen. Er musste lächeln. Dass sein Wahnsinniger sowas machen würde... so fürsorglich. Er drehte sich halb um, um sich nach Shampoo umzusehen, und vergaß das sofort wieder, als er Kei sah.
Kei dachte eigentlich nicht fürsorglich, aber das wollte er Colin nicht sofort - okay das war gelogen, wollte er doch. Er befummelte den Kleineren eher als ihn sauber zu machen - das ging mit Wasser und Seife fast von allein. Grinsend stand er dicht hinter ihm.
"..." Colin wandte sich wieder der Fliesenwand zu, als er sein Gesicht wärmer werden spürte. Eigentlich wurde alles von ihm plötzlich wärmer. Er sah Keis Hand zu und drückte sich an ihn. Kei schloss einen Arm um Colins Körper und ließ die andere Hand über seine Haut wandern.
"Ich hab dich vermisst..." murmelte Kei.
Colin lächelte und weinte ein bisschen, aber das konnte man unter dem strömenden Wasser nicht sehen. Er merkte es auch kaum. In Keis Griff drehte er sich um, vorsichtig, um nicht auszurutschen, und umarmte ihn. Etwas festes drückte gegen seinen Bauch.
"..." Ich dich auch.
Das, was Kei an Blut in seinem Körper hatte, schien den Dienst zu quittieren und machte sich stattdessen in seiner Körpermitte bemerkbar. Seine rechte Hand strich langsam von Colins Oberkörper in Richtung Schritt. Das leichte Grinsen auf seinem Gesicht sprach Bände, wenn Colin es denn sehen konnte.
"Du bist so berechenbar," murmelte Colin schmunzelnd und packte Kei beim Nacken um ihn zu küssen.
Ich weiß. Wie gut, dass mir das egal ist... Kei erwiderte den Kuss gierig und drückte den Kleineren leicht an die Wand. Ausrutschen konnte er nicht, solange der Vampir vor ihm stand und Kei hatte nicht vor, diesen Umstand so bald zu ändern.
"Hm." Colin fühlte sich fast wieder wie er selbst. Er hielt Kei fest und stemmte sich mit den Schultern gegen die Wand. Kei schmeckte minzig und nach Duschgel und war so warm und nass und Kei. Er lachte beinahe und musste ihm ein bisschen auf die Lippe beißen. Kei biss einfach zurück. Es wäre ihm ein Leichtes Colin einfach hochzuheben aber er wollte diesen Moment auskosten. Dafür wurde er auch belohnt. Colins Hand, die, die sich nicht gerade in Keis Rücken krallte, rutschte über seinen Bauch und umfasste seinen Penis. Sein Bein hakte sich fast von selbst um Keis. Eine verfilzte Haarsträhne in seinem Gesicht zwang ihn dazu, den Kuss zu unterbrechen und sie zur Seite zu schütteln. Der Vampir hob Colin ein wenig hoch und bearbeitete dessen bestes Stück mit der freien Hand, die andere nutzte er um sich an der Wand abzustützen, gegen die er ihn gerade drückte.
Mit der wenigen Bewegungsfreiheit, die ihm seine Position in dieser glatten Badewanne erlaubte, stieß Colin gegen Keis Hand. Gleichzeitig versuchte er weiter, Kei nicht zu kurz kommen zu lassen. Er wandte sich von Keis Gesicht ab und seinem nassen Hals zu.
Kei stand so, dass er nicht bei jeder Bewegung ausrutschen würde. Das wäre jetzt sehr unvorteilhaft. Seine Hand bewegte er noch ein bisschen schneller. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein Grinsen ab, das Colin verwehrt blieb, solange der sein Gesicht in Keis Halsbeuge vergrub.
Colin hielt inne, also seine Hand, und biss stöhnend in Keis Schulter. Nach ein paar weiteren, zuckenden Stößen kam er und krallte sich in seinem Rücken fest. Keis Grinsen wurde ein wenig breiter und sein Gesicht verzog sich kurz, als Colin ihn biss. Er hielt seinen Freund weiter fest, ließ ihm aber mehr Platz, sodass er sich mehr bewegen konnte.
Langsam lehnte Colin sich zurück gegen die Wand. Er blickte nach oben, um das Wasser sein Gesicht abspülen zu lassen, und packte dann wieder Keis Erektion, um weiterzumachen. Diese Idee gefiel dem Vampir. Die Finger seiner frei gewordenen Hand vergruben sich leicht in Colins Haut am Rücken. Eifrig rieb und drückte Colin, nun mit beiden Händen, und sah Kei dabei an.
Der hatte den Kopf ein Stück nach hinten gelegt und die Augen nur ganz leicht geöffnet, schien aber nirgendwo hinzusehen. Er bewegte sich Colins Hand entgegen und gab leise, lustvolle Geräusche von sich, während das Wasser sein Gesicht hinunterlief.
"...os," sagte Colin leise. Er wurde langsamer. Kei gab einen Laut von sich, der ein Quengeln hätte sein können.
"Hm?" Er wurde ebenfalls ein bisschen langsamer und richtete den Blick auf Colin.
"Lass los," sagte Colin noch einmal.
Kei ließ ihn los. Er rutschte hinunter, auf die Knie, und begann, Keis Penis zu lecken und zu küssen. Der Vampir ließ die Augen ganz zufallen und den Kopf nach hinten kippen. Es dauerte nicht lange bis sein Atem schneller und lauter wurde und er wieder anfing sich gegen seinen Freund zu bewegen.
Es klopfte an der Tür.
"Ist alles in Ordnung bei euch?" Dennis.
"... Ja..." Und jetzt geh wieder! Kei bereute gerade, die Tür nicht abgeschlossen zu haben. Colin schien überhaupt nichts gehört zu haben und machte einfach weiter. Mit Lippen und Zunge umschloss er fest die Eichel und saugte daran.
"... Ihr verbraucht zuviel Wasser," meldete Dennis noch trocken durch die Tür, ehe er verschwand.
Verpiss dich, Dennis... Verpiss dich einfach... Kei ignorierte den Penner vor der Tür einfach. Er hatte gerade besseres zu tun, antworten und geradeaus denken war kein Teil davon. Alles, was seinen Mund verließ war ein Stöhnen. Die freie Hand vergrub er in Colins Haaren. Mit den Händen massierte und rieb Colin weiter, während er soviel er konnte aufnahm und langsam und genüsslich saugte. Es schien enorm zu helfen, dass er nicht atmen musste.
Nach kurzer Zeit kam Kei mit einem, wahrscheinlich auch vor der Tür gut hörbaren, lauten Stöhnen. Dass gerade noch jemand vor dem Badezimmer gestanden hatte, hatte er schon wieder vergessen. Colin wich etwas zurück und wurde langsamer, schluckte und leckte aber alles auf, bis nichts mehr kam.
Kei schaute benebelt halb an die Wand und halb zu Colin. Nach einer kleinen Weile machte er das Wasser aus. Er zog Colin hoch, der gerade dabei war, langsam seinen Bauch zu küssen, und küsste ihn richtig. Zufrieden lächelnd erwiderte Colin den Kuss und bekam noch eine sanfte, warme Umarmung dazu.
"...ch auch vermisst," flüsterte er.
Kei biss ihm leicht auf die Unterlippe.
"Hn, hehe." Colins Zungenspitze fuhr leicht über Keis Lippe und seine Arme legten sich auf seine Schultern. Kei vertiefte den Kuss ein wenig, während Colins Finger langsam durch Keis triefende Haare fuhren. Sie mussten lächeln.
"Lass uns runtergehen," schlug Kei vor. Er wollte nicht, dass Dennis nochmal stören kam - und das Bad wurde langsam wieder kühl. Der Nachteil des Lebens war eindeutig, dass man merkte, wenn es kälter wurde.
Colin nickte. Er sah glücklich und benebelt aus. Wie als Gegenstück zu seiner bisherigen Verfassung: Vor Unsicherheit und Furcht gelähmt.
Er kletterte aus der Wanne. Kei kletterte hinterher und schnappte sich ein Handtuch, ein zweites gab er Colin. Willkommen zurück...
Colin bedankte sich mit einem Nicken und trocknete sich gemächlich ab. Dabei schnupperte er an dem Handtuch. Kei betrachtete das ein wenig amüsiert.
"Riecht es nach was besonderem?" fragte er nach und trocknete sich dabei ab.
"Ja. Ich weiß nur nicht genau, nach was," log Colin. Es roch nach dem Waschmittel, das Kei in Japan benutzt hatte.
"Das fällt dir wieder ein." Kei wusste nicht, was an dem Handtuchgeruch so besonders war. Es roch gut.
Colin roch noch etwas anderes. Kaffee. Und Speck. Er sah zur Tür. Kei ging zu eben jener.
"Frühstück. Und ein warmes." Kei band sich das Handtuch um die Hüfte und öffnete die Tür. Anziehen musste vor dem Hinuntergehen noch sein. Colin folgte ihm, nachdem er den traurigen Überrest seiner Hose in den kleinen Badezimmermülleimer gestopft hatte, allerdings ohne Handtuch. Seins legte er nur über den Badewannenrand.