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Tuesday, February 23, 2016

Kei + Colin LXIX: Genug erzählt


„Nein? Wie nennt man das dann?“
„Was?“ Darin, sich ahnungslos zu geben, war Akira immer noch Meister. Er sah Kei offen an.
„Mich solange anzuschauen, dass man nicht bemerkt, dass die Kippe runterbrennt,“ entgegnete der ruhig grinsend.
„Pff...“ Mit einem beinahe verlegenen Schmunzeln wandte Akira seinen Blick auf den Fußboden. Dann zuckte er mit den Schultern. „Du hast da was kleben.“
Kei schaute hin. „Wo?“
Akira beugte sich zu ihm und biss ihm kurz sachte in den Unterarm.
„Spucke. Da.“ Er zeigte drauf. Kei grinste wieder.
„Wie konnte ich das nur übersehen.“
Mit einem grinsenden ‚Wenn ich das nur wüsste‘-Ausdruck hob Akira die Hände. Kei schaute ihn mit einem ‚Ja ne, is klar‘-Ausdruck an.
„Soll ich‘s wegmachen?“ bot Akira hilfsbereit an.
„Ja.“
Akira beugte sich nochmal hinüber und leckte die Stelle ab.
„So.“
„Danke.“ Kei zog ihn ein Stück hoch und küsste ihn. Selbstgefällig lächelnd erwiderte Akira den Kuss. Kei vertiefte ihn und drückte Akira ein Stück Richtung Matratze. Der lehnte sich bereitwillig zurück, aber nur weit genug, um sich bequem auf die Hände zu stützen. Weiter wollte Kei ihn auch gar nicht haben, das reichte völlig.
Akira zog den Kopf leicht zurück. Kei ließ ihn und schaute ihn daraufhin einfach nur abwartend an.
„Du hast da noch was,“ sagte Akira leise und küsste seinen Hals.
„Dann machs weg,“ kommentierte Kei grinsend und stützte sich mit einer Hand auf den Boden.
„Geht nicht,“ murmelte Akira auf Keis Haut und küsste sie weiter. Sie war noch voller Meersalz. Keis Grinsen wollte nicht mehr wirklich verschwinden.
„Da bin ich mir noch nicht sicher.“
„Ich aber. Das geht nicht weg,“ erklärte Akira Keis Kehle.
„So'n Mist.“
„Och, ich glaub nicht, dass dir das was ausmacht.“ Die weiche Stelle unter Keis Ohr schien richtig lecker zu sein. „Das hast du da schon eine ganze Weile hängen.“
„Du hast mich ertappt. Was?“
„Mich,“ antwortete Akira, während er zärtlich zubiss.
Daraufhin grinste Kei genüsslich. „Das stört mich wirklich nicht.“
„Gut. Es geht nämlich wirklich nicht ab.“ Akira zog den Kopf zurück und sah Kei bierernst an. „Ich habe alles versucht,“ sagte er mit einem hilflosen Schulterzucken.
„Jetzt ist es weg,“ sagte Kei und klang dabei absichtlich beinahe schon traurig.
Akira lachte. Mit der Zungenspitze zwischen den Zähnen ließ er eine Hand unter Keis T-shirt kriechen.
„Oh guck, es ist nur verrutscht.“
Kei lachte daraufhin etwas. „Du hast Recht, wie geht das?“
„Ich habe keine Ahnung,“ flüsterte Akira mit geweiteten Augen. Seine Hand kratzte leicht und langsam über Keis Bauch.
„Du musst es aber wissen,“ entgegnete der mit zufrieden-genüsslichem Gesichtsausdruck.
„Warum?“ lachte Akira. „Also ich weiß ja, dass ich hier das Superbrain bin, aber alles weiß ich auch nicht.“ Das süffisante Grinsen war keine Absicht, es kam von ganz allein. Kei grinste noch immer leicht.
„Du bist Schuld daran, also musst du wissen, warum.“
Akira lachte leise. Seine Hand wanderte gemächlich auf Keis Rücken.
„So ein Quatsch. Du bist Schuld.“
„Ich? Wieso ich jetzt auf einmal?“ Kei lachte immer noch ein bisschen.
„Wer hat sich wem an den Hals geworfen?“ entgegnete Akira mit hochgezogener Augenbraue. Keis T-shirt wanderte etwas weiter nach oben.
„Geworfen würde ich das jetzt nicht nennen.“
Akira lachte. Puh, gut dass er nicht ‚Na du dich mir‘ gesagt hat.
Kei lachte ebenfalls.
„Du hast dir das hier trotzdem selbst zuzuschreiben,“ sagte Akira herablassend nickend. Er kratzte langsam über Keis Brust.
„Schuldig im Sinne der Anklage.“ Kei küsste ihn auf die Stirn.
„Na toll, jetzt hab ichs im Gesicht kleben.“ Er zog seine Hand zurück, um sich damit demonstrativ über die Stirn zu wischen. Kei gab ein leises Lachen von sich.
„Gern geschehen.“
Akira wechselte seine Stützhand und fuhr damit fort, Kei zu befummeln. Der tat mit seiner freien Hand ähnliches und machte sich an Akiras Kleidern zu schaffen. Akiras Hand kroch unterdessen zu Keis Hosenbund und öffnete den Knopf. Kei saß so, dass es gar nicht schwer war, ihn seiner Sachen zu entledigen. Geschickt öffnete er mit links Akiras Hose, ihm einhändig das Hemd über den Kopf zu ziehen, war zu umständlich. Dafür setzte Akira sich wieder auf, was ihn unweigerlich Kei verdammt nahe brachte. Er zog sich das T-shirt aus, ließ es einfach fallen und schob dann Keis Hemd hoch. Keis Mund war ihm zu nah. Den küsste er, zärtlich aber weniger geduldig als zuvor. Kei erwiderte den Kuss und hockte da ziemlich unbequem, aber das störte ihn momentan nicht sehr. Nachdem er Akiras Hosen beiseite gelegt/geworfen hatte, beugte Kei sich ein Stück runter und widmete sich wieder den Lippen seines Freundes.
Zuerst hielt Akira ihn beim Nacken, dann strich seine Hand über seinen Hals und er schien sich nicht entscheiden zu können, was und wie lange und wie er ihn wo anfassen wollte, bis er schließlich wieder bei Keis Hosenbund angelangt war, unter den er seine Hand schob. Kei positionierte sich bequemer, sodass zum einen Akiras Hand mehr Platz in seiner Hose hatte, und er zum anderen nicht mehr zusammengeknüllt dasaß. Das sorgte auch dafür, dass er mit der freien Hand, die er nicht zum Abstützen gebrauchte, besser an Akiras Oberkörper herankam, über den er seine Hand wandern ließ. Akira brach den Kuss ab um sich hinzulegen und öffnete eilig Keis Hose. Mit Händen und Knien schob er sie herunter. Der Vampir war so freundlich ihm dabei zu helfen und schob seine Hose nach dem Ausziehen woanders hin. Danach küsste er ihn wieder.
Akira versuchte, sich wieder etwas aufzusetzen und schob an Keis Schulter. Kei schaute ihn beim langsamen Zurückfallen fragend an.
That I could be on top doesn't even cross his mind, dachte Akira amüsiert, während er sich mit einem ebensolchen Lächeln aufsetzte und nun mit beiden flachen Händen nachdrücklicher wurde.
Kei grinste leicht und gab dem Kleineren nach einem Weilchen nach, zog ihn aber mit sich nach unten und küsste ihn. Akira kroch rittlings auf ihn und sorgte für möglichst viel Körperkontakt, während er weiter genüsslich an Keis Lippen nagte und saugte.
I wanted to stay here much longer...
Kei vertiefte den Kuss weiter, während er Akira im Nacken festhielt. Sein Kopf lag auf seinem T-shirt, aber das bemerkte er gar nicht. Mit der freien Hand hinterließ er Kratzspuren auf Akiras Rücken. Leise stöhnte Akira in den Kuss, biss Kei etwas auf die Lippe und begann unwillkürlich damit, sich an ihm zu reiben. Kei war selber nicht besonders geduldig, wo doch sein Gehirn nicht mehr gut genug durchblutet war, um ihn darauf zu bringen, Akira noch länger warten zu lassen. Grinsend biss Kei dem Kleineren auf die Lippe, während er in ihn eindrang. Zwischen ein paar der Bretter des Schuppens fiel ein bisschen Mondlicht, was den Raum aber nicht wirklich erhellte.
Langsam und vorsichtig setzte Akira sich auf, nachdem er Kei noch einmal unsauber geküsst hatte. Auf Keis Gesicht war ein leicht versautes Grinsen und nur leicht geöffnete blaue Augen zu sehen, eigentlich sah man fast nur das Blau, da das Mondlicht nicht besonders stark war.
Dem Vampir schien seine Lage zu gefallen. Er begann damit, sich leicht gegen den Kleineren zu bewegen und beobachtete ihn mehr oder weniger unauffällig. Akira hatte die Augen geschlossen und nahm außer Kei in ihm, Keis Händen auf ihm und der kratzenden Musik aus dem Radio nichts wahr.
Keis Bewegungen wurden allmählich schneller, drängender. Die Musik hörte er kaum, er beachtete sie auch nicht. Mittlerweile schämte Akira sich nicht mehr für sein Stöhnen in solchen Momenten. Er war sich sicher, dass es seinem Wahnsinnigen mindestens egal war, wenn nicht sogar gefiel. Mit beiden Händen stützte er sich auf ihn, und er hob sich auf den Knien ein bisschen, um Kei unten zu halten und seine Stöße abzumildern. Das funktionierte sogar, wenn auch nur ein bisschen.
Kei war nicht egal, was sein Freund von sich gab, er nahm es eher mit Freuden wahr. Er selbst war nicht besonders laut, trotzdem würde man sie beide hören, wenn man sich denn in ihre Nähe verlaufen würde.
Als Kei etwas ruhiger zu werden schien, ließ Akira ihn wieder los.
„Heh...“ Er musste benebelt lächeln, als er im Zwielicht den blauen Schimmer aus Keis Augen sah.
Kei hatte mehr ein Grinsen im Gesicht als ein Lächeln und blickte in etwa so drein wie ein Heroinjunkie nach einem Schuss. Etwas langsamer und sanfter bewegte er sich weiter gegen Akira und ließ es nicht bleiben, ihn anzusehen. Akira kämpfte gegen den Drang an, die Augen wieder zu schließen, und sah Kei weiter berauscht an. Schwer atmend begegnete er seinen Bewegungen. Er war angespannt, aber schien es nicht eilig zu haben, fertig zu werden.
Kei auch nicht. Immerhin war dies wahrscheinlich ihre letzte Nacht in Brasilien und die musste ausgenutzt werden.
Mal erwiderte der Vampir Akiras Blick, mal hatte er die Augen zu, was blieb war der Rauschausdruck in seinem Gesicht. Allmählich wurden seine Stöße wieder schneller und härter, wenn auch nur ein bisschen.
Nun wurde Akira sich selbst doch etwas zu laut - er begann auf seiner Unterlippe zu kauen, um dem entgegenzuwirken, während er sich nun selbst anfasste. Der Vampir wurde noch etwas schneller, seine rechte Hand krallte sich dabei in Akiras Hüfte.
„Hng - wait, no - slow down...“
Einen Moment später kam Kei seines Freundes Begehren nach und wurde wieder etwas langsamer, er sah ihn aus halb geöffneten Augen an.
„Hah... hast du dein Messer?“ Was Akira meinte, war, ob das Messer in Reichweite war.
„Hosentasche...“ mit der nicht Akira festhaltenden Hand griff er nach seiner Hose. „Wofür?“ fragte er leise, als er das Messer aus der Tasche zog um es dem Kleineren zu geben. Der nahm es, ließ es aufschnappen und hielt es wieder Kei hin, mit dem Griff voran. Dabei deutete er mit dem Zeigefinger auf seine Brust.
Das brachte ihm ein versaut-tödliches Grinsen seitens Kei ein, der das Messer wieder an sich nahm. Er hielt es fast wie einen Stift und begann damit, im Rythmus seiner Stöße, seinem Freund Schnittwundenmuster zuzufügen.
Bei den ersten Malen zuckte Akira noch zusammen und stöhnte leise auf, aber bald wandelten sich sein Gesichtsausdruck und seine Stimme wieder in Rausch und Erregung und er vergaß schnell, bei seinen Bewegungen gegen Kei darauf zu achten, dass ihm vielleicht die Klinge ausrutschen könnte. Er fasste sich wieder an, diesmal sehr ungeduldig, und stützte sich mit der freien Hand wieder auf Keis Brust, wo er sich mit den Fingernägeln festkrallte.
Kei wurde ebenfalls langsam ungeduldig und seine messerführende Hand achtete auch nicht mehr darauf was sie tat, und so wurden die Schnitte tiefer und das Muster unordentlich. Seine Stöße wurden noch etwas härter und seine andere Hand krallte sich tiefer in das Fleisch an Akiras Hüfte.
„Hah...“ Akiras Stöhnen klang nun etwas verzweifelter. Plötzlich beugte er sich ohne Vorwarnung hinunter.
Keis Messer stach in Akiras Oberkörper, was Blut fließen ließ. Der Vampir merkte das kaum. Nur seine Hand wurde warm. Doch stören tat ihn das nicht, er wurde noch ein wenig schneller und vergaß fast, dass er gerade seinen Freund eigentlich abgestochen haben müsste. Akira zuckte zusammen und machte ein ersticktes, schmerzerfülltes Geräusch, packte dann Keis Messerhand und drückte sie weg, um sich tiefer zu ihm hinunterzubeugen. Kei ließ das Messer los, sodass es herunterfiel und küsste den Kleineren grinsend. Der erwiderte den Kuss nur kurz, bevor er sich Keis Ohr zuwandte.
„Come,“ flüsterte er schwer atmend und biss zu.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Nach nicht allzu vielen Sekunden kam er mit völlig benebeltem Gesicht und lautem Stöhnen, das bald darauf zu schwerem Atmen wurde. Akira küsste seinen Hals und leckte etwas von seinem eigenen Blut auf, das dort entlangrann. Er behielt sein Gesicht dort vergraben und hielt Kei bei den Haaren, an denen er unwillkürlich etwas zog, als ihm seine letzten harten Stöße den Rest gaben. Was auch immer er dabei unartikuliertes von sich gab, dämpfte er ab indem er in Keis Hals biss.
Kei legte einen Arm um ihn und hielt ihn im Nacken fest, damit er blieb, wo er war. Sein Gesicht zuckte etwas zusammen, als Akira ihn biss.
Schmerzen. Da war ja was. Die spürte er zwar nicht besonders stark, aber er nahm sie wahr. Akira ließ seinen Hals kurz darauf wieder gehen. Heiß und feucht atmete er schwer auf Keis nassen Hals und blieb auf ihm liegen.
Kei blieb, nachdem er sich beruhigt hatte, liegen wie er war und hielt seinen Freund weiterhin fest. Dessen Herz schlug schnell und pumpte hastig weiter kleine Schlucke Blut zwischen sie.
„Wehe dir du gehst jetzt drauf,“ gab Kei leise von sich und machte keine Anstalten, Akira loszulassen.
„Warum sollte ich jetzt draufgehen?“ flüsterte Akira unter seinem Ohr.
„Weil du verdammt viel Blut verlierst.“
Akira lachte leise und biss ihm sachte ins Ohr.
„Wenn du von mir trinkst, ist das gefährlicher.“
„Nur bedingt.“ Kei lachte ebenfalls, während er ihn weiter festhielt. Er hatte nicht wirklich vor, ihn loszulassen. Abhauen, was sie ja eigentlich vorhatten, konnten sie ein bisschen später auch noch.
„Ach was... wir können nicht mehr sterben. Hey-“ Akira hob ein bisschen den Kopf. Keis Griff ließ nicht viel mehr zu, als ihn ein bisschen zu drehen.
„Ach ja. Naja, das wissen wir nicht, ich hab's noch nicht wieder versucht.“ Der Vampir küsste Akira kurz.
„Hm-“ Akira zog den Kopf weg und sah Kei ernst an. „Was, wenn wir doch noch sterben können, aber nur wenn wir‘s selber machen? Oder gegenseitig?“
Kei lachte. „Dann bringen wir uns halt nicht um.“
„Aye, sir. Ich versuch‘s. Seit Chile ist es jedenfalls nicht mehr vorgekommen.“
„Ich hinder dich eh daran.“
Akira nickte. „Dann fessel mich zum Schlafen am besten. Dann musst du mich nicht die ganze Zeit bewachen.“ Er schmunzelte dreckig.
„Das lässt sich einrichten, aber ich bin mir nicht sicher, ob du dann wirklich viel Schlaf bekommst.“ Auch der Vampir grinste.
„Warum? Bin ich ein Schlafarmwedler?“
„Nein.“ Kei grinste dreckig. „Das erfährst du dann.“
Akira hob die Augenbrauen. „Ach, du willst es machen?“
„Mach mir doch die Überraschung nicht kaputt.“ Jetzt schmollte Kei ein wenig. Akira lachte leise.
„Es gibt nicht mehr viel, das mich überraschen könnte.“
So behauptete Akira, und so dachte er auch, bis ihm plötzlich der Gedanke kam, wie Kei mit Blumenstrauß und Ringschachtel in den Händen vor ihm kniete. Er vergrub das Gesicht wieder an Keis blutbeschmiertem Hals und lachte.
In diesem Moment wünschte Kei einmal mehr, dass er Gedanken lesen könnte.
„Woran denkst du?“ wollte er wissen.
Bald würden sie hier los müssen, sehr bald sogar.
„Haha, etwas, das mich überraschen könnte,“ erwiderte Akira belustigt und gab Keis Hals noch einen Kuss. Er hatte nicht die geringste Absicht, sich zu bewegen. Noch nicht.
„Das muss ja was Irrsinniges sein.“ Kei schmunzelte amüsiert und nahm Akira in den Arm. „Wir sollten bald aufbrechen.“
„Ja...“
Gemächlich leckte Akira Keis Hals sauber. Mittlerweile blutete er nicht mehr. Der Stich war nun vermutlich längst verheilt, ohne eine Narbe zu hinterlassen. Diese Regenerationsfähigkeit war zwar ungemein praktisch, doch Akira fand es dennoch manchmal schade, dass es nie bleibende Spuren gab.
Kei ging es da ähnlich, wollte er doch, dass er sehen konnte, was er angestellt hatte. So blieb ihm nichts anderes übrig als seine Spuren häufiger mal zu erneuern. Nur hielten die auch nicht lange. Das war das einzige, was ihm am Untotsein nicht gefiel... Und Akiras Selbstmordanfälle, die aber seit einer ganzen Weile nicht mehr auftraten. Kei machte keine Anstalten, sich zu bewegen, aber das musste er bald, denn es wäre besser, vor dem Sonnenaufgang verschwunden zu sein.

Als Akira nach geraumer Zeit endlich meinte, sich genug an seinem eigenen trocknenden Blut auf Kei gütlich getan zu haben, stützte er sich auf die Hände und kletterte von dem Vampir herunter, bis er neben ihm auf der Seite lag. Er selbst war noch vom Nabel bis zum Hals verschmiert und verkrustet.
Was Kei änderte. Er half dem Kleineren zu gern dabei, das Blut vom Körper zu kriegen, indem er es ableckte, wo es noch nicht getrocknet war.
Wir haben noch ein bisschen Zeit... Es ist noch nicht morgens...
Jetzt müsste man schnurren können, dümpelte es in Akiras Kopf, während er auf einen Ellenbogen gestützt seinem Wahnsinnigen dabei zusah, wie er sich sein Blut schmecken ließ. Zwischendurch konnte er das geisterhafte Leuchten der blauen Augen sehen. Mit der freien Hand strich er ihm langsam durch die Haare. Kei ließ sich Zeit dabei, Akira von dessen Blut zu befreien, während in seinen Gedanken alles mögliche und wieder nichts vor sich ging.
„Hm,“ gab Akira schmunzelnd von sich. Wenn der so weitermacht... „Gut, dass wir‘s überhaupt nicht eilig haben...“ murmelte er und küsste Kei mitten auf den Scheitel.
„Bis zum Morgengrauen kann‘s noch eine Weile dauern,“ entgegnete Kei grinsend, wohl wissend, dass dem nicht so war.
„That's our deadline? I didn't know.“ Akira lächelte warm und rutschte etwas hinunter, um Kei richtig zu küssen.
„Yeah.“ Kei hatte diese Deadline sehr kurzfristig festgelegt, weil er es für sinnvoll hielt, morgens früh aufzubrechen, wenn die Welt noch am Schlafen war. Das war ein Vorteil eines verschlafenen Ferienörtchens gegenüber der Großstadt. Er erwiderte den Kuss lächelnd.
Trotz seiner um Kei geschlungenen Arme und Beine versuchte Akira zu ignorieren, wie sein Körper nach einer zweiten Runde schrie. Er küsste Kei nur wahnsinnig langsam und hielt dafür sein glückliches Grinsen in Schach, das der Anblick von Keis Gesicht und besonders seiner Augen verursachte. Das leichte Zwielicht in den Zwischenräumen der Bretter ihres Verschlags bemerkte er nicht.
Kei ignorierte das leichte kaum wahrnehmbare Dämmern nicht. Einen Moment erhielt der Vampir den Moment noch aufrecht, ehe er sich aufsetzte.
„Wir müssen gleich los.“
Genervt stöhnend ließ Akira sich zurückfallen. Das brachte Kei fast zum Lachen. Betont langsam und schwerfällig erhob Akira sich ebenfalls und stand gleich ganz auf. Dabei streckte er sich ausgiebig. Der Vampir tat es ihm gleich, wobei er dabei etwas verdreht aussah, da er beim Aufstehen nach seinen Kleidungsstücken angelte. Akira pickte sich seine Cargoshorts und das T-shirt aus dem Betthaufen, zog sie an und stopfte dann das meiste Übrige in seinen Rucksack, auf dem er zu guter Letzt noch den Geigenkasten festschnallte. Danach zog er sich Socken und Schuhe an.
Kei zog sich ebenfalls wieder an und hängte sich das Schwert um. Er hatte es lieber bei sich als am Rucksack. Nachdem er seine Stiefel geschnürt und die Kapuze ins Gesicht gezogen hatte, ging er zur Tür.
„Ich mochte es hier.“
„Ich auch. Es war friedlich,“ stimmte Akira zu, während er das Taschenradio ausschaltete und in eine Seitentasche seines Rucksacks schob. Seine buntgestrickte Mütze aufsetzend, ging er hinter Kei hinaus.
Friedlich war eine ganz neue Erfahrung für den jungen Vampir gewesen. Aber auch eine, von der er nicht wollte, dass sie ewig andauerte. Er mochte Aufregung lieber.
Ruhe mit Akira war gut.
Aufregung mit Akira war allerdings entschieden besser, so war er auch froh, bald wieder unterwegs zu sein.

Die Reise dauerte Wochen.
Wie lang genau, war beiden egal, und sie nahmen die Zeit auch nicht wahr. Nachdem sie lange zu Fuß durch Surinam gewandert waren – wahrscheinlich kreuz und quer – hatten sie irgendwann das Glück, auf einen Aussteiger zu treffen, der scheinbar als eine Art Tagelöhner und Wilderer durch den Dschungel reiste. In Begleitung eines jungen Japaners, bemerkenswerterweise. Dieser überredete seinen Muskelberg von Kumpan, der nach eigenen Angaben fahnenflüchtiger US-Soldat war, die beiden Jungs mitzunehmen. So durften sie die Landschaft von Guyana und Venezuela von einem Jeep aus betrachten, mussten ihr Gepäck nicht weiter selbst schleppen und mussten dafür nichts weiter tun, als ihre beiden Gönner Tashio und Ryan mit ihren jeweiligen Muttersprachen und etwas Musik zu unterhalten.

Vor zwei Tagen waren sie auf Kuba angekommen. Die Insel war voll mit Menschen, Touristen und Einheimischen, die den bald enden Sommer genossen und häufig bis in die Morgenstunden feierten. Für Kei war das ein schöner Ort. Der Vampir mochte ein pulsierendes Nachtleben. Aber es war nicht Tokyo. Sein Spanisch war kaum besser geworden, aber auf Kuba kam er mit Englisch weiter als in Südamerika, wie er an der Grenze feststellen konnte.
Akira und er waren vorerst in einer kleinen Herberge abgestiegen, die etwas außerhalb des Stadtzentrums lag. So würden sie nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die ungebetene Besucher anlockt – Polizisten zum Beispiel.
Am Abend saß Kei auf dem großen Bett in dem ansonsten nicht sehr großen Raum und sah aus dem Fenster. Er wartete auf Akiras Rückkehr, der mit seinem kaukasischen Erscheinungsbild und US-Pass deutlich weniger auffiel als er selbst und damit auch besser dazu geeignet war, ihre Tabak- und Spirituoseneinkäufe zu erledigen. Außerdem konnte er besser Spanisch, was auch nicht schadete.

Die eben erstandene eiskalte Tequilaflasche wanderte zu den frischen Zitronen in Akiras bunten Strickbeutel, der ihm quer über die Schultern hing, und die Zigarillopackung wurde an Ort und Stelle aufgerissen, während der Händler ihn noch grinsend verabschiedete. Akira erwiderte den Gruß freundlich und rückte seine Strickmütze zurecht, ehe er sich abwandte und sich einen Zigarillo zwischen die Lippen klemmte. Gerade pulte er ein Streichholzbriefchen aus seiner Hosentasche, als er von einem asiatisch aussehenden Mann Mitte vierzig angesprochen wurde.
„Du bist nicht zufällig mit einem jungen Japaner unterwegs?“ fragte der Fremde direkt, blickte dabei freundlich-neutral drein. Er sprach Japanisch. Auf der Straße waren auch zu später Stunde noch viele Menschen unterwegs. Aus Reflex sah Akira sich um, ehe er den Mann genauer musterte und sich betont desinteressiert den Zigarillo anzündete. Oder er versuchte es zumindest, doch die lappenartigen dünnen Streichhölzer wollten nicht so recht mitmachen. Das ruinierte seinen Auftritt ein wenig.
„I'm sorry, I don't understand what you're saying,“ probierte er. Das Lügen hatte er immer noch nicht gelernt, aber immerhin war Englisch seine Muttersprache und wirkte so vielleicht überzeugend genug. Er zuckte mit einem gekonnt unschuldigen Lächeln mit den Schultern. Der Mann reichte ihm ein Feuerzeug und antwortete:
„Ich weiß, dass du Japanisch kannst, ich habe euch gesehen. Ich wollte dich lediglich warnen. Du weißt nicht, mit wem du deine Zeit verbringst.“ Er sprach ruhig und es klang so, als hätte er Akira gerade das Wetter der kommenden Tage mitgeteilt. Auf Akiras Gesicht wurden nun zartes Misstrauen und ein bisschen Neugier sichtbar, als er den Mann weiter musterte.
Einer von Ryujis Leuten?
„Was meinst du damit?“ Trotz des Alters des Mannes hielt er sich nicht mit Höflichkeit auf.
„Ich nehme an, du weißt nicht, was er gemacht hat, bevor ihr euch begegnet seid?“
„Du weißt doch gar nicht, wann wir uns begegnet sind,“ entgegnete der Junge mit einem amüsierten Stirnrunzeln. Er zündete sich den Zigarillo an und reichte dem Mann sein Feuerzeug zurück.
„Ich weiß, wann ich ihn das letzte Mal gesehen habe und das ist schon sehr lange her. Dich kann er erst später getroffen haben, nachdem er ein halbes Yakuzasyndikat zerfetzt hat – mit vierzehn Jahren,“ erklärte der Fremde, nachdem er sein Feuerzeug wieder an sich genommen hatte und musterte den Jungen daraufhin.
Akira blinzelte erstaunt und musste dann grinsen. Er wandte sich zum Gehen, aber so, dass es offensichtlich war, dass er das Gespräch noch nicht als beendet betrachtete.
„Und wer bist du?“ fragte er den Mann.
„Ein alter Bekannter von Sakai. Kein besonders guter. Ein damaliger Mitarbeiter von mir ist für dieses Bild verantwortlich.“ Er zeigte dem Jungen neben ihm hergehend ein Foto, auf dem ein Junge mit blauen Augen zu sehen war – nicht älter als zwölf Jahre. Er hatte Blut am ganzen Körper kleben und trug keine Kleidung. „Vielleicht erkennst du ihn wieder. Er sieht weniger gefährlich aus.“
Akira nahm das Bild. Seine Schritte verlangsamten sich, als er es genau betrachtete.
Wo sieht er weniger gefährlich aus – Jetzt oder auf dem Foto? Aber noch viel wichtiger -
„Warum ist er nackt?“ fragte er ernst.
„Dieses Bild ist unter unschönen Umständen enstanden. Einige Jahre zuvor hatte ihn jemand aufgesammelt und befand es als eine gute Idee, ihn als Spielzeug zu benutzen.“
Der Blick des Jungen auf dem Bild war absolut leer und ließ keine Spur von irgendeinem Gefühl vermuten, nicht einmal von körperlichen Schmerzen, die er gehabt haben musste. Akira sah das Bild genauer an. War das Blut auf ihm Keis eigenes?
Stirnrunzelnd sah er zu dem Mann auf.
Ein Mitarbeiter von ihm, ‚jemand‘ hielt es für eine gute Idee ihn als ‚Spielzeug‘ zu benutzen... Dieser Mann musste etwas damit zu tun gehabt haben.
„Was hast du damals davon gewusst?“ Akira schob sich das Foto in die Hosentasche.
„Teilweise... Ich wusste, dass er den Jungen bei sich hatte und ich wusste, dass er merkwürdige Neigungen hatte. Was er mit Sakai angestellt hat, war ein offenes Geheimnis,“ teilte der Mann Akira mit. Er würde ihm nicht alles erzählen, das er wusste.
Und was er erzählt hatte, reichte Akira schon beinahe. Er bog in einen schwach beleuchteten Pfad zwischen hoch umzäunten Hinterhöfen und Gärten ein, durch den man zu einer Parallelstraße kam.
„Und wovor genau willst du mich jetzt warnen? Vor dem kleinen missbrauchten Jungen, der es geschafft hat, sich zu wehren?“
„Ich wollte nur sichergehen, dass du weißt mit wem du deine Zeit verbringst, der Junge ist mit Vorsicht zu genießen. Richte ihm Grüße aus. Es gibt viele, die seinen Kopf rollen sehen wollen. Oh, und sag ihm, dass er besser seine Schulden zahlen sollte, wenn er an seinem verdammten Leben hängt... oder an deinem.“
Mit diesen Worten ging der Mann wieder seiner Wege und ließ Akira allein.

Kei vertrieb sich die Zeit des Wartens mit einer ausgiebigen Dusche. An deren Ende gesellte Akira sich zu ihm. Das tat er, indem er stumm eintrat, leise die Tür schloss, den Beutel auf den Tisch legte und auf dem Weg zur Dusche, die sich im selben Zimmer wie alles andere befand, nacheinander seine Sandalen, Mütze, T-shirt und Hose auf den Boden fallenließ. Er tastete nach der Öffnung im Duschvorhang und trat mit blutverschmiertem Gesicht und Armen hindurch.
„Du hast ‘ne interessante Definition von Alkohol kaufen,“ kommentierte Kei das blutige Eintreten seines Freundes. Akira trat dicht genug an ihn heran, um unter den Wasserstrahl zu gelangen.
„Ich habe Alkohol gekauft.“ Er wischte sich über das Gesicht und sah Kei an. Dann dachte er an das Foto in seiner Hosentasche. Und dann musste er unwillkürlich daran denken, wie sonderbar es war, dass selbstgerechte, sadistische Schwerkriminelle im mittleren Alter haargenauso schmeckten wie brave Bürger.
„Und auf dem Rückweg hast du dir ‘nen Imbiss genehmigt.“ Kei erwiderte Akiras Blick gelassen und betrachtete das an ihm herunterlaufende Blut. Akira zuckte mit den Schultern.
„Was soll ich sagen, er hat sich mir praktisch angeboten... Sag mal, erinnerst du dich an meine Entführung? Die in La Paz meine ich.“ Er musterte Kei weiter, dicht genug vor ihm stehend, dass er ihn bequem hätte umarmen können. Er selbst sah etwas nachdenklich und sehr ernst aus.
Bilder von den verschiedenen Männern, die er einfach wie am Fließband getötet hatte, gingen ihm durch den Kopf, und die Bilder, die Kei eigentlich vergessen wollte. Die meisten davon.
„Ja, warum?“
„Wie habe ich da ausgesehen?“ Akira drehte sich um und tapste nass zu seiner Hose.
„Blutverschmiert und unter Drogen.“
Mit spitzen Fingern zog Akira das Foto des kleinen Kei aus der Hosentasche, ließ die Hose wieder fallen und hielt es Kei entgegen.
„Ich war nicht ganz beisammen, also bin ich mir nicht sicher wie viele es waren, aber die ersten sechs habe ich mitgezählt.“
Wie viele was? Er weiß doch gar nicht, wovon du redest!
Doch. Der letzte steckte noch fast in mir drin als die Schießerei losging. Er wird ihn gesehen haben.
Akira klang wirklich gelassen. Ruhig und gefasst. Er musterte Kei weiter.
Das wollte Kei nicht wissen, er konnte es sich denken und das reichte ihm. Überrascht strarrte er auf das Foto. Nach einer Pause fragte er leise:
„Wo hast du das her?“
Niemals hätte er damit gerechnet, noch einmal mit diesem Bild konfrontiert zu werden. Nicht, nachdem er mit zwei Schusswaffen und einem Messer jeden lebenden Menschen, den er in diesem Haus gefunden hatte, umgebracht hatte.
„Von einem Japaner, der mich gerade draußen angesprochen hat. Er sagte, er wolle mich vor dir warnen. Du seist mit Vorsicht zu genießen, sagte er. Ich soll dir auch Grüße ausrichten und dir sagen, dass du irgendwas bezahlen sollst, wenn du deinen Kopf behalten willst. Und meinen,“ fügte Akira mit einem kleinen Seitwärtsnicken hinzu. „Das war mein Imbiss.“
Als Kei das Bild nicht anfasste, legte Akira es hinter sich auf den Tisch. „Du musst nicht alles für dich behalten,“ sagte er leise.
„Ich war eigentlich der Meinung, dass von denen keiner mehr übrig ist,“ sagte Kei leise.
Er wollte einiges für sich behalten, aber das schien nicht immer eine gute Idee.
Die können ja versuchen, sich ihr Geld zu holen... Oder mich... Dann ergeht es ihnen wie ihren Freunden damals.
Der Vampir ging nicht weiter auf das Bild ein.
Sie haben eine Drogenparty gefeiert... Viele bewaffnete Männer in einer dunklen Wohnung... Kei wusste nicht mehr, ob es Tag oder Nacht gewesen war oder wie viele Menschen damals wirklich auf dieser Feier waren. Relativ bald nach dieser Aufnahme waren alle von ihnen tot gewesen. Kei hatte an Bargeld alles mitgenommen, was er hatte finden können und einige teure Gegenstände zu Geld gemacht. Die Leichen hatte er einfach liegen lassen.
„Kei.“ Akira sah ihn an. Er drückte seine triefenden Haare aus, ohne seinen Blick abzuwenden.
Der Angesprochene sah Akira direkt an und wartete. Akira wartete auch. Mittlerweile fiel es ihm nicht mehr schwer, diesem außerirdisch blauen Blick standzuhalten, aber verlegen machte er ihn immer. Und sie waren beide nackt und nass.
Egal.
Nicht daran denken.
Irgendwann musste er doch den Mund aufmachen.
Der Vampir stand noch unter dem warmen fließenden Wasser und sah seinen Freund an, nicht musternd sondern eher leicht überfordert. Auch wenn er nicht wollte, dass Akira das mitbekam.
„Verbrenn das Bild,“ sagte er ruhig.
Ohne zu zögern, drehte Akira sich um und zog den Aschenbecher heran, zerriss das Foto und legte die Schnipsel hinein. Dann holte er das unzuverlässige Streichholzbriefchen aus seiner Hosentasche, zündete es an und legte es dazu.
„Du willst mir nichts erzählen?“ fragte er ruhig, während er beobachtete, wie der kleine Papierhaufen Feuer fing.
„Wenn er tot ist, wird er dir genug erzählt haben.“ Auch Kei sprach ruhig.
Und du hast das Bild gesehen... das erzählt genug...
Nachdenklich sah Akira dem Feuer zu und tropfte dabei noch ein bisschen.
Er ist nicht wahnsinnig, weil er ein Vampir ist.
Kei machte nach einer Weile das Wasser aus und nahm sich ein Handtuch um nicht Akiras Beispiel zu folgen und den ganzen Boden vollzutropfen. Aus der Dusche getreten nahm er sich eine Zigarette und zündete sie an.
„Das ist lange her,“ fügte er ruhig hinzu und setzte sich aufs Bett.
So acht, neun Jahre.
Akira setzte sich daneben und nahm sich auch eine Zigarette.
Rauchend sah Kei aus dem Fenster, während er sich fragte, warum der Typ noch bis vorhin am Leben gewesen war und ob noch mehr Yakuza von damals immer noch hinter ihm her waren.
„Was meinte er damit? Damit, dass du deine Schulden begleichen sollst?“ versuchte Akira, als Kei nicht weitersprach. Er setzte den Aschenbecher, in dem die letzten Reste des Fotos glommen, zwischen sie auf die Bettdecke.
„Ich hab‘ diese Penner um einiges Geld erleichtert... was anderes kann ich mir nicht vorstellen...“
„Du hast sie bestohlen? Wie? Warst du nicht gerade mal zehn oder so?“
„Ich war zwölf, aber Tote zu bestehlen ist einfach.“
„Ich kam mir gerade so einfühlsam vor...“ Akira rollte die Augen. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. „Glaubst du, dass du -“ Nein, das sollte ich nicht – scheiß drauf. „Glaubst du, dass du darum so brutal bist? Weil sie‘s dir so beigebracht haben?“
Beibringen war eine gute Formulierung, denn erzogen worden war Kei niemals wirklich.
„Möglich.“
Kurz entschlossen nahm Akira Kei die halbe Zigarette aus der Hand und drückte sie zusammen mit seiner aus.
„Hey!“ Kei sah Akira fragend an. Der setzte den Aschenbecher auf den Tisch zurück und rutschte näher.
Kei betrachtete das Gespräch einfach als beendet als von Akira nichts mehr kam und war diesem Umstand tatsächlich dankbar. Er legte einen Arm um Akira und zog ihn an sich. Akira küsste ihn, sanft und langsam.
Der Vampir erwiderte den Kuss wie der andere ihn begonnen hatte. Akiras Hand wanderte langsam und leicht Keis Arm und Schulter hinauf. Er fragte sich, ob Kei auch Blümchensex konnte.
Wahrscheinlich nicht. Mal sehen.
Er streichelte Keis Wange und durch seine nassen Haare. Sie waren mittlerweile schwarz-blond. Das Blau war komplett ausgewaschen. Der Japaner lächelte ein bisschen und zog den Kleineren leicht noch ein Stückchen zu sich. Mit einem warmen Lächeln legte Akira locker die Beine um Kei und zog ihm das Handtuch ab, ehe er ihn wieder küsste, kurz und keusch.
Zwei Jahre. Nach zwei Jahren muss mich ein Fremder auf der Straße anquatschen, damit ich davon erfahre.
Kei vergrub sein Gesicht in Akiras Halsbeuge und rutschte so aufs Bett, dass er ganz darauf saß. Seinen Freund zog er dabei ein bisschen mit.



Monday, January 4, 2016

Kei + Colin LVII: Experiment



Es dauerte nicht lang, bis Ryuji nach ihrem Verschwinden herausgefunden hatte, wo sich der Sohn seines alten Freundes verkrochen hatte. Jetzt hieß es warten, bis er und sein kleiner Freund sich wieder auf den Weg machen würden. Kira hatte ihm prophezeit, dass Kei es nicht lang mit seiner Verwandtschaft aushalten würde - und so kam es dann auch.
Akira setzte sich den Helm auf und setzte sich hinter Kei. „Wir sollten gleich zum Hafen oder noch besser ganz nach Süden.“ Dass er damit Kyushu oder gleich Okinawa meinte, hielt er nicht für erwähnenswert.
„Einen Versuch ist es wert, aber sie werden nicht lange brauchen um uns zu finden,“ sagte Kei beim Starten. Den Rucksack hatte er vor sich, damit Akira auch Platz hatte. Mit Keis Schwert neben seiner Geige auf dem Rücken brauchte Akira ein paar Sekunden des Herumrückens, bevor er sich an Kei festhielt.
„Dann musst du schnell sein.“
„Gut festhalten,“ sagte Kei und fuhr los. Langsam war er wirklich nicht und er fuhr nur dann vorschriftsmäßig, wenn es nötig war. Hinter ihm sah Akira sich um, wenn und soweit es möglich war, um Kei möglichst rechtzeitig Warnung geben zu können. Der Zustand der Straßen und des Verkehrs machten es allerdings schwer zu bestimmen, was warum außergewöhnlich war. Immerhin machte es ihnen das leicht, von der Polizei unbehelligt durch die Straßen zu preschen. Die Polizei hatte dringenderes zu tun.
Während Kei einfach nach Süden fuhr, saßen ihre Verfolger nicht untätig herum.
Ryuji und Kira waren den beiden sehr dicht auf den Fersen. Dies bemerkte Kei jedoch nicht, obwohl er wusste, dass sie nicht allzuweit weg sein konnten.
Dass sie keine zweihundert Meter entfernt waren, ahnte er nicht. Die beiden älteren Vampire waren mit einem Auto unterwegs, irgendeinem aufgerüsteten Sportwagen. Kira hielt eine Waffe in der Hand.
Im Vorbeirauschen fiel Akira ein unbeleuchtetes Schild auf. „In einem Kilometer ist die Straße gesperrt!“ rief er nach vorn. Vereinzelt waren Polizeiautos in der Nähe zu sehen.
„Fuck!“ Kei bog hart in die nächste Rechtskurve, die er sah und fuhr dort weiter. Kurz darauf lösten sich hinter ihnen Schüsse. „Scheiße!“ er versuchte, ihnen auszuweichen, doch das gelang ihm nicht lange. Drei Kugeln trafen den Hinterreifen, worauf das Motorrad mitsamt Fahrer und Akira zur Seite auf die Straße geschleudert wurde. Keis verzweifelter Gegenlenkversuch blieb fruchtlos. Er und Akira wurden vom Motorrad gerissen. Der Vampir schlug mit dem Kopf zuerst auf dem Boden auf und sah sein Motorrad noch in ein stehendes Auto krachen.
Akira landete auf seiner rechten Schulter und rutschte und rollte noch etwas weiter, bis die Bordsteinkante ihn aufhielt, mit der sein Knie knackend Bekanntschaft machte. Sein Gesicht wäre ebenfalls dort aufgeschlagen, wenn der Helm nicht im Weg gewesen wäre. Dessen Visier brach nur laut, was kurz das Krachen des Motorrades und das Klingeln in seinen Ohren übertönte. Langsam rollte er sich auf die andere Seite und versuchte, sich dabei den Helm abzunehmen. Das schaffte er auch, aber zum Aufstehen reichte es nicht mehr. Kei war ebenfalls etwas über den Asphalt geschlittert und kam in einem anderen Auto zum Halten. Langsam drehte er sich auf den Rücken um den Helm abzunehmen.
„Akira? Lebst du noch?“ fragte er, als er sich langsam aufrichtete.
Der Wagen der beiden Angreifer kam kurz nach dem Unfall in einigen Metern Entfernung zum Stehen. Kira stieg als erster aus und besah sich den Unfall. Ryuji folgte wenig später.
„Wichser,“ kommentierte Kei das Eintreffen der beiden.
Ich bin noch da, wollte Akira melden, aber brachte nur ein Stöhnen heraus, während er sich auf seinen linken Arm stützte. Scheiße, tut das weh. Dass ein Auto angehalten und zwei Leute ausgespuckt hatte, nahm er wahr, aber er konnte nicht darauf reagieren. Sehen konnte er es auch nicht direkt, weil ihm aus einer Wunde auf der Stirn Blut ins rechte Auge floss.
Kira und Ryuji brauchten nicht viel Mühe, um die beiden einzusammeln. Akira mitzunehmen war nicht schwer und Kei wurde mit ein paar Schüssen bewegungsunfähig gemacht.
Zur Sicherheit bekam Akira von Ryuji noch einen heftigen Tritt in die Rippen. Nachdem er aus Reflex Luft geholt hatte und seine Brust sich dabei wie zerrissen anfühlte, wurde er vor Schmerz bewusstlos. Kei verlor ebenfalls das Bewusstsein, nachdem er durchlöchert worden war. Kira und Ryuji nahmen beide mit, mitsamt ihres wenigen Gepäcks, das sie dabeihatten, und verfrachteten sie ins Auto.
Kurz bevor sie ihr Ziel erreichten, fesselte Kira beide und nahm erst Akira und später Kei mit aus dem Auto. Sie brachten sie in den Keller eines großen Anwesens, dessen Eigentümer schon eine Weile nicht mehr lebten.
Akiras Verletzungen hatten sich schon teilweise zurückgebildet, und wenn er nun aufgewacht wäre, hätte er sich wieder bewegen können. Kei blieb lange bewusstlos, er hatte auf der Fahrt viel Blut verloren. Er und Akira wurden in weit voneinander entfernte und stark schallgedämpfte Räume getragen und dort mit sehr stabilen Ketten an unverkleidete Stahlträger gekettet.
Nach weniger als einer Stunde wachte Akira auf. Zuerst krochen nur der Geruch, die Kälte und die Härte des Fußbodens und des Stahls in seinem Rücken und um seinen Körper in sein Bewusstsein, und als der übrige Schmerz in seiner halb verheilten Schulter und in seiner Brust dazukam, stach er ihn innerhalb von Sekunden hellwach. Er blieb kühl, atmete nicht und gab keine Geräusche von sich, außer dem leisen Klirren der Ketten, als er sich um- und an sich heruntersah.

Nach etwa einer weiteren Stunde ging Kira zu Kei. „Wach auf! Wir machen einen Ausflug. Tu nicht so, als ob du nicht aufstehen könntest, Keisuke.“
Kei öffnete die Augen und sah nach oben. „Verpiss dich, Arschloch.“

Ryuji ging zu Akira. „Wir haben ein paar Fragen an dich,“ sagte er und blieb in ein paar Metern Entfernung stehen. Akira musterte ihn nur stumm und relativ ausdruckslos. Er war zu müde und zu gestresst, um sich zu fürchten oder wütend zu sein, nur mit dem rechten Auge zwinkerte er etwas ungeduldig, weil ihn das verkrustete Blut darüber störte. Wenn der Penner Fragen hatte, sollte er sie stellen und sehen, ob er eine vernünftige Antwort bekam.
Ryuji war die Ruhe selbst. Er musterte den Verletzen kurz. „Dass du hier bist, ist kein Zufall. Also. Woher kennst du Sakai?“ begann er.

Keine vierzig Meter weiter wurde Kei von seinem Vater mitgenommen, nachdem sich die beiden eine heftige Prügelei geliefert hatten.

Das war einfach.
„Aus der Schule,“ antwortete Akira heiser. Er sprach sehr leise, flüsterte beinahe, aber er war sich sicher, dass Ryuji ihn verstanden haben musste.
Ryuji nahm das zur Kenntnis. „Wie stehst du zu ihm?“ Wirklich interessieren tat ihn das nicht, aber es waren Dinge, die er herausfinden musste, immerhin konnte jedes kleine Detail wichtig sein.
Was soll die dämliche Frage? Du hast auf dem Schuldach gesehen, wie ich an ihm rum- Er sah Ryuji verwirrt an und blinzelte ein paarmal. Sein Kopf tat wirklich weh.
„Um mich das zu fragen, hast du mich hier festgebunden? Hast du uns nicht auf dem Dach gesehen?“
Ryuji ging darauf nicht weiter ein und dachte sich seinen Teil. „Du bist gestorben. Warum, glaubst du, bist du wieder da?“ fragte er weiter.
Akira seufzte genervt. „Ich habe keine Ahnung.“ Seine Augen begannen zu tränen.
Er hat selbst keine Ahnung... Da die Instanz sich sicher war, dass es mit Keis Lebendigsein zu tun hatte... „Wie ist das zwischen dir und Sakai entstanden?“

Kei fand sich an einem wenig einladenden Ort wieder, schon wieder angekettet und zusammengeschlagen.
„Was soll der Scheiß?“ raunzte er seinem Vater ins Gesicht.
„Antworten, Keisuke,“ erwiderte der.
„Antworten worauf?“

Entstanden? Was genau? Stirnrunzelnd musste Akira erstmal grübeln.
„Was...?“
„Die Beziehung zwischen dir und Sakai,“ erläuterte Ryuji ruhig. Akira verstand immer noch nicht, was es da zu erklären gab. Wie entstand so etwas? Er blickte müde blinzelnd vor sich auf den Boden. Der Schmerz zog sich schon zurück und er konnte sich problemlos regen und bequemer hinsetzen, soweit die Ketten das zuließen.
„Warum bin ich gefesselt?“ Seine Stimme kratzte noch, war aber nicht mehr so leise wie zuvor.
„Damit du nicht abhaust.“
„Wo ist Kei?“
„Nicht hier.“
„Ach,“ bemerkte Akira trocken.
„Er lebt – noch.“ fügte Ryuji hinzu.
Akira blickte auf. Hängt wohl von unserer - meiner? Kooperation ab.
„Wir haben in der Klasse nebeneinander gesessen.“
Ryuji machte sich ein paar Notizen und ging dann erstmal wieder um seine Infos weiterzugeben, und Kira anzurufen um zu erfragen, was er aus Kei herausbekommen hatte.
Kei war weit weniger kooperativ. Kira bekam von ihm nichts wirklich wissenswertes mitgeteilt.

Als Ryuji den Raum verlassen hatte, begann Akira damit, sich aus den Ketten zu winden zu versuchen. Sie waren zu fest, aber er schaffte es dennoch, aufzustehen. Das führte jedoch zu keinem brauchbaren Ergebnis, weil seine Gliedmaßen noch einmal einzeln eingewickelt waren, also setzte er sich wieder hin und sah sich weiter im Raum um. Nun, da die Spuren des Unfalls beinahe komplett verschwunden waren, hatte er keine Schmerzen mehr und konnte klar sehen.

Kei endete wieder zusammengeschlagen in der Ecke. „Kann man dir nicht mal Fragen stellen?“ Kira war genervt. Sein Sohn hatte zuviel von ihm, aber seine Mutter war sicher nicht ganz unschuldig daran, wie er sich entwickelt hatte.
Er informierte Ryuji, dass Kei wieder bewusstlos in der Ecke liege, nachdem er die Ketten tatsächlich zerstört hatte. „Auf jeden Fall dreht er völlig durch, wenn er sauer ist und nicht weiß, wo sein Freund sich rumtreibt.“
Kei wurde irgendwann aus der Stadt gebracht und lag mehr tot als lebendig unter der Aufsicht seines Vaters herum.

Sobald Akira entfesselt war und ihm sein Instrument zurückgegeben wurde, untersuchte er den Raum und die Wände, klopfte sie ab und untersuchte besonders die Tür, alles ruhig und gelassen. Er suchte nach Kameras und Mikrofonen. Fand aber nichts außer einer kleinen Kamera in einer Ecke an der Decke, die er nicht erreichen konnte. Er bedachte die Linse der Kamera mit einem Stinkefinger und ging zum Geigenkasten, nahm einen der zwei Bögen heraus und piekste damit auf die Linse.
Es passierte nichts.
Zwei Tage lang.
Nicht, dass er oder Kei das irgendwie wahrnahmen. Keiner von ihnen sah Tageslicht oder eine Uhr, und Ryuji und Kira teilten ihnen keine Uhrzeiten mit.
Irgendwann, nach dieser viel zu langen Zeit, die Akira mit stumpfsinnigem Herumwandern, Herumsitzen und dem gelegentlichen Beantworten Ryujis willkürlicher Fragen verbrachte, kam Ryuji zu ihm und erzählte ihm, dass Kei fast tot sei.
Akira sah ihn niedergeschlagen an. „Warum?“
Ryuji erklärte ihm, dass er herausfinden wolle, ob Kei ebenfalls zurück ins Leben kommen würde, wenn er stürbe.
„Wird er nicht,“ sagte Akira sofort mit Bestimmtheit. „Es wäre dämlich, ihn zu töten.“ Er hatte keine Ahnung, aber bezweifelte es stark. Währenddessen ging er ruhig auf Ryuji zu, mit den Händen in den Hosentaschen.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ Ryuji den Raum und verschloss wieder die Tür, ehe Akira ihn erreicht hatte. Als die Tür vor seiner Nase zufiel und wieder verriegelt wurde, stürzte Akira zu seinem Geigenkasten zurück, fummelte Keis Zettel und den Bleistiftstummel, den er darin aufbewahrte, heraus und schrieb auf die Rückseite des Blattes:
‚Was kann ich tun, damit ihr ihn nicht umbringt?‘ und hielt das Blatt vor die Kamera.
Er bekam keine Antwort, aber sie wäre ‚gar nichts‘ gewesen.

Kei lag ziemlich tot in einer Ecke. „Sagst du mir jetzt, was ich wissen will?“ fragte Kira.
„Fick dich!“ war alles, was Kei dazu zu sagen hatte, wofür er noch einen Tritt in den geschundenen Körper bekam. Kira ließ ihm keine Zeit sich zu regenerieren. Davon abgesehen brauchte er dafür auch Blut und das bekam er nicht.
Am Abend war Kei beinahe tot.
Kira rief Ryuji an und erklärte ihm, dass Kei nicht mehr lang durchhalten würde. Er machte ein Bild von dem sterbenden Jungen und sendete es Ryuji. Der druckte es aus und schob es Akira unter der Tür durch. Anschließend beobachtete er, was passieren würde.
Akira schob sich nach kurzem Betrachten den Zettel in die Hosentasche und begann, gegen die Tür zu treten. Natürlich brachte das nichts und er nahm den leeren Geigenkasten und warf ihn auf die Kamera, bis sie teilweise zerbrochen etwas heruntersackte.
Dann kehrte er zur Tür zurück und trat weiter grimmig dagegen. Irgendwann brach etwas in seinem Fuß und er beschloss, sich nicht dafür zu interessieren und weiterzutreten. Die Tür begann zu wackeln, aber wurde nicht im Geringsten beschädigt.
Ich werde euch beide lebendig auffressen!
Nach einer Weile ging er dazu über, die Tür mit der Schulter zu rammen.
Die Tür stellte sich als sehr stabil heraus, und Kei nach weiteren zwölf Stunden als sehr tot.
Ryuji teilte Akira mit, dass Kei verstorben war.
Stumm aber blitzschnell stürzte Akira sich auf Ryuji. Wenn er nicht so verzweifelt und hungrig gewesen wäre, hätte er es mit Reden versucht, aber da stand Fleisch vor ihm, das er hasste, also sprang er ihn frontal an und griff dabei nach Ryujis Jackett und mit der anderen Hand nach seinem Gesicht. Sein geöffneter Mund zielte auf Ryujis Kehle.
Ryuji war zu schnell für Akira, der eine Faust in die Stirn bekam, worauf der Vampir schnell wieder verschwand und die Tür fest verschloss. Draußen rief er Kira an und erstattete ihm Bericht.
Kei wurde weiterhin beobachtet, immerhin bestand die Möglichkeit, dass er wieder aufstehen würde.

Der Faustschlag hatte Akira zurückgeworfen und bestimmt auch verletzt, aber er hängte sich sofort wieder an die Tür, wie er es in den letzten langen Stunden auch getan hatte, kratzte und schlug darauf mit den Händen und dem Kopf, den er gegen die Tür rammte, bis seine Stirn blutete, und dann noch weiter. Er fand eine hervorstehende Kante und biss hinein. In die Schlitze zwischen Tür und Rahmen quetschte er die Fingerspitzen und zog und kratzte knurrend weiter. Bald kniete er auf dem Boden und schien zu versuchen, sich durch die Tür zu fressen oder zu graben.
Der Stahl der Tür gab nur minimal nach.
Ryuji schilderte Kira weiterhin was passierte und erfuhr, dass sich bei Kei nichts tat und er einfach nur tot in der Ecke lag.
Allmählich wurde Akira langsamer, aber machte mit seinem blinden, selbstverletzenden Kratzen, Schlagen und Beißen weiter.
Zwei weitere Tage lang passierte nichts.

Danach kam Ryuji wieder.
Akira krabbelte von der Tür zurück, als er Ryuji sich nähern hörte, um vor der sich öffnenden Seite auf ihn zu lauern. Sobald Ryuji den ersten Schritt in den Raum machte, krallte er sich in sein Bein und biss wild hinein.
Ryuji trat dem Jungen mit dem freien Fuß gelangweilt ins Gesicht und bekam sein Bein so mit Leichtigkeit wieder frei. „Wenn du ruhig bist, lass ich dich zu ihm. Wenn nicht, siehst du ihn nie wieder.“
Akira rappelte sich auf und sah überrascht zu Ryuji auf. Er sah nicht besonders intelligent aus. Davon abgesehen, dass er sich tagelang nicht gewaschen oder die Kleider gewechselt und dafür nur gehungert und im Staub und im Mauerwerk herumgewühlt hatte, wirkte er auch seiner Körperhaltung und seinem Gesichtsausdruck nach wie ein verwirrtes Tier.
„Was? Du hast dich nicht verhört. Kira hat ihn hergebracht. Aber er ist tot,“ erklärte Ryuji ruhig, hielt aber Abstand zu Akira, falls dieser wieder auf die Idee kommen würde, auf ihn loszugehen.

Kei lag in Jeans und nichts anderem – der Rest seiner Kleidung lag in seinem Rucksack – auf einem Bett in einem der oberen Räume des Hauses. Kira hatte auch seinen Rucksack mitgenommen und diesen daneben gestellt. Bis auf Keis Waffen war noch alles da. Er selbst stand vor der Tür und wartete. Die Instanz wollte zwar wissen, was mit Kei passierte, wenn er starb, aber so war das nicht geplant gewesen.

Akiras Blick wurde schnell wieder humaner. Man konnte ihm ansehen, dass in ihm die wilde Gier und Wut der letzten langen Stunden mit menschlicheren Gefühlen wie Sorge, Verzweiflung und Hoffnung darum rangen, ausgedrückt zu werden. Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.
„Ich will zu ihm,“ flüsterte er mit rauher Stimme.
Ryuji öffnete die Tür vorsichtig und beäugte Akira genau. „Komm mit.“ Sein Blick sagte etwas wie ‚Wehe du versuchst abzuhauen.‘
Unsicher ging Akira mit dem Mann mit. Er fühlte sich zu schwach und zu müde, und zu überwältigt von diesem plötzlichen Freigang durch ein Gebäude, das er sich hinter der Metalltür ganz anders vorgestellt hatte, um ihn wieder anzufallen. Außerdem würde ihn das von Kei fernhalten.
Er war so hungrig.
Es war so schwer, die Treppenstufen zu erklimmen.
Er war so hungrig.
Ryuji führte ihn mehrere Treppen hinauf bis zu einer Tür, vor der ein Mann Wache stand. Er sah Kei sehr ähnlich. Akira starrte ihn an. Er war zu weggetreten, um jetzt Gefühle zu hegen.
„Kira,“ sagte er nur zu sich selbst.
Kira öffnete ihm die Tür. Wortlos.
Kei lag reglos auf dem Bett. Er sah misshandelt aus. Akiras Augen wurden heiß, als würden sie ihm mit Tränen volllaufen, als er ihn sah. Aber er hatte zuwenig Flüssigkeit im Körper. Es stach ihn nur ein riesiger schwarzer Keil aus Hass und Abscheu gegenüber Keis Vater.
Er wankte in den Raum, auf das Bett zu, und kniete sich auf die Kante, während er Kei anstarrte. Der lag da, als würde er friedlich schlafen, wenn nur all die Verletzungen nicht so offensichtlich gewesen wären.
Nach wenigen Minuten warf Ryuji etwas in den Raum hinein, das klatschend neben Akira auf dem Boden landete. Es war ein großes blutiges Stück Fleisch, noch warm. Erst reagierte Akira nicht und starrte Kei nur weiter an, bis ihm der Geruch in die Nase stieg und er plötzlich tief Luft holte. Er hatte seit Tagen nicht geatmet. Sein Herz begann zu schlagen, langsam aber sicher, und er schaute aus Reflex auf das Fleischstück, aber sein Blick schnappte sofort zu Kei zurück, den er bei der Schulter rüttelte.
‚Kei,‘ sagte sein Mund lautlos. „Kei. Kei.“ Er wurde allmählich hörbarer.
Der Vampir war eiskalt und blieb das auch eine Weile. Erst nach einigen Minuten zuckte er zusammen und meldete sich mit einem schmerzerfüllten Stöhnen wieder zurück.
Herzschlag tat weh, wenn er tagelang ausgesetzt hatte. Die Augen öffnete er nur einen kleinen Spalt weit. Völlig orientierungslos blickte er sich kurz um, ehe er die Augen wieder schloss und sich zusammenrollte. „Es is kalt...“ brachte er kaum hörbar heraus.

Ryuji und Kira beobachteten das Ganze.

Nun weinte Akira tatsächlich ein bisschen. Eilig fischte er nach dem Fleischstück und hielt es Kei hin.
„Ach nein...“ Er ließ es los, riss sich die staubige Jacke herunter und deckte Kei damit in Windeseile zu. Dann biss er sich selbst hart in den Unterarm und hielt ihn Kei vor die Nase. Kei hatte sich so sehr zusammengerollt, dass er beinahe ganz unter die Jacke passte. Er zitterte ein bisschen und nahm Akiras Arm dankbar entgegen. Besonders viel Blut trank er nicht, es reichte aber aus um nicht ganz so sehr zu frieren.
„Arigatou,“ sagte er leise.
Akira nahm seinen Arm zurück und griff sich unterwegs das Fleischstück, aus dem er sofort mit den Zähnen gierig große, nasse Fetzen riss, die er eilig verschlang. Er selbst bekam nicht mit, wie er dabei aussah. Er fraß.
Kei nahm nichts davon mehr wahr. Er war eingeschlafen.

Ryuji und Kira teilten derweil der Instanz die neuesten Ereignisse mit.



Thursday, December 17, 2015

Kei + Colin LVI: Zwangsgeschenk



Akira versuchte noch ein bisschen mitzudösen, stellte aber fest, dass er dafür zu ausgeschlafen war. Es war ungewohnt und schön, so mit Kei herumzuliegen. Seine Unterhose spannte unangenehm. Sachte zog er seine Hand aus Keis und setzte sich auf. Vorsichtig kletterte er aus dem Bett und schlich aus dem Zimmer. Bevor er leise hinausging, stellte er seine Schuhe ordentlich neben die Tür.
Kei murmelte Protest, schlief danach aber weiter wie tot und rollte sich ganz unter Akiras Jacke zusammen.
Akira grüßte, wem wer begegnete und bat höflich um die Erlaubnis zu duschen, die er ohne Umschweife - „Aber natürlich!“ - bekam. Er nahm also seine Dusche in einem überwältigenden Raum aus Marmor, Glas und verdächtig goldglänzendem Metall und putzte sich die Zähne mit einer Zahnbürste, Zahnpasta und einem Glas, die sauber in einem kleinen Glaskasten an der Wand gestanden hatten, neben weiteren solchen Sets und anderen Dingen, die das Hotel scheinbar zur Verfügung stellte. Es gab auch Kämme und Bürsten, und die benutzte Akira auch gleich. Als er eigentlich schon fertig war und sogar seine Haare sehr sorgfältig getrocknet hatte, beseitigte er die Spuren seiner Badnutzung so gut er konnte, und sein Blick fiel auf eine kleine Sammlung teurer Duftwässerchen.
Ach, was solls.

Kei verschlief die nächsten zwei Stunden friedlich. Als er endlich wach wurde, sah er sich um und stellte fest, dass Akira gegangen war. Langsam stand er auf und betrat nur in auf der Hüfte hängender Hose den größeren Raum mit den Sofas. Seine Haare waren etwas zerzaust und sein Blick müde.
Es lief barocke Musik in (für Menschen) moderater Lautstärke und Akira tanzte mit Misato. Aus irgendeinem Grund trug er einen Frack. Kaede war nicht anwesend und Makoto saß scheinbar teilnahmslos auf dem Sofa herum. Entweder hatte er den beiden zugesehen oder stumpf ins Leere gestarrt, bevor Kei dazukam, den er stattdessen blöd angucken konnte. Kei hatte sich schnell angewöhnt, Makoto gar nicht wahrzunehmen, stattdessen schaute er den beiden anderen beim Tanzen zu und schlenderte bald darauf ins Bad, nachdem er etwas von sich gegeben hatte, das mal eine Begrüßung hatte werden sollen. Akira und Misato unterbrachen ihren Tanz für ihren Gruß, um sich vor Kei zu verbeugen respektive zu knicksen.
„What a splendid morning, Mylord!“
„Indeed, good Sir!“
Kei bedachte die beiden mit einem leichten Hauch von Lächeln, bevor er im Bad verschwand, um die Dusche in Beschlag zu nehmen.
Akira verbeugte sich vor Misato und forderte sie wieder zum Tanz auf.
Eine halbe Ewigkeit und viel Wasser vergingen, während Kei die Nacht und das Gespräch mit seiner Tante den Abfluss hinunterzuspülen versuchte.
Innerhalb dieser halben Ewigkeit gewann Makoto sein Zimmer zurück, in dem er sich zu verbarrikadieren schien, Misato und Akira schlossen ihren kleinen Privatball ab und Kaede kehrte zurück.
Als sie das große Wohnzimmer betrat, kam Kei gerade mit nassen Haaren aus dem Badezimmer. Er hatte eine frische Hose an, der Rest war in seinem Rucksack verstaut.
„Da bist du ja! Guten Morgen,“ grüßte Kaede strahlend, während sie sich von Misato den edlen Mantel abnehmen ließ und sich die engen Handschuhe abzog. Dass es schon lange nicht mehr Morgen war, schien sie nicht zu interessieren. Akira saß auf dem Sofa vor seinem geöffneten Geigenkasten, der immer noch auf dem niedrigen Kristalltisch lag, und hatte einen Bogen und einen bernsteinfarben glänzenden Würfel in der Hand. Er saß im T-shirt da. Sein Sweatshirt lag über der Sofalehne. Er lächelte Kei warm an.
Kei erwiderte kurz Akiras Lächeln und wendete sich zu seiner Tante.
„Ohayo,“ sagte er knapp und deutlich weniger strahlend.
Keis Stimmung schien Kaede nicht zu bemerken. Sie legte nur eine lederne Mappe auf einem Tisch ab und setzte sich an diesen, indem sie sich einen Aschenbecher heranzog und eine silberne Zigarettenschatulle aus einer Tasche ihres engen Blazers zog.
„Hammerer-kun erzählte mir, dass du eine Idee hast,“ begann sie.
Akira musterte sie und Kei und wachste dann seinen Bogen langsam weiter. Misato kümmerte sich derweil um Kaedes Mantel und Handschuhe.
Kei berichtete knapp von der Idee – die gar nicht seine war, was er aber nicht erwähnte – während er ein T-shirt aus seinem Rucksack zog. Kaede betrachtete die Tätowierung auf Keis Rücken und Misato begaffte seinen gesamten Oberkörper.
Kaede zündete sich ihre Zigarette an und lächelte.
„Bist du dazu bereit?“ fragte sie.
Akira musterte beide. Misato, die sich neben ihn gesetzt hatte, auch.
Kei hielt das dunkelgraue Stück Stoff in der Hand, er schien nachzudenken. Schließlich nickte er. Das war ein Kompromiss. Das Äußerste worauf er sich einlassen konnte, wollen tat er trotzdem nicht wirklich.
„Misato?“ Kaede klang ein wenig streng und kühl. Misato nickte, ohne zu zögern.
„Ja, Mutter.“
Kei zog sich langsam sein T-shirt an, die anderen dabei beobachtend. Im Gegenzug betrachteten sie alle ihn. Misato ernst, Akira musternd, und Kaede mit einem leisen, wissenden Lächeln.
„Wann?“ fragte sie nach einer kurzen Weile und atmete dünne Rauchschleifen aus.
Kei hätte das gern vom Tisch. Er mochte keine Probleme, schon gar nicht solche, die mit Erwartungen an ihn verknüpft waren. Die aufzuschieben endete nie gut.
„Is mir egal,“ sagte er leise und fügte ein „Ich geh mir die Beine vertreten, bis gleich,“ hinten an. Beine vertreten hieß in diesem Fall Frühstück und Flucht. Er wollte seine Tante gerade nicht ertragen, auch wenn sie noch nicht lang da war.
Kaede drückte ihre Zigarette aus und stand auf.
„Dann sei heute abend zurück,“ sagte sie und nahm ihre Ledermappe, bevor sie zur Tür zum Arbeitszimmer ging.
Akira legte seinen Bogen und den Stein hin und stand auch auf.
Du hast mir gar nichts zu sagen... dachte Kei bei sich und zog seine Schuhe an, die neben seiner Tasche standen. Beim Aufrichten sah er Akira an, mit leicht fragendem Gesicht. Akira erwiderte den Blick mit einem etwas ernsten Ausdruck in seinem, blieb aber neben dem Sofatisch stehen, während Kaede im Arbeitszimmer verschwand und Misato so tat, als wäre sie nicht da.
„Willst du mitkommen?“ fragte Kei nach einer gefühlten Minute.
Du darfst nicht rausgehen. Akira zögerte mit seiner Antwort.
„... Wo willst du hin?“ fragte er leise. Wenn Kei ihm eine wahre Antwort gab, wusste er wenigstens, wo er später nach Stücken von ihm suchen konnte.
„Nicht weit. Ein, zwei Straßen runter. Ich pass auf,“ erklärte Kei ruhig. Akira sah besorgt aus. Er ging auf Kei zu und küsste ihn. Kei erwiderte den Kuss. „Ich bin vorsichtig.“
Akiras Blick sagte ‚Wehe, wenn nicht.‘
Kei setzte ein ‚Wird schon schiefgehen‘-Gesicht auf und verschwand durch die Tür. Unsicher sah Akira ihm nach.

Kei blieb überwiegend abseits der Straße oder des Fußgängerwegs. Etwa drei Liter Blut und drei Tote Menschen sowie eine Stunde später kam er zurück. Es war niemand im Wohnzimmer. Akiras Geige lag auf dem Tisch herum, als habe er sie gerade noch benutzt. Kei sah sich um. Wo sind die alle?
Das war das zweite Mal, dass er hereinkam und die Suite leer zu sein schien. Er ging zum Geigenkasten und sah sich noch einmal um. Die Wände und Türen in dieser Suite dämpften Geräusche sehr gut ab, doch aus Makotos Zimmer ertönte nun ein kurzes triumphierendes Lachen, das nur von Akira stammen konnte. Makoto grunzte daraufhin.
Kei öffnete leise die Tür und betrat den Raum. „Bin zurück.“
„Willkommen zurück,“ sagte Akira in der üblichen Floskel und schmunzelte Kei kurz an, bevor er seinen Blick wieder auf den Fernsehbildschirm wandte, auf dem er anscheinend gerade gegen Makoto kämpfte, der seinen Controller alles andere als unter Kontrolle hatte. Er wischte nur brachial darauf herum und ließ damit seinen Charakter auf dem Schirm wild um sich schlagen. Sie saßen am Fußende auf dem Bett.
Kei sah dem Schauspiel stumm zu und setzte sich auf das Bett.
In den folgenden Sekunden hielt Akira sich unauffällig zurück und ließ Makoto damit allmählich gewinnen, der sich nach dem donnernden „YOU WIN!“ wie ein Idiot freute und jubelte. Akira stand auf und legte seinen Controller auf dem Fernsehtisch ab. Kei beschloss, Makoto in dem Glauben zu lassen, spielen zu können und betrachtete Akira.
„Draußen ist die Hölle los.“
Die Gelassenheit verschwand aus Akiras Gesicht, als er Kei ansah.
„Was hast du gesehen?“ Er war verdammt erleichtert, dass Kei so schnell und unversehrt zurückgekommen war.
Viele Tote, Panik, Verkehrschaos, überforderte Beamte... „Leichen.“
Akira zog verwirrt eine Augenbraue hoch. „Du siehst ständig Leichen.“
„Viele Tote. Auf der Straße, teilweise. Die Beamten haben nichts mehr im Griff. Explodierte Autos... Es sieht aus wie im Bürgerkrieg.“ Es ist nicht überall so. In den besseren Gegenden herrscht weniger Chaos... Kei war weiter gelaufen als er angesagt hatte, aber das musste Akira nicht wissen.
Akira setzte sich neben ihn auf die Bettkante.
„Hat Kobayashi-san dir etwas darüber gesagt, was die beiden vorhaben?“
Hinter ihnen suchte Makoto sich durch die Menüs des Spiels, scheinbar ohne bestimmtes Ziel.
„Nein.“
Es klopfte an der Tür, die sich kurz darauf öffnete. Als Misatos Blick auf Kei fiel, wurde sie verlegen.
„Mako... Kiba ist da.“
Makoto schaltete die Konsole aus und zog sich seine Turnschuhe an, die neben der Tür gestanden hatten.
Kei hatte sich nicht einmal umgedreht um zu sehen, wer an der Tür war. Er wusste es auch so.
Makoto stapfte aus dem Raum und winkte unterwegs noch Akira fröhlich zu, der zurückwinkte. Misato blieb unschlüssig in der Tür stehen und schob sich die Haare hinter ein Ohr, wie Akira das tat, wenn er nervös war.
„Meine Mutter möchte mit euch sprechen. ... Im Arbeitszimmer.“
Kei stand auf, sein Gesichtsausdruck nichtssagend. Akira erhob sich auch und folgte Misato hinaus.
Bei der Tür zum Arbeitszimmer, die einen großen Spalt weit offenstand, hielt sie nicht an, sondern ging zu einem weiteren Raum weiter. Akira wartete, um Kei den Vortritt zu lassen.
Der ging langsam an ihm vorbei und sah sich etwas um. Kaede saß mit überschlagenen Beinen auf dem Lederstuhl vor dem Schreibtisch und rauchte wieder. Auf dem Tisch, nahe der Kante, standen tatsächlich zwei leere, mit roten Deckeln zugeschraubte Plastikbecher. Akira biss sich auf die Zunge, als er die sah. Kaede bedeutete ihnen mit einer Handbewegung, sich auf das Sofa zu setzen.
„Ich habe alles vorbereitet,“ sagte sie schlicht, aber sanft. „Misa-chan ist bereit.“ Sie zog an ihrer Zigarette und sah Kei an.
Nach ein paar Sekunden stand sie auf.
Keis Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, seine Gedanken fragten sich, wo er sich da hineinmanövriert hatte und jedes bisschen Familiengefühl, das der vor seinem achten Lebensjahr empfunden und aufbewahrt hatte, verschwand, je mehr er mit Kaede zu tun hatte.
Akira hatte sich noch nicht hingesetzt und sein Gesicht drückte das aus, was er dachte. Er fragte sich, was er hier zu suchen hatte.
„Kei-chan hat sehr betont, dass ihr beide ein Paar seid. Ich dachte, du könntest ihm etwas helfen.“ Sie strich Akira etwas über die Wange und wandte sich zur Tür. „Viel Erfolg.“
Kei zeigte seinem Lieblingstantchen den Mittelfinger, was soviel bedeutete wie ‚Erstens bin ich kein Kind mehr, zweitens kann ich das auch alleine und drittens fick dich.‘
Das sah sie nicht mehr, da sie gerade die Tür hinter sich schloss. Akira sah ihr hilflos nach und dann zu Kei. Er nahm seine Hand.
Kei ließ seine Gefühle der Situation gegenüber kein bisschen nach außen dringen, wenn man davon absah, dass er offensichtlich seine Tante verdammte.
Leicht drückte er Akiras Hand. Er saß im Schneidersitz auf dem Sofa. Akira wandte sich ihm zu, im Stehen, und sah ihn ernst an. Kei erwiderte seinen Blick. Er wollte nicht daran denken, dass das Ganze trotz der ziemlich beschissenen Umstände doch Spaß machen konnte. Immerhin waren er und Akira allein und hatten den Raum eine ganze Weile für sich.
„Was ist los?“ fragte Akira leise. Er wusste, dass sie in einer merkwürdigen und gefährlichen Lage waren, aber was Kei gerade so beschäftigte, musste etwas anderes sein, glaubte er. Denn merkwürdig und gefährlich kannte der Vampir.
Kei ließ sich nach hinten fallen, sodass er an der Rückenlehne lehnte.
„Ich hab mich grad gefragt, ob diese Situation trotz der gegebenen Umstände Spaß machen könnte,“ antwortete er ehrlich, ließ die Erläuterung aber weg.
„Könnte sie,“ stimmte Akira zu, „aber nicht -“ Er brach ab, um nachzudenken. Aber nicht mit dieser Laune? Nicht wenn du traurig bist? Nicht auf Kommando? Er setzte sich neben Kei, mit einem angezogenen Bein vor sich, sodass er ihn direkt ansehen konnte. „Du bist enttäuscht,“ schloss er und musterte Kei.
„Davon, dass meine einzige lebende Verwandtschaft nach zehn Jahren auftaucht und nichts besseres zu tun hat, als mich zu bitten für meine Halbschwester Samenspender zu spielen? - Ja,“ meinte Kei dazu ruhig. Und mir ist eher nach Leute töten... Ich wüsste auch schon wen...
Akiras Gesicht wurde trauriger. Er beugte sich vor und umarmte Kei. Aber nur so halb, denn der saß ja angelehnt vor ihm. Kei erwiderte die Umarmung so halb, da er nicht einsah, sich zu bewegen, damit Akira ihn vernünftig umarmen konnte. Mittlerweile sah man ihm seine Laune an. Er war nicht traurig oder so etwas, sondern sah vielmehr verletzt aus. Zumindest ein bisschen. Mit geschlossenen Augen saß er da, nachdenklich, und hielt weiterhin Akiras Hand.
Wehe sie wagt es, mir danach noch unter die Augen zu treten...
„Du musst das nicht machen, weißt du?“ Akira wusste natürlich nicht, was Frau Kobayashi dann tun würde, aber er wusste, dass er selbst nicht dazu in der Lage wäre, jetzt diese merkwürdige Aufgabe auszuführen. Er stand auf und sah sich die Sachen auf dem Tisch an. Neben den beiden Bechern lagen dort noch eine Schachtel mit Kosmetiktüchern, eine Tube Vaseline und ein Magazin. Mit einem halb ungläubigen Grinsen blätterte er interessiert darin.
„Oh. ... Tachibana-kun und Fujimori-kun entspannen sich in der Schwimmbaddusche, aha...“
Kei sah ihm dabei zu, wie er das, was da herumlag unter die Lupe nahm. Sein Blick sagte sowas wie ‚Und mich ewig damit herumschlagen? Bloß nicht...‘ Aber verbessern tat das seine Laune auch nicht. Mit seinem amüsierten Blick auf das Heft geklebt setzte Akira sich auf den Stuhl hinter dem Schreibtisch und blätterte weiter.
„Was hast du gefunden?“ fragte Kei, der immer noch auf dem Sofa saß und nicht vorhatte das zu ändern.
„Meine neue Bettlektüre.“ Akira begutachtete die Fotos und lachte ein bisschen. Kei studierte sein Gesicht.
„So wie du guckst, ist die nicht gerade spannend.“
Akira grinste ihn fröhlich an. Er hob das Heft hoch und zeigte ihm ein seitengroßes Foto von einem debil schmunzelnden Muskelmann im Tanga, der in vorgeblich entspannter Pose, die in Wirklichkeit eher unrealistisch und unbequem aussah, auf einem Holzstapel lag. Kei lachte ein bisschen.
„Da hab ich schon bessere Bilder gesehen und die waren real.“
Akira hob eine Augenbraue. „Real?“
Innerlich schlug Kei sich selbst dafür, laut gedacht zu haben. „Ja.“
„Erzähl,“ befahl Akira, indem er Kei das Heft an den Kopf warf. Es landete aber nur auf seinem Schoß.
„Schon mal zwischen lauter berauschten Menschen auf ner Privatparty gewesen?“ fragte Kei ruhig. Akira musste tatsächlich kurz überlegen, bis er schnell zu dem Schluss kam, dass sein blöder Ausrutscher in der Neujahrsnacht keine Privatparty gewesen war.
„Nein,“ sagte er und lehnte sich im Schreibtischstuhl zurück.
„Ich war elf oder so und um mich herum lauter Menschen unter harten Drogen.“ Mehr erklärte er nicht.
Colin/Akira war auch eines der besseren Bilder, vor allem, wenn er sich an den Abend seines Geburtstags zurückerinnerte. Ein kaum merkliches Schmunzeln machte sich auf seinem Gesicht breit, als er an den Tag zurückdachte und den Rest kurz beiseite schob.
„Elf?!“
Kei nickte, schaute Akira an.
„Oh mann...“ Akira musste wieder ungläubig lächeln. Er stand auf, kniete sich dafür vor Kei und stützte die Arme auf Keis Knie. „Du hast nichts mit dir machen lassen, oder?“ Er sah neugierig aus.
„Ich weiß nicht mehr alles von dem Tag.“ Oder vielen anderen.
„Also, ich kann mit Sicherheit sagen, dass du mein Erster warst!“ verkündete Akira und patschte sich theatralisch auf die Brust.
Das kann ich von dir nicht behaupten, auch wenn ich wollte. Kei lächelte leicht. Er wusste nicht genau wann oder wo er entjungfert wurde, aber das behielt er für sich. Akira lächelte zurück und zog sich an Kei hoch um ihn sachte zu küssen. Der erwiderte den Kuss, wie er begonnen wurde und schob die Vergangenheitsgedanken wieder gekonnt zur Seite. Als Akira den Kopf etwas zurückzog, hielt er immer noch Keis Beine fest und lächelte ihn warm an.
„Du musst mir trotzdem von den ‚Bildern‘ erzählen.“
„Menschen, die Sex hatten, beinahe in jedem Raum. Der Unterschied zur Zeitschrift war, dass das echt war und auch so aussah - und einige von denen sahen wirklich gut aus,“ erklärte er. Akira nahm sich das Heft und suchte die Seite mit dem blonden Pseudoholzfäller.
„So gut?“
Kei schmunzelte. „Nein, mehr so abgewrackt gut. So als haben sie eine ganze Nacht durchgemacht und sahen immernoch gut aus.“
„So wie du jeden Morgen in der Schule aussiehst,“ bot Akira an.
„Nein, eher so wie auf dem Dach nach dem Konzert.“ Er schmunzelte ein bisschen.
„Hm, da habe ich nicht so gut hingeguckt...“
„Gelegenheiten dazu gibt es noch genug,“ kommentierte Kei.
„Du bist eingebildet,“ entschied Akira ungerührt und kniete sich wieder hin, um gelassen in dem Heft zu blättern.
„Einbildung ist auch Bildung, vergiss das nicht.“
Kei lehnte noch immer an der Rückenlehne und hing bald darauf wieder seinen Gedanken nach. Akira drehte sich halb um, um sich zwischen Keis Beinen an das Sofa zu lehnen und sah sich weiter ernsthaft interessiert die Fotos an. Kei hatte die Augen geschlossen und den Kopf nach hinten gelegt. Sein Gesicht hatte einen ‚Das-alles-hier-interessiert-mich-kein-Stück‘-Ausdruck angenommen. Akira war auf einer Mangaseite angekommen und las das Ding tatsächlich langsam durch. Viel zu lesen gab es auf diesen Seiten zwar eigentlich nicht, aber die Bilder waren sehr detailliert. Kei blickte durch den Raum. Immer wieder blieb sein Blick an Akira hängen.
„Was is so interessant an dem Heft?“ fragte er nach einer Weile. Kei war der Meinung, dass die Realität deutlich besser war als Bilder - nicht immer, aber meistens.
„Der Mann hier scheint eine Affäre mit einer männlichen Pseudo-Geisha zu haben. Oder sowas ähnliches,“ erläuterte Akira abwesend, während er sich anguckte, wie der jüngere gezeichnete Mann sich seinen Kimono wieder anzog und der ältere in eine Kutsche stieg.
„Ah.“ Kei dachte an ein paar Manga, die er gelesen hatte und einige Szenen, die er erlebt oder miterlebt hatte. Nach einer langen Pause hob er den Oberkörper aus der beinahe liegenden Position.
„Unsere Teezeremonie war spannender,“ schloss Akira unbeeindruckt und schloss das Heft. „Das sollte mal jemand zeichnen. Wir würden so verkauft werden.“
Kei schmunzelte, nickend. „Die hat Wiederholungsbedarf.“
„Ah, aber wo kriegen wir dafür Yakuza her, die du zwischendurch niederstrecken kannst?“
„Laufen genug herum,“ stellte Kei fest.
„... Ich habe die Patrone nicht mehr.“
„Hm.“ Er dachte nach. „Ich werde bestimmt noch öfter angeschossen.“
Akira legte das Heft stumm zur Seite. Niemals würde Kei dem Kleineren sagen, dass er den Verlust des kleinen Souvenirs schade fand. Er betrachtete ihn. Der Junge wirkte gelassen bis gelangweilt, wie er so blass mit seinen blutroten Locken durch den Raum blickte.
Beim weiteren Umsehen im Raum fiel Akira auf, dass auch hier ein Fernseher an der Wand hing. Er stand auf und ging zu der Anlage. Kei sah ihm dabei zu. Wo is meine Gitarre, wenn ich sie haben will?
Akira hockte sich vor die Anlage und spielte daran herum. Beim Fernsehradio schaltete er durch die Kanäle, bis er einen namens Industrial Metal gefunden hatte. Dann vergewaltigte er den Lautstärkeknopf der Fernbedienung und stand wieder auf. Kei lehnte sich wieder zurück, lächelte Akira dankbar an. Akira erwiderte das Lächeln. Er knöpfte sein kurzärmeliges Hemd auf, unter dem er noch ein T-shirt trug und gesellte sich wieder zu Kei vor das Sofa. Kei trug nichts weiter als Hose und T-shirt. Er kaute auf dem Ring in seiner Unterlippe und betrachtete Akira. Seine Beine waren immer noch verknotet. Akira setzte sich wieder vor Keis Knie und schob sich mit einem versauten Lächeln die Haare hinter die Ohren.
„Meinst du, es kommt gut, wenn ich jetzt zu Misato gehe und sie um ein Haargummi bitte? Damit ich dir einen vernünftigen Blowjob geben kann? Das wäre ja in ihrem Interesse.“
Der Gedanke gefiel Kei tatsächlich, böse schmunzelnd stand er auf. „Okay.“
Akira lachte.
„Was?“ Keis Laune besserte sich zunehmend. Akira folgte Kei und stellte sich an die Tür.
„Ich lausche,“ kündigte Akira an.
„Gut.“
Kei ging zu Misato, die er schnell in ihrem Schlafzimmer gefunden hatte. „Kann ich mir'n Haargummi ausleihen?“ fragte er und wartete auf die Reaktion seiner Schwester und seiner Tante, die daneben saß.
„Äh, natürlich,“ sagte Misato verwirrt und stand von ihrem Bett auf, um ein dünnes Haarband aus einer kleinen Schachtel auf der Kommode zu holen. Kaede, die auf einem gepolsterten Stuhl vor dem kleinen Schreibtisch neben dem Bett saß, hob fragend eine Augenbraue.
„Wozu?“ fragte sie neugierig.
„Das willst du nicht wissen, Tantchen,“ sagte Kei mit einem Blick, der alles mögliche bedeuten könnte, als er Misatos Haargummi an sich nahm und im Begriff war, wieder zu Akira zu gehen. Eilig hatte er es nicht. Kaede sagte nichts weiter und Misato setzte sich einfach wieder.
„Willst dus dir um den Sack klemmen?“ rutschte ihr heraus, was ihr einen schockierten Blick seitens ihrer Mutter einbrachte. Kei schmunzelte, beinahe unsichtbar.
„Keine schlechte Idee,“ sagte er, als hätte seine Schwester ihn auf eben eine solche gebracht. Den Blick seiner Tante feierte er innerlich. „Aber nein, Akira fragte danach. Er findet, seine Haare könnten ihm in die Quere kommen.“ Er schaute seine Schwester mit vielsagendem Grinsen an, ehe er den Raum verließ.
Akira wartete in der Arbeitszimmertür auf ihn und hielt sich eine Hand vor den Mund. Nachdem Kei die Tür hinter sich geschlossen hatte, präsentierte er Akira das Zopfgummi.
„Hast du Kaedes Blick gesehen?“ Misato hat mehr von Kira als seine Augen, so viel is schon mal klar...
„Nein, aber ich habe gehört, was Misato gesagt hat.“ Lachend nahm er das Haargummi und zog es sich über das Handgelenk.
„Wir müssen tatsächlich verwandt sein... gruselig.“
„Was, machst du sowas?" fragte Akira mit einem dreckigen Lächeln und widerstand im letzten Moment dem Drang, Kei in den Schritt zu greifen. Stattdessen kratzte er sich nur halbverlegen an der Wange. Kei lachte.
„Ne. Egal.“ Misato vor allem für diesen Tag für unwichtig erklärend, warf er sich auf das nicht weit entfernt stehende Sofa. Im TV-Radio lief ein Song, den er sehr gut kannte. Akira nahm sich einen der Plastikbecher vom Tisch und ließ ihn neben Kei auf das Sofa fallen, ehe er sich selbst darauf kniete und über Kei beugte.
Der zog Akira ein Stück nach oben und küsste ihn. Er stützte sich auf der Sofalehne ab und erwiderte den Kuss. Kei unterbrach den Kuss nur kurz um Akira Hemd und T-shirt auszuziehen und küsste ihn dann wieder. Akira zog an seinem Piercing und biss ihm zärtlich auf die Lippe, während er Keis T-shirt hochschob und auf ihn kletterte. Kei machte an Akiras Hose herum, während er den Kuss weiter vertiefte. Er setzte sich kurz auf, zog sein Shirt aus und warf es irgendwohin. Den Moment nutzte Akira, um Keis Hose zu öffnen. Gerade wurde ihm schmerzlich bewusst, dass ihre letzten Begegnungen dieser Art unhöflich unterbrochen worden waren, denn trotz ihrer seltsamen Situation spannte es in seiner Hose. Er küsste die Narbe auf Keis Brust. Kei lächelte ein bisschen und hoffte, dass sie nicht wieder unterbrochen würden, von wem auch immer. Diese Person hätte die längste Zeit ein Leben gehabt. Seine rechte Hand schob Akiras Hose ein Stück nach unten, soweit er kam in seiner Position. Sie war nicht besonders eng, auch die Boxershorts darunter nicht. Akira hatte mit Keis Hosen dagegen mehr Schwierigkeiten, auch weil er darauf saß, doch er begnügte sich damit, die Hand hineinzuschieben und ihn so zu bearbeiten. Mit seinen Lippen wanderte er von der Narbe hinauf zu Keis Hals und zu seinem Mund zurück. Kei biss ihm spielend auf die Lippe und erwiderte den Kuss, während ihm seine Hose bald ein wenig eng wurde. Akiras Hand wanderte mitsamt Boxershorts ein weiteres Stückchen nach unten. Der Vampir massierte ihn erst absichtlich langsam, und wurde dann schneller. Akira stöhnte leise in den Kuss und stieß unwillkürlich gegen Keis Hand. Beinahe vergaß er, was er eigentlich tun wollte. Er packte Keis Arm um ihn stillzuhalten und rutschte etwas an ihm herunter. Kei grinste ein bisschen, ließ seinen Arm festhalten. Mit der anderen Hand spielte er mit Akiras roten Haaren herum. Weshalb sie eigentlich hier waren, blendete er einfach aus. Akira kroch weiter an Kei herunter, bis er zwischen seinen Beinen kniete, und zog ihm die Hosen weiter herunter. Ernst und ohne Kei ins Gesicht zu sehen, machte er sich mit Händen, Lippen und Zunge an seiner Erektion zu schaffen. Der Vampir gab ziemlich kurz darauf eindeutig Gefallen bekundende Geräusche von sich. Seine linke Hand hielt Akira da fest, wo er war.
Dass der Vampir ihn bei den Haaren festhielt, nahm Akira mit einem leisen Lächeln zu Kenntnis, und ermutigt fuhr er damit fort, ihn der Länge nach zu küssen und zu lecken. Nach einer kurzen Weile schloss er die Lippen um die Eichel und begann mit langsamen Pumpbewegungen mit der Hand. Kei behielt seine Hand in Akiras Haaren. Seine Atmung ging schnell und er fing an sich gegen den Kleineren zu bewegen. Die Geräusche, die er von sich gab, wurden etwas lauter.
Die Musik übertönte ihn jedoch ziemlich gut.
Akira hatte nicht mehr viel Bewegungsfreiheit und versuchte auch nicht, Kei festzuhalten. Er behielt nur seinen Griff um ihn und seine Lippen und Zunge um ihn gelegt und konnte nicht anders, als etwas Keis Bauch zu kratzen, um sich davon abzuhalten, sich selbst anzufassen, denn das war jetzt nicht wichtig.
Kei wurde ein bisschen schneller. Außer Musik und Akira nahm er nicht mehr wirklich etwas wahr. Sein Griff in dessen Haare verfestigte sich ein wenig, mit der anderen Hand kratzte er mehr unbewusst ein Muster in Akiras Haut. Das ließ Akira seine Fingernägel tiefer in Keis Haut graben, da er sich nicht verbal beschweren konnte. Er versuchte es natürlich trotzdem, aber außer einem gedämpften „Hm!“ drang nichts nach außen. Er hoffte, dass Kei ihn rechtzeitig loslassen würde.
Der dachte nicht wirklich daran Akira loszulassen, ließ aber das Verzieren seiner Haut, als er ein bisschen Blut auf seinen Fingern spürte. Er selbst fing ebenfalls ein wenig zu bluten an, aber darum kümmerte er sich nicht. Akira ließ sich das noch eine Weile gefallen, bis er fürchtete, dass es gleich zu spät sein würde, und versuchte, den Kopf zu heben. Mit den Händen machte er jedoch weiter. Mit leichtem Grinsen ließ Kei den Kleineren tatsächlich los, als ihm wieder einfiel, dass er seiner Schwester ja ein Zwangsgeschenk machen musste. Trotzdem protestierte er mit einem Seufzer, dem man seine Meinung dazu deutlich anhören konnte. Akira achtete darauf nicht, sondern nahm nur den Becher und schraubte ihn auf. Er vermied es, Kei anzusehen, weil ihm diese Prozedur etwas zu klinisch und zu peinlich war. Mit dem Becher in der Hand beugte er sich wieder hinunter und machte weiter, und hoffte dabei, dass Kei ihn nicht wieder festhalten würde. Kei hielt ihn tatsächlich nicht wieder fest und versuchte den unliebsamen Umstand einfach zu ignorieren. Das gelang ihm auch ganz gut.
Lange dauerte es nicht bis er kam. Seinen rechten Arm hatte er der Bequemlichkeit wegen über die geschlossenen Augen gelegt. Akira zog seinen Kopf rechtzeitig zurück und nahm dafür den Becher dazu, während er mit der Hand weiterpumpte. Sowas machen wir nie wieder, schwor er grimmig.
„Wenn irgendwer mich nochmal sowas fragt, erinner mich daran, ihn zu töten,“ murmelte Kei nach einer kleinen Weile des Herumliegens. Akira hatte den Becher etwas abgewischt und zugeschraubt und war gerade dabei, sich die Hose wieder richtig anzuziehen.
„Werde ich,“ sagte er schlicht. Er band sich die Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und zog sich das Knöpfhemd über. Kei zog sich ebenfalls wieder an.
„Gut.“ Er würde nicht viel Erinnerung daran brauchen, aber sicher war sicher. Mit offenem Hemd und dem Becher in der Hand ging Akira aus dem Raum. Kei blieb noch da sitzen und richtete in aller Ruhe seine Kleider.
Auf sein Klopfen an Misatos Tür hin wurde ihm geheißen, einzutreten, und Akira ging hinein. Frau Kobayashi ließ ihn bis zu sich gehen, wo sie noch immer auf dem Stuhl saß und nahm den halbgefüllten kleinen Becher entgegen. Akira gab ihn ihr mit lässig ausgestrecktem Arm und wischte sich mit der Zunge und der freien Hand langsam den Mund ab, während er sie ansah.
Kei kam langsam aus dem Raum und ging bis zur Tür von Misato, beobachtete die Situation. Kaede bedachte Akira mit einem sehr leisen, finster-amüsierten Lächeln, bevor sie sich den Inhalt des Bechers ansah und der Junge sich damit als entlassen betrachten konnte. Er sah noch kurz zu Misato, die ihm vom Bett aus, auf dem sie saß, ein wenig zunickte, und ging dann zurück zur Tür. Als er Kei erblickte, sah er ertappt zu ihm auf.
Kei schaute mehr oder minder neutral drein. Seine Verwandtschaft ignorierte er gekonnt und ging in den großen Raum zurück, wo er sich auf das Sofa setzte.
Akira holte sich sein T-shirt zurück und schaltete den Fernseher im Arbeitszimmer aus, wo er sich auch wieder beide Hemden richtig anzog, bevor zu Kei ins Wohnzimmer ging.
Kei war noch immer nach Erschlagen seiner Verwandtschaft, aber er war ruhig und schien nachzudenken. Akira blieb auf der anderen Seite des niedrigen Glastisches stehen.
„Keisuke.“
Der sah auf. „Ja?“
„Wenn das klappt, läuft hier bald ein kleiner Sakai rum.“
„Ich werd mich nicht drum kümmern. Das ist deren Sache.“
Akira musste etwas grinsen. „Schon klar. Es ist nicht so schlimm, weißt du?“
„Dass ich ungewollt Vater werden könnte?“
Akira sah nachdenklich zur Seite. Das hatte er nicht gemeint. Der Gedanke ließ ihn ein bisschen erröten.
Kei schaute ihn fragend an.
Verlegen fummelte er sich mit der Zungenspitze auf den Zähnen herum, ehe er sich zusammennahm und zu Kei ging, um sich neben ihn zu setzen. Kei machte sich etwas kleiner, dass Akira auch genug Platz zum Sitzen hatte. Er wartete immer noch auf die Erklärung. Akira entschied sich dagegen, auszusprechen, was er eigentlich hatte sagen wollen, denn sein Sperma zu spenden schien verglichen mit Keis Gedanken viel zu klein und unwichtig zu sein. Also hielt er nur seine Knie fest und sah sie sich an.
„Wir sollten wahrscheinlich nicht mit denen hierbleiben, oder?“
„Hm, ich will wissen, wer eigentlich was vorhat. Laut Kaede ist alles anders aber trotzdem scheiße. Ich wüsste gern, was sie noch hier wollen.“
„Ich nicht. Ich würde gern in Ruhe gelassen werden.“ In Wirklichkeit wusste Akira nicht, was er wollte. Nur, dass es nichts von dem hier war.
Kei seufzte. „Das ist das einzige, das ich dir nicht geben kann, aber wir können gehen. Ich bin fertig mit meiner lieben Verwandtschaft.“
Akira sah ihn ein wenig besorgt an. Kei erwiderte den Blick. Er sagte nichts.
You used to grin so much, fuhr Akira durch den Kopf.
„Lass uns abhauen,“ beschloss Kei. Akira nickte entschlossen und schnürte den vor ihm liegenden Geigenkasten zu.
Kei packte ebenfalls das bisschen Ausgepackte zusammen und zog seine Schuhe an. Aus Makotos Zimmer holte Akira sich Jacke und Mütze, dann zog er sich auch die Schuhe an. Der Vampir zog seine Jacke über und öffnete die Tür. Seinen Helm nahm er auch noch mit, schließlich waren sie mit dem Motorrad schneller. Den anderen warf er Akira zu. „Fang.“
Akira fing ihn auf und folgte Kei. Er nahm ihn mit in die Tiefgarage und startete dort das Motorrad. Dass Ryuji und Kira ihnen dichter an den Fersen klebten, als ihnen lieb war, wusste er nicht.